Gretchen Darloni
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Sag nie ...
Sag’ nie, mein Mund sei eine Rosenblüte.
Sag’ nie, mein Blick sei dir wie Himmelslicht.
Sag’ nicht, mein Wesen atme Engelsgüte,
und dass ich sanfter als ein Täubchen sei - nein, sag’ es nicht!
Sag’ nicht, ich sei dein All- und Eines.
Sag’ nicht, ich sei dein’s Lebens Wonn’ und Minnesinn.
Sag’ nie zu mir: „mein Kleinod, du mein reines
und herzeliebes theures Kind“ - weil ich’s nicht bin.
Wenn du die Fresse schon nicht halten kannst, dann sag’,
mein Arsch und meine Möpse seien nix als klasse.
Und sag’: „pass auf, ich komm’ dir unter’n Rock.“
Denn ich bin Jessica und ziehe jeden trüben langen Tag
bei PLUS die barcodes in die Scannerkasse.
Ich will’s direkt. Auf Lyrik hab’ ich echt kein’ Bock.
Gegenstück dazu: hier

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augustine
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28.09.2007, 02:35 / 1 x geändert
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Sag' nie ,o Gret, du seiest nicht der Sprache mächtig,
Sag' immer nur: jedwedes Wort, von dir gehört,
sei aller zauberhaften Dichtung trächtig,
die jeden, der sie liest, sogleich betört.
Sagt einer dir, du seiest sein All-Eines
und seines Lebens Wonn' und Minnesinn,
so glaub' es nicht; denn der das sagt, will seines
und nicht das deine; sieh besser gar nicht hin.
Du bist nicht Jessica. Du ziehst nicht Strichcodes über eine Kasse.
Du findest das Direkte gar nicht klasse
und überhaupt nicht: wollt' dir einer untern Rock.
Du bist ein Edelstein. Du bist nicht Masse.
Und wo du bist, da funkelts auf der Gasse
Und auch im Himmelbett: mit 'nem Sonett.
schrieb's hingerissen nächtlich: augustine
PS: es war dein 400. Beitrag, gretchen; da hast du dir selbst den Jubiläumsstrauß geschrieben

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Erik
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28.09.2007, 14:31 / 1 x geändert
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Servus.
Ich sitz hier grinsend vor´m Rechner. Das Sonett ist wirklich klasse.
Allein schon beim Beginn des neunten Verses hab ich mich weggeschmissen...
"Wenn du die Fresse schon nicht halten kannst" - einfach Wahnsinn...ich lach mich tot...
Ich kann es mal wieder nur so schwer ausdrücken, zumal die ganzen formalen Geschichten ja passen, aber das ist mal wieder ein tolles Stück Text von dir.
Dieser leicht genervte Ton der letzten beiden Strophen...ich glaub, sowas kann ohnehin nur ne Lady schreiben. Als Kerl kriegt man sowas nicht hin...bis auf die direkten Gedankengänge natürlich ;)...
Grüße und hochamüsiert an diesem trüben Regentag...
Erik
P.s. Kleiner Nachtrag: Hab das Sonett mal Dritten in meinem Umfeld gezeigt. Man war begeistert ;)

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Jolante
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Hossa, Greta-Luna,
dein Sonett riss mich heute echt vom Hocker, das habe ich mal gebraucht. Wie hier die Gegensätze aufeinander prallen, das ist Lebenswirklichkeit pur. Ich kann mich der Eloge von augustine, deren Kommentar ebenfalls ein kleines Kunstwerk ist, nur begeistert anschließen.
Merke: Nicht alle Kassiererinnen sind Jessicas und nicht alle Gretchen sind Dichterinnen.
Grüße in den Abend
Jolante

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Willimox
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19.05.2010, 13:06 / 1 x geändert
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Schönstes Sonett, das, wow
Überlegenswert:
Die indirekte Rede vielleicht doch an die Folgerede angleichen und direkte Rede daraus machen?
Wenn du die Fresse schon nicht halten kannst, dann sag’,
mein Arsch und meine Möpse seien nix als klasse.
Und sag’: „pass auf, ich komm’ dir unter’n Rock.“
Wenn du die Fresse schon nicht halten kannst, dann sag:
"Dein Arsch und deine Möpse, die sind nix als klasse."
Und sag’: „Pass auf, ich komm’ dir unter’n Rock.“

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Willimox
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07.06.2010, 12:43 / 2 x geändert
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Das jetzt folgende Sonett st sicher bekannt, aber vielleicht doch erhellend.
Läuft hier ein verzopfter Poeta-Doctus-Stil grenzwertig in der Wirkung und doch eher verschnarcht?
Wenn nein, was sind die Wirkungsbedingungen, fragt sich, nach wiederholter Lektüre des Jessica-Sonettes
Anonym
Der Unverbesserliche
Man fragte mich: »Heißt's fragte oder frug?«
Ich sagte drauf: »Ich wähle immer fragte,
da man ja auch statt sagte nicht spräch sug,
was schlecht dem Ohr und Sprachgebrauch behagte.«
Der andre sprach: »Ich werde draus nicht klug,
man sagt doch auch nicht schlagte oder tragte?«
Ich sprach: »Ausnahmen sind nur schlug und trug;
doch tug, rug, zug und wug noch keiner wagte.
Nun, wird der Zweifel, der bisher Sie nagte
und plagte - und nicht etwa gar nug und plug –
behoben sein, ob richtig frug, ob fragte?«
Der andre sprach: »Sie haben recht« und schlug
sich an die Stirn, als ob ihm Licht nun tagte,
»verzeihen Sie, daß ich so töricht frug.«

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