augustine
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18.06.2007, 23:04 / 3 x geändert
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sanft gewiegt
auf einem blatt im wasser,
träumst du dich selbst
so leicht
so schön
ganz sachte
gleit ich neben dich
du schenkst mir
deine seidne hülle
und lächelst
und entbrennst
für mich
in liebesglut
dein
blauer traum
muss niemals enden
du lebst in ihm
und anders lebst du nicht
ich
steig so schwer
o schönes bild
ins tageslicht
allein
mit leeren händen

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augustine²
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18.06.2007, 23:13 / 2 x geändert
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Ausnahmsweise ein Selbstkommentar sofort:
Dies Gedicht ist von mir und Gerd. Das soll heißen: Ich hatte einen jambischen, gereimten Entwurf, der mir nicht recht gefiel, und ich habe Gerd dann um Rat gebeten und auch, falls er mochte, um ein Eingreifen in den Text.
Was Ihr jetzt lest, ist also mein Text, von ihm bearbeitet,
und sein Text, von mir bearbeitet; unser Text also.
Ich freue mich sehr, dass auch so etwas möglich ist, und danke Dir, Gerd, auch öffentlich sehr für Deine Arbeit.
(Die Zwischenstadien gibt's zwar noch, und ich werde sie auch aufbewahren, aber sie nicht zur allgemeinen Diskussion stellen.)
Liebe Grüße! Und eine gute Nacht allen, die dies noch vor dem Schlaf lesen. augustine
Noch ein ps: Dies hier bewegte ich schon, als "von unten" von unten heraufkam. Auch Träume kommen daher. Da ist anscheinend allerlei benachbart.
So sind diese beiden Gedichte vielleicht auch zwei Seiten derselben Medaille.

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Jolante
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19.06.2007, 13:16 / 1 x geändert
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Solche Träume hätte ich auch gerne. - Glücksträume, die aus der Nacht kommen und am Tag weitergesponnen werden. Aus dem, was "von unten" aufsteigt, ist dir, augustine, und dir, Gerd, ein Gedicht gelungen, so fein und durchsichtig, als sei es aus Glas. Als Kind liebte ich sehr das Märchen "Däumelinchen", und beim Lesen der Verse standen sofort diese hauchzarten Gestalten vor meinen Augen: die winzige Blumenfee und ihr liebreicher Prinz. - Wenn auch mit der letzten Strophe der sanft wiegende Traum endet, das schöne Bild verfliegt und das lyr.Ich allein und mit leeren Händen wieder in die Wirklichkeit zurückfinden muss, so bleibt ihm doch die Erinnerung an eine Süße, die so tief nur im Traum empfunden werden kann. - Dieses Gedicht hätte leicht ins Kitschige abdriften können, - ist es aber nicht. Ich finde es klar und schön.
Eure Gemeinschaftsarbeit hat sich gelohnt,
findet Jolante

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windflug
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Liebe augustine, lieber Gerd,
so ein wundervoll leichtes, schwebendes Traumbild habt ihr da in Worte kleiden können - eine schöne andere Medaillenseite des Nächtlichen.
Ein gemeinschaftliches Arbeiten am Text ist etwas, das auch Mut erfordert, finde ich, aber das Ergebnis (ich kenne ja nicht die Zwischenschritte) lohnt diesen Schritt und trägt die Handschrift beider Autoren.
Liebe Grüße
windflug

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rollerball
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Stelle ich mir schon etwas schwierig vor, auf Distanz ein Gedicht im Teamwork zu schreiben, aber dieses doppelte Kunst-Stück scheint mir gut gelungen.
Der Text ist in mancherlei Hinsicht "traumhaft", er hat eine surreal schwebende oder gleitende Qualität, stellt die verlockenden Illusionen und Träume der ernüchternden Realität gegenüber, in einer homogenen Sprache, der man die dopplete Autorenschaft nicht anmerken würde, wüsste man nicht Bescheid ...

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Schreibtisch
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Der Titel: bricht mir das Herz.
Ich weiß nicht: Ist sie das ly. Du?
Wie kann ein Mädchen in Liebesglut entbrennen?
Für mich passt der Sex hier nicht rein.
Die anderen Bilder sind so zartbloßunverletztjungfräulichgar.
Ich musste wiedermal, weil wir ja dort abgeholt werden wo wir grad stehen, an die träumende Unschuld von Paul Tillich denken…das, was wir essensmäßig waren „vor dem Fall“…
Vielleicht haben wir auch alle ein blaues Mädchen in uns, das wir in Träumen aufsuchen?
Ist es so gemeint?
Ich finde es wunderschön dieses Gedicht. Das habt ihr beide, augustine und Gerd, ganz fein gemacht. Gemeinsam ein Gedicht schreiben stelle ich mir sehr schwierig vor.
herzlich, der Schreibtisch. Mitnichten mit leeren Händen beiindurch eure Worte.

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zuppanova
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so und serv.s!
hab lang keinen zugang gefunden zu dem gedicht,
einzig mögliche lesart schien mir die von rollerball
angesprochene schwebend "surreale" zu sein.
hab aber nun an anderem ort verschiedenes gelesen,
mit dem effekt, dass mir schuppen von den augen
fielen (denk ich so). nun meint sie zu verstehen, die zuppa,
und schreibt spätabends noch diese zeilen hierher,
mit einem gruss.

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lost
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“Es gibt zwei Grundarten der Reduktion in der Literatur. Entweder man lässt allen direkten Ausdruck von Gedanken, Empfindungen und Gefühlen weg und konzentriert sich auf die Beschreibung von Handlungen und Sachverhalten. Oder die Reduktion verkehrt umgekehrt: Sie lässt die Welt weg und konzentriert sich von vornherein und ganz und gar auf das Eigentliche: die Metaphysik der Gefühle. Dort lauert die Gefahr der Einfalt, hier die des Geschwurbels.“ (Hubert Winkels in DIE ZEIT / Nr.21 vom 19.05.2005)
dieser Text fährt auf Gleis 2 (null Welt, reichlich metaphysische Gefühlsbläue), und
setzt sich mithin der auf jedem Blatt im Wasser, in jeder seid’nen Hülle, hinter
jedem schönen Bild lauernden Geschwurbelgefahr aus. natürlich erkenne und anerkenne
auch ich eine, nun, angenehme Ausgereiftheit der Sprache (Bearbeitung, Politur, Mühe
um Duktus und Gefüge), allerdings herrschen Sprach-Clichés („entbrennst in Liebesglut“,
„du schönesBild“), welche die Sache steril und prätentiös wirken lassen.
zudem ist die Blau-Motivik in der Literatur so überstrapaziert, dass sie eigentlich kaum mehr
ernsthaft verwendet werden kann (warum übrigens ist das Mädel blau? Captain Grand?) -
dies zwei allgemeine Kritikpunkte an dem Text; einzelne Redundanzen (z.B. sind Zeile 5 und
Zeile 6 überflüssig, sie bringen den Text nicht voran, sind nutzloses Beiwerk, um den Text
zu „schmücken“) erwähne ich nicht weiter.
pauschal gesprochen: das Gedicht erinnert an niedliche Keramikfigürchen, welche man sich
aufs Regal oder in eine Vitrine stellt, um es „nett“ zu haben, um täglich etwas ansehen zu
können, was niedlich und harmlos ist und von den Mottenlöchern im Gefühlsbereich ablenkt.
selbstverständlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn jemand es „sich nett machen möchte“.
nur sollte man sich darüber bewußt sein, dass man Accessoires herumstehen hat
und nicht „Kunst“.
best, lost.

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Jolante
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Hallo, zuppa,
nun hast du mich aber neugierig gemacht. Schreibst du doch, es seien dir Schuppen von den Augen gefallen und du meintest nun zu verstehen......, ja, schön, aber was siehst und verstehst du nun, nachdem du anderes an anderer Stelle gelesen hast ? Das würde mich sehr interessieren.
Gespannt grüßt
Jolante

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zuppanova
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ohmei, Jolante, da hab ich ja was angerichtet mit meiner bemerkung.
es waren recht persönliche verknüpfungen und querbezüge, die ich plötzlich zu verstehen vermeinte. am besten, ich schreib dir und augustine dazu eine mail (schaff ich aber heut nimmer, weil hier zwischenfall und sowieso viel).
lg, zuppa.

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augustine²
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Jolante, du weißt bescheid inzwischen, und du, zuppa, hast nix angerichtet. (Es gibt einen anderen Text von mir, wo, mein Gott: ja, schon einmal ein blaues Mädchen und schon einmal im Traum erschien.)
Mit dem brauchst aber du, lost, dich nicht herumzuschlagen. Und ich mich nicht mit einer Antwort an dich; außer:
1) alles, was du "nett" findest (mit demselben Abscheu bezüglich dieses Worts wie ich), verantworte ich, nicht Gerd
2) das Gedichtlein ist ein Versuch, ein Traumbild in Worte fassen und die unvermeidbare Rückkehr in die Alltäglichkeit ; er kann als solcher nicht gelingen, weil die Wirklichkeiten unterschiedliche sind; mit Metaphysik hat das nix zu tun
3) schön, dass du deinen Gewährsmann von der ZEIT so gut aufbewahrt hast, dass er dir jetzt - und gleich 2x - als Referenz für deine Poetologie in nuce dienen konnte
4) ein Buch zur Kritik im Bücherfaden; ich habe es natürlich gelesen, bevor ich diesen verblauten Text hier verfasste
auf wiederschreiben: augustine

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