Elise
|
Restkörper geborgen verkohlt
(„Denn was das Feuer lebendig erfaßt ... „)
Man las im Lokalteil unter Vermischtes:
eine abgelegene Scheune sei niedergebrannt
in der Nacht. Brandursache unbekannt.
Am Morgen dann
habe die Feuerwehr
zwei verkohlte Restkörper
aus den rauchenden Trümmern
geborgen. Beide bislang
nicht identifiziert. Vermutlich
ein Liebespaar. (Wie das wohl tut,
wenn der kleine Tod unverhofft
flamminfernalisch sich gibt - ?)

|  |
augustine
|
14.05.2007, 12:57 / 5 x geändert
|
|
Das Zitat von Schreibtisch, das ich hier zum Vergleich mit dem Text von Elise eingefügt hatte, war hierhin kopiert am 14. 5. 12.57; wurde entfernt aus ihrem Text von Schreibtisch am 15. 5. 13.14; die Begründung für die Bitte der Moderatorin arisia (die Moderatorin Elise hat sich an diesem Teil eines Kommentars in ihrem Text nicht gestört, übrigens und interessanterweise) lautet: ich zitierte einen bereits von der Autorin gelöschten Text. Nun ja, ich hätte ihn zuvor, wie jetzt, in eine Zwischenablage kopiert haben können. Aber soviel Mühe mache ich mir nicht, wenn eben irgendein Text da steht, so gewissermaßen in Vorahnung künftiger Auseinandersetzungen, oder wie?
Die Begründung entspricht also nicht der Wahrheit.
Die folgende Zeile hat nun keinen Anschluss mehr, bleibt aber stehen. augustine
(mit einer Entschuldigung an Dich, Elise, dass ich indirekt Dir möglicherweise Ärger gemacht habe)
zum Vergleich hierher kopiert von augustine (der quicke Text von Schreibtisch):
es sollte mich doch sehr wundern, wenn dieser Elise-Text nicht eine Reaktion auf das Quickie sein sollte ...
Ein Text, dieser, auch nicht schwer zugänglich und doch: da ist nichts leichthinnig geschrieben, sondern das abgegriffene "vezehrt" - zwischen Goethe-Zitat und Wagner-Allusion - mit einer Nachricht aus einem Lokalteil (es steht in unser aller Lokalteilen) als das schrecklich-Aktuelle kenntlich gemacht, das uns umgibt.
augustine

|  |
Elise²
|
Guten Morgen -
... und:
eine Reaktion auf den anderen Text? - ja und nein ... natürlich las ich den anderen Text - aber polarisieren will/wollte ich nicht. Nein, auf keinen Fall.
Feuer: das passte plötzlich, das "war da" als Thema (oder "Empfindung"), und ich wollte ein Bild dafür haben, ein möglichst starkes und möglichst wenig abgegriffenes, ja - das ist gar nicht so einfach.
Feuer und Liebe zu verknüpfen: das liegt nahe, das ist ein alter Hut. Den trug man zur Goethezeit, und bei den Aufführungen der "Götterdämmerung" sowieso.
Sagen wir: ich versuchte einen alten Hut mit einer neuen Garnierung, meiner möglichst eigenen Garnierung zu schmücken (aber nicht dass ich ihn nun besonders stolz trüge) und habe ehrlicherweise auch noch darauf hingewiesen, dass dieses Hutmodell immer wieder gern genommen wird.
Mir selbst ist dieser Text (ich spreche von dem, den ich gemacht habe) bei weitem nicht schonungslos genug. Er sprengt nichts. Er versengt nichts. Ich weiß, dass Vitaleres möglich wäre.
Viele Grüße an dich, augustine. Elise.
( ... und ich schulde dir noch Post, aber es ist mir nicht möglich in diesen Tagen ... )

|  |
arisia (Gast)
|
HI, elise,
ich finde den Text eine sehr gelungene Reaktion auf einen wahrscheinlich eher dürftigen Zeitungsartikel, der am nächsten Tag in unserer schnelllebigen Welt schon vergessen ist.
So kommen die beiden Verbrannten doch noch zu Aufmerksamkeit, zu Nachhall, zumindest bei den Menschen hier im Forum.
Ich wollte eigentlich schon früher antworten, wollte auch etwas zu Tod und Liebe als nicht neues Thema in der Literatur sagen, daß du aber gut in ein modernes Gewand gepackt hast. Ließ es aber erstmal aus Gründen sein. :) Nun tue ich es doch.
Abseits von Romeo und Julia, keine verfeindetet Famillien beteiligt, ein ganz überraschender Brand, aber nicht weniger tragisch für die Beteiligten.
Mir gefällt der Aufbau des Gedichtes sehr gut, das Enjambment, die strophenübergreifenden Reime, und der Konjuktiv gibt dem Text etwas Schwebendes, hält ihn zwischen den Ereigniswelten, die brutale Realität ist noch nicht ganz da, der “kleine und der große Tod“ können sich noch gegenüberstehen.
liebe Grüße
arisia

|  |
Elise²
|
18.05.2007, 08:12 / 2 x geändert
|
|
Danke auch dir, arisia,
für dein Kommentieren.
Ja, Enjambement, Konjunktiv: sollten als Stilmittel dienen.
Bei den Reimen ist mir nicht ganz klar, was/welche du meinst?
Und weiter: den "richtigen" Tod und den "kleinen" Liebes(Tod),
genau diese Verknüpfung/Verbindung wollte ich - aber wie?
Möglichst brutal, möglichst unwiderruflich,
"ach, mich verzehren die Flammen der Liebe,
ach wie es lodert, ach wie es brennt usw. usf.":
naja, das kennt man sehr gut, das tut längst nicht mehr weh.
Aber eine Zeitungsnotiz! - was ist brutaler und schmerzhafter
als die Beiläufigkeit einer Zeitungsnotiz?
So etwa gingen meine Gedanken.
Liebe Grüße, Elise.
an augustine: nein, sei unbesorgt, du hast mich nicht in Schwierigkeiten gebracht, weder indirekt noch direkt - jedenfalls wurde mir noch nichts dergleichen bekannt ...
was das Zitat angeht: du hast es gepostet, als der fragliche Text noch ganz öffentlich da stand - darin kann ich bei Gott keine Unkorrektheit erkennen, denn einen Text, der öffentlich dasteht, darf man zum Vergleich zitieren.

|  |
arisia (Gast)
|
hi, elise,
nun, es war etwas übertrieben von strophenübrgreifen Reimen im Plural zu reden, es ist nur einer. :)
Aber durch die beiden Reime in S1 - Z2,Z3
bekommt der Reim, wenn auch unrein
“Am Morgen dann
. . .
geborgen. Beide bislang
so viel Gewicht, daß es mir “gefühlt” wie mehrere vorkam.
Auf jeden Fall trägt auch dieses Übergreifen dazu bei den Text sehr apart erscheinen zu lassen.
Es ist wirklich nicht einfach, noch Variationen zu finden, die aus der Flut, der in Jahrhundeten, ach, Jahrtausenden geschriebenen Texten herausragen.
Die Themen sind ja von Menschenbeginn an nicht neu,
LIebe, Tod, Gedanken über das Danach oder Nicht-Danach, persönliche Tragödien, allgemeine Katastrophen, und der allgemeine, allgegenwärtige Wahnsinn.
Das sind fast schon alle Themen, und immer wieder suchen sie ein neues Gewand.
Sind wir dann die Schneider und Schneiderinnen im Dienste der Themen?
lach, mit dem letzten Satz hab ich mich aber jetzt selbst verblüfft, wär auch eine ausbaufägige Idee
liebe Grüße in den Sonntagmorgen
arisia

|  |
|
|
 |
|
|
| |