Lesezeichen. Bücherfaden. · Elise · Rezensionen

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     Elise



Lesezeichen. Bücherfaden.

   16.03.2007, 01:28



Ja, wie ist das:
Schreibst du nur oder liest du auch?
Welches Buch möchtest du unbedingt anderen empfehlen - und vor welchem möchtest du warnen?

*Es gibt ja nur sehr wenige Situationen, in denen man keine Bücher lesen kann, könnte, sollte:
lieber barfuß als ohne Buch, und ein Leser hats doch überhaupt gut:
er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.

Die Lektüre ist ein anarchischer Akt, oder, griffiger formuliert:
Lesen ist eine besonders genüßliche Form des Seitensprungs.
Bücher geben eine tiefe innerliche Befriedigung. Sie sprechen zu uns,
sie trösten uns, sie fesseln uns durch die Bande bedeutungsvoller und natürlicher Vertrautheit,
und jedes Buch weckt den Wunsch, weitere kennen zu lernen.

Das Richtige ist also auf jeden Fall das intensive Buch. Das Buch,
dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft,
ihn zerrt und nicht mehr losläßt - bis zum Ende nicht, lies oder stirb!
Dann liest man lieber.
Ja, doch, ich glaube, man sollte möglichst nur solche Bücher lesen,
die einen beißen und stechen. Dann nämlich wirkt das Buch
wie ein Schlüssel zu fremden Sälen des eigenen Schlosses.
Oder das Buch ist die Axt für das gefrorene Meer in uns.
Schließlich, wenn ich ein Buch lese, will ich etwas anderes erfahren
als das, was ich schon weiß, und wenn das Buch, das wir lesen,
uns nicht mir einem Faustschlag auf den Schädel weckt,
wozu lesen wir dann das Buch? Ich persönlich wünsche mir sowieso,
daß mich beim Lesen oder Schreiben der Tod überkommt.

Der leidenschaftliche Leser übrigens leidet permanent
unter einem schlechten Gewissen: weil er gar nicht so viel lesen kann,
wie er eigentlich möchte. Denn Bücher sind ja etwas,
was das Tempo senkt, und Literatur dient der Verlangsamung,
nicht der Beschleunigung der Zeit.

Zwar steht in den Büchern all das, was möglich wäre,
und - ach - um wieviel sinnlicher als Schmelzkäse und Autopolitur
ist ein vernünftiger Roman, aberaberaber:
ohne Bücher ginge die Welt leider nicht unter.
Egal. Lo que sea: der Schriftsteller verwandelt Vorstellungen in Worte.
Der Leser verwandelt Worte in Vorstellungen. Inwieweit diese und jene
Vorstellungen einander ähneln, ist unkontrollierbar. Macht aber nix -
man muß nicht alles so genau verstehen, einfach lesen genügt auch.

Bei der Menge unnützer Schriften tut man übrigens wohl,
ebenso vorsichtig im Umgange mit Büchern zu sein wie mit Menschen.
Außerdem sollten Frauen, die ihren glatten Teint behalten wollen,
keine schwierigen Bücher lesen,
wer ohne Tabak liest, ist seines Buches nicht würdig,
und der Witz des wirklich guten Buches ist seine Haltbarkeit.

Naja, man sagt zwar, das Leben sei das Richtige, aber ich lese lieber.
Also:
Macht die Bücher billiger!
Zum Schluss möchte ich alle vor Thomas Bernhard warnen:
er sagt, in seinen Büchern sei alles künstlich ... *

Und wer stellt nun das erste Buch hier ein?
Autor und Titel in die Kopfzeile, und los geht’s!


____________________________________________________________________

* der Text ist montiert aus Zitaten von Kurt Tucholsky, Hans Magnus Enzensberger, Norman Ohler, Francesco Petrarca, Franz Kafka, Klaus Wagenbach, Christian Schröder, Sky Nonhoff, Joseph von Westphalen, Erich Kästner, Adolph Freiherr von Knigge, George Collins, Moliere, Logan Pearsall Smith, Thomas Bernhard

 

     augustine



RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   19.03.2007, 21:55



Elis, grüß Dich und: ja, das ist eine gute Idee, die zu "uns" passt - wenn wir die Inhalte vielleicht nicht allzu hoch hängen. "Rezensionen" müssten auf sorgfältiger Lektüre beruhen, immer schon im Bewusstsein: darüber willst du schreiben. Sie müssten eigentlich auch was zum Autor sagen, zu seiner oder ihrer 'Einordnung' in eine Zeit, ein Land; also: lieber so, wie Du's dann auch erklärt hast: ein Buch empfehlen oder gerade nicht. Aber mit Gründen/Belegen auch das.
Wenn wir so sehen, was in diesen Tagen hier los ist, nämlich wenig, stell' ich mich darauf ein, dass hier mindestens erstmal nicht allzuviel erscheint.
Es dürften übrigens ja auch Sachbücher sein, nicht?
Und die Leseerfahrung, um wieviel intensiver man liest, wenn 'schreiben drüber' noch ansteht, die hat dann jeder mal sowieso erstmal für sich selbst.
Bin gespannt! Traut Euch/trauen wir uns. Lg in die Runde. augustine

 

     Jolante



RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   19.03.2007, 22:24



Hallo, elis,
deine Idee zu einem Bücherfaden finde ich gut. Hatten wir den nicht schon mal ? Er hieß, glaube ich, "Perlen zu einer wohl...", seinerzeit von Mack initiiert. Ich habe ihn gar nicht mehr gefunden. Was nun die Ausgestaltung betrifft, so halte ich ausgearbeitete Rezensionen für ziemlich anspruchsvoll. Jedenfalls hätte ich Probleme damit. Vielleicht machst du einfach mal den Anfang und zeigst uns, wie du dir das vorstellst. Go on, elis !

Jolante

 

     Marcel Frank



RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   19.03.2007, 23:16



Ja, eine gute Idee. Als notorischer Gedichtehasser ist mir ein thomasmännisches Geschmuse mit Prosa nur recht ! Und, ach, wer fordert Rezensionen, nein, laßt uns doch schreiben, mit wem wir ins Bett gehen y/o aufstehen, welcher Text ist der Lebensabschnittsgefährte und warum und wieso und vielleicht packen wir ein unterstrichenes Zitat mit ins posting, so hebt er an (bzw. er stellt sich ein posting über das Wasichlese wie folgt vor):

Was:
Franz Kafka: Tagebücher 1909-1912. Bd. 1. 3. Aufl. Frankfurt 2000 (= fischer tb, 12449).

Motiv:
Bedürfnis nach "Ich-Sätzen" ...

Lesestatus | "seit":
S. 59 | 03/07

Was ich so unterstrichen habe (seitlich, vertikaler Strich):
"Den ganzen Abend sprach er oft und meiner Meinung nach ganz ernsthaft von meiner und seiner Verstopfung. Gegen Mitternacht sah er als ich meine Hand vom Tischrand hängen ließ, ein Stück meines Armes und rief: Aber Sie sind ja wirklich krank. Behandelte mich von da ab noch viel nachgiebiger und wehrte auch später den andern, die mir zureden wollten, noch mit ins B. zu gehn. Als wir uns schon verabschiedet hatten, rief er mir noch aus der Ferne zu: 'Regulin!'" (S. 39)

Was ich so unterstrichen habe (horizontaler Strich im Text):
"hausfraumäßige Rücksicht" (S. 47)

 

     augustine



Urs Faes, Liebesarchiv

   26.03.2007, 23:08 / 1 x geändert



So, und wer schreibt was?? Der Faden soll aber doch nicht untergehen, ehe er so richtig etabliert ist. (Gugg ma, Gretchen, nu tut det Ding wieder; Ding=Tastatur; die hat eben sehr eigenwillig was an sie geschrieben).
Also von mir kommt da vmtl. derzeit nicht allzu viel.
Aber: Bekam ein Buch geschenkt (LIEBESARCHIV) von einem Autor (URS FAES), den ich nicht kannte. Dem Titel nach könnte das ja durchaus eine Trivialität sein, aber das finde ich nicht. Sondern: der kann EINFACH schreiben, OHNE trivial zu werden. Dabei ist an Handlung nicht viel in der Geschichte: eine Tochter und ein Sohn, die nicht (nun, man wird sehen) verwandt sind, finden durch das, was den Titel abgibt und weil eine Frau den Autor immer wieder bei Lesungen besucht hat, heraus, was es mit ihrer von den jeweiligen Müttern im Dumpfen gehaltenen Vergangenheit auf sich hat. Also die Aufrollung von der Gegenwart nach rückwärts; wie ein Krimi, und eine Leiche gibt's ja auch. Auch eine Lese-Reise nach Tilsit findet statt, und es wird ein wenig Bobrowski zitiert und auch Motzischken genannt (das 100-Seelen-Dorf, wo seine Großeltern lebten und aus dem seine Frau stammt); deshalb eigentlich bekam ich's. Und habe es heute nacht bis morgens um 5 in einem Rutsch gelesen. Es gibt zwei Handlungseinzelheiten, die ich etwas unwahrscheinlich finde: dass über Monate einem Liebespaar - in einem Schweizer Dorf während der Nazi-Zeit in Deutschland - alle wohlgesonnen sind; dass eine Leiche über mehrere Wehre talab getrieben wird; vielleicht noch anderes.
Empfehlen? Ja. Aber vielleicht warten bis zur tb-Ausgabe.
augustine

 

     augustine



Hans Jonas, Gottesbegriff ...

   31.03.2007, 21:53 / 1 x geändert



Weil ich den Titel eben erwähnt habe, hier wenigstens die bibliographischen Angaben:
Hans Jonas, Der Gottesbegriff nach Auschwitz. Eine jüdische Stimme, st 1580, zuerst 1987. Der Text ist kurz und, da ursprünglich ein Vortrag, gut verständlich.
Man kann ihn auch benutzen als Einführung in die Kabbalistik, die nicht das ist, was oberflächliche Esoterik darunter versteht. Ich hab' mal versucht, mich damit zu befassen, bin aber nicht weit gekommen, mit den (übersetzten) Originaltexten schon mal gar nicht. Wenn wer will, kann ich weitere Literatur nennen.
augustine

 

     augustine



Thomas Mann/Jan Assmann

   18.05.2007, 21:54 / 2 x geändert



Vorweg: dieser Faden könnte so schön sein, wenn die Leser hier (ich hege die holde Vorstellung, dass das keine Illusion ist) auch mal schreiben würden von dem, was sie lesen!

Nun, ich habe gerade gelesen:

Jan Assmann, Thomas Mann und Ägypten. Mythos und Monotheismus in den Josephsromanen, München 2006

Wahrscheinlich abschreckend, weil man nun ja denken wird: und dieses 1350-Seiten-Buch auch noch?
Eigentlich ja; andererseits: den Assmann versteht man auch ohne den Mann:

Thomas Mann, Joseph und seine Brüder, [z.B.] Frankfurt 1964

Also, ich gebe gerne zu: ich habe vier Anläufe gebraucht, bis einmal die Zeit da war und die innere Bereitschaft, mich auf die ganz andere Welt dieser Romane (es ist eine Tetralogie) einzulassen, auf die Langsamkeit des Erzählens, auf dieses Wunder von Denken und Sprache.

Jan Assmann schreibt nicht schwer; sagen wir: für Geübte im wissenschaftlichen Lesen. Seine Hauptthese von der "mosaischen Unterscheidung", die von dem 'Mann Moses' - so Freud - als Wahrheitsbehauptung in die Welt gesetzt wurde oder von Abraham oder sonstwem, untersucht er vor allem in Thomas Manns weitläufigem Werk, am Schluss auch noch bei Freud (Der Mann Moses) und in Arnold Schönbergs unvollendeter Oper Moses und Aron.

augustine

 
        arisia
        (Gast)

RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   19.05.2007, 11:10 / 2 x geändert



ich las die letzten Tage einen Krimi einer französichen Autorin

Fred Vargas
“Die schöne Diva von Saint-Jacque”
Süddeutsche Zeitung, Kriminalbibliothek
ISBN - 10: 3-86615-234-5 oder
ISBN - 13: 978 -3-86615-234-2

den ich als sehr empfehlenswert empfinde für Leute die Krimis mögen, dennoch einen gewissen
Leseanspruch haben.
Humorvoll, tiefgründig und mit einigen evtl. nicht so bekannten Details aus verschiedensten
Zeitaltern geschmückt.
Es ist das erste Buch einer Reihe, in der die hier eingeführten Protagonisten immer mal wieder
auftreten -

Ein Archäologe, mit Präferenz für die Steinzeit [trägt keine Unterwäsche], lol
Ein Mädiavist, der selbst in Paris manchmal wegen seiner KLeidung auffällt,
Ein Historiker für Neuzeit, mit SEHR starker Fixierung auf den ersten Weltkrieg, und -
der Patenonkel des Mädiavisten, ein abgehalfterter Kommissar, mit durchgeistigten Gesichtszügen

die zusammen eine Bruchbude renovieren.
Nach eigener Aussage sitzen sie alle in der Scheiße, und sind der Meinung, zusammen sitzt
sich besser dort, auch wenn die Anschauungen von Welt der vier sehr verschieden sind.
Die Dialoge der vier untereinander sind von tiefsinniger Kuriosität geprägt, die Darstellung der
Charaktere bezaubert mich, ja das ist das richtige Wort, bezaubernd.

arisia

 

     zuppanova



Fred Vargas / Die schöne Diva ...

   19.05.2007, 14:21



ha - hab grad sehr lachen müssen:
es erinnert mich an die 'Bremer Stadtmusikanten', arisia.

aber jetzt im ernst, es hört sich so an, dass ich es wahrscheinlich
lesen tät - ich les / las, früher, als alles anders war - gern krimis -
aber ich hab keine zeit mehr zum lesen, a~las ...

lg, zuppa.

 

     augustine



Blake

   19.05.2007, 20:36 / 2 x geändert



Ich hoffe, es sind auch Hinweise auf Rezensionen von Profis erlaubt; hier eine:

Verena Auffermann, Heiliger Vater der Fantasy-Fans
Peter Ackroyds dichtes Buch über William Blake, den Poeten, Maler und Visionär, DIE ZEIT 39, 2001.

In dem Buch ist das (kurze) 14. Kapitel dem Tiger gewidmet. Dort auch eine Übersetzung - o, bin dafür im falschen Faden; schreib sie in den richtigen ... augustine

 

     augustine



Kassandra

   20.05.2007, 19:42 / 2 x geändert



Mir hat sehr gut gefallen die Erzählung von
Christa Wolf: Kassandra, Darmstadt 1983 (oder inzwischen wahrscheinlich bei Suhrkamp); genauso gut und fast noch besser, jedenfalls ein Blick in die Werkstatt, die Vier Vorlesungen: Voraussetzungen einer Erzählung, da habe ich die gerade-noch-DDR-Ausgabe aus dem (alten) Aufbau-Verlag von 1990, in der auch die Erzählung mit abgedruckt ist; vmtl. gibt's jetzt nur solche Ausgaben.
Die Vorlesungen hat C.W. gehalten im Rahmen der Frankfurter Poetikvorlesungen, sagt aber gleich im ersten Satz, eine Poetik zu bieten, habe sie nicht vor. Statt dessen berichtet sie über ihre Griechenland-Reisen auf dem Weg zu ihrer literarischen Figur, sehr lesenswert für Griechenland-Fans.
Dies fiel ein beim sehr genussreich zu lesenden, weil kenntnisreich geschriebenen Übersetzungsfaden (zu dem ich nichts beitragen kann, weil ich die Schwierigkeiten lyrischen Übersetzens allzu sehr am Rande nur kenne) - augustine

 

     augustine



Ruth Klüger

   29.05.2007, 17:16 / 3 x geändert



Bekannt geworden ist die Autorin hierzulande zuerst durch ihre Auschwitz-und-danach-Überlebensgeschichte weiter leben.
Sie ist Literaturwissenschaftlerin. Gerade ist neu erschienen:
Ruth Klüger, Gemalte Fensterscheiben. Über Lyrik, Göttingen (Wallstein) 2007, 22 €

Ich habe bisher nur die Rezension in der ZEIT gelesen (Nr. 22, 24. Mai, S.57 - leider online nicht vorhanden). Nach den Namen von Autorin, Rezensentin (Elisabeth von Thadden) und Publikationsorgan für die Leser unter den Schreibern hier unbedingt zu empfehlen,
findet augustine

siehe auch PERLENTAUCHER, muss man immer nachsehen; oben rechts im Impressum, nur mal so zur Erinnerung ...

 

     Schreibtisch



Klaus-Peter Jörns, Notwendige Abschiede

   22.06.2007, 22:56 / 2 x geändert



K.-P. Jörns ist emeritierter Prof. der Praktischen Theolgie (ev.).
"Nach dem Ende der Lehrtätigkeit hat sich der Schwerpunkt auf die theologische Kritik der christlichen Überlieferungen verlagert. Ziel ist es, den christlichen Glauben im Rahmen einer universalen Wahrnehmungs- geschichte Gottes zu verstehen und darzustellen, wie diese von den Weltreligionen in Geschichte und Gegenwart gespiegelt wird. Dieses Ziel macht den Abschied von vielen überlieferten Glaubensvorstellungen innerhalb und außerhalb der Bibel notwendig und soll zu einer tiefgreifenden Neuformulierung des christlichen Glaubens beitragen. Dieser Arbeitsschwerpunkt ist in den Büchern „Notwendige Abschiede. Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum“, Gütersloher Verlagshaus 2004, und “Lebensgaben Gottes feiern. Abschied vom Sühnopfermahl: eine neue Liturgie”, Güterloh 2007, zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. Den Weg dazu bereitet hatten viele Vorarbeiten und die religions- und kirchensoziologischen Untersuchungen “Was die Menschen wirklich glauben” (gem. hg. mit C. Großeholz), Gütersloh 1998, und „Die neuen Gesichter Gottes”, C. H. Beck München 1997, 2. Aufl. 1999." -
diesen Abschnitt habe ich aus seiner Homepage rauskopiert: http://www.klaus-peter-joerns.de/index.html

Ich habe sein Buch auf dem Nachttisch liegen und lese es orakelförmig, d.h. ich schlage abends unbebrillt an einer Stelle auf und lese vor dem Einschlafen ein paar Seiten und freue mich, dass hier endlich jemand zu sein scheint, der den Mut hat kirchliche Theorie und Praxis jenseits von "weil nicht sein kann, was nicht sein darf" anzuschauen und bereit ist, Konsequenzen zu ziehen, sprich Abschiede vorzubereiten. Abschiede von anachronistischen Glaubens- und Lehrmeinungen. Und das Ganze mit dem Ziel einem glaubwürdigeren Christentum Raum zu geben.
Ich glaube, dieses Buch ist auch für Nicht-Theologen verständlich, wenn man sich für dieses Thema interessiert.
Hat es vielleicht jemand von euch schon gelesen?
Auf seiner Homepage ist übrigens auch das Inhaltsverzeichnis einzusehen, das einen sehr guten Einblick gibt. http://www.klaus-peter-joerns.de/html/inhalt.html
Grüße vom Schreibtischnochbebrillt

 

     augustine



RE: Klaus-Peter Jörns, Notwendige Abschiede

   25.06.2007, 20:19



also, schreibtisch, so geradezu Wissenschaft ist das Buch ja nicht (gut, hast du auch nicht behauptet); ein sympathischer Kopf sah mich da an von seiner hp, aber diese 3-Seiten-Häppchen ... naja, machen es eben möglich, dass du drin däumelst; ein ernstzunehmendes Buch läse man aber nicht so. Und sonst: bezöge man nicht ganz passend zuppas Satire auch auf solche Christentums-Popularisierungen?
Da lobe ich mir Life of Brian!
arrogante Grüße von augustine

 

     Klaus



RE: Klaus-Peter Jörns, Notwendige Abschiede

   27.06.2007, 08:29



Hallo Schreibtisch,

ja, das Buch habe ich gelesen.

Es ist gründlich, gut recherchiert, löst Bilder und
Vorstellungen auf, sollten diese verfestigt sein.
Darin liegt sein Sinn.

Mehr kann es in (dieser) Form auch nicht geben...
es bleibt begrenzt.

LG Klaus

 

     Schreibtisch



RE: Klaus-Peter Jörns, Notwendige Abschied

   27.06.2007, 22:59 / 1 x geändert



Hallo Klaus,
ich gestehe, auf meinem Nachttisch, der kein Tisch ist sondern eine Truhe, die ich nicht zu öffnen wage, stapeln sich Bücher, die ich alllealle niemals nie und nicht von vorne bis hinten, ih bah, sondern rein reingeschaut anlese...und bisweilen schafft das Eine oder Andere es, sich auch in die Tagstunden bebrillte zu retten, ganzselten, weil...
mich lockt dieses Buch immer wieder hinein in die Seiten, weil es mich dann so ermutigend anhaucht. Und weckt eine Sehnsucht nach ganz neuen Formen, liturgisch,...
ach ja. begrenzt? klar...
LGfi Schreibtisch

 

     Elise²



Durs Grünbein. Gedichte. Bücher I-III.

   29.06.2007, 08:10 / 1 x geändert



Durs Grünbein: Gedichte. Bücher I-III. Frankfurt 2006, Suhrkamp.

Das war viele Wochen lang das einzige Buch, das ich überhaupt aufschlug
(seit kurzem gibt es, von augustine angeraten, noch ein zweites),
man hatte es mir geschenkt, zu Weihnachten,
und weil es nun eben da war, las/lese ich manchmal darin:
Gedichte. Grauzone morgens. Schädelbasislektion. Falten und Fallen.
Manches überlese ich, weil es mir nicht gefällt, mir nichts zu sagen hat.
Manches markiere ich mir, indem ich Zettel zwischen die Seiten stecke,
damit ich bestimmte Texte wiederfinde zum oft-und-öfter-Lesen.

Beispiel:

Verzagt. - Im Schließfach eines Fernbahnhofs in B.
Fand sich die Leiche eines neugebornen Kindes,
Kaum eine Woche alt. Die Nabelwunde war noch frisch.

Noch war der Name auf der Haut nicht angetrocknet,
Kaum sichtbar das Geschlecht, da lag das Bündel
Schon festverschnürt zur Reise

In einen andern Automaten-Limbo, in ein andres Licht.


(S. 137, aus 'Schädelbasislektion')


oder dieses hier:


BELEBTER BACH

mit alten Autoreifen, Glas,
Sperrmüll und der Attrappe
eines kleinen Wehrs

aus Zellophan und Schrott,
in dem inmitten Schaums
auf einem Ölfilm ausgesetzt

ein grüner Badefisch sich
zwischen Zweigen schaukelnd
leicht um seine Achse dreht.

Kommt
Wellen klaren Wassers, kommt.


(S. 71, aus 'Grauzone morgens')


Sollte jemand Lust verspüren, noch mehr ÜBER Grünbein lesen zu wollen:
hier ein link.

Mit Gruß, Elise.

 

     augustine



RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   30.06.2007, 21:42 / 1 x geändert



aus gegebenem Anlass:

DAS BLAUE BUCH. Lesarten einer Farbe.
Herausgegeben von Angelika Lochmann und Angelika Overath
Nördlingen 1988

Kurzer letzter Absatz des Vorworts:
"Jede Diskussion um Inhalt und Aufbau einer solchen Sammlung [Gemälde und Texte um die Farbe blau] muß konzedieren, daß das wahre Blaue Buch freilich unendlich wäre. Es sei das Projekt des Lesenden. Er kombiniere, entdecke weitere, fernere und goldenere Texte hinzu und fahre fort in seiner Phantasie."

augustine


bei zvab gibt's noch 2 Ex., nicht gerade billig freilich

 

     augustine



RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   11.09.2007, 12:02 / 1 x geändert



"Schreibst du nur, oder liest du auch?"
DIE Frage ist, scheint's beantwortet. Man liest nicht bis wenig vielleicht. Ist doch auch eine Erkenntnis.
Von einigen weiß ich, warum es nicht geht, derzeit nicht.
Sonst?
Was hattest du erwartet, elis?
augustine, nachdenklich grüßend


Zitat aus elis' Zitatensammlung:
Die Lektüre ist ein anarchischer Akt, oder, griffiger formuliert:
Lesen ist eine besonders genüßliche Form des Seitensprungs.
Bücher geben eine tiefe innerliche Befriedigung. Sie sprechen zu uns,
sie trösten uns, sie fesseln uns durch die Bande bedeutungsvoller und natürlicher Vertrautheit,
und jedes Buch weckt den Wunsch, weitere kennen zu lernen.

 

     Elise²



RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   16.09.2007, 23:01



Hallo augustine,

eine Antwort bin ich dir hier schuldig (und an anderer Stelle auch noch).
Was habe ich erwartet?
Schwer zu sagen. "... ach, wer fordert Rezensionen, nein, laßt uns doch schreiben, mit wem wir ins Bett gehen y/o aufstehen ...", schrieb weiter oben wer, und da dachte ich: hoffentlich werden nun nicht die ganzen one-night-stands mit Goldmann-Flittchen gebeichtet - andererseits: gerade ein one-night-stand kann erfrischend kurios bis spannend sein ...

Ach - ich hatte und habe kaum Erwartungen. Wer das Bedürfnis hat, ein Buch vorzustellen, tut es. Wenn niemand (be)schreiben mag, was er gelesen hat, macht der Faden eine Pause. Heute so, morgen so ...

Liebe Grüße, Elise.

 

     augustine



RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   30.09.2007, 18:57



Ich hab' mehr erwartet. Rezensionen nicht, so irgendwie doch neben anderem her, wie das nur gehen könnte. Aber Buchanzeigen ja.

Und ich habe das Bedürfnis anzuzeigen (ja, unmittelbar, nachdem ich schon wieder ein böses Gedicht eingestellt habe, zu diesem selben Thema), anzuzeigen also ein Buch, ein Büchlein nur, sogar bevor ich's gelesen habe:

André Gorz, Brief an D. Geschichte einer Liebe, Zürich 2007, 98 S. 15 €.

In der ZEIT vom 20. Sept. war es bewegend rezensiert (es kann etwas bewegend geschrieben sein, ohne in Gefühligkeit abzugleiten), nach einem Besuch der Rezensentin bei diesem liebenden alten Paar (84 und 83 Jahre alt). Da ist u.a. zu lesen, auf der letzten Seite des Buches stehe der Wunsch, "dass keiner vor dem anderen sterben, dass keiner am Grab des anderen stehen müsse".
Eine Woche später folgt von derselben Autorin die Todes-Anzeige. Die Sehnsucht von Philemon und Baucis erfüllten die Götter nie, aber der Mythos ist uns geblieben. Diese beiden haben ihn sich erfüllt.

augustine

 

     augustine



Erica Fischer, Himmelstraße

   22.10.2007, 00:00 / 2 x geändert



Vielleicht kennen einige von euch Aimée und Jaguar, die Geschichte einer lesbischen Liebe zwischen einer "Arierin" (und Nazisse) und einer Jüdin, die ja auch verfilmt worden ist. Das gibt's als tb (kiwi 399).
Jetzt hat die Autorin, Erica Fischer, ihre eigene Familiengeschichte geschrieben, Himmelstraße. Und das ist nun schon wieder bewegend (tut mir leid, dass ich das Wort - schon wieder - gebrauche): sie selbst ist "Halbjüdin", und diese Familiengeschichte ist dadurch natürlich mitbestimmt.
E.F. schreibt in dieser wundervollen Einfachheit, die nichts simpel schnell Hingetipptes ist, sondern zuvor durch viele Formen gegangen sein muss, von großer Offenheit auch in bezug auf sich selbst und z. B. ihre Internet-Männersuche als alternde Frau.
Sehr zu empfehlen! augustine

 

     augustine



Bergmann, Brinkmanns Zorn, Langversion

   22.10.2007, 00:03 / 8 x geändert



Also, der link hatte funktioniert, elis; jetzt muss ich den Artikel erst noch wieder suchen. Grundsätzlich hast du ja recht.
Meine Begeisterung richtet sich bisher noch auf den Filmemacher und seine Kamerafrau Elfi Mikesch, die ich beide kenne, und diese Begeisterung kommt her von den vier (!) Hölderlin-Filmen, für die er (sie beide) am 20.10. (vorgestern) den Tübinger Hölderlin-Preis bekommen haben - endlich eine öffentliche Anerkennung für einen im allerbesten Sinn Besessenen.
Und nun (ohne dass der Preis in dem Artikel erwähnt wird) eine solche Rezension - wie sie gestern funktioniert hatte und heute nicht mehr.


augustine

 

     Elise²



RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   22.10.2007, 08:31



Hallo augustine,
weiter oben hattest du nach meinen Erwartungen zu diesem Faden gefragt - dazu als Nachtrag:
nicht erwartet (besser gesagt: gewünscht) hatte ich mir, dass jemand ohne einen einzigen persönlichen Satz, auch ohne nur zu erwähnen, um welches Buch (respektive welchen Film) es gehen soll, links einstellt, die dann nicht einmal direkt zu irgendeiner Information führen (hast du die links einmal ausprobiert?).
Das erinnert (mich) sehr an das Sammelsuriumhafte des "poems-Fadens" (rip!).

Eine kleine Erweiterung deines obigen Rezension-Hinweises würde mich freuen.

Mit Gruß, Elise.

 

     Elise²



Fadenpflege

   22.10.2007, 08:32



Sinnvoll und hilfreich (erwähnte ich dies bereits irgendwo oben?) ist es, in die Betreffzeile jeweils den Namen des Autors y/o Titel des besprochenen Buches (Filmes, loquesea ... ) zu schreiben.
Dies als Anregung für alle, die in diesen Faden etwas einstellen (wollen).
Per edit sind jederzeit auch nachträglich Veränderungen in dieser Richtung möglich.
Elis.

 

     Erik



Albert Ostermaier, Radio Noir

   22.10.2007, 09:37 / 3 x geändert



Ahoi allerseits...

Ich möchte euch was empfehlen:

Albert Ostermaier, The making of. Radio Noir. Stücke, Frankfurt a. M. 1999, 181 S. 10 Euro

Ostermaier ist ein junger Autor und Dramatiker mit einem, wie ich finde, wirklich eindringlichen Stil. Der empfohlene Band beinhaltet die "Geschichte" mit dem Titel "Radio Noir", die ich euch sehr ans Herz legen will.

Es handelt sich dabei um Parthenope, eine "Nighttalkerin", die nachts über das Radio einen schier endlosen (in etwa 45 Seiten) Monolog voller Lust, Hass, Liebe und Anarchie sendet.
Bemerkenswert ist, dass sie ohne Punkt und Komma spricht, die einzelnen Gedanken sind lediglich durch ein & miteinander verbunden...

Ich bin über Umwege auf diesen Text gekommen, der einen einsaugt und grandiose Bilder einer Großstadt ala "Bladerunner" ins Hirn projiziert...ich hab den Text mittlerweile mehrfach gelesen und bin immernoch begeistert. Es ist selten, dass mich ein Text derart fasziniert....

Hier eine kleine Leseprobe vom Beginn des Monologs:

talk to me
sprecht zu mir ich kann euch
sehen dort draussen in der
nacht wie ihr eure unschuldigen
engelsmundgesichter mit dreck
beschmiert & verloren an den
gleisen steht seh euch auf den
zehenspitzen euer müdes leben
balancieren & euer herz euch
in die tiefe ziehen spring doch
spring senk den schweren kopf
auf deine brust & du wirst fliegen
auf den schienen wenn die räder
deine augen durch die schächte
schleifen & dein blut rast durch
die adern der stadt & dein hirn
versprüht sein glück & deine
träume fahren dir endlich spürst
dus aus der haut hinaus unter die
brücken an den ghettotürmen vorbei
von denen die menschen mit offenen
armen dir entgegenfallen & ihre
fenster offen & einsam zurück
lassen im toxischen wind der
sie aus den angeln hebt & seinen
kalten beifall klatscht während
die schallschutzscheiben auf dem
asphalt detonieren & die brems
spuren den gefallenen engeln nach
heulen im singsang der sirenen &
dem herzschlag der blaulichter die
die strasse zum tanzen einladen
rave hard &
ihre irrealen schatten werfen auf
augen in rückspiegeln gesichter
hinter beschlagenen scheiben die
nasen voller benzin & der letzten
line koks & taub von den bässen steht
deine freundin hysterisch nackt
ausgemergelt in der tür &
zählt mit dem rasiermesser
ihre rippen verschluckt den mond
mit den tabletten ihre haut perforiert
von den nadeln der spritzen klebt an
den knochen wie eine briefmarke ins
jenseits annahme vom empfänger
verweigert dieses unterfrankierte
leben das sich nach mehr & dir
sehnt während dein medaillon mit
ihrem photo wie schön sie war auf den
schienen schon keine funken mehr
schlägt sondern der nebel sein tuch
über das fragment deines körpers das
puzzle im zinksarg das sie in den
kühlschrank schieben gegen die hitze
der nacht unserer nacht der nacht
der rotorblätter & helikopterschatten
der pumpguns & rosenkavaliere mit
einer kugel im bauch & dem kreide
strich der sie umreisst die nacht der
nutten im neontange der strichter in
stretchhosen & rosa plastikhemden
die nacht in der du schweissgebadet
aufwachst weil der mann neben dir
zu atmen aufgehört hat & seine hand
die deine starr umkrallt die nacht in
der ihr mich anruft & ...





Erik

 

     augustine



RE: Lesezeichen. Bücherfaden.

   22.10.2007, 22:14



Elis, ich weiß ja, dass du den Gedichte-Faden nicht mochtest. Bei mir ruht aber er nicht in Frieden.Und falls es noch immer wen interessieren sollte, warum, sag' ich das gerne nochmal. Jedenfalls ist deine Meinung dazu hier nicht die einzige. Nix für ungut und mit Gruß. augustine

 

     zuppanova



RE: Albert Ostermaier, Radio Noir

   23.10.2007, 19:00



serv.s Erik, begründen kann ichs nicht weiter, aber weißt du was:
die art, wie in der von dir hereingestellten leseprobe sprache verdichtet wird, erinnert mich stilmäßig teils auch an deine eigenen texte. kann mir insofern gut vorstellen, dass es inspirierend auf dich wirkt, den Ostermaier/Radio noir zu lesen.

Parthenope (geht mir grad durch den kopf), das ist so ein vielschichtiger name, mythologisch verwurzelt. eine der drei sirenen (Odyssee) heißt so, und nach ihr wiederum war Neapel ursprünglich Parthenope benannt. übersetzen tät ichs etwa mit: die Jungfrau-äugige (bin mir aber nicht ganz sicher, vllt. weiß es wer besser?) - wird kein ganzer zufall sein, dass die Nachtsängerin (talkerin) gerade diesen namen trägt.

lg, zuppa.

 

     Erik



RE: Albert Ostermaier, Radio Noir

   23.10.2007, 21:09 / 1 x geändert



Ahoi...

Na, das ist schon richtig. Ich habe früher schon (wie bei dem Text "Suchen") den Versuch unternommen, die Sprache ineinander zu verschachteln. Auf den Ostermaier bin ich so in etwa vor einem Jahr gekommen. Ich hab also nicht erst nach "Radio Noir" solche Versuche unternommen - vielleicht liegen er und ich einfach auf einer Wellenlänge :)...
Aber klar, dass Texte, die einem gefallen, sich auch im eigenen Schreiben niederlassen. Ich seh es als Bereicherung und kenne meine Einflüsse ;)...

Als ich den Text zum ersten mal gelesen hatte, bin ich sofort davon begeistert gewesen. Ich hatte beim Lesen oft den Drang, selbst das Gelesene laut zu sprechen. Mit einem Freund wollte ich das auch mal vertonen.
Soweit ich weiß, gibt es auch eine Art Theaterstück davon. Ich stell mir das unglaublich vor, diesen Text so auf sich einprasseln zu lassen. Mir gefällt das ganze Szenario und die Wortwahl von Ostermaier. Wie gesagt, ich empfehle es jedem, der mit Texten dieser Richtung etwas anfangen kann...

In dem Band befindet sich auch ein Theaterstück mit dem Namen "The making of". Is auch sehr gut. LEST ES :)!!!

Erik

 

     zuppanova



RE: Albert Ostermaier, Radio Noir

   24.10.2007, 13:09



hab noch überlegt, wie ich denn für mich den "duktus" der Ostermaier-sprache (vgl. leseprobe oben) beschreiben würde:
obsessiv, saugend, süchtig, gierig, drängend, entblößend, ziellos, suchend - sind worte, die mir einfallen.
zusammenfassend würde ich sagen: obszön (das ist nicht abwertend gemeint, sondern eher im sinn von unzensiert).
vllt. hab ich da auch innenmonologische wellenlängenüberschneidungen ...

übrigens sind beim stichwort text vertonen meine sowieso großen ohren noch größer geworden:
du könntest doch einen deiner texte für den forenpodcast hier aufnehmen, Erik? hast du nicht lust?

lg, zuppa.

 

     Erik



RE: Albert Ostermaier, Radio Noir

   24.10.2007, 18:22



Grüße...

Hm...ich hab mal vor längerer Zeit einige expressionistische Gedichte vertont. Vielleicht sollte ich da erstmal eines reinstellen.
Mit meinen eigenen könnte ich das natürlich auch mal versuchen, aber ich hab da noch keine Ahnung, welcher sich da anbietet. Muss mich mal damit auseinandersetzen. Ist schon länger her, dass ich das Mikro verwendet hab...

Mfg

Erik

 

     augustine



RE: Albert Ostermaier, Radio Noir

   26.10.2007, 17:55 / 1 x geändert



Hallo Erik, hab' eben erst den Sirenengesang 2x ganz durchgelesen, nun erst begriffen, dass da von den wüsten Erinnerungen 'gesungen' wird, die einem durchs Hirn fahren, der 9/11 überlebt hat und nun im Krankenzimmer fast zerschlagen liegt und den neben sich sterben fühlt.
Ja, den Ostermaier kannte ich nicht, aber um den werd' ich mich bemühen.

Kennst du dies (stand hier schon mal im Faden, ja):

FOTOGRAFIE VOM 11. SEPTEMBER


Sie sprangen von brennenden Stockwerken abwärts –
einer, zwei, noch einige
höher tiefer.

Die Fotografie hielt sie lebend fest,
und nun bewahrt sie sie auf
über der Erde zur Erde.

Jeder ist noch ein Ganzes
mit eigenem Gesicht
und gut verstecktem Blut.

Noch ist Zeit genug,
daß die Haare wehen
und aus den Taschen Schlüssel,
kleine Münzen fallen.

Sie sind immer noch im Bereich der Luft,
im Umkreis jener Stellen,
die sich soeben geöffnet haben.

Zwei Dinge nur kann ich für sie tun –
diesen Flug beschreiben
und den letzten Satz nicht hinzufügen.


Wislawa Szymborska

Aus dem Polnischen übersetzt von Karl Dedecius

Auf Gedicht-Vertonungen von dir bin ich sehr gespannt.
Sei gegrüßt! augustine

 

     Erik



RE: Albert Ostermaier, Radio Noir

   26.10.2007, 22:02 / 2 x geändert



Ahoi...

Das mit 9/11 ist ein interessanter Blickwinkel, allerdings ist die Erstauflage 1999 erschienen...von daher haut das nicht hin...meiner Meinung nach handelt Radio Noir einfach von (Stadt)menschen der Gegenwart. Viel Sehnsüchte, viel Enttäuschungen, etc...oder von Mensch im Allgemeinen und einfach in das Szenario Stadt gesetzt...
Wär interessant, mal ein bisserl darüber zu schreiben, aber dazu muss man es erst wohl gelesen haben...finde das generelle Interesse an dem Werk aber schön...vielleicht ringt sich ja wer von euch durch :)...

Ich hab schon ein paar furchtbar pathetische Gedicht zu 9/11 gelesen, aber das von dir angefügte is da um Längen besser. Leisere Töne einfach. Sehr schön. Danke...

Mal sehen, was sich mit Vertonungen machen lässt. Vielleicht hab ich heute noch Kraft dafür. Ansonsten in den nächsten Tagen.

Es grüßt...

Erik

 

     augustine



Suchen

   27.10.2007, 16:28 / 2 x geändert



Habe gefunden, Erik, das eingesprochene Suchen. GUT. augustine

 

     Erik



RE: Suchen

   27.10.2007, 17:12



Ja, die Qualität ist nicht sonderlich toll, aber ich hab irgendein Problem mit meinem Mikro.
Irgendwie nimmt das nur unglaublich leise auf und durch das Hochdrehen der Lautstärke tritt dann dieses nervige Rauschen in den Vordergrund...auch hört man manchmal die erzwungene Nähe zum Mikro durch dieses Ploppen. Naja...ein erster Schritt...

Mfg

Erik

 

     zuppanova



Thomas Kling - Auswertung der Flugdaten

   15.01.2008, 10:20 / 1 x geändert



Auslöser für die Erwähnung von Thomas Kling hier waren Beiträge im Faden "traumfragment" (link)

Thomas Kling: Auswertung der Flugdaten. DuMont Verlag, 2005.

Das Buch beginnt mit einen Gedichte-Zyklus, mit dem Gesang von der Bronchoskopie:

Voll verkabelt liegt ein Beobachter/Sprecher im High-Tech-Center einer Klinik. Über Monitore flimmern, statt bunter Weltdaten auf Unterhaltungsbildschirmen, Herzrhythmus- und Atemfrequenzdaten, Nährlösungen und gut gemischte Gifte fließen durch Schläuche, und der Beobachter, wehrlos, ist selbst Gegenstand seiner Betrachtungen: er sieht einem Eingriff in seine eigenen Atemorgane zu.
Keineswegs ist nun aber in den Gedichten die Rede von wahrnehmungsverwirrenden Kräften wie Angst, Schmerz, Hilflosigkeit - im Gegenteil: der Text dient dazu, kunstvoll jenes Leiden, welches den Betrachter wohl zerreißen könnte, zu versiegeln, zurückzuspiegeln, die Gedichte sind Exerzitien der (Ab-)Kühlung von Emotionen, die womöglich dem Beobachter unter die Haut fahren möchten, ja, weiter noch als unter die Haut, nämlich in den Lungenschacht hinein.
Da tritt (in Arnikabläue) - und das kommt in Kling’s Gedichten nicht so oft vor - ein "Ich" auf. Das geht so:

Jetzt ist es. jetzt werd ich:
zum schacht, zum lungen-
schacht wird ich.


Das ist interessant und konsequent und "kling’sch": kein Verstehens- und Verständigungskult für den Leser, kein schreiendes, konventionell subjektiv hingelittenes Wehleid, kein billiges Identifikationsangebot mit dem "Ich", sondern auch während der Lungenpenetration noch: Distanz, Kühle, Pufferung (auch durch Anglizismen).
Die erste Zeile des obigen Zitats ließe sich ergänzen zu Jetzt ist es so weit. Es. Im Zentrum des Geschehens steht ein sächliches Personalpronomen. Und um die Penetration des Gedichts durch das wohlfeile Verstehen/Verständnis des Lesers zu vermeiden, um das "Ich" am Schluss der Sequenz anonym-sachlich werden zu lassen, wird die Grammatik gekrümmt: zum lungenschacht wird ich - das Ich geschieht.

Kling’s Sprache fasziniert mich. Weil sie eben nicht auf billiges, gefühliges Verstehen setzt, weil sie distanziert ist, exakt, präzis, weil mit Abstand betrachtet wird (selbst das, was "am eigenen Leib" geschieht) - weil gerade dadurch nicht vernebelt, verharmlost, verweichlicht wird.
Für mich dies: eine mögliche Art von Wahrhaftigkeit in der Sprache.

zuppa.

 

     augustine



Walser, Ein liebender Mann

   09.03.2008, 22:56 / 5 x geändert



Vielleicht vorausschicken: ich bin gar kein Fan von (Martin) Walser. Aber dieser Roman, handelnd von einem alten Mann (Goethe), rezensiert von einem alten Mann (Joachim Kaiser, SZ) und eben geschrieben von einem alten Mann (Martin Walser) - über die Liebe des 73-jährigen Geheimrats von Goethe zu der noch nicht einmal ganz 19-jährigen Ulrike von Levetzow in Marienbad und Karlsbad 1823, dieser Roman hätte ja einem anderen auch ganz schauerlich missglücken können. Aber dem Walser ist hier ein Erzählen in einer weisen Einfachheit gelungen, die mich tief berührt hat.
Dabei ist wohl alles, was überliefert ist, berücksichtigt, also auch dies (als "Letzte Nachricht"), dass die 96-jährige (! gestorben im Jahr 1900) Goethes Briefe verbrennen ließ; zuvor, noch 1823 (das ist wohl erfunden), lässt der Romancier den noch immer liebeskranken Goethe durch seinen Diener alle Dinge verbrennen, die er in den beiden böhmischen Bädern an Kleidung trug und sonst benutzte...-
Wie kann dies Thema nicht misslingen? Es hat sicher viele Gründe, unter ihnen aber sicher den, dass die junge Frau (hätte man damals ja nicht so gesagt) dem alten Mann in der Empfindung und intellektuell gewachsen ist. Es sind meisterhafte Dialoge zu lesen!
Man weiß ja, dass Goethe in der Tat ganz ernsthaft und durch seinen Herzog um ihre Hand hat anhalten lassen. Wie hätte das gehen sollen?
Goethe litt - und schrieb die Marienbader http://www.deutsche-liebeslyrik.de/goet194.htm Elegie.

Und Walser, der sich Goethes Briefe ja ausdenken musste, schrieb an einem Briefanfang, was ich abschreibe, weil ich es so schön finde: ein erotischer Austausch, bei dem der Autor am Schluss auch noch den Anhauch, da sei ein wenig Kitsch, den ein Leser empfinden könnte, souverän abfängt.
Ja, eigentlich sollte es in unserer Rubrik "Erotik" stehen. Aber dafür müssen wir ja selber schreiben.

"Als wir Du sagen durften [einmal vier Stunden lang allein], habe ich Dir auf der Waldwiese die Lupine gepflückt, die auf uns gewartet hat. Unter blauen und roten Lupinen habe ich diese eine gepflückt, die rote. Das düster glühende Lupinenrot liebe ich. Bevor ich sie Dir habe geben können, bist Du in die Wiese hinausgegangen. Du trittst, wie Du durchs Gras gehst, nichts nieder. Ich habe Dir zugeschaut, wie Du Dich gebückt hast, wie schön Du warst, als Du Dich gebückt und Deine Lieblingsblumen gepflückt hast. Und bist zurückgekommen mit dem Arnikastrauß und hast den dichten gelben Strauß geöffnet für meine Lupine. Die ließ ihr Düsterrot in Deinem Schwall Gelb untergehen. Wir haben dazu gelacht. Nicht laut. Aber Gesichter von Lachenden haben wir gehabt, als wir dann zurückmarschierten in die Welt, die Karlsbad heißt."

Martin Walser. Ein liebender Mann, Reinbek 2008, 19,90 €

 

     zuppanova



RE: Walser, Ein liebender Mann

   10.03.2008, 00:01



ha, augustine, hab die rezensionen zu diesem Walser-wurf auch verfolgt, und bin neugierig geworden auf das buch (hab noch nie einen Walser gelesen), fürchte aber, es wird/muss wohl bei der neugierde bleiben ... danke für deinen hinweis hier
und lg, zuppa.
(Ulrike von Levetzow starb unvermählt, wenn ich nicht irre ...)

 

     Jolante



RE: Walser, Ein liebender Mann

   12.03.2008, 13:11



Wie recht du hast mit deiner Empfehlung, augustine! Mit Bedauern habe ich das Buch aus der Hand gelegt, ich hätte noch stundenlang weiterlesen mögen. Von allen 11 Walsern, die ich im Laufe der Jahre (besser Jahrzehnte) gelesen habe, hat mir dieser am besten gefallen. Thema und Sprache bilden einen Klangraum ,der zum Schwelgen einlädt. Diesen Walser, liebe zuppa, solltest du dir gönnen, auch wenn die Zeit knapp ist. Ich wage mal zu behaupten, er würde dir gefallen !

Liebe Grüße
Jolante

 

     Marcel Frank



RE: Walser, Ein liebender Mann

   12.03.2008, 15:06



http://www.synekdoche.de/forum42.html

oder

http://www.synekdoche.de/forum174.html ("neu")

Offenbar hat es hier mind. 2 Personen, die den neuen Walser gelesen haben. Das ist ein zusätzlicher Leseanreiz für 3., 4. etc. LeserInnen, aber es geht u n t e r in diesem schon zu langen Faden, der unterm Strich 1a ist. Ich habe es gerade aus Zufall gesehen. Sonst stoße ich nur auf die Werbebanner der FAZ, die sich ihre Sonderseite "Reading Room" offenbar ein paar Tausend Euro Google-Promotion kozten lässt. Dabei findet man da - abgesehen von den Abschriften - nur Schmu. Ich will auch wissen, warum diese Gattung Old-Man-loves-Young-Woman in diesem Fall OK ist, warum Erinnerungen an traurige Huren nicht. Weil der Walser durch die Blume spricht ? Weil er sich einen an Goethe, ja, abgearbeitet hat ?

Vorschlag: Augustine "postet" ihren 1. Beitrag bzgl. Walser durchaus zeichenidentisch & also als Kopie erneut in das o.g. neue Forum, falls "Rezension" zur kalorienreich klingt (es ist in der Tat "irgendwie verbindlicher"). Zuppa & Jolante ziehen nach. Augustine: In die Betreff-Zeile bitte Autor & Titel setzen (wie Du es bereits machtest, vielleicht sogar üppiger mit Vornamen), das ist sehr elegant, sofern man die Suchfunktion benutzt und dort unter "Suche nach Inhalten" auf "nur Betreff durchsuchen" klickt. Außerdem erscheint es als Titel in der Browser-Leiste (ganz oben oben) und das hat chic too.

Was Walser betrifft, betrifft auch Zuppas Kling und das Gedicht zum 9/11 und "die anderen Kostbarkeiten" (rückwirkend rückwirkend rückwirkend). Ich wäre also sehr dafür, wenn wir diesen Faden, diese gemästete und mit Früchten gestopfte Gans nun "streuen".

In der Tat: Warum nicht auch spontan(st)e Lektüre-Eindrücke sofort + formlos rausballern (ist hier noch nicht geschehen, aber: warum nicht ?). Gespräch machen. Spreche machen. Das ist gut. Gut. Der Faden hier ist gut. Aber so verwirrte Leute wie ich übersehen es. Sie übersehen's einfach.

Me explico ? Am liebsten "Autor: Titel. [Zusatz]" als Betreff/Thema & newthread fortan. Viel zu gut, als dass es sich hier verschluckt. Man muss es sofort sehen, wenn man auf "Neue Beiträge" klickt. Flipando:

m

 

     lost



wehret dem Verschlucken

   12.03.2008, 20:41



ohne mich hier zur Meinungsäußerung aufgefordert fühlen zu dürfen, erlaube ich mir doch in aller Kürze anzumerken, dass die von Herrn Frank vorgeschlagene Vereinzelung gewisser Buchvorstellungen im Hinblick auf deutlichere Positionierung und Auffindbarkeit der jeweiligen Beiträge wünschenswert und sinnvoll scheint.

regards, lost.

 

     zuppanova



RE: wehret dem Verschlucken

   13.03.2008, 00:10



jamei, mir leuchtet die mf'sche argumentation schon auch ein, so insgesamt unterm strich, und wär bereit, den Kling (mehr hab ich ja nicht beigetragen) herauszuzupfen usw. - aber mich interessiert, was noch andere so denken. zuppa.

 

     augustine



Überlegungen

   14.03.2008, 16:16 / 1 x geändert



Bin entzückt, dass der admin mal hier gelesen und sogar eine Organisationsidee zur Diskussion gestellt und nicht einfach gelöscht hat wie den ganzen Faden von weiland acerdoux/mack, in dem auch von mir einige Lektüreempfehlungen standen. (Dabei hätte sich freilich die Bitte, dazu was zu sagen, wirklich an alle hier Aktiven richten können, ja; jedenfalls aber noch an schreibtisch und erik, von denen Beiträge in diesem Faden stehen.) Geht's hier nach dem Klick-System? - Ich sehe, das Schachterl ist schon eingerichtet, "Lektüren". Also schiebe ich nachher - morgen - übermorgen -

Ich habe aber hier noch mehr Bücher angezeigt als nur den neuen Walser; nur ist das echolos geblieben. Das ist in der Regel auch zu erwarten: man notiert sich das Buch vielleicht und liest es später oder nicht, oder man weiß gleich, dass man nicht liest. - Der Walser wird natürlich ein bestseller; Berichte über Lektüren solcher Art wird man von mir eher nicht lesen, weil diese Etikettierung für mich das Signal ist: nicht kaufen. Natürlich gibt es Ausnahmen.

Was die Wahrnehmung innerhalb des Forums angeht, so wird sie auch, und zwar sehr, beeinträchtigt durch die noch zahlreicher werdenden, überwiegend inhaltsleeren, oft nur ein-sätzigen Kleckereien des w. Denn damit besetzt er jeweils eine Zeile, und alles andere rutscht umso schneller weg.

Diese Überlegungen hängen zusammen; das ist offenkundig, wie ich finde. Und offensichtlich ist es auch dem w. klar, dass er hier Narrenfreiheit hat, weil der admin, der sich solche Entscheidungen vorbehalten hat, keine trifft.
Da kommt man sich doch veräppelt vor.

augustine

 

     Elise²



zwei Fragen zum weiteren Vorgehen

   15.03.2008, 14:50



Die Idee einer Lektüre- bzw. Bücher-Liste mit den von Marcel Frank oben geschilderten Vorteilen spricht mich ebenfalls an.
Wer also hier in diesem Faden ein Buch vorstellte (Erik, Schreibtisch, ...) und damit einen eigenen thread eröffnen will bei -> Lektüre, möge es doch gerne tun.
Zwei Fragen allerdings entstehen, nämlich erstens, ob die entsprechenden postings hier im Faden bei Eröffnung eines eigenen threads entfernt werden sollten, um "doppelt und dreifach" zu vermeiden; und zweitens erhebt sich natürlich die Frage, welchen Sinn auf Dauer dieser Bücherfaden hier machen kann, welchem Zweck er dienen soll, ob man ihn entfernen sollte, irgendwann? Gibt es hierzu Ideen oder Meinungen?
Ecuánime, Elis.

PS
augustine, du hast einen Faden für -> Leseerfahrungen eröffnet. Wäre es denkbar für Dich, die in diesem Faden vorgestellten Werke ebenfalls einzeln gepostet in die neue Rubrik "Lektüre" einzustellen? Der Faden hat bislang nur drei Beiträge (Göttersagen, Hinweis auf Elvira Santacroce von ear, Hinweis auf Alberto Manguel), die ließen sich leicht vereinzeln, und sie kämen als separat aufgeführte Fäden bei "Lektüren" ebenfalls besser zur Geltung. Aber dies ist nur eine Frage, ein Gedanke, der mir soeben in den Sinn kam.

 

     augustine



RE: zum weiteren Vorgehen...

   15.03.2008, 18:27 / 1 x geändert



Liebe elis,
wie habe ich mich gefreut, als du vor einem Jahr diesen Faden 'erfunden' und so liebevoll eingeleitet hast! Nur "Rezensionen", das war als Wort und als Absicht (sollte es sie so gegeben haben) zu groß. "Buchanzeigen" hatte ich schon im vorigen September vorgeschlagen; "Lektüren" ist wohl besser, weil darin auch die "Leseerfahrungen" ihren Platz haben können.

Zwei Fäden zu betreiben, wäre irreführend, gerade auch für Neue. Also löschst du diesen Faden am besten; was meine Beiträge darin betrifft: ersatzlos: du hast die Erlaubnis; die der anderen wäre einzuholen (nach Lage der Dinge: wohl von dir); an dem Beitrag zu Ostermaier hängen aber eine ganze Reihe Antworten ... Auch die sind ja eines jeden Eigentum.
Ohnehin (ich habe ihn noch einmal durchgelesen) ist dieser Faden wenig bestückt gewesen und der mit den "Leseerfahrungen" noch weniger. Meine beiden Beiträge darin kannst du auch ersatzlos löschen. Es hängen keine Kommentare daran.

Die Geschichte Gefährliche Götter steht, mit dem ganzen Faden, unter Essays natürlich nicht richtig. Nur gibt es bisher keine andere Rubrik. Vielleicht richtest du eine für "Erzählungen" ein? (Was dem "Roman" recht ist, sollte der "Erzählung" billig sein, oder?) Die 10.000-Zeichen-Grenze wurde ja schon mal sehr variabel gehandhabt. (Klüger ist es wahrscheinlich, sie beizubehalten.)

Zum Anlass des Ganzen: Schon gestern kamen bei goooooooooogle zur Eingabe: Martin Walser Ein liebender Mann, 24.100 Angaben. Irgendwo weit hintestens, wo niemand sucht, sind 'wir' sicher auch zu finden. Diese Argumentation mit der Findbarkeit über einzelne Beiträge scheint mir nicht zutreffend zu sein. Sie widerspricht auch der Äußerung von mf, er fände es gut, auch spontane, kurze Leseeindrücke hier niederzulegen. 1) sind da dem Hofnarren (wo ist der Hof?) alle Tore sperrangelweit geöffnet, denn das kann er; 2) wird sich wohl kaum jemand gerade zeitgleich auch noch on top of his/her spirits befinden, wenn schnelle, kurze Eindrücke aufschreibend, 3) würden wohl die - und zu recht, wie ich meine - überhaupt nicht gefunden.

Also dies "Forum für Literatur & Germanistik" würde so nicht gefunden, was ohnehin ein viel zu großartiger, in der Unterzeile auch logisch falscher Titel ist (Lyrik und Prosa sind Produkte, Germanistik-Interessierte im schönsten Fall auch Lyrik und Prosa Produzierende). Alternativ-Vorschlag: "Forum für Lyrik und Prosa" ohne Unterzeile.

augustine mit Grüßen

 

     Marcel Frank



Sichtbarkeit

   15.03.2008, 21:42



@augustine: Die Seite zu Walser ist noch nicht indiziert / indexiert & selbst wenn, wir stünden, ja, schlecht da, das ist richtig. Aber in 2 Jahren, wenn hier 576 aktive Narren rumlaufen und die Seite eine Irrsinns-Nutzungspopularität aufweist, würde Dein Lektüre-Eindruck von Platz 12.573 auf Nr. 16 oder ähnlich springen. Wenn wir - jetzt - mit einer solchen Suchanfrage in den Top10 stünden, könnte ich das Forum von Hawaii aus verwalten & alle auf Cocktails einladen.

Aber schau' hier: Google: Orte Johannes Bobrowskis. Man sieht: "Es kommt drauf an". Ja, worauf eigentlich ?

Die Rankings wären mit Sicherheit besser, wenn ein jeder ausgiebigen Gebrauch von Mr. Wong oben rechts machte. Oder wenn ich viele Narren reinließe. Oder wenn ich besser vermarktete. Oder wenn wir Partnerseiten hätten à la ich verlink' Dich, verlink' Du mich and I risk, 40% Deiner klickfreudigen Lyrik-Proleten auch bei mir zu verdatenbankcampen. Oder wenn überall im Netz Links auf diese Seite auftauchten. Oder wenn alle, die hier schreiben, die Google Toolbar benutzten. Immerhin: Für Anfragen wie "Forum Germanistik" oder "Forum Lyrik" oder "Forum Literatur" oder "Forum Prosa" kommen wir auf gute Positionen, TOP20 ist schon OK, und ja, das ist die Zielgruppe.

Was Walser betrifft, meinte ich sehr bescheiden diese Nummer hier + es hatte mit "Ordnungssinn" zu tun, den ich aber verteidigungslos aufgäbe, da er mir im allg. fremd ist: Literature Online - Suche

Vielleicht ist das ganz gut, dass wir hier im Trüben schwänzeln. Den Walser will ich trotzdem sehen, wenn ich auf "Neue Beiträge" klicke bzw. nicht den Walser, sondern augustine's comment, denn das Besprechen ist oft mehr wert als das Besprochene.

Insofern dankt:

m

 

Lesezeichen. Bücherfaden.




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