Nächte sind Tunnel · Städter · Z-Entwürfe

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     Städter



Nächte sind Tunnel

   03.03.2015, 22:06 / 2 x geändert



Der Text liegt als *pdf in der Anlage.


[pdf] Nächte sind Tunnel

 

     Nochsojemand



Nächte sind Tunnel

   07.03.2015, 21:43



Hallo Städter,

es ist ja für den Autor traurig, wenn sein Text mit dem gewaltigen Getöse eines fallenden Wattebauschs im Forum versinkt. Dann vielleicht lieber ein wenig Widerspruch. Hier ist er.

Es könnte interessant werden, einen jungen unbedarften Literaturredakteur zu einem alten abgefuckten Autor zu schicken. Warum aber geriet der Text (für mich) so enttäuschend? Zunächst kommt unser "angehender Rezensent einer Literaturzeitschrift" derart unbedarft und daher und spricht dann auch noch eher wie ein ängstlicher Waldbauernbub und keinesfalls wie einer, dem man abnehmen kann, er sei "übermotiviert, vom Ehrgeiz getrieben". Dazu noch seine bescheuert herbei-psychologisierte Vaterfixierung, nach dem Motto: "Missbrauch, gerade auch familiärer, möglichst noch schwul, ist in, also packen wir das auch noch rein." Und damit man es ja merkt, wird es mehrmalig zaunpfahlmäßig angedeutet.

Und dann der Literat selber. Hemingway und Bukowski treffen sich in der Kloake? Es ist vermutlich recht anspruchsvoll, ein fast komplettes und vor allem glaubhaftes Ekel zu erschaffen, deshalb wäre weniger mehr gewesen. Und dann die Wiederholungen. Es reicht absolut, seine unappetitlichen Angewohnheiten jeweils einmal zu berichten. Hübsch ist ja die Sprache dieses Stinktiers von Autor, denkt man anfangs, bis sie sich gar zu sehr wiederholt.

Und der Schluss, der plötzliche Wandel, das Licht am Ende des Tunnels? Der Befreiungsschlag des Ich-Erzählers wirkt - zumindest auf mich - völlig aufgesetzt und unpassend.

Meine Idee wäre: Mindestens auf 1/3 eindampfen, das Ganze; den Vaterkomplex in den Hintergrund schieben oder weglassen, sich außerdem mit der Sprache von Literaturredakteuren, auch angehenden, befassen; dann könnte es noch etwas werden mit der Story.

Ich möchte noch erwähnen, dass ich mich nicht einem hier im Forum vielleicht vermuteten Motzzwang verpflichtet fühle, aber - besser geht nicht.

Grüße, Nochsojemand

 

     Jolante



Nächte sind Tunnel

   10.03.2015, 12:52 / 1 x geändert



Lieber Städter,
ich habe deine Erzählung mehrmals gelesen und mir vorgenommen, nicht vorschnell zu werten. Dennoch hatte ich ständig das Gefühl, die Bedeutungsschwere, die der Text möglicherweise suggeriert, nicht zu erkennen. Das mag an mir liegen, daran, dass mir in diesem Fall die Antennen fehlen. Vielleicht aber liegt es auch daran, dass diese Story nicht wirklich stimmig ist.
Zunächst musste ich meinen Widerwillen gegen die ausführliche, sich wiederholende Beschreibung der geradezu ekelerregenden äußeren und inneren Verfassung des Protagonisten bekämpfen. Schwer vorstellbar, dass "man ihm in der Branche Hunderte von Frauen- und Männeraffairen nachsagte". Nun ja, ein millionenschwerer Erfolgsschriftsteller vermag immer noch genügend Anziehungskraft auf Männlein und Weiblein aus dem Milieu auszuüben, dem er sich selbst zugehörig fühlt. Houellebecq sieht auch nicht gerade aus, wie man sich einen Ästheten vorstellt. Aber wichtiger ist: Was hat er bei der Begegnung mit dem jungen angehenden Rezensenten einer Literaturzeitschrift Wesentliches in ihm ausgelöst, das diesen so in seinem Inneren erschüttern konnte? Mal abgesehen von der Ähnlichkeit des Alten mit seinem verhassten Vater. - Ist in dem Absatz "Als ich vom kleinen und vom großen Schlaf las, wurde mir der besondere Aspekt der Begegnung klar. Eile war geboten" eine Botschaft enthalten, die ich nicht verstehe? Okay, mit dem großen Schlaf ist der Tod gemeint, aber was ist daran so sensationell? Und was hat es mit dem Christuszeichen auf sich, dem XP, das in die Erzählung hineingeheimnisst wird? Ist die Todessehnsucht des Alten das ganze Geheimnis? Dann hätte die Geschichte anders erzählt werden müssen. Der wenig glaubhaft dargestellte Ich-Erzähler "probierte -nachdem ich meine Notizen wieder und wieder studiert und in den darauf folgenden Wochen und Monaten alles gelesen hatte, was jemals von meinem Interviewpartner veröffentlicht worden war- ein neues Leben. Ein verficktes Scheißleben. Und es gelang." Nun ja, ein Scheißleben gelingt immer. War das die Botschaft? Und weshalb ist Eile geboten?
Sprachlich finde ich den Text durchaus auf der Höhe. Und er hat mich neugierig gemacht, auf das, was sein Gehalt sein soll. Da ist bei einer Überarbeitung -es handelt sich ja um einen Entwurf- noch Luft nach oben. Vielleicht, lieber Städter, sorgst du für etwas mehr Licht am Ende des Tunnels.

Darüber würde sich freuen,
Jolante.

 

     Städter²



Nächte sind Tunnel

   10.03.2015, 16:32



Hallo Jolante, Dankeschön für die Zeit, die du meinem kleinen Ausriss gewidmet hast. Ich weiß, fertig ist die Geschichte noch nicht. Womöglich hab ich bei der Reduktion zu viel oder zu wenig weggelassen. Naja, mal gelingt was, mal nicht. Deine Anmerkungen werde ich sorgfältig bei der Überarbeitung berücksichtigen. Vielleicht schaust du ja mal von Zeit zu Zeit hier vorbei und guckst, ob alles besser, schöner, verständlicher wird. Nochmals: Dankeschön fürs so aufmerksame Lesen!

Städter grüßt!

 

Nächte sind Tunnel




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