Durch glühend heiße Weiten · Nochsojemand · Komik, Humor

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     Nochsojemand



Durch glühend heiße Weiten

   30.11.2014, 12:33 / 1 x geändert



Durch glühend heiße Weiten reiten
Reiter, die sich schreiend streiten,
aufs ferne alte Kirchlein zu.
Nur der letzte, der gibt Ruh.
Festgezurrt auf seinem Gaul
tropft das Blut ihm aus dem Maul.

"Ich musste ihm dem Schädel spalten,
diesem Stinker, diesem alten
Gierschlund, der beim Mittagessen
kompletto nur auf sich versessen
alle Bohnen sich ertrotzte
indem er in die Pfanne rotzte."

"Nein, das hättest du nicht müssen,
wir hätten ihn an seinen Füssen
schleifen können durch den Sand
bis den Verstand er wieder fand.
Nach Fairness war dir nicht zu Mute
Du wolltest doch nur seine Stute."

"Ich scheiße doch auf seinen Schimmel!
Immer hielt er dir den Pimmel
und tat dabei noch brüderlich
ich fand das einfach widerlich.
Die schwulste Sau im ganzen Westen
wollt´ die Bohnen mir verpesten!"

"Und du, du scheißgesalbter Pinkel
Ich kenn´ dein´ riesengroßen Dünkel -
Im Hinterzimmer vom Saloon
kannst du nichts Gescheites tun.
Schaust ängstlich zwischen alle Schenkel,
und schlapp herab hängt dir der Senkel."

Es reicht, er kocht, ihm steigt die Wut
ein Schuss beendet den Disput.
"Du machtest mich so schändlich an
dass ich das Blei nicht halten kann!"
Doch dann steht er voll Schuld und Graus
vorm alten schiefen Kirchenhaus.

Auf Knieen und in schwerster Pein
rutscht er in das Kirchlein rein.
He prayed o Lord und schreit es laut
Man hat mir meine Friends geklaut!
Jetzt gehn sie übern River deep
Charly und Fritz, die mir die lieb-

sten aller meiner Kumpel warn,
o Herr, o Lord, o hab Erbarm!
Es schallte weit ins Abendgrau
der Gospelsong der Killersau
die ihre Morde jetzt bereute,
was aber keinesfalls erfreute

Koyoten, Geier und Schakal
denn diese lieben nun einmal
mehr als Geschrei aus Sündermund
das flüsterleise Abendrund.
Selbst Gott auf seinem hohen Thron
ER ward gestört von hundert Phon.

Bei MIR! so sprach er streng zu sich
Der Krach, der ist ja fürchterlich.
Wie soll man da in Ruhe denken
und die Weltgeschichte lenken?
Ich glaub´, ich tue mal ein Wunder
und wirk´ mal auferstehend runter.

Drauf auferstunden aus der Pfütze
voll Blut der Charly und der Fritze.
Sie nahmen ihren Killer mit
zu einem scharfen, guten Ritt
in den nächsten Honky-Tonk.
Nun ist´s vorbei. Byebye, so long.

 

     Elise



Durch glühend heiße Weiten

   30.11.2014, 14:21



Von Komik, Humor vorläufig nach Haltebucht verlegt.
Warten wir ab, ob und wie kommentiert wird.
Elise

 

     gregor libkowsky



Abkühlung in der Haltebucht

   30.11.2014, 19:43 / 1 x geändert



Elf Strophen sind's - ein Elferrat.
Nun nimmt er hier ein kühles Bad,
so kann kein Leser Schaden nehmen,
der Autor sollte sich nicht grämen.
Viel schlimmer wär's, er müsste zahlen,
denn dieses Werk verursacht Qualen.

 

     Willimox



Abkühlung in der Haltebucht

   30.11.2014, 22:05



Die ersten zwei zeilen machten mir laune.
dann aber fuerchterliches absurditaets und absinthgesteuertes lyrikgeholze mit klimmzuegen im westerngebaelk. Frohe botschaft: man kann was verbessern. Den ghopel zum gospel. Aechz.

 

     Nochsojemand²



Abkühlung in der Haltebucht

   01.12.2014, 08:05



Eigentlich wollte ich es für Euch in Golgostani bringen. Vermutlich wäre das besser runtergerutscht.

Aber immerhin hat der Text etliche Aufrufe und nur zwei oder 1 3/4 Verrisse. Das ist doch schon mal was. Und gregor libkowsky Kommentar ist auch deutlich dröger gereimt als mein Moritätchen.

 

     Willimox



Strophe 12

   01.12.2014, 20:49 / 2 x geändert



sten aller meiner Kumpel warn,
o Herr, o Lord, o hab Erbarm!
Es schallte weit ins Abendgrau
der Ghopelsong der Killersau


Hohpel-Ghopel-Strophe

Zwei Tage nach der Episode Honky-Tonky-Bar,
da wurd´ es schwül, es ging die Feuchtigkeit
in Regen über, pfeilgerade
strömt es von oben. Und ganz breit
da wankten auf nun rutsch´gem Pfade
die Drei - ein jeder still geworden -

Man danke Gott und seiner Gnade
er lässt viel Übles überborden
doch manchmal setzt er eine Lade-



Hemmung

 

     Nochsojemand²



Wenn es denn sonst keiner tut ...

   02.12.2014, 08:38



Man mag so etwas mögen oder nicht, festzuhalten ist: Das Gedicht ist fleißig gereimt, enthält einige nicht ganz unoriginelle Wendungen, wartet mit einer netten kleinen Western-Parodie auf und kann ohne schmerzhafte Holperer vorgetragen werden. Natürlich ist das alles auch arges Klischee. Aber wer kann dem schon entgehen, selbst wenn er versucht, möglichst bedeutungsvermeidend nur vage Wörter zu verkuppeln, die sich "sonst nie kennengelernt hätten". (Brecht über Benn) Man könnte den Text duchaus in eine Reihe stellen mit einem Großteil der Gedichte von Eugen Roth, Werner Finck oder Fritz Grasshoff. Wenngleich der Autor vergeblich zu Namen wie Erich Kästner, Joachim Ringelnatz oder gar Christian Morgenstern - bevor der gänzlich versteinerte - hinaufschielen mag. Er hat mir übrigens verraten, dass er schon immer der Meinung war, dass Ghospel so und nicht anders geschrieben werden sollte. Schließlich handele es sich um geistliche Gesänge, und Ghost würde auch so geschrieben.

 

     Willimox



Also dann tun wir was, a weng wos

   02.12.2014, 17:18 / 6 x geändert





"Also dann tun wir was, a weng wos."
(Sloterdijk, rechts; ehemals auffallender Schüler am Wittelsbacher Gymnasium München)

(1) Gemischte Gefühle - Mixed Quality

No ja, der Text - das sei gesagt/eingeräumt, auch wenn der Verdacht der Herablassung sein Gorgonenhaupt erhebt - verrät ansatzweise an mehreren Stellen die Fähigkeit wirkungsvoll, genreparodistisch den plot zu ziehen und den Reim zu setzen und lyrisch-rhetorisch zu kobolzen (Streck-Enjambement im Strophensprung) oder Gags zu produzieren ("Bei MIR" - - Bei Gott) .....

Bei MIR! so sprach er streng zu sich
Der Krach, der ist ja fürchterlich.

Dabei gibt es dann auch gleich Schwierigkeiten, Gottes Ruhe wird gestört, aha, und er spricht "zu sich" in einer Art stillem Monolog. Nunja. Und er spricht "streng", der Ruhestörer wird eins auf den Deeeeetz - Blong - kriegen vom Donnergott, mutmaßt der geneigte Leser. Aber der Satz stolpert halt doch leicht, weil er "ein streng" "zu sich" miteinander kombiniert, ohne eine Trennung zu probieren - und so die Zielrichtung der Strenge vermanscht.

Der laute Barmgesang (Gospel ?) in der Kirche stört den lieben Gott in seiner Weltenlenkerruhe und Meditation.
Warum gerade dieser Gesang? Und nicht die anderen Kirchengesänge auch? Rätselhaft. Oder: Was soll´s. Ist irgendwie halt so.

Nun ja, gehen wir zum Sündermotiv. Da wurden zwei Männer getötet. Und in der Kirchenzone gilt: Du sollst nicht töten. Und für eine richtige Buße braucht es das Eingeständnis des Vergehens und dazu Reue. Nix davon bei unserer Hauptfigur. Sie meint sogar, sie sei "beklaut" worden, wahrheitswidirig und auch dumm. Aber was tut Gott?

Als Allwissender dürfte er wissen, dass der Klagende seine Schuld nicht gesteht, sondern wahrheitswidrig mit "Klau" zu verdecken versucht. Keinesfalls ein rechter Büßer vor dem Herrn. Da könnte eine Strafe folgen, die nicht von Pappe ist.

Gott war gerade noch "streng", man vergleiche die entsprechende Strophe. Ein Mörder ohne Geständnis und ohne Bußfertigkeit, greinend, weil er nun allein ist. Ähnlich wie der Tantenmörder Wedekinds:

Ich hab' meine Tante geschlachtet,
Meine Tante war alt und schwach;
Ihr aber, o Richter, ihr trachtet
Meiner blühenden Jugend-Jugend nach.

Nun aber ist Gott - der bei unsrer Westernkirche - halt doch irgendwie gütig und entgegenkommend hinsichtlich der Gesamtsituation des einsamen Cowboys, er lässt die zwei Toten "auferstehen".

Warum zum Teufel?
Weil Gott an die Reue glaubt?
Damit der Täter leiser wird? Das könnte dieser Gott mit einfacheren Elementen seines Repertoires hinkriegen.
Weil das Strenge-Motiv ein blindes Motiv ist?
Alles zusammen?

Also gut, was sollen all diese Einwendungen? Die Drei, also Fritz und Charly und X, suchen eine Bar oder Saloon auf. Dort saufen sie und singen Lieder, vielleicht ähnlich wie die Sünderballade und freuen sich ihres papierenen Lebens. Recht einseitiges Vergnügen.

(2) Fein-Totale und Schrei-Maul

Generell und im Detail: Der Text arbeitet oft plakativ schlampig und auf Geschmacksbrüche schielend, ne, sie feist zelebrierend, ohne dabei den angetippten Parodiesound gebührend zu berücksichtigen und entsprechende Feinstrukturen&Möglichkeiten auszukosten. Und das ist schade, denn das Genre und der aktuelle Text bergen schönes Potential:

2.1 Schwenks

Eine Erzählerstimme in den ersten drei Zeilen, sie gibt eine eher auktoriale, schöne Totale im abgeklärten Ton vor.

Durch glühend heiße Weiten reiten
Reiter, die sich schreiend streiten,
aufs ferne alte Kirchlein zu.

Das ist eine weite Filmeröffnung fürs Kopfkino, ein feiner "establishing shot".
Da gibt es einen Binnenreim in der ersten Zeile und eine trächtige Assonanz mit "ei" in allen drei Zeilen.
Da ist die Vogelperspektive und ein geschickter Zoom aus der Totale auf die drei Reiter in Halbtotale und Nahaufnahme.
Kurz: Der Bildaufbau in der Drei-Zeilen-Sequenz fasziniert, die Phonologie der Syntax und der Wortfolge fängt an zu strahlen.
Und in einem Sidecick wird Interesse geweckt: Warum streiten die Reiter?

Aber dann plötzlich: die feinziselierte, eher romantische, filmästhetische Codierung flippert weg, der Texter will mit "Maul" einen Ungeschmackstreffer landen. Und schlägt die Strophe - scheint mir - k.o.

Nur der letzte, der gibt Ruh.
Festgezurrt auf seinem Gaul
tropft das Blut ihm aus dem Maul.

Nun mag man diese Technik noch retten, mit dem Hinweis auf den Erwartungsaufbau der ersten Zeilen und das kontrastive Versiffen in den letzten drei Zeilen. Eine komische Brechung eben.

Trotzdem, trotzdem, da verspielt der Texter Potential, um Scheinasse auftrumpfend aus dem Ärmel zu ziehen und auf den Tisch zu knallen.

2.2 Fragende Anregungen:

Warum nicht das Rohgebolze der Protagonistenrede überlassen und im Rahmentext den feinziselierten Ton der Eingangstotale beibehalten?

Warum dieser schnelle Griff in eine Sauf- und Rüpel-Komik-Kiste der Ballermann-Folklore?

Warum nicht den möglichen Kontrast zwischen Figurenrede und Erzählerrede samt Fallhöhe zu komischem Effekt nutzen?

Warum nicht zeigen, dass der Autor beide Codes beherrscht und nicht auf jeden Fall/auf Teufel-komm-raus mechanisch den sicheren Schenkelpatschbrülleffekt - plotfädenziehend - sucht? Und dann vielleicht auf so ein abgelutschtes Pimmelspiel (Erektile Dysfunktion versus Schwulitätenmoves) in der Plotkonstruktion des Streits verzichtet?

2.3 Elaboriert und so

"Nein, das hättest du nicht müssen,
wir hätten ihn an seinen Füssen
schleifen können durch den Sand
bis den Verstand er wieder fand.
Nach Fairness war dir nicht zu Mute
Du wolltest doch nur seine Stute."

Ok, da ist nun rüde Figurenrede angesagt, aber sie beginnt mit einem elaborierten Konjunktiv, naja.

Die Metrik holpert bei "müssen - Füssen" wohl unfreiwillig im Langvokal-Kurzvokal-Pattern. Und sie setzt ziemlich seltsam ein Imperfekt in "bis den Verstand er wieder fand".

Die Imperfektsetzung mag den Binnenreim "Verstand - fand" im Sinn haben, ist aber temporal recht unlogisch und eher wirkungsverfehlt. Vor allem wenn man den gebildeten, figurenfremden Konjunktiv Plusquamperfekt des Sprecheranfangs ein wenig ernst nimmt und sich dann wundert, was da im Indikativ gefunden wurde.

(3) Gho(s)pel, Gute Botschaft und Schlangen-S

Auf Knieen und in schwerster Pein
rutscht er in das Kirchlein rein.
He prayed o Lord und schreit es laut
Man hat mir meine Friends geklaut!
Jetzt gehn sie übern River deep
Charly und Fritz, die mir die lieb-

sten aller meiner Kumpel warn,
o Herr, o Lord, o hab Erbarm!
Es schallte weit ins Abendgrau
der Ghopelsong der Killersau
die ihre Morde jetzt bereute,
was aber keinesfalls erfreute


Ächz, der Sünder schreit heftig und voll Reue (!) und wider allle Bußnormen, man habe ihm die Freunde gestohlen, o Gott.
Gags, die zünden wollen, kommen nur mit Logik über die Runden. Aber Rohrkrepierer machen nur Krach.

Weitere Detailkritik - man gucke sich die obigen Strophen im Detail an und findet Schrecklich-, Peinlichkeiten und Wackeliges zuhauf - sei hier aus Zeitmangel ......

Nur noch eine "Frohe Botschaft": "Good Spell/Gospel" mag halt irgendwie sein "h" von Ghost und den Geisterreitern beziehen und wird dann zu einem aenigmatischen Ghospel - was soll´s. Ok. Ok. Geschenkt, weil bald Weihnachten ist.

Aber das fehlende und mehrfach monierte und offensichtlich immer noch nicht vom Westernschreiber vermisste "s" in "Ghopel" zeugt doch von einiger Kurzsichtigkeit (konkret und metaphorisch? Wamm-Bamm!).

Hoffen wir zu Gott, der Autor vermöge es, trotz solcher Gebresten sein gottgegebenes Talent zu nutzen, für Detail-Failerei (Binnenreim-Versuch, missglückter, aber immerhinque halbwegs geglückt als Nochsojemandnachfolge).


(4) Bonustrack: Ghost Riders in the Sky



willibald jakobson wamser

 

     augustine



Also dann tun wir was, a weng wos

   02.12.2014, 18:00



Isses nich schön - erneutes (erneuertes) Leben inne Bude. Verdankt sich ja wohl einer Puppe von Elise/Gretchen/.... und ermöglicht dem willimox wieder lange Darstellungen.
augustine

 

     gregor libkowsky



Halte ein, bitte!

   02.12.2014, 18:48



Oh weh, augustine, in Bezug auf Puppen hat dich deine Ahnung schon so oft in die Irre geführt. Nun lauert hinter jeder Verszeile ein Betrüger und die gekränkt-paranoide Dichterseele nimmt Rache für alle Ewigkeit. Weshalb ist kein Anfang möglich?
Willimoxens Mühe goutiere ich, ja, ich lese seine immer auch spannenden Ausführungen mit größtem Interesse. Danke dafür.


Libkowsky

 

     augustine



Halte ein, bitte!

   02.12.2014, 19:54



Ja, freilich halte ich ein, "Comandante", den ich nie so genannt habe. Ich nehme nicht mehr teil hier in diesem "Forum für Literatur und Germanistik".
Aber ich wollte markieren, dass mir das so nicht gefällt. Gebt euch doch einen anderen Namen.
augustine

 

     Gretchen Darloni



Nochsowas ...

   03.12.2014, 07:07



Heiala Nochsojemand,
nicht so elaboriert wie Willimox, dessen bedenkenswerte Beiträge hier ich mit dankbarem Interesse lese, sondern mehr fazitmäßig ausgedrückt: Der Text stinkt (finde ich) schon ziemlich übel aus dem Maul. Hat wohl schlechte Zähne, muss zum Zahnarzt, Gebiss sanieren lassen. Und ein Friseurbesuch könnt auch nicht schaden. Oder? Überhaupt: Füße waschen, Nägel schneiden, frische Unterwäsche. Körperpflegebasics halt.
Kurzum: Gretchen steht nicht so auf grobschlächtige Holzhammerhumoresken, lauthals barmende Spaßbüßerballaden, peinsam pimmelnde Pseudoparodien ...
Grüße! -> GO WEST!

. . . . . . . . . .

Nochsojemand meint:
Zitat:
Man könnte den Text duchaus in eine Reihe stellen mit einem Großteil der Gedichte von Eugen Roth, Werner Finck oder Fritz Grasshoff.

Nein. Könnte man nicht. Ich nicht.

 

     Nochsojemand²



Aber Hallo!

   03.12.2014, 09:12 / 2 x geändert



Ein herzliches Dankeschön für Eure Beiträge, denen in diesem oder jenem Punkte durchaus zuzustimmen wäre, auch wenn Ihr durch die Bank weg es nicht versäumt, die Mühen der Herablassung durch einen gewissen Tonfall entgelten zu lassen - der dann aber auch wieder recht stimmig zu meinem aus dem Maul stinkenden Textlein passt. Die Musik-Links ist übrigens erste Sahne!

Zur Belohnung für solche Mühewaltung gibt es noch etwas von mir schön gereimtes, ein Titel ist mir noch nicht eingefallen:

___________________________________________

Wirklich, Dichten ist nicht schwer.
Wörter schwirrn genug umher,
behende packt man sie am Schwanz
dreht und schiebt sie, bis sie ganz
von allein in Reime passen.
Dann kann man sie dort stehen lassen.

Betörend klingt der reine Reim!
Da nimmt man manchen abgefeim-
ten Satzbau billigend in Kauf.
Geht selbst der ganze Sinn bei drauf -
Hauptsache ist, dass gut gepuzzelt
und niemals nicht der Reim vermasselt!

Gewiss, die Welt da draußen ist so schlimm
dass selbst in Dichters Klause drin
das Klagen, Schrein und laute Stöhnen
von Mensch, Tier und Natur ertönen.
Doch klagt er nicht noch wird er greinen
er will nur fleißig weiter reimen.

Denn was solln, wenn die Welt in Scherben
dereinst unsre Kinder erben,
was bleibt, wenn alles rings zerstört
und nirgends Schönheit mehr betört?
Wenigstens der schöne Klang
in des Dichters Abgesang.

_________________________________________________

 

     Willimox



Aber Hallo!

   03.12.2014, 11:33 / 3 x geändert



Meta-Gedicht, erheblich weniger vermasselt-quasselt.

Titelüberlegung:
- Gesang ab!
- Schluss mit Reim

Greetse
Willi Anselmus Wamser

 

     gregor libkowsky



Aber Hallo!

   03.12.2014, 13:09



Was an anderer Stelle nicht gelang, hier funktioniert es: Das nachgeschobene Gedicht dient der Ehrenrettung. Ich konnte schmunzeln.

Titelvorschlag: Endreim


Grüße von Libkowsky

 

     Gretchen Darloni



Was abr bleibt, stiftn die Dichtr -

   04.12.2014, 07:17



Naja, da möcht ich jetzt weder dem Willimox
noch dem Kommandanten Libkowsky widersprechen ;)

Mein Titelvorschlag: Was aber bleibt.

Gretchengrüße -> zum Abendbrechen

Übrigens, einen Metafaden für Reime vom Dichten gibts hier -> http://www.synekdoche.de/thema2759.htm

 

     Nochsojemand²



- gehn die Dichter stiften

   04.12.2014, 08:16



Vielen Dank auch für die freundlichen Kommentare zum letzten Gedicht! Ein Germanistenforum und ein Metagedicht - das musste ja klappen! (Smiley)

Besonderen Dank auch an Willimox für die ausführliche "Befassung" mit dem Western-Dingens. Jetzt sehe ich das: Es ist sicherlich nicht unbedingt ein Fehler, einen Art Mix von Sergio Leone, Lucky Luke und Helge Schneider ("Doc Snider ...") zu versuchen; das kann man dann mögen oder nicht, aber man sollte nicht orientierungslos dazwischen herumtorkeln - ebensowenig, wie ein Schauspieler, der einen Betrunkenen zu spielen hat, besoffen auf die Bühne gehen darf.

Drum:

Beizeiten gebt dem Dichter Senge
sonst haut er über alle Stränge
hält sich gar für ein Genie.
Also besser jetzt als nie!

Grüße, Nochsojemand

 

     Willimox



- gehn die Dichter stiften

   04.12.2014, 14:08



Also gut, gut.
Und jetzt noch im Anfangstext (Button)das bescheuerte "Ghopel" mit einer s-Spende beglücken. Und dann ist erstmal freundlicher Friede.
Willi wamser

 

     Nochsojemand²



Keine Ahnung, ob das ein Gospel ist,

   04.12.2014, 21:38



klingt aber richtig gut: Sinnerman.

 

     Willimox



Keine Ahnung, ob das ein Gospel ist,

   04.12.2014, 22:47 / 1 x geändert



Der sinnerman ist wohl textlich und musikalisch sehr spa nend. Stell den text hier rein und schreib (ein weng was dazu). Vielleicht hat ja auch jemand den alpenwestern von prochaska gesehen?

 

     Gretchen Darloni



schnee berg blut

   04.12.2014, 23:33



yass, den sah ich.
schneedunkler film. nimmt sich zeit, langsam, bedächtig auf der spur, schritt für schritt, kein zaudern. suggestiv bebildert, gute kameraarbeit, gewaltig, gewalttätig auch die choreografie der rache. vergeudet unterm strich nichts.
würd ich mir nochmal anschaun, so es sich ergäbe, so mehr zeit mir. dass der protagonist fotograf ist: ein guter zug. kaltes auge, magisches auge, gottes auge. sieht alles und bewahrt die geschicht(en), jedes detail: bis zum showdown, bis zum jüngsten gericht.
gretchen grüßt, eilig -> super size me!

 

Durch glühend heiße Weiten




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