scheißherbst · gregor libkowsky · Quickies

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     gregor libkowsky



scheißherbst

   14.11.2014, 13:19 / 1 x geändert



wolkenschwämme
saugen mitleid

in gläser koch ich mein
gezeter

es faucht der
abschied mir im
windfang

und nur
zwei stoppel
felder weiter

spritzt mir
die jauche
bis zum knie

 

     Jolante



scheißherbst

   17.11.2014, 12:43



Die Rubrik, unter der es steht, erstaunt mich, denn das Gedicht erscheint mir zwar aus einem Guss, aber nicht auf die Schnelle gemacht zu sein. Es ist formvollendet in seiner Kürze und es hat einen Klang, der nicht nur eine "Saite" meiner Seele mitschwingen lässt. Die Bilder, in die ein aufgestörtes lyrisches Ich seine düstere Stimmung kleidet, scheinen Ausdruck einer heftigen Lebenskrise zu sein.
Doch gibt es auch die tröstlichen Worte "Wokenschwämme saugen Mitleid". Die habe ich heute zum Mantra erkoren gegen das Gezeter, Gefauche und Gejauche meines eigenen "Scheißherbstes".
Danke Gregor... und schön, dass du wieder hier schreibst.

Es grüßt Jolante

 

     Gerd



scheißherbst

   17.11.2014, 16:48 / 2 x geändert



Lieber Gregor,

ich lese in diesem "scheißherbst" einen Abschied. Da geht jemand oder etwas. Der Abschied ist von Fauchen und Gezeter begleitet - im Streit. Selbst der Himmel ist weder versöhlich noch tröstlich, sondern saugt das Mitleid förmlich auf und erscheint mir damit mitleidlos.

Die Sache ist nicht ausgestanden, da das eigene Gezeter in Gläser eingekocht wird. Darin lese ich Verdichtung und Bewahrung für den passenden Moment, da die Zeit reif wäre, die unseligen Konserven oder auch Büchsen wieder zu öffnen.

Zwei abgeerntete Stoppelfelder sind der Boden/die Basis, welche keine Früchte mehr trägt. Übrig ist nur Rauheit und Ödnis - sozusagen das Stimmungsbild der Beziehung.

Die Jauche düngt hier nichts, findet den Bogen zum Titel und wertet, worin man am Ende der Dinge watet.

Wie ist der arme Herbst doch passend für einen Abschied mit Getöse und Gestank.

Tröstlich erscheint mir lediglich, ES "der Welt" gesagt zu haben, was für ein Mist sich in diesem Herbst wohl unschön zugetragen hat.

Vielleicht aber auch nur eine Momentaufnahme der Natur beim Joggen durch die herbstlichen Felder. Doch will mich die erstere Lesart mehr ansprechen und deren pointierte Umsetzung.

Schöne Herbstgrüße

Gerd, der auch schon besch ... eidene Zeiten hatte

 

     Nochsojemand



Einwand

   20.11.2014, 08:32 / 1 x geändert



Die Bilder, Mitleid, Gezeter, Abschied, dann der kecke Umbruch stoppel/felder - alles prima, gefällt mir.

Aber der Schluss, der stinkt mir, sozusagen. Wer läuft den schon direkt hinter dem Güllewagen über die Felder? Weiter: Stoppelfelder sind, da noch nicht aufgebrochen, zumeist von eher fester Beschaffenheit. Da spritzt nichts bis zum Knie. Und wird Jauche überhaupt jemals auf feste Oberflächen ausgebracht?

Jaja ich weiß, es handelt sich, da um ein Gedicht, nur um symbolische Jauche. Vermutlich muss die am Schluss wegen der Scheiße in der Überschrift spritzen, damit es sich rundet. Dennoch stört sie den konkretistischen Herbstsgänger

Nochsojemand

 

scheißherbst




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