Lieberwicht · ruelfig · ab 16 Zeilen

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     ruelfig



Lieberwicht

   08.11.2014, 21:19



Er sucht für seine Lösung ein Problem,
er sucht und weiß, er wird es finden.
Er macht es sich gewisslich nicht bequem.

Denn es ist sicherlich nicht angenehm,
als einziger zu schauen unter Blinden.
Er sucht für seine Lösung ein Problem,

erstellt zunächst mal ein Modell aus Lehm,
den Zweiflern Zweifel zu entwinden.
Er macht es sich gewisslich nicht bequem.

Doch sind die Widerstände zu extrem,
so wandelt er gepeinigt unter Linden.
Er sucht für seine Lösung ein Problem,

verfasst ein konstruktives, kritisches Poem.
Jetzt muss der Nörgler doch verschwinden!
Er macht es sich gewisslich nicht bequem.

Wer nicht mit ihm marschierte, dem
wird er nun helfen, sich zu überwinden.
Er sucht für seine Lösung ein Problem.

Wem kann er jetzt noch trauen, wem?
Wie kann er seine Feinde ewig binden?
Er hat für seine Lösung ein Problem,
das wird für die gewisslich nicht bequem.

 

     Gerd



Lieberwicht

   09.11.2014, 05:45 / 5 x geändert



Lieber ruelfig,

die Synonyme von "Wicht" gehen von halbe Portion, über Bürschchen, bis hin zu Kobold und Schreckgespenst. Ich lese Deinen "Lieberwicht" von Beginn an als kritische Ironie, wobei auf dem zweiten Wortteil des Titels für mich die stärkere Betonung liegt. Das Paradoxon, ein Problem für die gelegene Lösung zu suchen, macht den inhärenten Widersinn der Absicht des Protagonisten deutlich. Den Deutungshintergrund verorte ich in den Faschismus, sei dieser politisch oder religiös motiviert, ist nach meinem Verständnis hier einerlei. Die Argumentationsweise faschistischer Ideologie und dieser zu folgen, bedingt einen hohen Grad an Heuchelei, da Vorspiegelung und Verdrehung als Mittel zum Zweck dienen. Auf diese Weise erhält die gewünschte Lösung ihr erforderliches Problem, um die Funktionalität der Ideologie herzustellen.

Die mehrstrophige Form sowie der wiederholende und pointierte Vortrag hat für mich alle Merkmale einer Ballade.

So verstehe ich Deine für mich funktionierende Ballade vom Heuchler, mit ihrer drohenden Auflösung, als Mahnung - die Moral von der Geschicht, welche mir gefallen will.

Grüße in den noch allzu jungen Morgen

Gerd

 

Lieberwicht




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