Blödigkeit · toltec-head · Essays

1878 Aufrufe

Neue Beiträge   |  Forenliste   |  Registrierung   |   Archiv   |   a n m e l d e n

 

     toltec-head



Blödigkeit

   03.08.2014, 12:03



Blödigkeit: Publizieren auf Internetliteraturforen als Einübungsform in Unbedeutsamkeit

Natürlich ist alles - jede Form des Bloggens, alles Publizieren auf Internetliteraturforen - eitel. Genau so wahr ist aber, dass man ganz schön uneitel bis hin zur Blödigkeit sein muß, um bei der Stange zu bleiben. Das kleine narzisstische Ich, wie sollte es denn nicht am Anfang stehen? Ein Buddha publiziert nicht, das gilt aber sogar für die Duineser Elegien, und wenn es sogar für die Duineser Elegien gilt, wie denn dann nicht für die Bloggossphäre? Den kleinen sich aufplusternden Hefeteilchen auf Internetliteraturforen Eitelkeit vorzuwerfen, ist daher müßig. Interessanter ist, den sich immer weiter Aufplusternden beim Aufplustern zuzuschauen, und zu sehen, was dann passiert. Meist nämlich: Nichts. Nirvana. Die intelligenteren User - und heißt das aber nicht: die eitleren - hören nämlich so unvermittelt wie sie damit angefangen haben, mit dem Bloggen auch wieder auf. Das kleine narzisstische Ich sucht den Jahrmarkt der Eitelkeiten, aber als Jahrmarkt der Eitelkeiten eignet sich die Bloggossphäre, schaut man genauer hin, letztlich gar nicht. Jahrmärkte der Eitelkeiten leben davon, dass die kleinen narzisstischen Iche in ihrem kleinen narzisstsichen Ichsein belohnt werden, und mit dem Belohnungselement ist es in der Bloggossphäre so eine Sache. Prinzipiell taucht es in zwei Formen auf: Klickzahlen und Kommentare, (Gefällt-mir-Äußerungen sind Mini-Kommentare). Klickzahlen und Kommentare: das Foren-Geld. Nun wollen wir aber schauen, ob dieses Geld auch taugt, zum "Kapitalisten" der Bloggossphäre zu werden. So wie Geld nämlich erst dann richtig Spaß macht, wenn es sich von alleine vermehrt, wäre das kleine im Internet publizierende Ich erst dann richtig befriedigt, wenn Klickzahlen und Kommentare sich sozusagen zwecks Selbstvermehrung horten ließen und aus diesem Hort ein immer größerer Gewinn flösse. Die Foren-Wahrheit ist aber: Klickzahlen und Kommentare verpuffen und das kleine narzisstische Ich muss am nächsten Tag wieder bei Null anfangen. Und weil das so ist, geben die Intelligenteren, wenn sie sich nicht auf die Blockwart-Positionen eines Webmasters, Moderators oder Vereinsvorsitzenden zurückziehen können, nach mehr oder weniger kurzer Zeit mit dem Bloggen auf, und nur die Blöden bleiben bei der Stange. Es ist wirklich so: Wem das Publizieren in Foren nicht nach eine Weile peinlich wird, muß halt schon ganz schön blöde sein.

Sind denn dir nicht bekannt viele Lebendigen?
Geht auf Wahren dein Fuß nicht, wie auf Teppichen?
Drum, mein Genius!, tritt nur
Bar ins Leben, und sorge nicht.

Publizieren im Internet als eine Form der Einübung in Blödigkeit oder Unbedeutendheit. Dass in der Bloggossphäre jemals Duineser Elegien entstehen werden, mag ausgeschlossen sein. Aber wer bei der Stange bleibt, landet vielleicht woanders. Das Nirvana der Internetliteraturforen ist ein Bereich sichtbarer Unsichtbarkeit, einer Blödigkeit, die man sich erarbeiten muß, einer bedeutsamen Unbedeutsamkeit, die dadurch entsteht, dass das kleine narzisstische Ich gezwungen ist, sich beim eigenen Verschwinden zuzusehen.

Was geschieht, es sei alles gelegen dir!
Sei zur Freude gereimt, oder was könnte denn
Dich beleidigen, Herz, was
Dir begegnen, wohin du sollst?

Über dem Blogger der blaue Himmel, Klickzahlen und Kommentare sind eigentlich nur wie Wolken, die über diesen alles überwölbenden blauen, blauen Himmel hinwegtäuschen. Sich auf den Boden legen und 30 Minuten ohne zu zwinkern nur in den blauen Himmel starren. Eine Einübungsform in Unbedeutendheit. Das Publizieren auf Internetliteraturforen, wenn man es denn lang genug macht, eine andere.

Wo sich vieles gesellt, freudig und jedem gleich,
Jedem offen, so ist ja,
Unser Nobodaddy, der Bloggossphäre Gott.

Bare und holes all open, wer das auf Dauer nicht aushält, muß wohl zu erdhaltigeren Formen des Publizieren zurückkehren.

 

     augustine



Blödigkeit

   09.08.2014, 15:04



Den Hölderlin kennend, Blödigkeit, schreibst du einen nicht unbedeutenden Essay über Forenbeiträge. Und erinnerst auch noch an Rilke, seine Duineser Elegien. Zwei also, die Klicks und Kommis noch nicht kannten und in einer anderen Liga gespielt haben als in Foren, erfolglos (Hölderlin) oder erfolgreich (Rilke). Diese hier, die Foren, hätten sie nur verachtet, und zu Recht.

Deinem Essay (und ich habe keine Mühe damit, ihn so zu nennen) kann ich weitgehend zustimmen. Wenn dein Essay aber gut ist - warum bist du so blöd, ihn hier zu publizieren?

fragt (erfreut übrigens) augustine

 

     gregor libkowsky



Blödigkeit

   09.08.2014, 15:57 / 4 x geändert



Zitat:
Es ist wirklich so: Wem das Publizieren in Foren nicht nach eine Weile peinlich wird, muß halt schon ganz schön blöde sein.


Da bin ich doch gern blöde und begrüße anläßlich meines offenherzigen Bekenntnisses auch noch ganz herzlich augustine und toltec-head.

Diesem "Essay"(augustine), einer Mischung aus altbekannter Internetkritik (deswegen allerdings nicht alles verkehrt) und psychologischem Herumgestochere, fehlt die Ausdifferenzierung. Die Komplexität auf menschliches Grundverhalten herunterzubrechen, beschreibt mir keine neue oder unbekannte Facette des "Menschen in der Forumwelt", sondern dient nur der Pfeilanspitzung dieser Kampfschrift (richtig gelesen: das ist ein Pamphlet, kein Essay, denn der leidenschaftliche Kampf des Autors gegen die "Blödigkeit" im Internet publizierender Menschen steht doch arg im Vordergrund).
Die Reduktion der Motivlage eines Max-Mustermann-Users auf Eitelkeit, Lob, Klickzahlen und also letztendlich sein narzisstisches Ich wird hier zur unabdingbaren Grundvorraussetzung für diese Kritikkaskade und ist somit nicht das Ergebnis einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Literaturforen und dem Verhalten vieler verschiedener User.
Interessant für mich: toltec-head beglückt immer wieder die kritisierten Foren mit Generalbrechnungen und Kritik auf Metaebene. Aus welchen Motiven heraus mag sich dieser Kampf speisen?
Ich jedenfalls wünsche ihm viele Klicks, denn einige bekannte Wahrheiten sind ja schon im Text versteckt.
Was mir missfällt, sind der Absolutheitsanspruch und die ideologische Radikalität seiner dichotomen Welterklärung (bedeutend-unbedeutend; eitel-uneitel; blöd-klug; Höderlin und Rilke gegen Max Mustermann und Eva Herzeleid).


Gregor Libkowsky

 

     Gretchen Darloni



so blöde, auch ich!

   09.08.2014, 18:19 / 1 x geändert



naja, wenn es hier den berühmten Gefällt mir-button gäbe, dann drückte ich ihn da unter gregor libkowskys kommentar. wie libkowsky ausführt, find auch ich diesen "essay" (ja, die abteilung Pamphlet hammwa nüch in den regalen): zu wenig differenziert, zu flach in der gedankenführung; grob verallgemeinernd, schwarz-weiß polemisierend; larmoyant.

ich frag mich gar (augenzwinkernd natürlich und um die lustige küchenschellenpsychologie noch ein wenig weiter zu treiben und auch die klickzahlen mal bisschen zu pushen), ob du, toltec, auf diese weise schreibend wohl gewisse frustrationen verarbeitest, also, was ich meine, ist: virtuell frustriertes narzisstisches ich disst sich durchs netz; like- und klickmäßig zu kurz gekommenes mustermannego stemmt sich mit flammender feder gegen schnöde, blöde mangelbeachtung; nieder mit den foren, schleift die blogs, weg mit dem netz, zurück zur analognatur, auf dass die welt gesunde ...
gretchen grüßt -> Wolfgang Herrndorf (war auch so n blogger, btw.)

die crux ist halt, dass menschen in foren/im netz das tun, was sie auch im richtigen leben gern tun: small talken; und möchten (dringend! unbedingt! bitte!) wahrgenommen werden in ihrem ausdruck, in ihrem sich-entäußern.
in der analogwelt verfliegt dieses stete summen, der wind wehts davon und all die flüchtigen, leichten, seichten sätze und bemerkungen, die allenthalben aus kleinen (und großen) mündern steigen, kommen, gehen, sind vergessen.
im netz aber (und das mag in diesem zusammenhang der unterschied zwischen virtueller sphäre und richtig erdhaltigem leben sein) bleibt das "gesagte" erst mal stehen; steht da hingeschrieben in aller womöglichen dürftigkeit so richtig wort für wort, fällt ins auge - und gibt zu denken, schockiert gar (manche[n]).

 

     toltec-head²



und ich erst

   11.08.2014, 10:59



Blödigkeit ist bei H (augustine wird das wissen) nicht einmal zweideutig, sondern eindeutig positiv gemeint. 1:1 lässt sich das auf die Blogossphäre nun aber wirklich nicht transponieren. Ich versteh es, als bekennender Internetliteraturforenautor, daher zweideutig und mache in diesem Sinne - a bissel Ressentiment ist natürlich auch dabei, aber ich hoffe, nicht nur - weiter. Thx to Gretchen übrigens für die sich aufplusternden Hefeteilchen.

 

     Gretchen Darloni



zur erweiterung und erheiterung:

   11.08.2014, 17:40 / 1 x geändert



paar links -

- das macht einfach nur hoffnung: http://iwright.de/

- hier was zum thema liken, mir eben übern schirm geglitten: http://www.wired.com/2014/08/i-liked-eve...?mbid=social_fb

- und ein gaaanz langes drittes noch, zur befindlichkeit der erdhaltigeren formen des publizierens: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/un...rue#pageIndex_2
gretchen grüßt -> linker fuß

 

     toltec-head²



Achtzehnter Brumaire des Louis Bo

   12.08.2014, 09:53 / 1 x geändert



Den Artikel über die Rückwirkung des Internets auf die Zeitungen finde ich interessant. Man muss das auch mal für die Literatur so durchspielen.

Marx Bemerkung über alle weltgeschichtlichen Tatsachen, dass sie sich sozusagen zweimal ereignen, das eine Mal heiß wie die Religion im Mittelalter, das andere Mal kalt als Farce wie der Protestantismus, gilt vielleicht auch für die Literatur. Die Literatur, von der Mallarmé meinte, die ganze Welt sei nur geschaffen, um in einem schönen Buch zu enden, ereignet sich in den Internetliteraturforen und Schreiber-Blogs ein zweites Mal, kalt als Farce, welche Mallarmés Diktum im Rückblick als reichlich überhitzt erscheinen lässt. Denn was Marx vergessen hat hinzuzufügen: die Farce entwertet die Primär-Tatsache. Die bloße Existenz der Literatur-Blogossphäre lässt die Literatur der Vergangenheit mit großem L als Hokuspokus erscheinen, genau so nämlich wie heute die Transsubstiations-Aspiration der katholischen Kirche erscheint. Die Blogossphäre reduziert die gesamte Literatur der Vergangenheit auf ein kleines Stück wertloses Esspapier.

 

     Jolante



Achtzehnter Brumaire des Louis Bo

   13.08.2014, 18:06



Ist nicht jeder narzistisch, der sein qualitativ wie auch immer "gelungenes" Geschreibsel veröffentlicht? Gleichgültig, ob virtuell oder gedruckt oder vorlesend? Es gibt heute mehr Möglichkeiten als früher, Selbstgeschriebenes unter die Leute zu bringen. Natürlich ist es in erster Linie unser selbstsüchtiges kleines Ego, das dem Wunsch, sich darzustellen und zu kommunizieren, nicht widerstehen kann. Das ist, wer würde es bestreiten, eitel. Aber ist Eitelkeit, der Wunsch Beachtung zu finden, nicht der Antrieb für alle unsere Ent-äußerungen? Warum denn langwierig, umständlich und wenig aussichtsreich einen Prozess in Gang setzen, wenn es heute diese Foren und Blogs im Netz gibt, die eine schnelle Verbreitung unserer "geistigen" Produkte möglich machen und im günstigsten Falle unsere Kreativität befeuern? Dass dieses schnelle, oft unreflektierte und unlektorierte "Geschreibsel" nicht dem qualitativen Maßstab eines Hölderlin oder eines Rilke entspricht, scheint mir für die Beurteilung derartiger Blödigkeit nicht vorrangig zu sein. Bildungshuberei schon gar nicht. Wichtiger erscheint mir, dass der oder die Schreibende, die sich mit ihren Texten der Kritik aussetzt, eine positive oder negative Resonanz bei den Lesenden findet. Die sollte sich meines Erachtens allerdings nicht in Gefällt-mir-gefällt mir nicht-Klicks ausdrücken, sondern in Kommentaren, die konstruktiv sind und das Zeug haben, zu einem regen Gedankenaustausch zu führen. Wird ein Text nicht kommentiert oder gar in den untersten Hades gedonnert, so muss der Schreiberling oder die Schreiberlingin sich nicht grämen. Blöde sind sowieso immer die anderen. Und narzistisch sind sie alle.
Willkommen im Club der blöden Dichter!

 

     aswad



Blödigkeit

   14.08.2014, 00:57 / 11 x geändert



... ob man virtuell, gedruckt, vorlesend publiziert - oder mit dem Kioskbesitzer ein Schwätzchen hält: Jeder trachtet danach, einen Wiederhalt im anderen zu finden; grundsätzlich narzisstisch ist das nicht, denn es existiert kein Ich, keine Identität ohne Gegenüber. Und es bringt ja nichts, normales Verhalten zu pathologisieren; ansonsten müsste man sich neue Worte für Pathologisches ausdenken - wozu der Aufwand? Unter Foren- und Blogschreibern sind anteilig so viele Narzissten wie morgens um halb acht in der Straßenbahn, behaupte ich ins Blaue hinein.

 

     toltec-head²



Blödigkeit

   14.08.2014, 10:15 / 1 x geändert



Noch mal Jolante und aswad: Blödigkeit ist ja gar nicht ausschließlich negativ von mir gemeint. Ich versuche doch gerade auch die positiven Aspekte des Blöd-Bloggings herauszuarbeiten. Siehe hierzu (insbesondere auch mit Bezug auf das Hölderlin-Gedicht) die amerikanische Germanistin Avital Ronell über Blödigkeit:

https://www.youtube.com/watch?v=SaP6rRor32Q

 

     Gretchen Darloni



auf jeden fall würd ich sagen:

   14.08.2014, 18:17



lieber blöd als tot.
also - Club der blöden Dichter: bin dabei.
gretchen grüßt -> gegen griesgram


toltec schreibt: >> Den Artikel über die Rückwirkung des Internets auf die Zeitungen finde ich interessant. Man muss das auch mal für die Literatur so durchspielen. <<

wegen der zukunft des buches bzw. (man kann ja das eine vom andern schlichterdings völlig nicht trennen) der literatur: da wurde auf der leipziger buchmesse 2014 die bücher(morgen? - abend?-)dämmerung vorgestellt =>
http://jungeverlagsmenschen.de/buecherda...der-buchkultur/; würde ich vllt. auch gern mal durchblättern ...

hm, und das, was eigentlich von deinem text, toltec, berührt wird, ist ja die (unentschiedene? unentscheidbare?) debatte über die frage Was ist Kunst?. und in dem zus.hang dann, grob gesagt, steht auf der einen seite die poesie von dichtern, für die das schreiben von gedichten von einem höheren kunstanspruch bestimmt wird, und auf der anderen seite hört man stimmen, die behaupten, es sei unmöglich, eine substanzielle definition von kunst aufzustellen, die kunst habe keine eigene form, keinen besonderen inhalt; es sei allein der kontext (historisch, institutionell, theoretisch ...), der es erlaube, sich der existenz von "kunst" bewusst zu werden, es sei mithin müßig, sich zu fragen Was ist Kunst?, die frage müsse vielmehr lauten: Wann ist es Kunst?.
-> arthur danto etwa sieht ein werk vor allem als ein historisches produkt, dessen anerkennung als kunst-werk von den künstlerischen kriterien abhängt, die jeweils gerade maßgebend für die kunstgeschichte sind.

diffizile sache, das.
(wie herbert knebel schon sagte: geschmack is bandbreit.)

 

     toltec-head²



Thompson of Sunderland

   17.08.2014, 12:15



"Es irritiert die schiere Zahl von Dummköpfen, die überall ihren Namen hinschreiben; auf der Spitze der großen Pyramide findet man Name und Anschrift eines Teppichhändlers aus Paris in schwarzen Buchstaben gemeißelt. In Alexandria hat ein gewisser Thompson of Sunderland seinen Namen in riesigen Buchstaben auf eine Säule geschrieben, so dass man ihn schon von Weiten lesen kann. Mehr oder weniger alle Dummköpfe sind Thompsons of Sunderland. Wie viele von ihnen begegnet man im Lauf des Lebens, an den schönsten Orten und Aussichten?"

- DU bist Thompson auf Sunderland! Die Spitze der Pyramide, das ist die Literatur! Und du versuchst wie viele andere Literatur-Touristen, auf sie deinen Namen einzuzeichnen, hoffst, dass google oder eine andere der Suchmaschinen ihn irgendwann hochspült. Rede dich nicht damit heraus, dass du nur hier auf dieser recht dilettantisch aufgezogenen Site bist, die von google nicht besonders gemocht wird, und dass es dir an Geduld fürs Meißeln gebricht, während andere auf raffinierteren Sites mit mehr Geduld ihren Namen meißeln. Ihr seid alle gleich. Ihr alle seid dafür verantwortlich, dass die Spitze der Pyramide schon jetzt langsam ihre Kontur verliert. Und wir sind erst ganz am Anfang. Es wird die Zeit kommen, wo Sgraffiti von Namen Pyramide und Spitze vollkommen überwuchern und überall nur noch der Name Thompson steht.

- Nein, ich bin nicht Thompson, du bist es vielleicht, die anderen. Ich schreibe anonym, an meinem Namen ist mir nichts gelegen. Ich habe keinen Ehrgeiz, es sind die amazon-selfpublished Meinbuchfetischisten, die überall die Sicht versperren und die Atmosphäre verpesten.

- Du bist nur ein raffinierterer Thompson, deine Ehrgeizlosigkeit ist ultimativer Ehrgeiz, unter lauter Pauschaltouristen versuchst du wahrer Tourist zu sein. Du verpestest die Atmosphäre erst Recht, weil du den kleineren Thompsons den Spaß verdirbst, aber gleichzeitig ihr Spiel spielst.

- Wenn das so ist, höre ich sofort auf.

- Es ist zu spät. Dein Name steht da. Dumm neben all den anderen Dummköpfen.

- Und jetzt?

- Musst du warten bis ein Flaubert der Internetliteraturforen kommt und deinen Namen erlöst. Aber das, mein Freund, kann noch Jahrhunderte dauern.

 

     ruelfig



Thompson of Sunderland

   18.08.2014, 00:39



Hallo toltec-head,
weißt du was? Nein, weißt du nicht. Dein blökiges Gemäkel ist so alt wie der erste Farbstrich auf einer Felswand in steinlicher Zeit. "Ich hätte die Fackel eher links angesetzt."
Hat er aber nicht, hat er anders gemacht.
Mach es einfach besser, schreib doch das große Gedicht. Du wirst es dann sicher veröffentlicht sehen auf den namhaften Seiten, in Stein gemeißelt thront dein Text über bitteren Niederungen namenloser Nichteraten.
Du kannst das, du bist dafür geboren, Infant in der Brandung.
Ansonsten gehst du mir vorbei mit deinem Ansatz, deinen Namen in die Spitze von Pyramiden zu kloppen. Versuch erst mal den Schweinetrog.

 

     aswad



Blödigkeit

   18.08.2014, 14:15 / 25 x geändert



@toltec-head

Mir jedenfalls gings ja gar nicht um die Blödigkeit. Aber der Text beginnt mit einer ziemlich kernigen Verallgemeinerung. Wenn das ne Provokation sein soll, ist sie plump. Wenn der Verfasser ernsthaft eine Verallgemeinerung als Grundlage für seinen Text hernimmt: naiv. Streng genommen hat sich das Ganze also nach einem Satz selbst weggekürzt ... ist halt Mathe, mein Spezialgebiet.

Aber ne, ernst, man ist ja dankbar für jeden Text, daher hab ich ihn natürlich zu Ende gelesen.

Ach ja: ich hab deinen Essay mal zum Anlass genommen, über mein "Forenschaffen" so tiefergehend nachzudenken - und da hab ich gemerkt: ich bin schon bisschen narzisstisch veranlagt. Ständig tu ich meine Texte hochnervös editieren, weil mir alles Mögliche leider erst im Nachhinein richtig klar wird, irgendwann ist es mir peinlich und ich lösch alles und stell den Text neu rein, damit es nicht so wie ne endlose Flickschusterei aussieht und man dem Beitrag die tausend edits nicht ansieht. Na ja, beim vorigen Beitrag hab ich dann gedacht: jetzt lass doch mal, steh dazu!

:)

 

     toltec-head²



epicuri de grege porcum

   18.08.2014, 18:09 / 4 x geändert



Schräg vor dem Misthaufen, fast vertikal, ein großer hölzerner Trog, daran mit den sehr wildschweinartigen Köpfen von rechts drei ausgewachsene Schweine, ein viertes versucht sich von außen zwischen die andern zu drängen, man sieht nur den hochgereckten Kopf, von links steht ein besonders mächtiges Tier am Trog. Am vorderen schmalen Ende des Trogs klimmt ein Ferkel hoch, mit den Vorderbeinen am Trogrand, mit den Hinterbeinen am Boden, zwei weitere Ferkel, abgewandt vom Trog, stehen ganz vorn in der Mitte an einem kleinen ovalen flachen Wasserbottich, vom linken Bildrand kommen in unbeholfenem Galopp zwei andere dazugelaufen. Höher am linken Bildrand steht ein Rind mit dem äußersten Hinterteil ins Bild, über den borstigen Schweineköpfen und -rücken pickt oben auf dem Misthaufen hinter dem Trog ein Hahn im Mist, auf einem Tümpel links hinter dem Misthaufen schwimmt eine Ente, am hintern Rand des Tümpels beugt eine Gans den Kopf nach unten. Alles menschenleer, bis auf den knienden Mann mit seinem wie von Entbehrungen und viel Erfahrungen geprägten Gesicht. Unten am Rand, unter dem ovalen Wasserbottich für die Ferkel, klein die Signatur th:

http://images.zeno.org/Kunstwerke/I/big/323D011a.jpg

Ich, aswad, könnte immer ewig edieren, da alle meine Beiträge, auch die, die gar nicht so aussehen, Gedichte sind, und ein Gedicht nie vollendet, sondern immer nur im Stich gelassen wird. Aber das sehen die Leute, deren Gedichte immer gleich auch wie Gedichte aussehen, natürlich anders.

 

Blödigkeit




  SYNEKDOCHE.DE
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Impressum

  Online

  Aktuelle Themen

Meinung

Basissatz: Inhalt oder Gehalt?

Kurzreferat zu Friedrich Nagelmann

2zeilenTiere + Konsorten

Amiland

tasmanischen Silberbäumen lauschen

Glühender Sand

Das leere Schlachtfeld

Hoher Geburtstag

Antifeudale Lyrik im Stile Bürgers?

Klug geschissen

Schnapsidee

Nicht

Denk ich an Deutschland...

Kitsch als legitiemer Begriff in der

Der Ablaut und Ablautsystem

Hilfe! Suche...

Fiktionale vs. faktuale Erzählung

was wir geben (so nett, en passant)

Was ich nie wieder fand