o du Langeweile! · Butenlänner · ab 16 Zeilen

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     Butenlänner



o du Langeweile!

   19.12.2013, 00:37 / 8 x geändert



Morgentlicher Übungsquatsch am Abend, zur Vertiefung metrischer Dachlagen:

Blumen blühn im Schnee so friedlich
Kalt erhitzt mir mein Gesicht
Schaun mich an so frech und niedlich
Träum am Tag so manch Gedicht

Bomben fallen für den Frieden
Als der Krieg am schönsten war
Päpste werden wieder fluchen
Sangen Schweine in der Bar

Schulden stiegen aufs geringste
Beine nahm' wir in die Hand
Freude war das Allerschlimmste
Weht der Wind hindurch die Wand

Weites dichten kann was bringen
Keiner liebt die ruhige' Zeit
Düsenjägerdonner' singen:
Honululu ist nicht weit

Arme Bettler sind die reichsten
Feige zeigen manche Mut
Schreien leise von dem Höchsten
Sanft beseelt von ihrer Wut

Manche Liebe die ist schändlich
Nichts tun, dass ist eine Tat
Endlich ist und bleibt unendlich
Billig war der teure Rat

Warme Kälte die kommt freihlich
Sah es durch die trübe Sicht
Schlafen tuh' ich wach, bin dienstlich
Heia, welch ein dunkles Licht

Butenlönner

Ist das Kunst, oder kann das weg?

 

     Gretchen Darloni



oh du jaujauneenee

   19.12.2013, 08:21



wir schreiben keinen killerkommentar, sondern setzen fürs erste nen -> link und ziehen uns dann in unsere gemütliche -> fettecke zurück, um über den topos des wertstoffhofes zu meditieren, über energiegewinnung durch recycling von metaphernabfall und über die bedeutung der putzfrau für die kunst ...
gretchengrüße-> zu den extra dummen gretchenfragen

naja, einige verse wirken als hätte man sie um metrik
und/oder syntax betrogen, zum beispiel:

Freude war das schlimmste
-Weht der Wind hindurch die Wand


oder auch:

Düsenjägerdonner' will ich singen

da ist der gipfel der lyrik noch nicht voll erstürmt. oder?

(ist natürlich nur meine ganz subjektive meinung.)

 

     Butenlänner²



oh du jaujauneenee

   19.12.2013, 20:29



8oo ooo € Schaden, wow!

Werte Grete, natürlich hat mich genau dieses Gedicht inspiriert:

> Dunkel wars, der Mond schien helle <

Danke für deinen Link.

Man könnte natürlich "Schlimmste" usw groß schreiben, man könnte sicherlich auch noch ein Komma einfügen, aber wird es dann nicht in seiner schonungslosen Direktheit beraubt?
Autodidaktische Lyrik kennt keinen Punkt ………kein Komma, aus einer Empfindung heraus, erklingen Schmerzen mit freudigen' Herzen...

Die Syntax? Bitte um Vorschlag!

Dei Metrik sollte aber stimmen!

Vielleicht wäre es mal was neues, Fehler nicht zu korrigieren, sondern Fehler einzufügen, ganz dem Übungsquatsch folgend!

Ich bin da für jeden Vorschlag offen!

Vielen dank

Lg

Fietje

 

     Gretchen Darloni



hebungen zählen

   19.12.2013, 21:06



hebungen zählen - Butenlänner schreibt:
Zitat:
Dei Metrik sollte aber stimmen!

du kannst doch zählen! also
zähl doch mal durch. dann
sieht man schon, ob
oder nicht.
gretchen grüßt -> mühsam

 

     Butenlänner²



hebungen zählen

   20.12.2013, 02:28 / 2 x geändert



Weites dichten kann was bringen
XxXxXxXx
Keiner liebt die ruhige Zeit
XxXxXxX
Düsenjägerdonner' singen:
XxXxXxXx
Honululu ist nicht weit
XxXxXxX

Ja, so ist es besser, danke!

Ferner habe ich noch ein h eingebaut (letzter Vers)



Danke und Lg

Fietje

 

     gregor libkowsky



hebungen zählen

   20.12.2013, 08:06 / 1 x geändert



Zitat:
Weites dichten kann was bringen
XxXxXxXx
Keiner liebt die ruhige Zeit
XxXxXxX

Düsenjägerdonner' singen:
XxXxXxXx
Honululu ist nicht weit
XxXxXxX


Nein, so ist es nicht besser. "ruhige" lese ich hier dreisilbig.

Gregor Libkowsky

 

     Willimox



hebungen zählen

   20.12.2013, 08:52



Hm, vielleicht doch eher 'ne' verkappte Elision.
"ru(h)ige rui-ge" Zeit.....

 

     Gretchen Darloni



hebungen & dies & das

   20.12.2013, 09:55 / 1 x geändert



Freu-de war das schlimm-ste
XxXxXx
die drei hebungen sind fett gedruckt dargestellt;
die vierte hebung fehlt dem vers.

---

Kei-ner liebt die ru-hi-ge Zeit
XxXxXxxX
ja, wenn mans in diesem vers mit den silben genau nimmt, stehen vor der letzten hebung zwei unbetonte, also eine zu viel; das ist gerade an dieser stelle aber interessant in dem sinne, dass man behaupten könnte, hier arbeite die kleine metrische abweichung dem inhalte zu, nämlich der angesprochenen "ruhigen" zeit, die (selbst noch, wenn im sprechfluss aus der dreisilbig "ru-hi-gen" via elision eine zweisilbig "rui-ge" zeit würde) mittels der kleinen rhythmischen unregelmäßigkeit aus der mechanisch wie ein uhrwerk dahinrollenden metrischen taktung herausgenommen wird: eine friktion im versmaß, die entschleunigend wirkt.

---

auf den ersten blick kam der text mir unbeholfen vor, nicht durchgearbeitet, weder formal noch in der gedankenführung ausgereift; leierte, schlenkerte, rumpelte so daher, plapperte und brabbelte vor sich hin wie ein penner zwischen seinen plastiktüten auf der parkbank, und ich war geneigt, mit einem schulterzucken vorbei zu gehen. hörte dann aber doch hin und konnte den zuerst gewonnenen eindruck revidieren; entdeckte interessante stellen: Arme Bettler sind die reichsten / Feige zeigen manche Mut / Schreien leise von dem Höchsten / Sanft beseelt von ihrer Wut --- wie war das mit der bergpredigt? die letzten werden die ersten sein. gott ist ein oxymoron, ist das armselige kind elender habenichtse, vor dem die könige knien im stall. schein und sein sind zwillinge, manchmal kaum zu unterscheiden. die "wahrheit" ist eine kippfigur. nichts stimmt, doch alles ist wahr. damit, denke ich, spielt der text; stellenweise jedenfalls.
gretchen grüßt -> linker fuß

 

     Butenlänner²



hebungen & dies & das

   20.12.2013, 12:59 / 3 x geändert



Schulden stiegen aufs geringste
Beine nahm' wir in die Hand
Freude war das Allerschlimmste
XxXxXxXx
Weht der Wind hindurch die Wand

Na, da war ich wohl betriebsblind!

Weites dichten kann was bringen
Keiner liebt die stille Zeit
Düsenjägerdonner' singen:
Honululu ist nicht weit

S t i l l e !

Danke @ all

PS: Vlt baut einer noch irgendwo einen Fehler ein, ich könnte mir vorstellen, Allerschlimmste klein zu schreiben. Usw

 

     Willimox



hebungen & dies & das

   22.12.2013, 15:51 / 1 x geändert



Ächz, Butenlänner,

das da ist was Feines, das gilt es zu würdigen, mach´s halt ich, indem ich´s blau setze:

Kei-ner liebt die ru-hi-ge Zeit
XxXxXxxX
ja, wenn mans in diesem vers mit den silben genau nimmt, stehen vor der letzten hebung zwei unbetonte, also eine zu viel; das ist gerade an dieser stelle aber interessant in dem sinne, dass man behaupten könnte, hier arbeite die kleine metrische abweichung dem inhalte zu, nämlich der angesprochenen "ruhigen" zeit, die (selbst noch, wenn im sprechfluss aus der dreisilbig "ru-hi-gen" via elision eine zweisilbig "rui-ge" zeit würde) mittels der kleinen rhythmischen unregelmäßigkeit aus der mechanisch wie ein uhrwerk dahinrollenden metrischen taktung herausgenommen wird: eine friktion im versmaß, die entschleunigend wirkt.


 

     Butenlänner²



hebungen & dies & das

   23.12.2013, 18:26 / 1 x geändert



hi willi,
ich sehe blau! Das erinnert mich an eine Ausgabe der Zeitschrift > Landlust <, ich meine es war die dritte Ausgabe 2013! Thema: Küstenblumen, diese sind überwiegend "Blaublüter"


Vers Friktion: Differenz, Dissens, Divergenz, Kontroverse, Reibung, Verzögerung im Klang :
Weites Dichten kann was bringen
Keiner liebt die ruhige' Zeit
Düsenjägerdonner' singen:
Honululu ist nicht weit

So in etwa habe ich es in meinem >Poetiker Lexica< übernommen und selbstverständlich auch im Gedicht
> o du Langeweile <.

Dat lebbert sik

Fietje

 

     Willimox



hebungen & dies & das

   23.12.2013, 18:33



Ächzi,
Du hast schon gesehen, dass das von Gretchen kommt und dass es dann wegen mangelnder Fietje-Aufmerksamkeit blau gewürdigt wurde?

 

     Butenlänner²



hebungen & dies & das

   23.12.2013, 21:08 / 1 x geändert



de Buti fung dat gruweln an
sin Konzentratschoon
de Buti fung dat gruweln an
nich sin Profeschoon!

ik schriiv dor ünner
een dank an Grete!
ik hoop doch ümmer!

Poetiker Lexica

 

o du Langeweile!




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