aus.halten · gregor libkowsky · Liebe

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     gregor libkowsky



aus.halten

   05.12.2013, 20:04



blindlings
entflügelten wir uns
in den jahren der umarmung

betroffen
streichelten wir laternengeschichten
in die heillosen wunden

hoffentlich
werden sie halten

im dunkel und
im erinnern
ein licht

 

     augustine



aus.halten

   09.12.2013, 18:42



>>blindlings
entflügelten wir uns
in den jahren der umarmung

betroffen
streichelten wir laternengeschichten
in die heillosen wunden

hoffentlich
werden sie halten

im dunkel und
im erinnern
ein licht<<


Es steht unter 'Liebe', dies kleine Gedichtgebilde. Das lenkt sehr hilfreich ein Verstehen, von dem ich aber doch nicht weiß, ob es zutrifft.
Ich denke, da geht eine Liebe zu Ende, ohne dass das Paar es eigentlich bemerkt. Da schlafen zwei noch miteinander, aber die Seelen sind fort. Wie oder als Engelsflügel gesehen
Davon sind Wunden geblieben, heillose, die mit "laternengeschichten" ausgestrichen werden. Es gibt kein neues Licht, sondern nur Geschichten von Licht, wie es vielleicht einmal war. Wenn die Wunden heillos sind, werden die Geschichten darin nicht halten. Sie werden nicht "im dunkel" und "im erinnern" "ein licht" sein.

Gruß augustine

 

     Städter



Alles hat seine Zeit.

   09.12.2013, 21:51



Der Panzer Namens Liebe, der durch die Welt sich walzt; der von Zeit zu Zeit sein Kanonenrohr auf Herzen richtet und Schüsse wie Donnerschläge abfeuert, ist nicht zu stoppen.
Es gibt zu viele Ziele, zu viele Herzen, die sich ihm bewusst oder unbewusst offerieren. Da kann auch schon mal jemand getroffen werden, dem die Liebe noch nie begegnet ist, jemand, der damit gar nichts anfangen kann.

Amor, am Steuer des Gefährts, hat ja auch mal schwache Momente. Wenn er genervt vom Trubel um seine Person einmal die Fassung verliert und ziellos durch die Gegend ballert, kann einiges passieren. Überraschungsangriffe sind nicht jedermanns Sache. Es könnte sein, dass seine Opfer die Kugeln mit den Zähnen auffangen, um sie dann verwundert zu betrachten und achtlos wegzuwerfen. Das mindert einen erneuten Anschlag enorm.

Eine weitere Möglichkeit ist auch, dass man seinen Schüssen bewusst aus dem Wege geht, weil man weiß, was die Treffer anrichten können. Und es kann auch sein, dass man einfach kein Ziel ist, Amor einen übersieht; graue Mäuse übersieht man schon mal, so ist das eben. Manch eine/er aber wird auch niedergestreckt. Oh! Und dann fängt das Verwirrspiel an.
Sich selbst aus den Augen zu verlieren ist der Begehrlichkeit geschuldet. Auf einen Schlag ist man doppelt. Denkt zweifach, tut Dinge, die zuvor, in Friedenszeiten, ohne Panzer und durchgeknallte Amors am Steuerknüppel, undenkbar waren, womöglich belacht wurden. Lustig – für den Außenstehenden.

Erst später, wenn die Endorphine wieder nüchtern sind, kehrt die Vernunft zurück. Wo ist die eigentlich, wenn Herzen brennen und das Kindsein partiell zurückkehrt, die Toleranz sich weitet, bis zum Horizont?
Da setzt dann, in der Nachbetrachtung, das große Nachdenken ein, das sich selbst Ohrfeigen, die "Entflügelung" (schönes Wort, Gregor!) sowieso. Das Zukünftige wird bedacht, das "Was-hätte-alles-sein-können"…

Die Einschusslöcher, die verbleiben, vernarben langsam,
Dem ersten Moment, dem ersten Mal wird hinterhergeweint. Dieser ist, und wird ewig die Messlatte bleiben, auch wenn das nicht zwingend verbalisiert wird.
Liebe ist nur ein Moment, ganz gleich, wie lange sie anhält. Sie ist immer, wirklich immer, viel zu kurz, sie festhalten zu wollen, ist das Bestreben Aller.

glaubt: Städter

 

     Jolante



aus.halten

   10.12.2013, 14:45 / 1 x geändert



Hier ist es wohl die Liebe, die irgendwann vorbei war, die aber doch halten sollte und immer noch halten soll. So verstehe ich im Titel den Punkt zwischen "aus" und "halten". Es sind bestürzend schöne Bilder, die gregor für diese kleine und leider so triviale Geschichte gefunden hat. Ob die "Laternengeschichten" es vermögen, trotz der "heillosen" Wunden einen Rest der Liebe in eine Zeit hinüberretten zu können, in der sie zwar keine Flügel mehr verleiht, aber vielleicht eine bodenständige und verlässliche Freundschaft entstehen lässt, ist fraglich. Immerhin scheint ein Hoffnungslicht auf, wenn auch nur im Dunkel und in der Erinnerung. Das Abhandenkommen der Liebe ist ein großes Thema. Es bedarf für gregor nicht der großen Worte. Ich danke ihm das.

Jolante grüßt

 

aus.halten




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