Wolfgang Herrndorf, Tschick & Sand · Pega Mund · Lektüren

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     Pega Mund



Wolfgang Herrndorf, Tschick & Sand

   07.09.2013, 13:39



Las einen von Herrndorfs langjährigem Freund Holm Friebe verfassten, meiner Meinung nach sehr lesenswerten Nachruf, auf den ich hier gern aufmerksam machen möchte. - Der Mann, der aus der Welt gefallen ist.

Das Internetforum "Höfliche Paparazzi" wurde um die Jahrtausendwende herum zu einem Sammelbecken für Menschen mit einem gemeinsamen Interesse an klugen Gedanken und handwerklich gut gemachten Sätzen – und zu einer unglaublichen Sozialmaschine, lange bevor das soziale Internet mit Facebook zu einem Massenphänomen werden sollte.
Die oberste Regel des Forums lautet: Es gilt das geschriebene Wort, ohne Ansehen der Person [...]. So entstand eine fröhliche Parallelwelt in der Staatsform der Meritokratie: Die härtere Pointe und das rigorosere Urteil regierten. Darin konnten Menschen unterschiedlichen Schlages Freunde werden, auch solche, die nur ungern die Wohnung verließen. Bis zum Schluss war das Forum Wolfgangs Hinterland und Resonanzraum für sein Schreiben.
Auch wenn er ein unglaublich belesener Solitär war, der aus der Tiefe des literarischen Raums kam – seine Hausgötter waren Stendhal, Nabokov, Salinger, Ágota Kristóf, von den Zeitgenossen schätzte er besonders Karen Duve und Rainald Goetz –, kann man behaupten, dass seine Bücher ohne das Forum nicht entstanden wären, so wie es laut einer unter amerikanischen Konservativen verbreiteten Weisheit ein Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen.

[...]

Nein, man kann Wolfgangs Schicksal, in der Lebensmitte abberufen worden zu sein, nicht schönreden. Nichts daran ist schön. Dennoch hatte der bösartige Tumor in seinem Kopf auch gutartige Seiten. Nicht weil er den Scheinwerferkegel einer sensationshungrigen Öffentlichkeit auf den lichtscheuen Autor lenkte und seinen Büchern damit zu Millionenauflagen verhalf. Sofern es keinen sadistischen Gott gibt, hätten sie diesen Erfolg früher oder später qua Qualität ohnehin erlangt. Sondern weil er Wolfgang half, Dinge geregelt zu kriegen.
Wie die meisten Großen der Literatur war Wolfgang ein Athlet des Zauderns. Seine Skrupulosität entsprach seinem akribischem Perfektionismus. Trotz seiner protestantischen und preußischen Arbeitsdisziplin konnte er Wochen damit zubringen, an einem Tag ein Komma zu setzen, welches er am darauffolgenden wieder entfernte. Der Tumor wurde zum Turbo, der ihn seine beiden großen Romane "Tschick" und "Sand" in kurzer Abfolge fertigstellen ließ. Beide Bücher verkörpern – wie Gustav Seibt und Jens Bisky in der "SZ" gut erkannt haben – zwei Seiten der Romantik, "Tschick" die heitere, "Sand" die schwarze, die beide auch in Wolfgang steckten.
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Gretchengrüße-> De Ordine Mundi

 

     augustine



Wolfgang Herrndorf

   06.10.2013, 16:15 / 1 x geändert



In der SZ war am Freitag ein Artikel von Gustav Seibt über Herrndorf und den Ort seines selbstbestimmten Sterbens.
Der ist aber nicht online.

Dann habe ich weiter gesucht und dies hier gefunden:

http://www.freitag.de/autoren/magda/berlin-hohenzollernkanal

augustine

 

Wolfgang Herrndorf, Tschick & Sand




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