Es ist mein Loos ein Forum zu sein · toltec-head · *.TXT

3446 Aufrufe

Neue Beiträge   |  Forenliste   |  Registrierung   |   Archiv   |   a n m e l d e n

 

     toltec-head



Es ist mein Loos ein Forum zu sein

   31.08.2013, 11:17 / 4 x geändert



Dass nämlich im Grunde jeder Name in allen Internetliteraturforen ich bin...

Jeden Tag, wenn ich on gehe, erzähle ich mir mein Leben.

Ich bin Ekki, ich bin KoKa, ich bin Llu, ich bin ParkfüralteProf, Menschenkind, LuJa, ich bin Parkplatzbison, das Arönchen und mannemvorne. Bärbel Kokoff, Willimox und das Gretchen. Penkacke auf Quiche Lorraine in Edgars Po. Das alles bin ich. Ich klicke sie alle an in meinem Studentenrock, auch die mit den peinlichen Namen und Texten, die ich jetzt nicht nennen möchte. Die bin ich nämlich auch. Täglich schlag ich einem alten Weiblein männlichen oder weiblichen Geschlechts (manche sind sehr jung) auf die Schulter und sage: "Siamo contenti. Son dio, ho fatto questa caricatura." ("Seien wir froh. Ich bin Gott, ich habe diese Karikatur geschaffen.")

Ich bin die Inkarnation der gesamten versammelten Menstruationslyriker dieser Welt. Die ganze weichgespülte Romantik auf allen Internetliteraturforen, nicht nur in Deutschland - das bin ich.

Zuletzt wäre ich sehr viel lieber Büchner-Preisträgerin gewesen als Gott; aber ich habe es nicht gewagt, meinen Privat-Egoismus so weit zu treiben, um seinetwillen die Schaffung der Welt, die ohne Menstruationslyrik und weichgespülte Internetromantik sehr viel weniger perfekt wäre, zu unterlassen. Man muß Opfer bringen, wie und wo man lebt.

Ich habe sämtliche Internetliteraturforenwebmaster in Ketten legen lassen; auch bin ich voriges Jahr gekreuzigt worden. Die Himmel freuen sich, dass ich da bin.

Martin Walser, Günther Grass und alle Suhrkamp-Autoren abgeschafft.

Soeben schreibt Augustine, sie lache jetzt über mich. Und dies in einem Augenblick, wo eine unsägliche Verantwortung auf mir liegt, - wo kein Wort zu zart, kein Blick ehrfurchtsvoll genug gegen mich sein kann. Denn ich trage das Schicksal aller Internetliteraturforenautoren auf der Schulter.

Obwohl Augustine also Kundry ist, welche gelacht hat in einem Augeblick, wo die Welt wackelt, so ist ihr doch viel verziehn, weil sie mich viel geliebt hat.

15. Juni 2013, grosser Sieg; ich bin jetzt sogar Griebe; Müßiggang eines Gottes an der Leine entlang. Ich habe noch nie einen solchen Sommer erlebt, auch nie Etwas in der Art auf Erden für möglich gehalten. Die lieblichen Kartoffeläcker mit Kalibergen im Hintergrund rund um Hannover herum: ein Claude Lorrain ins Unendliche gedacht, jeder Tag von gleich unbändiger Vollkommenheit. Es begegnet mir Margot Käsmann, die mich zu einem Gottesdienst in der Marktkirche einladen will, wo ich meine Texte lesen darf, was ich aber leider ablehnen muss, da mir ein Gottesdienst wie Masturbation vorkommt.

Da, plötzlich, Freundin! wurde Eins zu Drei
Zwei Forendichterinnen gingen an mir in echt vorbei.

(Es standen hier zwei meiner Kreaturen mit ihren echten Namen, wogegen sie jedoch leider rebellierten. Frailty thy name is woman! Man sollte es sich als Gott zwei Mal überlegen, wen man alles in die Welt setzt.)

Und dies alles geschieht im höchsten Grade unfreiwillig, aber wie in einem Sturme von Freiheits-Gefühl, von Unbedingtsein, von Macht, von Göttlichkeit.

In Voraussicht, dass ich über Kurzem mit der schwersten Forderung an die User dieses Forums und aller anderen Internetliteraturforen dieser Welt und aller übrigen Welten herantreten muss, die je an die Menscheit gestellt wurde, scheint es mir unerlässlich zu sagen, wer ich bin.

Hört mich! Ich bin der und der und die und die.

Verwechselt mich vor Allem nicht!

Geschrieben in der Stadt Bunte Kuh, 2.000 Meter über dem Maschsee. Toltec.

 

     Gretchen Darloni



Kein Ende, kein gutes ...

   29.09.2013, 11:56



Womöglich könnten einige Worte, die toltec am anderen Ort verlor, zum Verständnis dieses Textes beitragen.
Ich bin so frei zu zitieren:

>> Sehr viel der publizierten Internetliteratur ist einfach auch deshalb so langweilig, weil ihre Urheber keinen sehnlicheren Wunsch haben, als ein Autor im traditionellen Sinne zu sein. Die neuen Möglichkeiten des Internets (sich selbst zum Charakter machen, statt Autor ein Performer sein) interessieren sie nicht, sie wollen einfach nur dasselbe in Grün machen. Ein Gedicht wie die Großen schreiben, wie Rilke, wie Hesse; dass ein Rilke, ein Hesse nie für das Internet geschrieben hätten, dass dies von der Form und dem Inhalt ihrer Werke her nicht passt, das lassen sie außer Acht. <<

(Nun, es mag Einzelne geben, die tatsächlich wie oben angedeutet sich zu performen die Chuzpe haben. Doch nimmt dies, so lehrt uns die Erfahrung, in aller Regel -> kein gutes Ende.)
Gretchengruß -> go WEST (klick!)

 

Es ist mein Loos ein Forum zu sein




  SYNEKDOCHE.DE
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Impressum

  Online

  Aktuelle Themen

Meinung

Basissatz: Inhalt oder Gehalt?

Kurzreferat zu Friedrich Nagelmann

2zeilenTiere + Konsorten

Amiland

tasmanischen Silberbäumen lauschen

Glühender Sand

Das leere Schlachtfeld

Hoher Geburtstag

Antifeudale Lyrik im Stile Bürgers?

Klug geschissen

Schnapsidee

Nicht

Denk ich an Deutschland...

Kitsch als legitiemer Begriff in der

Der Ablaut und Ablautsystem

Hilfe! Suche...

Fiktionale vs. faktuale Erzählung

was wir geben (so nett, en passant)

Was ich nie wieder fand