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     ruelfig



Radikaler Chic

   27.08.2013, 00:36



Hätten doch diese wehrhaften wahrhaftigen Antifaschisten, die man heute immer häufiger sieht, damals schon gelebt, uns wäre viel erspart geblieben. Die Braunhemden hätten sich totgelacht. Da nun aber nicht mehr genügend von diesen übrig geblieben sind, holt sich der Linksautonome den Feind, wo er dessen habhaft werden kann, auf der Straße, bei Versammlungen, die er nicht genehmigt hat, im Einfamilienhäuschen, wo der Schoss noch fruchtbar ist. Da ohnehin alles rechts von der "die linke" Nazi ist, ist Widerstand Pflicht und jedes Mittel recht. Wer sich dagegen verwahrt, beweist dadurch seine Schuld, ansonsten würde er ja mitmachen bei der Zerschlagung faschistischer Strukturen und braunem Gedankengut keinen Fußbreit gewähren.
Wo aber kommt es her, unser Bollwerk gegen die Tyrannei? Sicherlich aus gutem Hause, mindestens Abi, kritisch, aufgeklärt und derart wütend auf die Hand, die es füttert, dass es beißt. Immer auf der Suche nach Unterdrückten, denen geholfen werden muss, ob sie wollen oder nicht. Bedrohung lauert überall und so schafft man sich ein globales Betätigungsfeld, in dem die Probleme nie alle werden. Da es selten möglich ist, mit dem Objekt der Unterstützung zu kommunizieren (wer kann schon Rumänisch?), liegt die Deutungshoheit bei den Kommandos der Linksautonomie. Auf der anderen Seite schützt man sich durch diese Verständigungslosigkeit auch davor, wahrzunehmen, welchen Strukturen man so hilft. Dass man, wenn man mit der Hamas ins Bett geht, neben Adolf aufwacht, ist ein Nebenwiderspruch, der sich nach der großen Befreiung vom Imperialismus erledigt haben wird.
Auffällig ist auch ein unbedingter Stilwille, einheitliche schwarze Kleidung, der Hang zu eingängigen Parolen und ausdauerndem krawallieren. So bleibt das Leben auf dem Abenteuerspielplatz spannend und wenn die Gesellschaft das Abenteuer verbietet, bleibt als letztes Abenteuer die Zerstörung derselben. Radikaler Chic ist der Leitfaden, dem sich jede Handlung und Äußerung unterzuordnen hat, woraus eine eigene Sprache und Gedankenwelt entsteht, der Außenstehende nicht mehr folgen können. Sympathisanten (der legale Arm der Bewegung) greifen dann solche Konstrukte auf und entmündigen die Bevölkerung mit immer abstruseren Gendereien, Forderungen nach Toleranz für unakzeptable Verhaltensweisen und einem allgemeinen Begriffstohuwabohu, dass es im Bewusstsein klingelt. Dass Sinti und Roma aggresiv betteln, ist ein antiziganes Vorurteil und außerdem ist die Gesellschaft daran schuld.
Darum also und weil kein Mensch illegal ist, muss man sich der eigenen Geschichte entfremden und das Fremde als das eigentlich Eigene annehmen und den Entrechteten und Erniedrigten dabei helfen, ihre Rechte auf mehr Ansprüche durchzusetzen. Dass dabei eventuell etwas mehr als das Tafelgeschirr zerschlagen wird, ist eine notwendige, aber
keineswegs bedauerliche Entwicklung.

 

     Gerd



Radikaler Chic

   01.09.2013, 15:53 / 1 x geändert



Hallo ruelfig,

ein ähnliches Gedankengebäude ließ mich vor einiger Zeit über den Begriff der repressiven Toleranz stolpern. Dies mündete thematisch in der Feststellung, dass jedes radikale Gedankengut faschistoide Züge annimmt, unabhängig davon, aus welchem Überzeugungslager dieses stammt. Meine Absicht, eine gedankliche Endlosschleife nach der Manier "Wohin gehst Du?-Ins Kino.-Was läuft denn da?-Quo vadis.-Was heißt?-Wohin gehst Du?" anzustoßen, war nicht recht gelungen.

Hier wird eine Richtung aufgedröselt und deren gesellschaftspolitische Bedeutung aufgezeigt. Der Titel "Radikaler Chic" ist gut gewählt, da der autonomen Linken der Anstrich politischer Korrektheit anhaftet. Doch nur, weil linksradikal chic ist, wird dies noch lange nicht korrekt, genauso, wie braun zwar einmal chic war aber alles andere als korrekt. Es braucht mehr solcher unbequemen Wahrheiten, vor allem vor Wahlen eines politikmüden Volkes. Und es braucht Mut, unbequemes öffentlich zu äußern. Der nächste shit-storm lässt internetal ja so schnell grüßen - mit radikalem chic.

Gruß aus der Sonne

Gerd

 

Radikaler Chic




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