Hulitor (17) · gregor libkowsky · *.TXT

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     augustine



Hulitor (17)

   18.08.2013, 20:41



Das habe ich gerne gelesen. Unfrisierte Gedanken (Stanislaw Jerzy Lec) zur frisiertesten Erfindung überhaupt, eingehüllt in Dogmen. (Gerade jetzt am 15: leibliche Aufnahme der Maria in den "Himmel".)
Doch was zu kritisieren habe ich auch:

- Wie bewirbt, vertreibt, verschickt der Göttererfinder seine Erfindungen, und wie schaltet er sie wieder ab?

- Und: Selbst in der Satire funktioniert das nicht: ein Gott, der nach 2 Jahren abgeschaltet wird (oder so), ein Gott, der alles das gerade nicht ist, was die Menschen sich ausdenken als Gott. Alles das, was deine Götter nicht sind, möchten die Menschen haben. Erst denken sie sich Götter aus, und dann 'glauben' sie dran.
Das ist das Teuflische.

Gruß augustine

 

     Jolante



Hulitor (17)

   20.08.2013, 13:16 / 5 x geändert



Eine etwas verrückte, glänzend geschriebene Satire über die Erschaffung kurzlebiger Götter, die all das nicht sind, was die Menschen gemeinhin von einem Gott erwarten, also weder allmächtig, noch allwissend, noch weiß Gott was. - Ein interessanter Gedanke, bei dem sich naive Leser fragen, wozu man einen unnützen, kurzlebigen Gott überhaupt braucht. Nun, diese Frage zu stellen nutzt so wenig wie der kurzfristige Besitz eines unnützen, wenn auch handgemachten Qualitätsgottes. Wir brauchen ihn nicht wirklich, ebenso wenig, wie wir die vielen Konsumgüter brauchen, die wir uns täglich einverleiben, oder die wir uns anziehen, überziehen und aneignen, ganz gleich, ob es sich um Menschen oder um Waren handelt, die wir zu unseren Göttern erheben. - Der Tanz ums goldene Kalb, die Stimme aus dem brennenden Dornbusch, der brotvermehrende Jesus, das sind nur drei Beispiele aus der schier unerschöpflichen Götterkiste, die uns suggerieren, es sei besser, an einen ewigen Gott zu glauben als an kurzlebige Fußball- oder Leinwandgötter, oder was wir sonst noch alles an Menschlichem, Übermenschlichem oder Unmenschlichem vergöttern. Wir wollen an etwas glauben, das über uns hinausweist, wollen mit diesem "Etwas" in Höhen fliegen, die uns der Ewigkeit näherbringen, aber wir landen immer wieder und meist recht unsanft auf dem irdischen Hosenboden. - Meine persönliche Gotteserfahrung wurzelt in der Kindheit, blühte eine Weile und welkt nun vor sich hin. "Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich zu dir in den Himmel komm." Mich in diesem Kindergebet geborgen fühlend, glaubte ich an den lieben Gott, wie ich an Märchen glaubte. Der Glaube an den lieben Gott und an Märchen ist mir abhanden gekommen. Die Liebe zu ihnen nicht.

Jolante grüßt

 

Hulitor (17)




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