Christine Lavant - "Irrenhaus" · Pega Mund · Lektüren

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     Pega Mund



Christine Lavant - "Irrenhaus"

   07.06.2013, 18:37 / 1 x geändert



-> 40. Todestag heute: Christine Lavant, 1915 als neuntes Kind einer in großer Armut lebenden österreichischen Bergarbeiterfamilie geboren, litt lebenslang unter Depressionen. Die Autorin, die vor allem als Lyrikerin bekannt und vielfach ausgezeichnet wurde, hatte sich als 18-Jährige nach einem Selbstmordversuch für mehrere Wochen in die Landes-Irrenanstalt Klagenfurt einweisen lassen. Der 1946 entstandene Text -> "Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus" hat deutliche autobiographische Bezüge zu Lavants Leben und darf als literarische Reflexion ihres Aufenthaltes in einer psychiatrischen Anstalt verstanden werden. Unprätentiös schreibt die Ich-Erzählerin vom Leiden eines jeden an sich selbst und von der Tyrannei der anderen, der die Patientinnen, Schwestern und Besucher auf je eigene Art ausgesetzt sind.

Am 07. Juni 1973, drei Jahre, nachdem sie mit dem Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur geehrt worden war, starb Christine Lavant an einem Schlaganfall.

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Christine Lavant und ihr Schreiben habe ich noch gar nicht richtig kennen gelernt; ihre Sprache zog mich viele Jahre lang nicht an, ihre Gedichte blieben mir unzugänglich, ich hatte nicht das Bedürfnis, mich ihren Texten zu nähern. Nun scheint sich das, aus welchen Gründen auch immer, gerade zu verändern. Ich möchte, wenn ich Zeit finde in den nächsten Wochen, etwas lesen von ihr, am liebsten erst einmal die Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus. Vielleicht kennt jemand das Buch bereits?
. . .Gretchengrüße. . .-> Vom Dichten Gereimtes

 

     Jolante



Christine Lavant - Jahrestag

   08.06.2013, 21:11



Danke Gretchen für deine Anregung, sich angesichts ihres 40. Todestages an die Dichterin Christine Lavant zu erinnern und sich mit ihrem Werk zu beschäftigen. Ich werde das in den nächsten Wochen angehen und mich vielleicht später dazu äußern. Es ist merkwürdig. Ich hätte schwören können, dass windflug in der kurzen Zeit, in der sie dieses Forum bereicherte, auch etwas zu Christine Lavant geschrieben hat. Bei meiner Recherche wurde ich aber nicht fündig. Vielleicht hat mir mein Gedächtnissieb einen Streich gespielt. Solltest du zufällig hier lesen, windflug, so melde dich doch bitte. Ich bin mir fast sicher, dass du etwas zu Christine Lavant zu sagen hättest.

Jolante grüßt

 

     Pega Mund²



Christine Lavant - Jahrestag

   09.06.2013, 06:56 / 3 x geändert



Doch, Jolante, die Assoziation "windflug" - "Lavantgedicht" habe ich auch. Da gab es mal, initiiert von zuppa, einen Faden, in dem Lieblingsgedichte gesammelt wurden; ich glaube, da war das. (MF hat den Faden irgendwann rausgenommen, deshalb ist davon nix mehr zu finden.)
Gretchensonntagsgrüße!. . .-> mooond

 

     augustine



Christine Lavant - Jahrestag

   14.07.2013, 16:42 / 1 x geändert



Ja, diesen Faden rausgenommen, pegazuppa, hat der mf; ohne zu fragen übrigens. Ich hatte ihn mit einem Begleitfaden umwunden. Deshalb hat mich das auch persönlich gekränkt. Und ich glaube auch: da war was von Christine Lavant dabei.

Diesen Hinweis habe ich gerade noch vor meiner Verreisung gelesen, hatte ihn inzwischen vergessen und bin jetzt wieder drauf gekommen. Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich mich mit C.L. beschäftigt habe. Deshalb kann ich aktuell nichts Ordentliches beitragen, nur ein Gedicht abschreiben aus der von immerhin Thomas Bernhard herausgegeben Sammlung Gedichte.

Oft verliere ich mitten am Tage
den Faden meiner Zeit.
Dann schreit mir manchmal ein Vogel nach
oder ich werde vom Schmelchengras
schneidend daran erinnert,
bis ich geduldiger rücklings gehe
und taste und knüpfe.
Mein Gedächtnis wird von den vielen Knoten
uneben wie ein Kartoffelacker
und ich kann es dem Schlaf nicht verargen,
wenn er anderswo einkehrt.
Nur ein ganz alter blutfremder Traum,
der im Herzblatt verpuppt war - wer weiß seit wann? -,
ist ausgekrochen und frißt sich durch,
wegen dem muß ich knüpfen und knüpfen.
Immer wenn ich nicht rücklings will,
schillern die Raupenringe mir zu:
Du weißt, ich werde ein Gottesanbeter
und lege später bestimmt meine Eier
ins Herz deiner brennenden Andachtsstaude,
dann darfst du den Faden verlieren.

Die Aufzeichnungen aus einem Irrenhaus habe ich vor einigen Jahren auch gelesen, auch in eine Gedichtauswahl hineingehört mindestens, herausgegeben von Michael Krüger, wo, neben Elke Heidenreich, auch Christine Lavant selbst eigene Gedichte spricht.

augustine

 

Christine Lavant - "Irrenhaus"




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