Marcel Frank
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an die laura (18) mit den kurzen beinen
deine
münder
deine und mein's
würde gewidmet
und subjektiv gerne
mit whiskey gewappnet
(halb eins)
gesünder mit worten
wie sterne, die
(hinblättern
einzeln, ausgelöst)
gedichte
(voller bunter pfade)
zitieren (gebannte
gemachte gestade)
ich anakoluthisch
zu asche
".."

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Moritz Reiser
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achtzehn zeilen, kurze verse, soweit klar. was sich mir nicht unmittelbar erschließt: wer ist laura? etwa die aus hoffamannswaldaus "an lauretten"? der leicht obszön anmutende anfang spricht dafür. den rest hab ich noch nicht. der text fordert heraus.

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augustine
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vielleicht mag sich hier ja noch jemand dran versuchen ..., vielleicht kommt Moritz Reiser ja jetzt weiter ...
augustine

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Jolante
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Hallo, augustine,
du bist mir ja eine ! Animierst andere, womöglich Unberufenere, genüsslich dazu, sich an diesem marcel`schen Wurzelwerk die Zähne auszubeißen. Oh Gottchen, man/frau muss doch nicht alles wissen, und überhaupt, um dieses Gedicht zu entschlüsseln, müsste man Germanist/in sein, mindestens, wenn nicht sogar noch etwas Höheres, am besten etwas so Hohes, dass auch die Berufenen nicht mehr an diese Höhe heranreichen, sondern nur noch die wirklich Auserwählten. Eine wie ich, die bestenfalls mit den niederen Weihen ausgestattet ist, verkriecht sich schmollend in dem dafür vorgesehenen Winkel.
Aber interessieren würd`s mich schon, was an der kurzbeinigen laura dran ist. Vielleicht lässt sich ja doch noch jemand aus der Reserve locken ?
Es grüßt Jolante
(dumm guckend)

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Gretchen Darloni
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Hei,
bin zwar total ohne Weihe und keiner hat mich gefragt, aber sooo schwer iss dat Dingen auch wieder nicht zu enträtseln. Wenn ich naiv da dran pack und mich am Gedichtgeländer direkt festkrall, brauch ich nicht mal die Krükng.
Steht unter Metapoesie, der Titel beschreibt, was Sache iss (18 Zeilen, und aber kurze, und Laura, als Antonomasie - ?), da reflektiert irgendwie das Gedicht schon mal sich selber und alle anderen von der Sorte gleich mit, also da iss schon das Meta vom Ganzen gefingerzeigt, und überhaupt gehtet um Gedichte im Wandel der Zeiten, die Eingeweihten sagen dann Lyrikanalyse oder Lyriktheorie oder Literaturwissenschaft oder watt.
Die andere Ebene, die drin iss: jahackeauch, Erotik, manno, die Liebe, dat volle Liebesgedöns. Laura, Inbegriff der Geliebten, da iss Petrarca der Urvater dazu, lang vor Hoffmannswaldau, so läuft das gedichtemäßig seit Jahrhunderten. Und privat wird das dann vom Sprecher immer mal wieder aktualisiert bei Gelegenheit, dat Errrotttische, mit sonn'nen weiblichen doppelmundigen lyrischen Du, iss ja auch normal, oder, und da gibbet die Wisskisalbung, und die verschiedenen Münders der Beteiligten spielen auch ne Rolle, ganz genau wie bei den Gedichten, wo der Mund ebenfalls wichtig iss (vgl. dat Rilki) - nennt man das dann Metapher, oder Topos oder Allusion ... na, egal, Hauptsache, das kommt passend in'nander alles, woll.
Am besten find ich den Schluss. Hat mir schon immer gut gefallen, wie das Ich anakoluthisch zu Asche ... was geht da ab? Naja, auf der Lyrik-Ebene isset so, dass in der modernen Lyrik das Ich mehr und mehr zurücktritt, und im postmodernen Salto mortale löst es sich total auf und gibbet kein richtiges Ich mehr, so einfach seh ich dat. Und in der Liebe löst sich dat Ich mit Glück auch manchmal auf, wennet klappt wie-et soll, und dat iss dann entspannend, während die Postmoderne abba eher anstrengend ist.
War mal nen Versuch, die Kiste bisschen aufzudeckeln.
Bunte Grütze vom Gretchen.
Wie die modernere Laura dat alles findet, steht übrigens hier.

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Jolante
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Hossa, Gretchen,
wusste ich es doch, dass du eine Auserwählte bist ! So gesehen war es also nicht ganz falsch, mich als Unwissende zu outen, da es mir gelungen ist, dich aus der Reserve zu locken. Dank deines Kommentars ist mir jetzt der Groschen gefallen, und auch du, marcel, hast mir mit deinen Krükng zwar nicht auf die Sprünge, aber immerhin auf die Beine geholfen. Vielleicht kommen ja noch weitere Kommentare, die meinen Metapoesiehorizont erweitern. Noch kann ich ihn mit Händen greifen. :(
Grüßchen
von Jolante

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Gretchen Darloni
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Heia, Jolantamia,
nicht auf mir abstützen, bitte, bin voll die literarische Kröte und als Interpretationskrücke bestimmt nicht zu gebrauchen. Vermutlich lieg ich meterweit neben jedem sinntragenden Ansatz, mit meiner selbstgebastelten Eros-Lyrik-Verschränkung. Hab die Befürchtung, dass der Autor verschärften Zwerchfellkrampf kriegt, wenn er meinen unbegründeten leserischen Annäherungsversuch liest: vor Lachen, woll ...
War nur gezz schnell sonn’ne kleine freiwillige Selbstreduktion, für den Fall des Falles.
Grüße von Greta.

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augustine
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25.07.2007, 09:48 / 2 x geändert
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Also, nicht nachts um 1/2 eins mit Whisk(e)y - er trinkt ja immer nur solchen -, sondern vormittags um 1/2 zehn nüchtern (also auch nicht ganz zurechnungsfähig) hab' ich mich mal auf die Krücken geschwungen:
nämlich weil ich heute nacht noch ein effiliertes 'n' entdeckt hab' an den sowieso schon zu kurzen Beinen der Laura (vielmehr natürlich hab' ich das 'n' gerade nicht entdeckt, sondern: dass es plötzlich fehlte, vom Autor entfernt; von Gretchen in schöner philologischer Akribie dann wieder eingefügt ...) -
also an den kurzen Beinen der Laura war bei mir jedwedes auch nur mich beschäftigen WOLLEN mit dem Text vor mehr als Jahresfrist gescheitert; nun kam mir nachts immerhin die Eingebung, dass die Dame kurzbeinig ist, weil sie wahrscheinlich eine Fiktion ist, nie gelebt hat etc. (was sie wahrscheinlich per vers zu höherem Leben erweckt hat als es das gewöhnliche je sein könnte); also kurzbeinig ist sie, weil eben Lügen kurze Beine haben, ha! (und Petrarca war 184 groß, hat jemand nachgemessen; für seine Zeit war das fast riesenhaft)
dann: Rilki; der Kommentar sagt nichts über ein 'Mitspielen' von Petrarca im Frühen Apollo; und die genannten Aufsätze (nicht wenige) hab' ich natürlich nicht gelesen, um hier endlich mal so ein Kommantärchen zu schreiben; immerhin kommt das Wort 'Lorbeer' vor; und 'Laura': in dem Namen steckt u.a. auch das lat. poeta laureatus, ein extra verliehener Titel vor Jahrhunderten und bis ... (ear?); falls diese Verbindung gemeint gewesen sein sollte, sagstes vielleicht, m; gratias tibi agam
die zweite Strophe ohne die Klammern heißt: "gedichte zitieren" - ja, und das tust du (ein wenig frei, aber erlaubt natürlich: bei Rilke heißt es (o Gott, das ganze Gedicht ist EIN Satz, wo beginnen?): "wird ... // ... sich der Rosengarten heben,/aus welchem Blätter, einzeln, ausgelöst/hintreiben werden auf des Mundes Beben ..."; also auch der Mund kommt da vor und ein "Singen", das ja vielleicht wirklich das von Petrarca ist oder sein könnte; einer der 'bunten Pfade' könnte jedenfalls zu ihm führen, so wie er dann auch zu Rilke führte - Apoll, der Inspirierende, der "Singen einflößt"
das Ich am Schluss wird im Anakoluth zu Asche, bricht ab mit dem Ersatzzeichen/Platzhalter für nicht mehr Gesagtes/zu Sagendes/zu sagen Gelingendes
zum Erotischen siehe Gretchen; zur Metapoesie siehe hoffentlich noch: der Autor
die Bemerkung sei mir erlaubt: ohne Rilke (Rilki) hätte ich mich mit diesem spröden Text nicht rumgeschlagen, den ich auch jetzt noch nicht verstanden habe; und: der eigentliche Gewinn ist (mir): Rilkes Gedicht (sit venia, m), Früher Apollo also
(die alte Geschichte bei Rilke, spät von mir begriffen: den muss man immer erst GANZ wörtlich nehmen und den Worten nachschmecken, und dann (gut, nicht immer), blüht da ein Sinn auf, der hin-reißen kann); bei der Gelegenheit: Archaischer Torso Apollos auch unbedingt lesen!
augustina: non Laura, non laureata

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lost
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26.07.2007, 00:29 / 1 x geändert
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ohne weiter mich einmischen oder gar den Erläuterungen des Autors vorgreifen zu wollen, drängt es mich doch, den Damen in aller Bescheidenheit diese Gehhilfe hier noch anzubieten:
Komm in den totgesagten park und schau
(Stefan George)
Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade.
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb, das weiche grau
Von birken und von buchs, der wind ist lau.
Die späten rosen welkten noch nicht ganz.
Erlese küsse sie und flicht den kranz.
Vergiss auch diese lezten astern nicht.
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.
ach nun ja, die gebannten gemachten gestade: man könnte da zu allem Überfluss obendrein oder eben falls man ihren fern lächelnden Schimmer nicht mag, sogar noch einen Trakl hinein (Du bist in tiefer Mitternacht / Ein totes Gestade an schweigendem Meer ... ) oder heraus ( Jener kehrt wieder und wandelt an grünem Gestade ...) blättern ...
lost in deep thoughts ...
(btw: ceterum censeo …)

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Willimox
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26.05.2010, 13:18 / 5 x geändert
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haja,
und dann gibt es da auch noch "Schmidtchen Schleicher,
mit den elastischen Beinen".
Ist schon klar:
Sehr langes Gedicht, etwa vier Strophen und dann immer der Refrain; hat dann auch - nächstes Manko - irgenwie nen Erzähler
(beide Beobachtungen von Marcel)
wie damals die Nachfolgerballade (I) von der augustine
und ist nicht so richtig fraktal-aenigmatisch
wie die kurzbeinige 18 Jährige,
aber hat doch was, Qualität in seiner Art:
Oh, Schmidtchen Schleicher mit den elastischen Beinen,
wie der gefährlich in den Knien federn kann.
Die Frauen fürchten sich und fangen an zu weinen,
doch Schleicher Schmidtchen schleicht sich immer wieder an.
Dann liegen sie in seinen Armen, ach, den weichen, und flüstrern (sic):
"Schmidtchen, ist das schön, mit dir zu schleichen!"
Oh, Schmidtchen Schleicher mit den elastischen Beinen,
wie der gefährlich in den Knien fedrern ( sic!) kann.
(Das ist der Refrain) (1975 etwa) (willimox
http://www.youtube.com/watch?v=guYexuKRXyQ

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