Hedgerow Cottage II · ear · Kurzgeschichten

566 Aufrufe ·

Neue Beiträge   |  Forenliste   |  Registrierung   |   Lesungen  |   Archiv   |   a n m e l d e n

 

     ear



Hedgerow Cottage II

   01.09.2006, 11:14



Nach all den so hilfreichen Anregungen fuer eine wirkliche Kurzgeschichte, kommt hier meine zweite Version:
Als das Telephon klingelte, nahm der junge und elegant gekleidete Estate Agent,Tony Marshall, den Hoerer ab und fragte hoeflich, ob er helfen koenne. Anrufer waren ein Ehepaar David und Ann Dockerill aus Essex, welche um eine Besichtigung eines gerade angebotenen Cottages “The Hedgerow” baten. “O natuerlich , selbstverstaendlich, aber duerfte ich Sie um 15.00 Uhr erwarten? Der Vormittag ist bereits ausgebucht.” Der Termin wurde saeuberlich in den Computer eingegeben,- es war noch eine halbe Stunde Zeit, bevor die erste Partie eintreffen wuerde.
Zufrieden lehnte er sich in seinen schwarzen Sessel zurueck und vertiefte sich erneut in die Unterlagen des Cottages.
Das Photo ,welches im Evening Star veroeffentlicht worden war, hatte ihm sofort zwei Interessenten gebracht. Es war einladend photographiert, zeigte das Cottage im Hintergrund, davor ein Haferfeld, beides in weiches Abendlicht getaucht. Man ahnte die Strahlen einer untergehenden Sonne.
Tonys Blick schien ins Innere des Hauses eindringen zu wollen, um die kleine Figur einer vom Alter gekruemmten Frau , der letzten Eigentuemerin herauszulocken, deren verblichenes Hochzeitsphoto er erinnerte. Mary und Jack , in einfachen Kleidern , strahlend nach der Trauung. Es hatte Tony interessiert, mehr ueber Mary und Jack zu erfahren, deshalb befragte er Nachbarn, die sich gut an Mary erinnerten konnten.
Als junges Maedchen war Mary war in Diensten bei der reichen Familie des General Sheepshank gewesen und hatte dort als Koechin gearbeitet.Man wusste im Dorf , dass sie gern dort war und ihre Kochkuenste hatten sogar den Beifall der oft geladenen Gaeste der Sheepshanks erfahren.
Der 23 jaehrige Sohn Justin aber sah in ihr nur ein gelegenes Opfer, stellt ihr nach und nutzte eine sich bietende Moeglichkeit, als sie allein beim Kartoffelschaelen in der Kueche sass.Er schlich sich leise von hinten an sie heran, umfasste sie und draengte sie in eine Ecke. Als sie aufschrie, presste er seine Hand auf ihren Mund, wie besessen in seinem augenblicklichen Verlangen, welches nicht wirklich ihr galt.
Marys kurzer Schrei hatte den Butler alarmiert . Mary hielt noch das Messer umkrampft und stiess es Justin in den Arm. Schmerzverzerrt stiess Justin das Maedchen von sich, sie taumelte gegen den Tisch und schlug auf den Fliesenboden auf. Als der Butler den blutenden Justin sah, rief er Madame. Sie eilte herbei und sah nach ihrem Sohn. Keiner kuemmerte sich um das Maedchen , welches sich langsam am Tisch aufrichtete. Nachdem Madame festgestellt hatte, dass ihr Sohn nicht ernsthaft verletzt war, fiel sie ueber die verstoerte Koechin her, schuettelte sie und entliess sie auf der Stelle.
Mary hatte nun keinen Empfehlungsschein, die Familie verbreitete Geruechte ueber ihre Gewalttaetigkeit, aber die Dorfbewohner wussten Geruechte von Wirklichkeit zu trennen und stellten sich schuetzend vor sie. Mary, klein von Wuchs, aber zu jeder praktischen Taetigkeit bereit, half dem Baecker bei der Zubereitung von festlichen Torten. Sie bereitete um 3 Uhr morgens den Brotteig, sodass er mehr Zeit fuer Frau und Kinder hatte.
Als beim Maientanz Jung und Alt sich im Spiel der bunten Baender verwickelten, verliebte sich Mary in den kraeftigen Schmied Jack. Um aber heiraten zu koennen, mussten beide zwei Jahre sparen.
Die Ehe blieb kinderlos, jedoch waren Jack und Mary sehr beliebt bei den Nachbarn.
Mary gab ihre Arbeit auf, um fuer Jack dazusein. Sie war gluecklich und pflegte ihren Garten. Obst, Gemuese und Beeren wurden bei grossen Ernten an Nachbarn verschenkt, oder auf dem woechentlichen Markt angeboten. So lebten Mary und Jack sich fuegend in ihre kinderlose Ehe.
In all den Jahren ihrer Ehe wurde Nichts an dem kleinen Cottage, welches Mary von ihrem Onkel geerbt hatte, veraendert Mary lebte dort bis in ihr 92.Lebensjahr. Es gab keine Elektrizitaet, keinen Gasherd, weder Waschmaschine noch elektrisches Licht.. Bis zuletzt holte Mary Wasser vom eigenen Brunnen und sie benutzten nur ein Klosett, dessen Inhalt in Abstaenden aufs Feld verteilt wurde. Nachdem sie 43 Jahre verheiratet waren, starb Jack an einem Schlaganfall.
Nun war erst recht kein Geld da fuer Neuerungen.Sie liebte das offene Kohlen-Feuer,welches ihr auch zum Kochen diente, doch einen Luxus hatte ihr Jack noch vor seinem Tode geschenkt: eine aufziehbare Uhr. Jedem Nachbarn konnten sie die genaue Zeit geben, ein wichtiges Mittel fuer nachbarlichen Kontakt. Mary bekam nun vom Nachbarn die ausgelesene Evening- Star-Zeitung, welche sie voller Aufmerksamkeit in der Naehe der schweren Eichen-Tuer las, um vorbeieilenden Nachbarn etwas daraus mitzuteilen. So war sie immer informiert.

Tony hatte ein besonderes Gefuehl fuer dieses Cottage, seine dicken Mauern, kuehl im Sommer und waermend im Winter, halb versteckt und in etlicher Entfernung von Colchester, deshalb hoffte er, auf Leute zu treffen, die ein solches Ambiente zu wuerdigen wussten.
Wie vereinbahrt erschien um 10.30 Uhr ein junges Paar mit Kind im Pushchair. Sehr bald zeigte sich, dass sie es als nicht sinnvoll ansahen, ein Kind so weit entfert von jeder Schule aufwachsen zu lassen und sie zogen wieder ab.
Tony zeigte keine Enttaeuschung, wusste er doch, dass eine zweite Partie am Nachmittag kommen wuerde. Er goennte sich ein Chicken- Curry vom Take Away in Colchester, oeffnete lange alle Fenster, trank genuesslich eine Tasse starken Kaffees und wartete auf die Dockerills. Wieder kam ihm Marys Hochzeitsbild in den Sinn. Mary am gluecklichsten Tag ihres Lebens.
Puenktlich hielt ein silberner Mondeo in einiger Entfernung, das Ehepaar stieg aus und kam die letzte steile Boeschung zu Fuss. Sie liessen das Cottage mit dem Haferfeld und den weiten Blick auf sich wirken. Ann schaute den verwilderten Garten an: das wuerde ihre Hauptaufgabe werden.
Nach der Besichtigung erbaten sie von Tony noch um ein paar technische Einzelheiten, doch ahnte er, dass, selbst wenn sie eine Nacht darueber zu schlafen wollten, sie seinen Hoffnungen als neue Besitzer genuegen wuerden:
Er stand an der schweren Eichen-Tuer, fuehlte Mary fast bildlich neben sich sitzend, die Zeitung in der Hand , auf Nachbarn wartend, so wie sie es zu Lebzeiten tat. Sie schien zu sagen , “das Leben ist lebenswert, zu jeder Zeit”.Er wollte mehr wissen, suchte durch seinen ernsten Blick Marys laechelnde Erscheinung zu bannen--- und sie blieb, suchte und fand in ihrer Rocktasche einen zerknitterten, fleckigen Ausschnitt aus dem Evening Star, welcher ein verblasstes Photo zeigte :
einen ergrauten Mann im Rollstuhl mit seiner Frau Eva, einst bekannt als Racing Driver, Justin Sheepshank, der sich die Ehre gab, die Hochzeit seiner Tochter Ann mit Mr. David Dockerill anzukuendigen.
Tony las es und gab es ihr zurueck,---Marys Laecheln verblasste, ihre Erscheinung loeste sich in Sonnengeflimmer auf. Nun wusste er, sie hatte Justin vergeben und wuerde seiner Tochter Ann und ihrem Mann ein guter Hausgeist sein.

Und das Ambiente des alten Hauses? Wuerden die neuen Besitzer es wirklich so respektieren? Die Inglenook Fireplaces benutzen? Ihren antiken Wert wuerdigen? Kerzenlicht haben? Nein, der Comfort, unserer heutigen Zeit liess selbst ein solches Haus von innen nicht ungeschoren.
Mary und Jack waren gestorben, es hatte keinen Zweck, dem Alten zu lange nachzutrauern.

 
        arisia
        (Gast)

RE: Hedgerow Cottage II

   04.09.2006, 10:17



hi, ear,

ja, so ist aus der etwas drögen Erzählung eines Hausverkaufs doch noch eine Kurzgeschichte geworden.
Was mir allerdings etwas fehlt, ist die Lebendigkeit der Sprache, wie sie in den Notitzen und in deinen Beiträgen zum Geistesblitz so schön sichtbar wird.
Den letzten Teil allerdings, ab "Und das Ambiente ..." würd ich weglassen. Reflexionen und Belehrungen gehören stilistisch da nicht rein, sind auch für das Geschehen der Geschichte ohne Belang.
Noch was zur generellen Form:
Mach doch einen Absatz nach deinem Vorspann, und schreib die Überschrift der Geschichte nochmal hin, am besten im Fettdruck (mit dem erweiterten Editor), das ist freundlicher für das Auge des Lesers/der Leserin. :)

liebe Grüße
arisia

 

Hedgerow Cottage II




  SYNEKDOCHE.DE
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Impressum

  Online
Felix
pentzw

  Lesungen

  Aktuelle Themen

Climax

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

synekdoche.de

Zwei Gedichte

"muget ir ..."

Frühstück

i-Bildungen

Literarische Gesellschaft

zukunftsangst

Sprichwörter Golgostans

Mock (10)

An den @minz

°-+#? §<^~

2zeilenTiere + Konsorten

Fahr Bus und Bahn, komm später an

in die nacht

An einem Dienstag im Mai

Wo Worte angekommen sind

Gedicht aus dem 19. Jahrhundert

Der Musik Laden Faden II