Streckt sich bittend dir entgegen
eines Bettlers arme Hand,
sei ein Teil ihr von dem Segen,
der dir wurde, zugewandt.
Güter, die dir Gott gegeben,
sind für Andre dir geliehn,
und nur was du für das Leben
brauchst, sollst du davon beziehn.
Gehst du dennoch da vorüber,
wo Erbarmung nötig ist,
o, so denke dort hinüber,
wo du auch nur Bettler bist!
(Karl May)
Das ist nun wahrlich an Gräßlichkeit kaum zu überbieten - obwohl, wenn ich es mir reiflich überlege, einige aktuelle Werke, die hier im Forum zu lesen sind, könnten schon noch Paroli bieten.
Aber diese romantisch-christliche Suppe, mit der Moralkelle serviert, ist weder inhaltlich noch sprachlich genießbar. Das metrische Desaster in der zweiten Strophe und die bemüht verdrechselte Sprache, welche die Romantik imitieren möchte, so jedenfalls wirkt es auf den heutigen Betrachter, bereiten Bauchschmerzen. "Erbarmung" z.B., ein veraltetes Wort, ist im folgenden Kontext (youtube-video) durchaus stimmig, hier für mich aber leider nicht. Karl May hin oder her. Ich fand aber auch Winnetou doof.
Ein Wermutstropfen muss wohl immer sein, trotzdem Glückwunsch zur Veröffentlichung.
Streckt sich bittend dir entgegen
eines Bettlers arme Hand,
sei ein Teil ihr von dem Segen,
der dir wurde, zugewandt.
Güter, die dir Gott gegeben,
sind für Andre dir geliehn,
und nur was du für das Leben
brauchst, sollst du davon beziehn.
Gehst du dennoch da vorüber,
wo Erbarmung nötig ist,
o, so denke dort hinüber,
wo du auch nur Bettler bist!
Jau, datt iss von Karl May gedichtet.
Kann man also andächtig lesen; kann man beim Lesen voll Wehmut und Melancholie daran denken, wie man als Kind den Winnetou undsoweiter rezipierte. Und dann legt man das ab unter Kult.
Wenn das aber jetzt, hier und heute in dieses Forum gepostet würde, zum Beispiel von einem User KaterKarlo oder von Charly84 bei Soziales, ja, und wenn ICH dann die Elise hier wäre, dann rutschte das wahrscheinlich gleich in die Haltebucht durch, woll.
verschenke zur Weihnacht immer, so ich ihn denn finde, den Band: "Die zehnte Muse, Neue Folge, Otto Elsner Verlagsgesellschaft, Berlin, 1925, 1. - 20. Tausend, herausgegeben von Richard Zoozmann", Erbstück meiner Oma väterlicherseits. Da finden sich Perlen wie z.B.:
Leichter Sinn (Josef Leuffer)
Ich schere mich den Teufel was,
um das Gered der Leute,
frag nicht, ob ihnen dies und das
passt morgen oder heute.
Ich fahre in die weite Welt,
wirds mir zu Haus zu enge,
ich pfeif auf Titel und auf Geld
und geh nicht mit der Menge.
Und kommt mir in die Quer ein Kind,
ein allerliebstes, süßes,
ich frag nicht, wer die Eltern sind,
nehms in den Arm und küss es.
Und sing mein Lied und trink mein Glas,
bis ich des Todes Beute,
und schere mich den Teufel was
um das Gered der Leute.
>> Ich schere mich den Teufel was,
um das Gered der Leute,
frag nicht, ob ihnen dies und das
passt morgen oder heute.
Ich fahre in die weite Welt,
wirds mir zu Haus zu enge,
ich pfeif auf Titel und auf Geld
und geh nicht mit der Menge.
<<
Ja, das findet just meine Zustimmung, und zwar sowasvon.
Ich denke, ich werde das auch mal dem Einen,
der Anderen hinschenken. Nicht nur zur
Weihnachtszeit.