Elise
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27.07.2006, 13:19 / 4 x geändert
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40° vir|tu|al infection
5| wie mag nur ein mensch
5| eine eigene
5| zunge bewahren
5| in der sprech blasen
5| welt | findet je ant-
3| wort ein wort
5| rund um die uhr wird
5| gesendet kotze
2| und kot

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arisia (Gast)
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hi, Elise,
schön, dieser formale Aufbau dieses Gedichtes und berechtigt sowohl Frage als auch Feststellung.
Meine Antwort auf die gnadenlose Überflutung mit Bildern und Textbrocken war oft: kein Fernsehen haben, immer wieder etliche Jahre ohne Fernsehen, vor allem zu Zeiten als die Kinder klein waren.
Seit einigen Jahren haben wir wieder ein kleines Fernsehen. Eines Tages kam ein Bekannter mit dem Teil unterm Arm an und meinete: "Ich hab gesehen, daß ihr gar kein Fernsehen habt, das geht doch nicht, ich hab noch eins übrig."
Nun, so konnte ich dann wenigsten "Voyager" gucken, und seit einem halben Jahr steht es wieder fast nur rum und nimmt Platz weg. Ja, so ein Fernsehen ist enorm Raum (ab)greifend und diktatorisch. Die meistens Wohnszimmer in dieser Republik und auch in anderen westlichen Ländern sind doch in ihrer Anordnung nach dem Fernseher ausgerichtet. Ich hasse das. Ich lasse mir doch von so einem "Ding" nicht die Art und Weise diktieren, wie ich die Möbel stelle. Und Worte und Wörter klaut es auch, das Fernsehen. Malen und Zeichnen mag ja noch gehen mit Fernsehberieselung, aber wie willst du
schreiben, sprechen, wenn so eine Kiste ewig läuft? Ich kenne Familien, da ist die Kiste von Morgens bis Abends ununterbrochen an.
ja, auf jeden Fall eine berechtigte Klage und Anklage, formaler Aufbau und Inhalt als Gegensatzpaar, sagt mir was, lese ich gerne.
lg
arisia

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augustine
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Nicht mehr 40°, Elis, keine Sommergrippe (mehr?), bleibend die Frage nach Antwort.
Hab' ein bisschen lange gebraucht, bis ich dazu kam, weil mich die Ziffern vor den Zeilen irritierten, die ich nicht verstand.
Aber eben: sie zählen (nicht die Worte, sondern) die Silben - also die schon zerbrochenen Wörter/Worte??
Aber gibt es nicht, z.B. hier, auch das Wort des anderen, die Antwort, auf ein Wort?
augustine - die das manchmal versucht

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Elise²
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arisia und augustine,
für eure Antworten. Das war so ein Versuch ... ich bewege mich zwischen Menschen und ununterbrochen wird geredet, es kommt mir vor, als seien sie alle im Fieber - und ich lasse mich mitnehmen ins Fieber, denn irgendwie muß ich überleben in dieser Welt. Der Text also ein Versuch, das "Sprech-Fieber" zu beschreiben, eine Form zu finden, 40 Silben. Nun ja, manchmal ist dann doch plötzlich eine andere Qualität da - sehr froh bin ich, hier Antworten zu erhalten. Danke!
Es grüßt Elise, nicht verstummend ...
"Ich lebe in einer Gesellschaft von Sendern (ich bin selber einer davon): jede Person, der ich begegne oder die mir schreibt, lässt mir ein Buch zukommen, einen Text, ein Schlussergebnis, einen Prospekt, ein Protestschreiben, eine Einladung zu einer Aufführung, zu einer Ausstellung, usw. Die Wollust zu schreiben, zu produzieren, drängt sich von allen Seiten heran; doch da der Umlauf vom Geschäft bestimmt ist, bleibt die freie Produktion verstopft, verwirrt und gleichsam ausser sich; meistens bewegen sich die Texte, die Aufführungen dahin, wo nicht nach ihnen gefragt wird; sie begegnen zu ihrem Unglück 'Beziehungen', nicht Freunden und noch weniger Partnern; was zur Folge hat, dass diese Art kollektiver Ejakulation der Schreibweise, in der man die utopische Szene einer freien Gesellschaft sehen könnte (in der die Wollust zirkuliert, ohne ihren Weg über das Geld zu nehmen), heute die Züge der Apokalypse annimmt."
Roland Barthes, Über mich selbst, S. 87/88.

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