Der Koala · SimonLore · bis 16 Zeilen

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     SimonLore



Der Koala

   03.07.2010, 19:03 / 1 x geändert



In der Willhelma, Stuttgart

Sein Blick ist vom Verzehren all der Blätter
Des Eukalyptus schleierhaft getrübt;
Nur selten sieht er all die fetten Städter
Jenseits des Käfigs, wo er Gleichmut übt.

Dem trägen Klettern auf den dürren Zweigen
des Baums, um den sich all sein Trachten dreht
Ist eine Ausgeglichenheit zu eigen,
In der betäubt ein winzig‘ Hirn nur steht.

Nur manchmal weicht der Rausch dem klaren Schauen
Hinaus zur Welt – . Dann fängt er an zu schrein
Und eilt sich, rasch mehr Blätter einzubauen,
Um wieder zugedröhnt zu sein.

 

     augustine



Der Koala

   03.07.2010, 21:53



Zum Vergleich - und ohne dass ich mich an einen solchen mache - Rilkes Gedicht.

Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris

augustine

 

     gregor libkowsky



Simonlori und Rilke: Das große Duell

   03.07.2010, 23:28 / 6 x geändert



Zitat:
Nur selten sieht er all die fetten Städter
Jenseits des Käfigs, wo er Gleichmut übt.


Wie kann er (der Koala) jenseits des Käfigs Gleichmut üben. "Wo" dient als Ortsangabe und bezieht sich hier nicht auf den Käfig allein, sondern auf "jenseits des Käfigs". Das Jenseitige steht im Vordergrund. Gemeint war wohl doch, dass der Koala bezüglich der Anwesenheit von Besuchern, Betrachtern ("die fetten Städter") gleichmütig ist, gleichmütig auf sie reagiert.
Oder du schriebest "vom Käfig aus".

Zitat:
Ist eine Ausgeglichenheit zu eigen,
In der betäubt ein winzig‘ Hirn nur steht.



In der Ausgeglichenheit steht ein winziges Hirn? Zunächst musste ich herzhaft über diese Formulierung lachen. Doch dann kam mir der Gedanke, dass der Autor hier vielleicht nicht nur über das Textsubjekt (Koala) allein sinnieren könnte. Wer aber weiß schon, was SimonLolli hier bewegt haben mochte.


Aufgrund der oben benannten Verschwurbelungen und unter Einbeziehung der Tatsache, dass hier mit einer Rilke-Adaption ein hohes Maß an das eigene künstlerische Vermögen angelegt wurde, komme ich nicht umhin zu sagen: Durchgefallen.

P.s. Bitte nicht auch noch Videos hier einbinden. Dies wäre eines Stipendiaten nicht würdig.

Fröhliche Grüße von Ihrem Kommandanten Gregor Libkowsky

 

     SimonLore²



Simonlori und Rilke: Das große Duell

   04.07.2010, 07:22 / 10 x geändert



Mann, was seid ihr nur für ein humorloser Haufen. Ich hab hier so oft Rilkes Panther knurren hören, dass ich dachte, das wäre jetzt mal nötig.

@Libkosowski
die fetten Städter jenseits des Käfigs... Das müsste doch zu verstehen sein, oder nicht?

Ja, tatsächlich, mitten in dieser Ausgeglichenheit steht das betäubte Gehirn.

Stipendium ist übrigens vorbei. Muss jetzt auf ehrliche Weise mein Brot verdienen.

Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass ich mich mit Rilke messen will? Ach menno, zieht euch doch mal den Stock ausm A***.

---

Will nich kritikresistent sein. Aber ich habe es doch so geschrieben, wie ich es meine. "Vom Käfig aus, dort wo er Gleichmut übt" geht auch, fühlt sich aber irgendwie unbeholfen an.

"Nur selten sieht er all die fetten Städter jenseits des Käfigs, wo er Gleichmut übt."

Das ist doch ein verständlicher Satz in brauchbarem Deutsch. Der Zeilenumbruch irritiert allerdings schon.

Mich stört der "Käfig" irgendwie, weil Koalas ja wohl kaum in Käfigen sitzen. War ein Kompromiss. Ich musste ja Versschema und Metrum des Originals einhalten und wenn möglich auch einzelne Formulierungen übernehmen.

Wie wäre es damit:

"Sein Blick ist vom Verzehren all der Blätter
Des Eukalyptus schleierhaft getrübt;
Nur selten sieht er all die fetten Städter
Vor dem Gehege, wo er Gleichmut übt."

Die Ausgeglichenheit ist tatsächlich eher einer metrischen Notdurft geschuldet. Gibt auch wirklich kein stimmiges Bild. Kritik hier also vollkommen zutreffend. Die letzten Zeilen entstanden in der Halbzeitpause Deutschland-Argentinien. Gibt es vielleicht Alternativvorschläge? Mir ist auf die Schnelle dazu nix eingefallen. Und auch jetzt nach längerem Grübeln kommt mir nichts, was hier passen könnte - zumindest, wenn ich "In der betäubt..." stehen lassen will.

Naja, zumindest aber hast Du, lieber Kommandant, darüber gelacht (der Grund mag hier zweitrangig sein). Mission also erfüllt.

Leider erkennt niemand den tiefschürfenden philosophischen Ansatz dieses Werkes, bläh, bläh. Im Panther wird ein Problem gestellt: Das inhaltslose Leben in Gefangenschaft. Der Koala hat seine eigene naturgegebene Lösung dafür. Eukalyptus wirkt wirklich psychotrop auf das wahrlich winzige Gehirn dieses netten Tierchens. Er ist also beständig zugedröhnt und tut Zeit seines Lebens wenig mehr als fressen, lange schlafen und kopulieren. So gehen auch Menschen unterschiedlich mit der zivilisatorischen Einhegung ihrer Lebensäußerungen um.

Wir weisen Sie darauf hin, dass die vorangehende Blähung nur halb ernst gemeint ist.

Es gibt sehr viele Tiere in einem Zoo. Wie wärs also stockbezüglich mit einem Staffellauf?
(Das ist jetzt genau besehen ein wenig eklig, wenn man sich's bildlich vorstellt.)


Gruß
Roli Mones

---

Liebe Beate-Camilla!
Jepp, das isses. Käfig wech, aber macht nichts. Die Sprachebene passt viel eher zu Rilkes Panther.

Wenn ich die vermaledeite zweite Strophe noch in den Griff bekomme, gibts ein Edit für das Original.

Vielen Dank für Deine Hilfe.

 

     gregor libkowsky



Humorlosigkeit vs. Kritikresistenz

   04.07.2010, 16:14



Der Stock bleibt da, wo er ist.


Zitat:
@Libkosowski
die fetten Städter jenseits des Käfigs... Das müsste doch zu verstehen sein, oder nicht?


Klar weiß der Leser, wie du es sinnvoll gemeint haben dürftest. Doch viel klarer wäre es doch wohl, schriebest du es so, wie du es meinst.

Zitat:
Ja, tatsächlich, mitten in dieser Ausgeglichenheit steht das betäubte Gehirn.


Tut mir leid, das klingt verschwurbelt und als sprachliches Bild will es mir auch nicht schmecken.

Das waren die zwei Punkte meiner Kritik.

Ja, ich gebe dir Recht, Humorlosigkeit macht auch keinen Spaß.


Kommandantengrüße von Libstockowsky

 

     Beate-Camilla



Die Strophe 1

   05.07.2010, 20:58 / 1 x geändert



"Sein Blick ist vom Verzehren all der Blätter
Des Eukalyptus schleierhaft getrübt;
Kaum je gewahrt er all die fetten Städter,
Die ihn begaffen, wie er Gleichmut übt."

Da fehlt dann zwar der Käfig, aber mehr fällt mir jetzt grad auch nicht ein.
Oder halt, doch - ein Koan-Koala-Haiku ist mir noch eingefallen, immerhin.


Sportlich grüßt Beate-Camilla

___

PS 1&2

Unsere zuppanova hat sich auch schon einmal am Rilke vergriffen.
So große Tiere reizen halt zum Hinlangen!

Weil Du in einem anderen Thread nachfragtest, wie man youtubes einbettet:
Bei Info (Link) schauen, da gibt es einen entsprechenden Faden.

 

Der Koala




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