Pappa ante Portas - LORIOT · Pega Mund · Kino | Film | TV

5112 Aufrufe

Neue Beiträge   |  Forenliste   |  Registrierung   |   Archiv   |   a n m e l d e n

 

     Pega Mund



Pappa ante Portas - LORIOT

   27.06.2010, 16:29





Was für'n Niveau
hat Loriot?

Hoch, tief und stark
oder nur Quark?



Um Statements wird gebeten ...



bah, und grade eben das 1:0 gegen greatbritain by klose, woll

 

     SimonLore



Pappa ante Portas - LORIOT

   28.06.2010, 05:51 / 1 x geändert



Schwierig, das Niwo eines Komikers zu bestimmen. "Komiker" selbst ist schon ein deklassierendes Wort.

Wo Loriot einzuordnen ist, dieser Frage nähere ich mich per Ausschlussverfahren: Wer sonst könnte Erbe sein von Karl Valentin und Heinz Erhardt?

Loriot thematisiert Kommunikation als solches und vor allem natürlich die Missverständnisse, die bei unserer groben, verbalen Art der Datenübertragung ständig geschehen. Wenn man ihn bewertet mit Hinblick auf heutige Kommödianten, dann kann man trotz aller Albernheit Loriots Niveau wohl hoch loben, oder so. Nicht unbedingt sind seine Witze und Sketche selbst so niveauvoll, aber ich sehe sie eingebettet in diesen netten piefigen bildungsbürgerlichen Rahmen, den man heute fast schon wieder nostalgisch betrachtet ob all der Unvernunft im Volk. Ich finde, dass er mit seinem Sinn für Situationskomik eigentlich auch nie zu dick aufträgt. Heile-Welt-Humor ist das alles, sicher. Aber das tut von Zeit zu Zeit ganz gut.

Und ich bezweifle, dass eine Cindy Marzahn oder meinetwegen auch ein Ingo Appelt solch sublime Werke deutscher Dichtkunst hätten schaffen können wie Loriots Weihnachtsgedicht. Ich kann mir vorstellen, dass er dafür in diesem Forum ganz gute Kritiken bekommen hätte. Abgesehen natürlich von der Länge des Werkes, die einfach nicht mehr zeitgemäß erscheinen will.

"Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken
Schneeflöcklein leis' herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner, weißer Zipfel.
Und dort, vom Fenster her, durchbricht
den dunklen Tann ein warmes Licht.

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei des Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
Drum kam sie mit sich überein:
Am Niklasabend muß es sein.

Und als das Rehlein ging zur Ruh'
das Häslein tat die Augen zu,
erlegte sie - direkt von vorn -
den Gatten über Kimm' und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei, drei, viermal die Schnuppernase
und ruhet weiter süß im Dunkeln
derweil die Sterne traulich funkeln.

Und in der guten Stube drinnen,
da läuft des Försters Blut von hinnen.
Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmannssitte aufgebrochen.
Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied,
was der Gemahl bisher vermied,
behält ein Teil Filet zurück
als festtägliches Bratenstück
und packt darauf - es geht auf vier -
die Reste in Geschenkpapier.

Da tönt's von fern wie Silberschellen,
im Dorfe hört man Hunde bellen.
Wer ist's, der in so später Nacht
im Schnee noch seine Runden macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten.
"He, gute Frau, habt Ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?"

Des Försters Haus ist tief verschneit,
doch seine Frau ist schon bereit:
"Die sechs Pakete, heilger Mann,
's ist alles, was ich geben kann."

Die Silberschellen klingen leise,
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
Im Försterhaus die Kerze brennt,
ein Sternlein blinkt - es ist Advent!"

 

     Hirsch



1983: Loriots fiktive STEINLAUS erst

   28.06.2010, 15:41



malig im Pschyrembel beschrieben!


Stein|laus:

(engl.) stone louse; syn. Petrophaga lorioti; kleinstes einheim. Nagetier (Größe 0,3–3 mm; s. Abb.) aus der Fam. der Lapivora; eines der ältesten erdgeschichtl. Organismen (fossile Funde); vermutl. urgeschichtl. Einschleppung auf die Erde durch Meteoriteneinschläge; Nachw. von St. (Petrophaga lorioti marsiae) in Mars-Bodenproben; Verbreitung: v. a. in Gebirgen, Wüsten, Großstädten; weltweite Zunahme durch globale Erwärmung wird diskutiert;

Ernährung:
1. Gemeine St. (Petrophaga lorioti communis): in freier Natur v. a. von Silikaten;
2. Subspecies Nieren-St. (Petrophaga lorioti nephrotica), Blasen-St. (Petrophaga lorioti vesicae), Gallen-St. (Petrophaga lorioti cholerica): von Kalk-, Bilirubin- od. Cholesterol-Konkrementen*;
Berichte von St. in wissenschaftl. Bibliotheken (Papierfraß) u. Steinobst lassen Nahrungsspezialisierung vermuten (vgl. Akzeleration).

Übertragung: durch Nahrungsaufnahme, Speichel (sog. stone louse kissing disease nach ICD-10), Einatmen von Steinstäuben;

Sympt. bei St.-Befall: Euphorie* mit typ. Mimik (Kontraktion des Musculus* risorius u. Musculus* orbicularis oculi); allg. Wohlbefinden (vermutl. Stimulation der Endorphin*-Sekretion durch St.-Stoffwechselprodukte);

klin. Bedeutung:
1. (therap.) Anw. von St.-Stoffwechselprodukten als homöopath. Konstitutionsmittel (Petrophaga LM6) u. Antidepressivum*; Lausotoxin-Injektion in Gesichtsmuskeln (begünstigt Entstehung von Lachfalten); intrakorporale Petrophagen-Lithotripsie* (Abk. IPL) mit experimentell ausgehungerten Nieren-St.; nichtinvasive Zahnsteinentfernung;
2. (präventiv) Reduktion von Plaques bei Arteriosklerose* zur Erweiterung des präventiven Maßnahmenspektrums z. B. bei zerebraler u. peripherer arterieller Durchblutungsstörung od. koronarer Herzkrankheit*; allg. verbesserte Konstitution durch Ernährung mit St.; Abrechnung als individuelle Gesundheitsleistung* (Abk. IGeL) mögl.;
weitere Anw.: Die Bedingungen für die seit 1.3.2007 erhältliche Feinstaub*-Plakette können durch den Einsatz von auf Feinstaub spezialisierten St. in Kombination mit Filtern erfüllt werden.

Seit ihrer Erstbeschreibung (1983) ist die St. - u. a. infolge der noch immer offenen Frage ihrer realen Existenz - Gegenstand intensiver Forschung in- u. ausländischer Arbeitsgruppen. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen Fragen des therapeutischen Einsatzes bestimmter Subspezies (Gallen-St., Zahn-St. u. v. a.), eine mögliche Verwendung zur architektonischen Umgestaltung von Großstädten (s. Biotop), evtl. auch von Großhirnen (Rindenarchitektonik*). Wenngleich nachhaltige Erfolge der St.-Forschung im Bereich der Ökologie* noch ausstehen, sind positive Effekte auf die Befindlichkeit der Forschenden vielfach beschrieben. Die Petrophagologie selbst hat insofern wohl gesicherte therapeutische Funktionen; vgl. Heilverfahren, alternative(4.).




Cervus
. . . . . . . . . . . . . . . .
Steinlaus

 

     ruelfig



Pappa ante Portas - LORIOT

   28.06.2010, 19:08



Loriot ist genialisch lustig
und nicht proletarisch
albern mit der "spitzen Feder"
pontierend. Das kann jeder.
Es kommt wohl nicht nur mir so vor:
der Mann hat ernsthaft viel Humor.
Mein Lieblingsreim ist aus der Szene im Flugzeug, als Loriot und Hamann sich über Rilke austauschen. Loriots prolliger Sitznachbar: Mein Cousin schreibt auch Gedichte.
Ich muss die Nase meiner Ollen
an jeder Grenze neu verzollen.
Jeder Scrabblespieler kennt wohl auch Schwanzhund und Hundnase aus Ödipussy.
"Komiker" wäre wohl eher eine Beleidigung, Satiriker vielleicht oder Ironiker. Das, was er karikiert, will er nicht zerstören und er will nicht verletzen, das macht ihn menschlich. Bei der Arbeit muss er wohl pedantisch und überkorrekt sein, von daher wirken seine Werke auch wirklich gekonnt und nicht dahin gerotzt wie der Comedian-Müll, der inzwischen die Bus- und bahnlinien der Vorstädte verseucht. Mein Respekt auch für seine Weigerung, unter den gegenwärtigen Bedingungen noch fürs Fernsehen zu produzieren.
Lang lebe Loriot!

 

     zuppanova



dem lorihott findischgutt newow!

   29.06.2010, 00:11



1] scharfsichtig, scharfsinnig, feinsinnig, hintergründig, abgründig, skurril, subtil bis vielleicht subversiv, latent politisch, intelligent, entlarvend, maßgeschneidert minimalistisch und scharmant führt loriot verkrustungen vor, verhaltensmaximen, benimmreglements, umgangsformen, fluchtlinien, korsette, krücken, lebensphilosophien. ent-sinnt wird mit leichter hand, was sitte und anstand geboten, gebieten ...

2] der ist so utile cum dulce, der loriot!

3] erst kürzlich zum fünften oder sechsten mal wieder "Ödipussi" angeschaut, mit meinem jüngsten zusammen, aus pädagogischen gründen. nutzt sich kaum ab, der film ...

4] die lebensentwürfe, die menschentypen, die loriot abbildet - gibt es sie heutzutage noch? wie lange wird sich wohl noch ein publikum finden, das seinen code versteht? wird loriot "überdauern", etwa so wie tucholsky oder valentin?

zuppa

 

     lost



Dritter Advent

   12.12.2010, 04:32



Wie das Institut für Demoskopie, Allensbach, mitteilt, ziehen gemäß einer kürzlich durchgeführten repräsentativen Umfrage 78% aller naturverbundenen Menschen beiderlei Geschlechts Gedichte, die zur Jahreszeit passen, Gedichten, die nicht zur Jahreszeit passen, vor, und zwar unabhängig vom Schulabschluss. Während der Adventszeit beispielsweise wird in beschaulichen Familien- und Freundeskreisen besonders gerne Es blaut die Nacht (siehe oben und unten) gehört, gelesen oder in einzelnen Fällen sogar nachgespielt.

Nicht naturverbundenen Männern ist nach Angaben des Instituts für Demoskopie, Allensbach, sowohl die Jahreszeit als auch die Lyrik schnuppe, allerdings nur, wenn sie nicht mit einer nicht nicht naturverbundenen Partnerin liiert, kinderlos und unter 31 sind.




 

     Pega Mund²



Loriot - 22.08.2011

   23.08.2011, 16:59



http://www.bundesregierung.de/nn_1264/Co...tod-loriot.html

Alsô scheint es nicht unangemessen,
diesen Faden als Ehrenflagge nach oben
zu hissen. Nachruf: ein poetisch gehauchtes

Krawehl -




. . . . . . . Gretchengrüße

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> Endmuränenlied

 

     zuppanova



... filigran, die Eheberatung, gell!

   27.08.2011, 00:27





Auch dieser Film führt es vor: Herrn von Bülows Gespür für die Nuancen der zwischenmenschlichen
Abgründe und deren Ausdruck war hochgradig verfeinert, gell ...

 

     SimonLore



   27.08.2011, 02:34 / 1 x geändert



Es ist dies einer der Todesfälle die mir die Welt ein wenig ärmer erscheinen lassen. Mir kommt hier kein geistreicher Nachruf zu Gemüt, man entschuldige es. Drei, gar vier Generationen hat Loriot mit einem Feinsinn unterhalten, heute lang gesucht. Trotzdem wird er immer noch verstanden. Erst kürzlich hörte ich von zwei Teenagern den gestelzten Dialog: "Es ist etwas kühl für diese Jahreszeit" - "Dafür hatten wir im Mai drei schöne Tage", gefolgt von Gekicher - beinahe sicher war das ein häufig benutztes Zitat in diesem Sommer.
Loriots Sketche haben - der Faden zeigt es - längst das Internet erobert, das ja wie man sagt nichts vergisst. So bleibt uns auch seine ureigene Sicht auf die bürgerlichen Welt der damaligen BRD, seine Sicht auch auf den Menschen und dessen Allzuzwischenmenschlichkeiten erhalten, mit der er uns zeitlos komische Momente bescherte.

Danke. Was kann man sonst sagen.

Womöglich zeugt es von einem Mangel an Feinsinn meinerseits, doch seine Darstellung der verschiedenen Stadien der Trunkenheit in diesem Sketch hat mich immer besonders vergnügt:

 

 

     Willimox



Loriot in caelo

   28.08.2011, 11:53




 

     Fidelio



Loriot in caelo

   13.07.2012, 16:41



Hallo!

Ja, es wurde eigentlich schon das meiste zu Lorio gesagt, dem ich auch allem zustimme :) Ich liebe seinen Humor!

Was ich beeindruckend finde, ist, dass Lorio ein (neudeutsch) Allround-Talent war...also sowohl literarisch, bildnerisch und schauspielerisch...er war so eine Art allübergreifender Humorist :)

Schade, dass es bei allen großen Menschen fast immer so ein unlustiges Nachspiel wie in diesem Artikel gibt....

Herzliche Grüße
Fidelio

 

     Lektor



Loriot in caelo

   16.04.2013, 16:41 / 1 x geändert



Ich bin auch der Meinung, dass Loriot der beste "Komiker" war, ich liebe seinen Humor. Vielleicht sollte man ihn sogar als "Humorist" bezeichnen - ich finde, der Begriff Komiker grenzt sein Schaffen sehr stark ein. Es war Autor, Regisseur (und zwar ein pingeliger), er liebte Musik und wusste sie gut einzusetzen in seinen Sketchen und Filmen. Auch die Kostumwahl in seinen Filmem war klasse. Ich habe gerade so einen Anzug im Stile von Pappa Ante Portas auf www.anzuege.de für meinen Schwiegervater bestellt. Damit sieht er aus wie Loriot selbst. Wenn man es sich überlegt, sind sogar viele von Loriots Sketchen schon in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen - das schafft nun wirklich nicht jeder! Ich sage nur "Früher war mehr Lametta" bzw. "Er sitzt und spricht". Ich wette, dass selbst viele junge Leute diese Zitate kennen, obwohl sie vielleicht gar nicht wissen wo es herstammt.

 

     Pega Mund²



Wen interessiert's?

   14.09.2013, 02:27



Dem unbekannten Loriot, also dem, der im noch weitgehend unerforschten Nachlass des Vicco von Bülow (ver)steckt (ist), kommen FrühaufsteherInnen womöglich gleich nachher im Radio auf die Spur, -> da!

(LängerschläferInnen klicken sich dann gegen Abend zum Podcast durch.)
Gretchengrüße-> zum Panzerkoitus

 

Pappa ante Portas - LORIOT




  SYNEKDOCHE.DE
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Impressum

  Online

  Aktuelle Themen

Meinung

Basissatz: Inhalt oder Gehalt?

Kurzreferat zu Friedrich Nagelmann

2zeilenTiere + Konsorten

Amiland

tasmanischen Silberbäumen lauschen

Glühender Sand

Das leere Schlachtfeld

Hoher Geburtstag

Antifeudale Lyrik im Stile Bürgers?

Klug geschissen

Schnapsidee

Nicht

Denk ich an Deutschland...

Kitsch als legitiemer Begriff in der

Der Ablaut und Ablautsystem

Hilfe! Suche...

Fiktionale vs. faktuale Erzählung

was wir geben (so nett, en passant)

Was ich nie wieder fand