Eichbaum · Datura · bis 16 Zeilen

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     Datura



Eichbaum

   26.01.2010, 13:08 / 1 x geändert



Im Wolkenspiel
auf weitem Feld
tanzt eine Eiche mit dem Licht

Ein Schatten fällt
ein Zauber bricht
aus Zweigen,
die sich schlangengleich
weich wiegen
zu dem Sommerreigen

Dort möcht ich ruhn und schweigen
am Fuße dieses Baumes

Und atmen seine Ewigkeit


Zum Bild von Frido Witte (1881-1965)
„Eichbaum auf dem Hügel“
ausgestellt im Soltauer Museum

 

     lost



Potz Wolkenspiel und Ewigkeit!

   26.01.2010, 23:33 / 1 x geändert



Dieser auf 12 Versen nach allen Regeln der Kunst sich vom Wolkenspiel über Feld, Licht, Schatten, aus Zweigen gebrochenen Zauber und einen Sommerreigen zur ewigen Ruhe verzu[e]ckende Eichenbaum macht mich wehmütig.

Und wenn ich wehmütig werde, muss ich (nicht immer, aber hier doch) an Heinrich Heine denken, der als "letzter Dichter der Romantik" und scharfer Geist mitunter eine bestimmte Sorte romantischer Gedichte "auf die Palme" nahm, indem er deren Gestus "ironisch" nachahmte.

regards ...

 

     Datura²



Potz Blitz

   27.01.2010, 09:27 / 2 x geändert



einen guten Tag wünsche ich und ziehe meinen reimebemoosten Blätterhut,
ja so könnte man wehmütig werden...
die Zeit der Romantik ist vergangen und nun hat dieses Bild von Frido
etwas emporgewirbelt aus der angestaubten Kiste und Eichendorff und andere werden wohl mal wieder sich im Grabe umdrehen oder auch nicht....
Grüße von
Datura

PS warum eigendlich " auf die Palme nahm" ?

 

     augustine



Potz Blitz

   27.01.2010, 15:09 / 1 x geändert



Das mit der Palme hat der lost wahrscheinlich als Katachrese gemeint (Bildbruch). Übrigens (lies aber selber) war dies eine seiner sanftesten Kritiken.

Viel Zeit habe ich jetzt nicht. Wenn du aber antwortest (und je nachdem, wie), fände ich den Versuch einer Einzelanalyse schon lohnend.
Der Bildtitel erinnert an C. D. Friedrich. War irgendwie zu erkennen, dass der Maler das wollte?

Grüße von augustine

 

     Datura²



Potz Blitz

   27.01.2010, 16:05 / 2 x geändert



nein Augustine, es ist nicht zu erkennen , ob der Maler sich auf C.D.F. bezog.
Er hat viele Landschaftsgemälde, Aquarelle, Radierungen geschaffen, die die Heidelandschaft und ihre Menschen als Thema hatten.
Das Bild, das mich zu diesen Versen inspirierte, ist eine Radierung, ungefähr so groß wie eine DinA3 Seite.
Es wirkte auf mich auch gerade durch die schwarz-weiß Kontraste... als wäre der Baum in Bewegung... oder wie erstarrt in der Bewegung...
wenn Interesse besteht, kann ich das Bild auch als Datei einstellen.

Diesen Link habe ich gerade gefunden, dort ist eine Radierung mit einem ähnlichen Baum zu sehn, mit dem Titel: " Baumfantasie".
@lost und dort sitzt tatsächlich jemand in/auf dem Baum ( Palme )

http://www.sammlung-schirm.de/wordpress/?tag=frido-witte

Grüße von Datura

 

     lost



Wie die Palme auf die Eiche kam:

   27.01.2010, 19:44



Danke, augustine, für die katachretische Handreichung. Ohne einer Einzelanalyse vorgreifen oder im Weg stehen zu wollen, erlaube ich mir zwei, drei erläuternde Sätze.

Dachte mir einerseits, dass es einer Eiche, die im Wolkenspiel mit dem Licht tanzt - und zwar, man beachte: auf weitem Feld! - und deren Zweige, während oder nachdem ein Schatten fällt bzw. fiel und obendrein ein Zauber aus selbigen (den Zweigen der Eiche nämlich) brach oder bricht - dass es solch einer Eiche, deren zauberausbrechenlassende Zweige schlangengleich weich sich wiegen oder wiegten zu dem (welchem eigentlich?) Sommerreigen - ja, dass es dieser bemerkenswerten Eiche, wenn sie dann im letzten Vers nach all den Anstrengungen des wolkenumspielten Tanzens im Licht auf weitem Feld und des schlangengleich weichen Diezweigezumsommerreigenwiegens endlich mit einem ruhenden und schweigenden Textsubjekt zu ihren Füßen wieder die altvertraute Ewigkeit atmet, dass es also dieser tapferen Eiche zu noch mehr Ehre und Ruhm gereiche, wenn man ihr bildbrechend eine Narrenpalme aufsetzte (Konjunktiv): Ja, das dachte ich mir. (Und tat es.) Einerseits.

Andererseits, Datura, flog mir durch den Sinn, dass Heine, der scharfsichtige, hellgeistige, sich wohl zu retten versuchte, indem er, was ihn auf die Palme brachte, ganz entschieden auf die Schippe nahm, und flugs fusionierten die Schippe, die Palme ... (gewiss wäre ihm, dem Heine, zu diesem zaubertümelnden Eichenbaum Besseres eingefallen als mir).


beg your pardon: lost







-> Vaters Planeten
-> note
-> Captain Grand
-> Chaiselongue
-> big polis
-> das Überleben der Spezies
-> deep impact: die Bedrohung
-> mermaid
-> Schwarzwasser
-> Podcast (Schwarzwasser u. big polis)
-> Rosa! Lies!

 

     Datura²



Wie die Palme auf die Eiche kam:

   28.01.2010, 11:39 / 1 x geändert



Hi Lost,
das Wort „ schlangengleich“ habe ich nicht ohne Grund gewählt. Zu einen, weil das Bild bei mir die Assoziation von schlangenartigen Zweigen geweckt hat, zum anderen, weil die Kombination von Schlange / Baum in unserer christlich geprägten Kultur mit Erkenntnis,Verderben, dem „Bösen“, Schuld und Sünde verbunden ist.
Licht und der Schatten, vorher genannt, gewählt um diesen Kontrast einzuführen.
( Schwarz-Weißkontrast des Bildes).
Trotzdem ( oder gerade deshalb?)wähle ich diesen Ort, um dort zu ruhen….
Und schweigen möchte ich, weil Worte Dualität schaffen.
Grüße
Datura

 

     augustine



ruhn und schweigen

   28.01.2010, 15:30 / 7 x geändert



Erst einmal meine lyrischen Assoziationen:

Auf den Tod eines Kindes
Die Schönheit ist den Kindern eigen,
Ist Gottes Ebenbild vielleicht, -
Ihr Eigentum ist Ruh und Schweigen,
Das Engeln auch zum Lob gereicht.

(Hölderlin; aus der Turmzeit)


S i e b e n g e s a n g d e s T o d e s

Ruh und Schweigen

Hirten begruben die Sonne im kahlen Wald.
Ein Fischer zog
In härenem Netz den Mond aus frierendem Weiher.

In blauem Kristall
Wohnt der bleiche Mensch, die Wang' an seine Sterne gelehnt;
Oder er neigt das Haupt in purpurnem Schlaf.

Doch immer rührt der schwarze Flug der Vögel
Den Schauenden, das Heilige blauer Blumen,
Denkt die nahe Stille Vergessenes, erloschene Engel.

Wieder nachtet die Stirne in mondenem Gestein;
Ein strahlender Jüngling
Erscheint die Schwester in Herbst und schwarzer Verwesung.

(Trakl, der wohl Hölderlins Formulierung übernommen hat; du findest bei ihm noch mehr)

++++ 

Jetzt deins hierher (ich brauch es zum Schreiben):

Im Wolkenspiel
auf weitem Feld
tanzt eine Eiche mit dem Licht

Ein Schatten fällt
ein Zauber bricht
aus Zweigen,
die sich schlangengleich
weich wiegen
zu dem Sommerreigen

Dort möcht ich ruhn und schweigen
am Fuße dieses Baumes

Und atmen seine Ewigkeit



Nein, ich finde nicht, dass das nachgemachter Eichendorff ist; benachbart ist er aber schon. Und, macht das was? (Die Lyrik von 'heute', die ich jede Woche in der ZEIT lesen darf, könnte ich sehr gut entbehren.)
Gegen die drei ersten Zeilen habe ich gar nichts. Gerade weil der Leser weiß, dass die Eiche einer der 'geerdetsten' Bäume überhaupt ist, bekommt das Bild vom Tanzen eine Aussage - die mich nun auch neugierig macht auf das Bild, das das Gedicht ausgelöst hat. Du kannst es hier herein stellen, Datura (du trompetest erfreulicherweise gar nicht), hast du gesagt. Bitte tu's.

Was mir nicht gefällt:

ein Zauber bricht
aus Zweigen :
denn zuerst verstand ich: eine Wolke hat den Zauber (des Tanzens) gebrochen (damit wäre er weg), dann aber: er bricht aus Zweigen wie Lichtstrahlen durch Wolken; wahrscheinlich meintest du beides - trotzdem

dann:
schlangengleich
Du erklärst das Wort mit dem Paradiesmythos; da wiegt sich aber nichts weich, sondern da ist alles gespanntestes Sammeln vor dem Zupacken
am Fuße dieses Baumes
das ist mir dann zu plötzlich allzu irdisch: gerade noch leichter Tanz, dann elefantenfußartig in die Erde gepflanztes Sitzmöbel;
und:
Ewigkeit ???

Ich habe die 'ei'-Laute bemerkt, das Vermeiden von wie-Vergleichen.
Im Ganzen gefällt mir dein Gedicht.

(Und mit Blick aufs Ganze hier möchte ich noch sagen: endlich mal wieder ein Text, den man nicht schnellstens wegschieben sollte.)

Grüße von augustine

Noch schnell:
wieder lesen: Vlamidir zu Gauguin

 

     ruelfig



Eichbaum

   28.01.2010, 19:14



Hallo Datura,
du hast ein schönes Gedicht geschrieben, das mich berühren kann. Zwei Kritikpunkte: die Vorrede stört mich, ich will gar nicht wissen, auf welches konkrete Bild sich dein Text bezieht, weil mir das die Stimmung kaputtmacht. Entweder muss ich nachher suchen, ob ich das Bild irgendwo finde oder ich sage: mir doch egal, suche ich nicht, aber dann denke ich immer: wie es wohl aussieht? Natürlich rein mein Problem.
Die Schlusszeile jedoch finde ich stimmungstötend: wir wissen doch alle, im Hinterkopf, dass es so etwas wie Ewigkeit in Bezug auf Bäume, Räume und Träume nicht gibt noch geben kann. Ewigkeit zu atmen ist mir dann doch zu pathetisch, warum nicht so was wie: und atmen in Vergänglichkeit?
Grüße,
R

 

     Pega Mund



hoher ton, hohler ton?

   29.01.2010, 08:15



heia alle!

okeeh, ei-laute und keine wie-vergleiche und weniger furchtbar als vieles andere hier - aber mir reicht das noch nicht, um gefallen an dem text zu finden oder berührt zu sein.

für mich steht da oben, ganz unabhängig davon, ob die inspirationsquelle eine zeichnung oder sonstwas war, ein dünner pastiche auf "hohen ton".
die eiche, die hier vorgeführt wird als pars pro toto für "die natur", ist überladen von abgegriffenen projektionen der sehnsucht und von sprachlich nicht weiter originellen oder sonstwie beeindruckenden second-hand-konfigurationen "des erhabenen" (schönheit und größe - licht, zauber, ruhe, ewigkeit).
mir kommt das gedicht vor wie ein abziehbildchen, viel nachgemachtes großes wort (vgl. den foren-header, musil: "Die Welt des Schreibens und Schreibenmüssens ist voll von großen Worten und Begriffen, die ihre Gegenstände verloren haben."), das im grunde nichts zu sagen hat, nichts zu be-deuten, und besser ins poesiealbum passt als in den literature-leitz. naja, für mich ist es eben so.

nfu, gretchen



heute: täig sädd!

 

     Datura²



Inhalt

   29.01.2010, 11:04



@augustine
danke für die Texthinweise. Zu dem " schlangengleich weich wiegen" assoziere ich Sinnlichkeit.... es umschmeichelt die Zunge.... die Paradiesschlange hat verführt und nicht gebissen...
" am Fuße" klingt vielleicht wirklich grob... auf ein Sitzmöbel dort bin ich allerdings noch nicht gekommen...daran werde ich noch feilen
ebenso auch@ ruelfig : die Ewigkeit... das hat auch mir Zahnschmerzen bereitet.. aber " Vergänglichkeit " ist eigendlich das Gegenteil...
ich danke für die Anregungen und @ Gretchen werde mich bemühen, in Zukunft keine hohlen Worte und leere Inhalte aufs Papier zu klatschen .^^
Grüße
Datura ,
@ augustine : ja Engelstrompete aus der schattigen Nacht, auch Stechapfel genannt.

das Bild ist eingescannt und bereit hier eingestellt zu werden, aber ich weiss nicht wie ,hab keinen Button: Datei laden gefunden ....

 

     Marcel Frank



Inhalt

   29.01.2010, 11:20



JPG einbinden: http://www.literature-online.de/thema1633.htm
JPG hosten: http://imageshack.us u. a.

 

     Datura²



Inhalt

   29.01.2010, 13:43 / 3 x geändert



mit freundlicherGenehmigung des Heimatkundemuseums Soltau:


zum Klicken: http://img189.yfrog.com/i/eiche1y.jpg/

 

     augustine



schlangengleiche Eiche

   29.01.2010, 16:06



Danke, Datura, das hier ist ein Gespräch über einen Text! Du hast eine Veröffentlichungsgenehmigung des Museums eingeholt, Marcel hat dir gezeigt, wie (hätte ich auch nicht gewusst; Marcel, danke und bitte auch in Info zum Wiederfinden!), du hast das Ausgangsbild hier eingestellt.
Ja, ich hab' also die Radierung angesehen. schlangengleich, fast ja schon schlangenförmig sind die Äste des beinahe abgestorbenen Baumes und, nochmal ja, die Schlange verführt und beißt nicht.
An anderem wirst du feilen. Schon dies Wort 'feilen': ich glaube, dass viele das Gemeinte als literarische Tätigkeit gar nicht kennen.
Grüße von augustine

 

     Marcel Frank



Potz Wolkenspiel und Ewigkeit!

   29.01.2010, 18:37



@lost, "gewiss wäre ihm, dem Heine, zu diesem zaubertümelnden Eichenbaum Besseres eingefallen als mir"

http://gedichte.xbib.de/Heine_gedicht_Fr...tian+S.+-+1.htm

"Ich weiß es wohl, die Eiche muß erliegen,
Derweil das Rohr am Bach, durch schwankes Biegen,
In Wind und Wetter stehn bleibt, nach wie vor.

Doch sprich, wie weit bringts wohl am End solch Rohr?
Welch Glück! als ein Spazierstock dients dem Stutzer,
Als Kleiderklopfer dients dem Stiefelputzer."

@augustine, "Ich habe die 'ei'-Laute bemerkt"

Ich auch und zwar (*windowstaschenrechner*) zu 27% bei "ein/e".

@gedicht

Der Anteil der Funktionswörter ist hoch (sie verarbeiten den Versanfang zu Mozzarella) und die Pausenbildungen bei "bricht / aus Zweigen, / die" vielleicht 2 zuviel: Kein "Verseffekt" da, sondern ein, ja, Relativsatz,
der auch am Komma gut zu erkennen ist. Andererseits hat dieser Text den "Liebreiz" einer Kneipierskatze ("Dort möcht ich ruhn und schweigen") und man käme durchaus in Schuldgefühle, wenn man sie in vino veritas est mit ohne freundliche Genehmigung gegen die Wand usw. Also, es ist nicht zu leugnen, dass ein spontanes Wohlgefallen sich einstellt & der Text durch die Worte und nicht durch den Sinn gedacht ist, was etwa gleichbedeutend ist mit "direkter Aufstieg".

 

     Jolante



Potz Wolkenspiel und Ewigkeit!

   29.01.2010, 22:06 / 4 x geändert



Hallo Datura,

da sich auch einige Kommentare schlangengleich winden, wie mir scheint, bekenne ich unumwunden, dass mir dein Gedicht gefällt in Gestalt und Gehalt. Warum? Nun, es dümpelt, dünkelt und tümelt nicht. Es hat eine Sprachmelodie, die mich berührt, und offenbart Eindrücke, die ich nachempfinden kann. Das sind zwar rein subjektive Kriterien für die Beurteilung eines Gedichtes, ich weiß, aber das schert mich nicht. Ich bin ja keine ausgewiesene Kritikasterin und verlasse mich meistens auf mein Sprachgefühl und auf die Assoziationen, die ein Text bei mir erweckt.
Die Inspirationsquelle hätte ich allerdings den Versen nicht vorangestellt, sondern in einem späteren Kommentar erwähnt - und die "Ewigkeit" am Schluss, die würde ich durch "Endlichkeit" ersetzen, denn nichts ist für die Ewigkeit gestrickt.

Willkommensgrüße
von Jolante

 

     Pega Mund



time will tell

   30.01.2010, 04:17



joa, gut, ausgleich durch Jolante. also 3:3. unentschieden.
(ersmaa.)


@Datura
Zitat:
und @ Gretchen werde mich bemühen, in Zukunft keine hohlen Worte und leere Inhalte aufs Papier zu klatschen .^^

okeeh, gebongt. time will tell ;)
(und @ Gretchen werde mich bemühen, in Zukunft keine hohlen Worte und leeren Inhalte aufs Papier zu klatschen .^^)


@minz

kneipierskatzenliebreiz, das ist doch was, woll -
(und i stelle mir vor, wie der kkl sich weich wiegend paart im gezweig oder am fuß auch, a-dual schweigend, mit der paradiesschlangensinnlichkeit. da bliebe keine eiche[l] nicht trocken.)



. . . . . . . . . . . Gretchen grüßt

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> zur Lyrikpommesbude

 

     Datura²



Ewigkeit und so

   30.01.2010, 10:30 / 1 x geändert



ich danke euch für die Anregungen, auch die kritischen.
Ich habe das "Vorwort" jetzt an das Ende gestellt, ich denke so ist es auch besser, danke.
Ewigkeit durch Endlichkeit zu ersetzen ist eigendlich nicht die Lösung für mich .. natürlich weiss ich, das nichts ewig währt, die Veränderung ist die einzige Konstante... ich wollte auf etwas hindeuten, das hinter der, sich ständig in Veränderung befindenden Welt der Erscheinungen, immanent " ist " ( Spinoza oder so ....^^). Nu ja vieilleicht doch n bissl zu dicke...wie gesagt, ich arbeite dran...
Grüße
Datura

 

     augustine



hoher ton, hohler ton?

   31.01.2010, 00:07



Ich finde gar nicht, dass in dem Gedicht, um das es noch immer geht, ein 'hoher' Ton gebraucht wird. Mindestens müsste das erstmal definiert werden. Es gibt sicherlich keine Wörter, die in heutigen Gedichten nicht verwendet werden dürften, auch dann nicht nicht, wenn sie mit anderen unter solchem Verdacht (einen zu hohen Ton anzuschlagen) zusammen stehen.
Sicher kann ein hoher Ton hohl sein. Dann, wenn er mehr scheinen als sein wollte. Ich denke, das würde man merken.
Dies Gedicht halte ich aber für aufrichtig.

augustine

 

     Datura²



Schatten, ein anderes Gedicht

   31.01.2010, 09:41



Baum, Wolke, Wasser und Schatten
Im Wind, der sie floh und fing,
Reden vom Glück, das wir hatten,
Raunen vom Leid, das verging.

Leid, Wind und Wasser; und ging es?
Und kam es? Und wann? Und wie?
Und wär's auch nur um Geringes:
Die Rechnung rundet sich nie.

Rudolf Alexander Schröder (1878-1962)

das habe ich gerade im Deutschlandfunk gehört und mußte es gleich mal hier reinstellen, als Beitrag zu diesem Gespräch...
Grüße
Datura

 

     Pega Mund



bläschen und blasen

   31.01.2010, 16:16



augustine schreibt:
Zitat:
Dies Gedicht halte ich aber für aufrichtig.

naja, es behauptet doch gar niemand, das gedicht sei unaufrichtig.
es ist eben so hohlsäuselig wie es ist, nicht mehr und nicht weniger.

aufrichtig banal röchelt es sich unter den eichenzweigen so bisschen an der ewigkeit, an der ruhe und am schweigen entlang, weil es einen brocken spinoza oderwas aufgeschnappt hat, der ihm jetzt blasig wie rohe zwiebeln gärt in seinem kneipierskatzenmagen, und produziert schließlich, sich erleichterung verschaffend, ein philosophisch angemutetes, immer noch aufrichtiges, immer noch banales bäuerchen.
mehr ist da nicht. nicht für mich. da kommen wir nicht zusammen diesmal, augustine.




Datura, deinen gesprächsbeitrag versteh ich nicht. was soll es denn heißen und bedeuten und mir mitteilen, dass hier nun dieses gedicht von rudolf alexander schröder steht? ein gedicht, das ich - ohne gezz schröders verdienste schmälern zu wollen! - in seinem phrasengestutzten, hohlzüngig raunenden, romantisierenden ästhetizismus eigentlichmithartemtee fast noch gruseliger finde als deines.

hmmm.

naja, vielleicht ist es so zu verstehen, dass die existenz eines bläschens gerechtfertigt und verteidigt werden soll durch nachweis und darstellung anderer, größerer blasen. oder auch: verglichen mit dem aus tiefsten lungenflügeln heiser raunenden kneipiersdackel kommt die mehr bronchial-oberflächlich hell röchelnde katze tatsächlich noch ziemlich gut weg.

aber - nein.

im grunde will ich gar nicht weiter insistieren, soll auch wohl mein letzter beitrag zum gespräch in diesem faden gewesen sein. time will tell. und viel schlimmer als das -> herpesbläschen selbst sind ja diese sekundärinfektiösen entzüdlichkeiten, die entstehen, wenn man dauernd dran rumkratzt. und deshalb halt ich hiermit meine respektlose fresse.




in diesem sinne: nfu und sonntagsgretchengrüße



ps

und ich hab grade jetzt diese sekunde ne idee für das schlechte gedicht, das ich dem lambswolf immer noch schuldig bin. iss doch auch was, oder?

 

     Datura²



Herpes?

   31.01.2010, 16:52



hast Recht Gretchen, dadurch dass es ein Rudolf Alexander Schröder verfasst hat, macht es noch nicht zu einem guten Gedicht... ich kanns auch wieder rausnehmen...wenns denn gar stört


lg
Datura

 

     augustine



Aufrichtigkeit

   31.01.2010, 18:39 / 2 x geändert



@ Datura: ich hatte schon geschrieben, aber vergessen, den angefangenen Text zu speichern, als ich noch etwas nachsehen wollte zu R. A. Schröder. Er gefällt mir nicht sonderlich, ist mir zu konservativ und keiner von den Großen, bei denen es egal ist, wann sie lebten.
Du solltest unbedingt den Text drin lassen, aber erklären, wo du die Beziehungen zu deinem siehst.
Statt "Aufrichtigkeit" hätte ich wohl lieber schreiben sollen: Ernst.

@ Gretchen: wenn du eigentlich gar nicht weiter insistieren möchtest - warum insistierst du dann nochmal???
Du überschüttest ein Gedicht, das du ja nicht mögen musst, wiederum mit glitzernder Häme, die dir doch nur Anlass für selbstverliebte Eigendarstellung zu sein scheint.

nfu augustine

Lieber würde ich mal wieder was neues Eigenes von dir lesen; sehr gern.

 

     Datura²



Aufrichtigkeit

   31.01.2010, 20:36 / 1 x geändert



@augustine

wie gesagt, habe das Gedicht heute morgen gehört . Er verwendet die Bausteine Baum, Wolken , Schatten ( Wind= Bewegung) in kurzer Abfolge...wie in meinem Gedicht.. die Aussage ist eine ganz andere... das fand ich interessant, habe aber nicht damit gerechnet, dass es solch Mißfallen erregen würde, den Text hier als Vergleich reinzustellen.
Und ja, es ist "ernst " gemeint
und
@Gretchen
kein Widergekäue bloß "weil es einen brocken spinoza oderwas aufgeschnappt hat"...
(der Hinweis :"Spinoza oder so ....^^" war mit einem leicht selbstironischen Augenzwinkern versehen)

Zitat:( Gretchen):

"PPS an alle: Meine Gedichte sind voll mit Herzblut geschrieben. Postet also bitte keine dummen Gretchenkommentare darunter, ja, sondern nur wirklich konstruktive Sachen. Sonst lass ich mich nämlich direkt wieder löschen ..."

ich fände es schön, wenn du dieses auch anderen zugestehen würdest
LG
Datura

 

     Pega Mund



ernst oder aufrichtig oder noch anders?

   31.01.2010, 23:54



augustine, lass die "aufrichtigkeit" doch ruhig stehen. weil, es würde nicht besser mit dem "ernst":

naja, es behauptet doch gar niemand, das gedicht sei unernst.
es ist eben so hohlsäuselig wie es ist, nicht mehr und nicht weniger.
ernst und banal röchelt es sich unter den eichenzweigen so bisschen an der ewigkeit, an der ruhe und am schweigen entlang, weil es einen brocken spinoza oderwas aufgeschnappt hat, der ihm jetzt blasig wie rohe zwiebeln gärt in seinem kneipierskatzenmagen, und produziert schließlich, sich erleichterung verschaffend, ein philosophisch angemutetes, immer noch ganz ernst(haft)es, immer noch banales bäuerchen.


dass weder "aufrichtigkeit" noch "ernst gemeint" kriterien sind, die aus einem schlechten gedicht ein weniger schlechtes machen, weißt du wohl.

und ja, die "häme": es ist so 'ne sache, aus dem glashaus mit steinen zu werfen, aber gut, nenn mich selbstverliebt, egoman, sollipsistisch, narzisstisch undnochmehr, schluck ich alles, kein problem, geb ich zu: stimmt. bemerkenswert find ich nur, dass meine selbstverliebtheit und glitzernde häme dich überhaupt nicht zu stören scheint, wenn sie die aus deiner sicht richtigen trifft.

und nochmal ja: meine häme legt sich auf texte, den eichbaum hier und andere. direkte beschimpfungen von personen versuch ich zu vermeiden, so gut ich's vermag. (gelingt mir nicht immer.)

---

datura, schön, dass du die stelle ("PPS an alle: Meine Gedichte sind voll mit Herzblut geschrieben. Postet also bitte keine dummen Gretchenkommentare darunter, ja, sondern nur wirklich konstruktive ...) entdeckt hast. exakt für so ernste wie dich hab ich das nämlich da hingeschrieben.

und nun will ich's gerne mal gut sein lassen mit der erbsenzählerei.
asche auf mein haupt.

margret

 

     augustine



DER Ernst, ...

   01.02.2010, 08:06



...den ein Text hat (oder nicht), ist was anderes als 'ernst gemeint'. Ein nur ernst gemeinter Text kann unfreiwillig schrecklich komisch sein. Ein ernster Text hat aber verdient, dass man sich ernsthaft mit ihm beschäftigt.
augustine

 

     Pega Mund



folgefragen

   01.02.2010, 09:22



hei alle,

warum eigentlichmithartemtee genau hat ein nur ernst gemeinter text es NICHT verdient, dass man sich ernsthaft mit ihm beschäftigt? ich finde, da liegt doch eine gewisse ungerechtigkeit drin, wenn man dem nur ernst gemeinten text die ernsthafte beschäftigung versagt. also, ich find das nicht richtig. und könnte ja sogar sein, dass ein text, der für dich, augustine, nur ernst gemeint ist, für den autoren oder andere leser oder sogar inwirklichkeitganzinecht NICHT nur ernst gemeint, sondern richtig voll ERNST ist: was dann? wer hätte dann das problem? du? oder der autor? oder der text? oder die anderen leser? oder alle zusammen, also geteilt dann für jede partei einviertelproblem?

und wer oder was bewirkt bzw. verhindert, dass ein ernster text im gegensatz zum nur ernst gemeinten text NICHT unfreiwillig schrecklich komisch sein kann? oder kann ein ernster text DOCH AUCH MAL unfreiwillig schrecklich komisch sein, genauso wie ein nur ernst gemeinter text?
und woran erkennt man eigentlichwiedermithartemtee verlässlich, ob ein text NUR ein nur ernst gemeinter text ist, oder ob er NICHT NUR nur ernst gemeint, sondern auch richtig VOLLERNST ist? braucht man dazu eine erklärung der autorin, des autors oder gibbet noch was anderes, irgendwelche direkten merkmale, um nur ernst gemeint und ernst zu unterscheiden?
das würde mich z. b. sehr interessieren, so unterscheidungskriterien, weil, dann wüsste ich in zukunft sofort, womit ich mich ernsthaft beschäftigen muss und womit nicht, so á la die ernsten ins töpfchen, die nur ernst gemeinten ins kröpfchen. hab mich nämlich mit diesem eichenbaum hier - um mal wieder mehr on topic zu kommen - auch ernsthaft beschäftigt. was dabei rausgekommen ist, kann man ja weiter oben lesen, aber ich schreib es direkt nochmal her, dann muss man nicht so viel rauf und runter (s)grolln:

für mich steht hier, ganz unabhängig davon, ob die inspirationsquelle eine zeichnung oder sonstwas war, ein dünner pastiche auf "hohen ton". die eiche, die hier vorgeführt wird, ist überladen von abgegriffenen projektionen der sehnsucht auf "die natur" und von sprachlich nicht weiter originellen oder sonstwie beeindruckenden second-hand-konfigurationen "des erhabenen".
mir kommt das gedicht vor wie ein abziehbildchen, viel nachgemachtes großes wort (vgl. den foren-header, musil: "Die Welt des Schreibens und Schreibenmüssens ist voll von großen Worten und Begriffen, die ihre Gegenstände verloren haben."), das im grunde nichts zu sagen hat, nichts zu be-deuten, und besser ins poesiealbum passt als in den literature-leitz.


also, hab mich ernsthaft beschäftigt mit dem eichenbaum, okeeh, war ja in dem fall auch richtig, weil, wie wir autorinserklärungseidank inzwischen wissen, der text ist ernst und nicht nur nur ernst gemeint. aber was, wenn der text jetzt nicht ernst, sondern nur ernst gemeint gewesen wäre, und ich hätte mich versehentlich ernsthaft damit beschäftigt gehabt, was wär dann gewesen, ich meine, wär das dann mein problem oder wessen problem sonst? und sollte man nicht in zukunft NUR noch leute hier posten lassen, wenn sie bei der registrierung sonn ding, sonn'ne erklärung unterschreiben, dass sie nur ERNSTE texte einstellen und NICHT nur ernst gemeinte? dann hätte man ne garantie, dass es auf jeden fall korrekt ist, sich auch ernsthaft mit dem zeux zu beschäftigen. oder denk ich da falsch?

na, wie auch immer, will ja hier nicht unnötig auf die tube drücken. aber ich finde, da ergeben sich schon ganz schön heftige folgefragen und problemfolgen, aus dieser unterscheidung von "nur ernst gemeint" und "ernst".

ach, aber hier noch was ernstes ->, was auch zum deutschen eichbaum passt.

gretchen grüßt

 

     Jolante



Eichbaum

   02.02.2010, 12:58



Im Gegensatz zu lost und dem zornigen Gretchen brachte mich der aufrichtig ernsthafte Eichbaum überhaupt nicht auf die Palme. Mir fiel beim Lesen ein Gedicht von Hilde Domin ein. Dass ich diese Verse assoziierte, verdanke ich dem daturischen Eichbaum, der das Fallball allzu harscher Kritik nicht verdient. Ich oute mich hiermit ausdrücklich als Baumschützerin.

"Ziehende Landschaft

Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mutter."

 

     Datura²



Eichbaum

   02.02.2010, 20:38



der Eichbaum dankt der Baumschützerin, auch für die Verse der Hilde Domin. Ja, diese Worte/ Bilder ähneln dem Gefühl, das auch ich vermitteln wollte.

 

     augustine



Eichbaum

   02.05.2013, 15:29



Rückblickend (das tue ich manchmal) frage ich mich: warum ist dies Gedicht so angegriffen worden? Zugleich gab es ja sachliche, hilfreiche Kommentare. Also warum? Aber wahrscheinlich weiß das niemand mehr.

augustine

 

     Pega Mund



Eichbaum

   02.05.2013, 19:17



Es liegt mir fern, hier Streitigkeiten heraufbeschwören zu wollen. Doch kann ich nicht schweigen zu der Vermutung, wahrscheinlich wisse niemand mehr, warum dieses Gedicht angegriffen wurde, denn: Ich weiß noch ganz genau, warum dieser Text mir nicht gefallen wollte.

Darum: http://www.synekdoche.de/thema1624.htm&h...en+zauber#14509

Wer die "Angreifer"-Kommentare aufmerksam liest, kann, so denke ich, durchaus herausfinden, was genau kritisiert und für misslungen erklärt wird an diesem Gedicht.

Ich wäre froh, wenn es gelänge, die gegenläufigen Reaktionen auf den Text "einfach" gleichberechtig stehen zu lassen und mit der Differenz zu leben.

. . . . . . . . . Gretchen grüßt

. . . . . . . . . . . . . -> Ars Poetica

 

Eichbaum




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