Golgochisches Dichtgut · gregor libkowsky · Constance

13021 Aufrufe

Neue Beiträge   |  Forenliste   |  Registrierung   |   Archiv   |   a n m e l d e n

 

     gregor libkowsky



Golgochisches Dichtgut

   17.10.2009, 16:31



Eine Unmenge an golgochischen Versen flattert durch unsere Herzen, wir wissen es nur nicht. Deshalb ist es an der Zeit, unsere Herzen zu entleeren, auf dass wir zu Wissenden werden.
Hier soll also Platz sein für all das schöne Dichtwerk aus oder über Golgostan.


Die Hymne der Sandkämpfer entstand im Jahre 1988 auf dem Höhepunkt des barbarischen Sandexportes zwecks Füllung von Sanduhren der reichen Mitteleuropäer.
Über 90% des Sandstrandes waren bereits verschwunden, als die Sandkämpferarmee in den offenen Widerstand ging. Doch schon nach zwei Monaten konnten über 40% des Gebietes zurückerobert werden.

Golgostan- Hymne der Sandkämpfer

Ihr werdet für die Dünen sühnen,
wo einstmals Sand, ist heute nichts.
Ein Körnchen Hoffnung wird ergrünen,
doch unser Kampf wird fürchterlich.

Mit scharfen Worten und mit spitzen Lanzen
verjagen wir das Meer vom Land.
Zum Siege lasst uns singen, häkeln, tanzen,
befiehlt Libkowsky,- Kommandant.


Seit der 12. Großen Hauptversammlung der Kulturoffiziere Golgostans
Pflichtlektüre in den golgochischen Erziehungsanstalten

 

     ruelfig



Zunächst

   17.10.2009, 18:41



Wer nannte sich als erster Mensch?
Der seine Stirne tapfer hob und aus dem Sand
der Sonne ins Gesicht sah. "Ist wohl klar",
rief er und meinte damit dich und mich
und alle, die sich hier versammelt haben,
"Mädels, Knaben, nun wird aufrecht fortgeschritten.
Inmitten der Unwägbarkeiten:
lasst uns die Zukunft aufbereiten!
Und tapfer über Knochen wandern,
die liefern uns die Falschen, Andern."

So fing die Vorgeschichte an
vor langer Zeit in Golgostan.

 

     gregor libkowsky²



Nicht lustig

   17.10.2009, 21:41 / 1 x geändert



Eine schonungslose Aufarbeitung meines eigenen
Schicksales in Zusammenarbeit mit meinem
Therapeuten Dr. Szdrenkusniek-Högelblomm



Meine Mutter rüttelte mich wach,
Junge, steh auf, draußen ist Krach,
Golgochien's Dünen brennen lichterloh,
fliehe nach draußen, versteck dich im Klo!

Der Mutter Rat war mir Befehl.
Bei Würmern, Fliegen, trocken Mehl
blieb ich drei Wochen im Versteck,
dann drehte ich durch, war plötzlich jeck.

Aufrechten Hauptes und siegesgewiss
verließ ich das Klohaus ohne Geschiss
und rief laut: Mutter, oh, Mutter,
schau mal, jetzt bin ich kaputter.

Wenn du das liest, vergeht dein Lachen,
denn das sind wirklich schlimme Sachen,
drei volle Wochen nur im Klo,
da wirst auch du nicht wieder froh.

 

     Pega Mund



Wissenschaftlicher Einschub

   18.10.2009, 03:23 / 1 x geändert



Golgochiens Kulturgeschichte / Fragmente

(1) Gedenkzeitwechsel: ***** ("Lyrik*****" -> Link), Autor, Buchautor und noch viel mehr. Ein überragender Meilenstern altgolgochienischer Lyrik!



Das alte Golgochien, so wie es sich in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern des letzten Jahrhunderts - also vor der großen Sandspalterkrise - zeigte, darf mit Fug und Recht ein Eldorado der glorreichen Dichter und Denker genannt werden: Es blühten Literatur, Philosophie und der Unsinn.

Da war kein Sohn, keine Tochter des Landes, der - respektive die - sich nicht lyrisch schaffend in Höhenflügen erleichtert hätte von den Niederungen und Abgängen des Alltags. Noch heute findet man in antiken golgochienischen Schlafzimmermöbelschubladen festverbackene Exkrementreste aus jener fruchtbaren Ära hochgemuter Produktion. Es gibt keinerlei Zweifel darüber, dass manch großes Wort damals seinen Gegenstand verlor, will sagen, ohne die literarische Stilhochblüte im Golgochien des späten 20. Jahrhunderts hätte Musil niemals seinen Mann ohne Eigenschaften schreiben können!

Wenn ich nun das mir zugängliche, leider allzu spärliche Quellenmaterial richtig interpretiere, war einer der berüchtigtsten golgochienischen Hohlbarden jener Zeit der auch hierzulande als der dicke Autolyrik***** gefürchtete Ralph-Michael Bääh (-> Link). Selbst Pjotrfck Rätäpp (-> Link), genannt auch Peter, der gackernde Rettich, ein verwegen plattbärtiger und weithin unbegabter Prosamüll-er voll kindischer Schaffensfreude, soll dem dicken Auto***** an Unsäglichkeit unterlegen gewesen sein. Ralph-Michael Bääh konnte zwar aufgrund eines generalisierten Dysmorphiesyndroms seiner Brocaregion ( -> Link) weder recht- noch schönschreiben und an manchen Tagen trotz gut geputzter Brille sogar kaum lesen (Wernicke-Enzephalopathie -> Link), hielt aber dennoch wacker gegen alle Widrigkeiten die Satzstummel fest, die ihm von Zeit zu Zeit aus seinem Innenleben schlüpften; glücklicherweise waren es nicht allzu viele, so dass die volkseigenen Speicherräume nur unerheblich belastet wurden und der Verbrauch an teuren Serverressourcen sich in erträglichen Grenzen hielt.

Einige Tage lang versuchte Ralph-Michael Bääh mit den Männern der sehr authentischen golgochienischen Sandsturm-Szene (GEZ, Golgoggztde Emmir Zantdska-Bumm) unter Kommandant Gregor Libkowsky, bekannt auch als der Lyrikgreg, zu sympathisieren und verfasste in dieser Zeit sein bekanntestes Werk, Lebenslauf einer Sandhure (Link), welches über Nacht verschiedene Krampflyrik-Preise (siehe da -> Link) gewann, und noch Generationen später junge LyrikerInnen zu eigenen Inspirationen befruchten sollte (u.a. auch den legendären Maffay-Imitator Rolf Rolf).
Unglücklicherweise verlor Ralph-Michael Bääh gegen Ende der ersten Dekade des neuen Jahrtausends im Kampf mit der Grammatik (= Klintschzkze Grmmtkzkze; ein altgolgochienischer, ziemlich martialischer Nationalsport, bei dem auch Alkohol eine Rolle spielt; vgl. dazu auch das volkstümliche Sprichwort Wein, Wein, Weine, haut dir wech die Beine.) beide Hände und konnte infolgedessen nicht mehr schreiben gehen. Er selbst äußerte sich zu diesem schweren Schicksalsschlag wie folgt:

"... es gibt bei allem im Leben immer ein Dafür und ein Dagegen und das ist gut so und macht Mut."

Bääh begann nun, da er seiner Schreibhände verlustig gegangen war, sich intensiv mit Philosophie zu beschäftigen, will sagen, er schrieb nicht mehr, sondern dachte (oder etwas in der Art jedenfalls) und entwickelte - tagaus, tagein in einer stickigen kleinen Dachtkammer sitzend - sein unerreicht engstirnig entworfenes, genial praxisorientiert ausgezogenes Authenzitäts-Prinzip, welches vielen Menschen Lebensfreude und Lachfalten schenkte und schenkt, und um der golgochienischen Babuszkza, der Schutzpatronin aller Großmütter (mütterlicherseits) willen keinesfalls mit der inzwischen völlig veralteten Authentizität (Link) verwechselt werden sollte.

Ja, Ralph-Michael Bääh war wahrhaft ein Mensch jenseits aller Normalnormen, ein außerordentlich präpotent aufgerichteter Mann, der einfach alles besser wusste, immer auf der Seite von Sauberkeit und Ordnung stand, bis zur Erstarrung für die Stilfreiheit kämpfte und nebenbei auch noch Kolping spielte! Allerdings soll er immer sehr darunter gelitten haben, dass er keine Omma (mütterlicherseits) hatte. Viel zu wenig von diesem großartigen Menschen konnte bislang aus den alten Schriften des golgochienischen Großreichs herausgeforscht werden. Wir hoffen jedoch ...

Lassen wir Ralph-Michael, den dicken Auto*****, zum Abschluss dieses kleinen Gedenkzeitenwechsels einmal mehr selbst zu Wort kommen:

"Du bist einmalig, ich bin einmalig, jeder Mensch ist einmalig und so hat er das Recht (zumindest in einem Rechtsstaat) seinen Stil auf seine ganz persönliche Art und Weise auszudrücken."



scripsit Margret von dem Güldenmund, Literarhistorikerin am Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen, Golgostan/Schtschutschinsk

 

     gregor libkowsky²



Erinnerungen 1

   18.10.2009, 20:35 / 3 x geändert



Hausmeister im Lyriklager

Ich danke zunächst Margret von dem Güldenmund, Literarhistorikerin am Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen, Golgostan/Schtschutschinsk, die in ihrem Fragment der golgochischen Kulturgeschichte auf ganz wesentliche und bedeutsame Schriftstellerpersönlichkeiten hinweist, welche ihr Handwerk allesamt im Golgochischen Lyrikbataillon 23-102 erlernen durften.
Als ehemaliger Hausmeister dieser sich weitab von jeglicher golgochischen Zivilisation befindlichen, extrem geheimen und natürlich wie immer in solchen Fällen unterirdischen Geheimanlage möchte ich ein wenig mit meinen Erinnerungen die bestehenden Wissenslücken schließen, die sich auftun bei der grundsätzlichen Frage: Wie konnte ein so armes, nichtsdestotrotz ehrliches und autizitäres Land wie Golgostan, eine Dichtergeneration heranreifen lassen, die heute - in ihrer vollen Blüte - den deutschsprachigen Literaturforenbereich vollends abdeckt, in vielen mir bekannten Fällen ihn sogar meinungsbildend dominiert.

1. Tabletten/ Tropfen/ Injektionen

Als Hausmeister des Lyrikerziehungslagers war ich unter anderem auch für das Medikamentenlager zuständig. Den Neuankömmlingen wurde zunächst die gängige Empfangsdosis von 150 mg Lyrolidol acut injiziert. Um die Nebenwirkungen erträglich zu gestalten, musste täglich ein Suppositorium namens Prosanal zusätzlich verabreicht werden. Die zukünftigen Dichter wurden sogenannten Prosagruppen zugeteilt (immer 4 Personen) , denn die gegenseitige Einführung des Medikamentes war schon ein bewußter Teil des Gesamttrainingsprogrammes. In der Regel kommentierten dies die Lyrikzugeführten (amtliche golgochische Polizeisprache) mit einem Ausruf der gemeinsamen Entzückung.
Auch heute noch kann man in Literatur-oder Lyrikforen ähnliche Ausrufe entdecken wie z.B.:
"Oh, ich finde dein Gedicht so wunderbar toll." oder "Du hast die richtigen Worte getroffen, ich bin gerührt, mehr mag ich jetzt nicht dazu sagen."
Das sind Verhaltensautomatismen, deren Herkunft nun aufgrund meiner Erklärungen kein Geheimnis mehr sein dürfte.
Die Lyrikopotschiks (opotschik=ein fetter, böser, gemeiner Kerl, der zu nichts zu gebrauchen ist), also die Lyrikwärter oder Lyrikdompteure waren nach der erfolgten medikamentösen Sättigung der Neulyriker für das noch notwendige Feintuning zuständig. Die gängigsten Werkzeuge waren hierfür:

2. Jambushammner, Trochäuszange, Metaphertauchbad, Daktylusrad

Es mag unserem heutigen, der Demokratie anheimelnden Denken schwer fallen, diese brachialen und sehr schmerzhaften Methoden gut zu heißen, doch möge man die verzweifelte Situation eines Landes wie Golgostan zur damaligen Zeit nicht außer Acht lassen. Des Sandes, seiner Hauptattraktion, beraubt, von der restlichen Welt mit Missachtung gestraft, war das Land nicht nur isoliert und sandfrei, nein, der gemeine Golgostaner - die gemeine Golgostanerin - verlor allmählich den von Kindheit an eingeübten Tunnelblick. Hier konnte nur die Lyrik helfen. Und sie half.
Die großen Erfolge rechtfertigen im Nachhinein die zum Teil massiv invasiven Methoden.
Freuen wir uns also und feiern ein schönes Jubiläum: Lebenslauf einer Sanduhr- 10 Tage im Forum.

 

     zuppanova



Wir, Golgostan und die Chinesen

   19.10.2009, 08:21



Markerschütternde Enthüllungen, die der tapfere Kommandant Libkowsky da präsentiert, jessasjessas, mit so ein paar Hintergrundinformationen versteht man doch gleich besser, warum ein Text ist wie er ist!

"Prosanal nimm nie nasal" - hieß es bei uns im Arzneimittelkurs, und : "Lyrolidol tut selten wohl".
Jamei, so haben wir uns halt unsere Eselsbrücken gebaut, gell, weil, wir mussten das ja alles lernen, die Nebenwirkungen und alles, obwohl die Mittel hier schon in den 1970-er-Jahren verboten worden sind, nachdem nämlich die führenden Köpfe der Antipsychiatriebewegung mit dem Schriftstellerverband und der Feministischen Liga für Frauenliteratur - "MEIN WORT GEHÖRT MIR" - und dem Altbayerischen Papierfabrikantenbund Holz & Blatt zu einer Aktionsfraktion zusammengegangen waren.
Eine wilde, vitale Zeit. In ganz Deutschland wurden Protestpillen verbrannt oder auch geschluckt, und profamilia verteilte, um die gute Sache zu unterstützen, bedruckte Kondome: "Freie Zungen, freie Liebe, freier Stil" stand da drauf, der Gleitfähigkeitsfaktor war aber mehr unbefriedigend, und es wurden dann auch keine mehr nachgedruckt, als der erste Schwung verschossen war ...
Von der Berliner Mauer bis Freilassing kämpften im heißen Sommer 1976 - ich war ja noch sehr jung damals, kaum ein Kind - Tag und Nacht mehrere Wochen lang die Sympathie- und die Antipathiesanten für und gegen die Freiheit, den persönlichen Stil auf eigene Weise zum Durchstoß bringen zu dürfen, bis alles schließlich in einem Rechtsstaatsgesetz verendete sowie auch mit dem Wurf oben genannter Lyroleptika auf die schwarze Liste der Verschreibungen. Und zurecht, voll und gar zurecht, wenn man das nun liest, was der Kommandant da oben enthüllt, ja, da kann man nicht umher und umhin, mit lauter Zustimmung zu rufen: "Genau! Ein Dafür oder Dagegen!" - Ich jedenfalls kann nicht.

Kurz darauf wurde dann die Postmoderne erfunden, und der ganze Sinn erlosch allmählich wieder, aber das ist ein anderes Kapitel.

Jetzt noch etwas. China.
Das ist schlimm. In Golgostan ist man aus dem Gröbsten heraus, wenn nicht sogar ganz, was Hochachtung verdient, wegen der besonderen Schwierigkeiten, wie gesagt. Aber China! Nix. Oder? Schlimm.
Da schreiben sie so Sachen wie das da:

Naturkatastrophen sind unvermeidlich


Wie könnte ich da über meinen Tod klagen
Der Parteivorsitzende ruft, der Ministerpräsident auch
Die Partei bemuttert, das Vaterland liebt mich
Ihre Rufe, Ton um Ton, dringen zu mir durch den Schutt
1,3 Milliarden Menschen weinen gemeinsam
Obschon nur noch ein Geist
So bin ich doch glücklich
Silberne Adler und Streitwagen retten kleine Kälbchen
Links der Onkel Soldat, rechts die Tante Polizistin
Die große Liebe der Nation erfahren habend
Bin ich selbst als Toter voller Zufriedenheit
Hätte ich doch nur einen Fernsehbildschirm vor meinem Grab
Um die Olympiade anzusehen und mit in den Jubel einzustimmen


So etwas geht doch gar nicht ohne Drogen, ohne Pharmaka. Das merkt man spätestens in der fünften Zeile, dass da Doping im Spiel ist, vermutlich eine Combo aus Philologolacrimazin, Lyrolidolforsal, Propagandanzepam und noch irgendein Herzstammulantium (Zeile sieben; Zeile zehn) dazu. Das ist, weil die Chinesen so ehrgeizig sind, weil sie immer die Meisten und die Besten sein wollen, und dafür opfern sie die eigenen Wanderarbeiter in die Lyriklager hinein und meinen, es gehe mit Gewalt pharmakologisch, das Schreiben. Aber Schreiben und gut sind immer noch zwei paar Wörter, stimmt's oder hab ich recht?

Jessas, Entschuldigung. Kann sein, ich hab zu sehr vom eigentlichen Thema weg geschwiffen, von der schönen golgonischen Dichtkunst, um die es doch kreisen soll hier. Es war mir halt so ein Bedürfnis. Medikamente sind mein schönstes Hobby, seit fünf Jahren schon, seit ich den Arzneimittelkurs gemacht hab ab der VHS hier Beimünchenindernähe. Da hat die Begeisterung mich gepackt mit starker Kralle und hat mich nicht mehr ausgelassen, und ich muss sagen, es tut mir einfach gut, ich leb viel bewusster seitdem, auch wenn ich vielleicht einmal gern übers Ziel dahin schieß.

So gesehen: Nix für ungut und still bin ich.

zuppanova, Dopingfetischistin

 

     ruelfig



Hätte ich beinahe vergessen

   20.10.2009, 22:44



Natürlich ist der Chinese auch hartes Brot neben dem Atomiraner. Aber lasst uns hier nicht vergessen, wegen wem wir da sind. Schließlich fing sich hier das Volk am Befreien.

Internationalhymne

Oh du geliebtes Heimatland,
wo meine und der Omma Wiege stand
im Dünensand am Hünenstrand -
es zieht mich immer zu dir hin:
Golgochien, ach Golgochien.
Vom Osten kam der Warumit
auf schnellem Pferd geritten.
Den hat der brave Pjoter sich
zum Frühstück aufgeschnitten.
Und auch der Feinde große Schar
im Süden, Norden, Westen
die kann dem tapfern Volk im Land
das Leben nicht verpesten.

Das Herz nun auf und laut geschrien:
Lang lebest du, oh Golgochien.

 

     Pega Mund



Die Internationalhymne - Parallelversion

   22.10.2009, 17:42



Meine lieben Freundinnen und Freunde des golgochischen Dichtgutes!

Wie wird mir warm ums Herze, wie bin ich angerührt, da ich die von Herrn ruelfig eingebrachte golgochische Internationalhymne lese!
Es sei mir verstattet, hier einen weiteren Beitrag zu leisten, und folgende, in den verzweigten Archiven unseres Szweigztu-Instituts/Schtschutschinsk verwahrte hymnische Parallelversion öffentlich zu machen.

Oh Dünen weit! Oh Meer und Sand!
Oh Täler tief und Hügel hoch!
Mein Golgostan, du schönes Land!
Vivat! Vivat! Vivat! Golgoch-
i-ens Knaben, stets bereit
zum Freudentanz! In buntem Kleid
die Mädelz mit dem Lorbeerkranz
bekränzen jeden, der aus ganz
ganz vollem Herzen sich entzündet
und jubelnd von der Heimat kündet!
Hoch lebe Golgostan im Sand!

Oh danket, dass ihr Heimat habet,
die euch an ihren Brüsten labet!


Es dürfte den geschätzten Freundinnen und Freunden wohl bekannt sein, dass unser schönes Golgostan aus mehreren vollkommen autarken Dörfern besteht. Jedes Dorf hat seinen Ortsvorsteher, seinen Bären, seine Gebräuche, Feste, Rituale, Getränke, seinen Dialekt und auch seine ganz eigene Internationalhymne. Bislang liegen allerdings noch nicht von allen Internationalhymnen Übersetzungen vor, denn - Kommandant Greg erwähnte dies bereits - die golgochische Sprache ist hochkomplex, und die Mundarten einiger besonders autarker Dörfer sind kaum zu übertragen.
Jedoch - wir arbeiten daran und hoffen ...

Die von mir eingestellte Parallelversion der Internationalhymne geht zurück auf einen Entwurf der so verwegenen wie genialischen Sandstürmerin und Poetin Pegkrztzska Mundzksja. Für ihre bissige Unerschrockenheit, ihre kein Risiko scheuende Tapferkeit, ihren wunderbar geschmeidigen Stil im Nahkampf und auch für ihre hochästhetischen, gefühlvollen Prosa- und Lyrikwerke erhielt sie bereits einige der höchsten Ehrenmedaillen des Landes.

Nicht ohne Stolz darf ich anmerken, dass Pegamund (so wird sie von einheimischen Eingeweihten gewöhnlich genannt) eine meiner allerengsten Freundinnen war und ist.

Mit herzlichsten Grüßen,

Margret von dem Güldenmund, Literarhistorikerin am Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen, Golgostan/Schtschutschinsk







Die fabelhafte Pegamund in ihrer schicken und
auch praktischen Sandsturmkämpfer-Uniform.
In Golgostan war übrigens die Gleich=
stellung der Frau nie ein Thema.
Vivat!

 

     gregor libkowsky²



Erinnerungen 2

   22.10.2009, 21:47 / 3 x geändert



Vom Wesen der golgochischen Demokratie

Manchmal sitze ich nur so da und denke, was ist nur los mit mir und meiner Vergangenheit. Ist das wirklich alles schon so lange her: meine Kindheit, meine Jugend und alles andere. Und dann sehe ich die Bilder vor mir in gestochenem Grau. Kennt man heute nicht mehr so. Will auch keiner. Und die dicken Bäuche. Kennt man heute, will aber auch keiner. Der dicke Kaschubke, der Säufer, und mein Onkel Brimbuszki, die wollten beide. Nein, keine dicken Bäuche, die hatten sie schon. Ortsvorsteher wollten sie werden. Beide.
In meiner Erinnerung kenne ich nur die beiden Kandidaten. Und eigentlich haben sie sich ja auch immer abgewechselt. Ein Jahr war es der dicke Kaschubke und im nächsten Jahr mein Onkel Brimbuszki.
Gestern erhielt ich den Jahresbrief meines Onkels. ( Jahresbriefe sind in Golgostan üblich. Einerseits spart man so an den Portokosten, andererseits liest kaum jemand Briefe, und noch mehr andererseits dauert der Zustellungsvorgang einer Postsendung mehrere Monate.) Geld bräuchte er (in Golgostan Standardfloskel zur Eröffnung eines Briefes anstatt direkter Anrede), mein Onkel, und wie er sich darauf freue, dass dieses elende Jahr endlich zu Ende ginge; der dicke Kaschubke, es sei nicht zum Aushalten, Zeit für frischen Wind in der Amtsstube, und damit meinte er sich.
Im nächsten Jahr wird er dann schreiben, dass die hohe Kunst der Politik darin bestünde, sich rechtzeitig mit seinen Schäfchen in trockene Tücher wickeln zu lassen, denn für das Gemeinwohl schlechthin habe er sich ja wohl im erheblichen Maße nass machen müssen. Das kann man nur verstehen, wenn einem das bekannte golgochische Sprichwort „Ususzwezgister well ej dhguitzt suwiztr elg?“ nicht unbekannt ist. Im Deutschen würde man sagen: Was suchen deine nassen Schafe in meinen trockenen Tüchern? Aber mit der Übersetzung ist das auch immer so eine Sache. Klar, oder?
Aber wir waren bei der jährlichen Ortsvorsteherwahl stehengeblieben. Man könnte auch sagen: Wir sind bei der Ortsvorsitzendenwahl sitzengeblieben. Beides geht. Deswegen möchte ich auch keine Variante verschweigen.
Also die Wahl. In meinem Kopf beginnt es zu scharren, zu rappeln, zu klappern, wilde Schreie, Flüche, Drohungen, endzeitnahes Röcheln, Herauswürgen von Mageninhalten, klatschende Spuckgeräusche, Schüsse, Sprengungen, Zerschlagen von Flaschen (nur leere, niemals volle) und das gleichzeitige Absingen von verschiedenen golgochischen Volksliedern, deren Themen die Menge des bereits verzehrten Alkohols sowie die abschätzbaren Lagerbestände desselbigen im Verhältnis zur noch verbleibenden Zeit und der Trinkgeschwindigkeit der Konkurrenten umkreisten. Ja, das sind die typischen Geräusche meines Dorfes kurz vor der Wahl. Demokratie ist nicht einfach. Und nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Und leise schon überhaupt nicht. Die Wochen vor der Wahl waren anstrengend, keiner konnte schlafen. Nicht wegen der nächtlichen Demonstrationszüge durch unser Dorf. Den Schlaf gestört hat das nicht so sehr, wie man jetzt annehmen würde, weil geschlafen hat eigentlich keiner von uns. Wir waren ja alle unterwegs. Auf der Straße. Die einen riefen: "Brimbuszki eszdrefetgs egi uszki!", und die anderen: "Kaschubke mesdztini igi ubke!" Dabei ging es natürlich nur darum, den Gegner zu verunglimpfen, Lügen über den anderen zu verbreiten, das übliche Programm. Man kennt das. Jedoch, in Golgostan entsprachen die Lügen oftmals der Wahrheit . Denn engeren - also körperlichen - Kontakt zu meiner Oma (mütterlicherseits) hatten sie ja beide, der Onkel und auch der Säufer Kaschubke. Das kann ich bestätigen, weil ich öfters Schmiere stand für ein kleines Zubrot.
( grzdrtiu= kleines Zubrot, ein ca. 4 cm² großes Lederstück, wurde in Golgostan in der Regel Babys und Kleinkindern in den Mund gestopft zur Beruhigung sowie als frühe Maßnahme zur Beschleunigung und Unterstützung des golgochischen Spracherwerbes; hier: Gurgel- und Mampflaute, das grzdrtiu wurde nur in Einheitsgröße hergestellt und verkauft, erstaunlich ist daher der Fakt, dass bisher keines in Originalgröße gefunden werden konnte; alle waren bedeutend kleiner. Quelle: Golgochisches Morallexikon, Band 2 "Lügen, Betrügen, den Nachbarn in die Pfanne hauen")
Aber darum ging es eigentlich gar nicht, denn mit meiner Oma, das wusste ja das ganze Dorf. Viele von uns konnten lesen und meine Oma hatte ja die Zettel überall an die Häuser geklebt und nackig sah sie wirklich toll aus, selbst nach dem Unfall in der Chemiefabrik, wo auch der Onkel Brimbuszki die giftigen Gase eingeatmet hatte - aber das ist wirklich eine ganz andere Geschichte.
Doch wie ging es weiter mit unserer Wahl?
Gegen Mitternacht trafen sich die Kombattanten auf dem Marktplatz. Dort gab es für alle zunächst einmal Selbstgebrannten. Einmal wurden die Vorräte des dicken Kaschubke geplündert, das andere mal die des Onkels Brimbuszki. Je nachdem, wer gerade der amtierende Dorfvorsteher war. Ging also auch hier alles sehr gerecht zu. Während wir nun unter Absingen der Internationalhymne* die Plakate, Transparente, Fahnen, Schals, ja die komplette Kleidung tauschten, zündete Petrjew, der Schieler (bei ihm blieben bekanntermaßen die Augen stehen, weil er als Kind zu oft geschielt hatte) die Amtstube an. Dies war eine jahrhundertealte Tradition und bezweckte die Ausräucherung alten Denkens. Die schöne Wärme und Helligkeit des Feuers sollte die Zukunft in unser Dorf locken. Alles natürlich rituell und symbolisch zu verstehen.
Bis zum Morgen wechselten wir dann noch zweimal unsere Parteizugehörigkeit. In der Regel wird gewechselt solange die Amtstube noch brennt, aber mehr als viermal war nicht möglich.Nun kam es zur eigentlichen Wahl. Wir versammelten uns, die letzten Vorräte vom Selbstgebrannten fest in der Hand, vor den noch glühenden Resten unseres Amtshauses. Und plötzlich wurde es still. Totenstill. Nur noch das eine oder andere Rülpsgeräusch, denn nun wurde das heilige Wahlfass herbei gerollt. Alle gingen in die Knie und verneigten sich ehrfürchtig vor dem heiligen Wahlfass, denn einstmals war dieses heilige Wahlfass ein Bierfass, wie die schon verblichene, aber noch zu entziffernde Inschrift verriet: Export-Superbräu. Da hatten wir schon Ehrfurcht. Religiosität wurde in Golgostan groß geschrieben. Doch nun war es so weit. Petrjew, der Schieler, dessen Augen stehen geblieben waren, wurde nun an den Füßen gepackt und mit dem Kopf zuvorderst in das Fass gehoben. Nach ungefähr dreißig Minuten war die Wahl beendet. Petrjew wurde herausgezogen, damit er uns das Wahlergebnis, dass er im Fass gesichtet hatte, mitteilen konnte. Seine Worte gingen regelmäßig im anschwellenden Jubelgeschrei unter. Aber egal. Gewinner konnte ja nur derjenige sein, der gerade nicht den Ortsvorsitz innehatte. Einfache Demokratie nennt man dieses Verfahren bis heute noch. Nun begann die große Feier, mittlerweile wird aber nicht mehr das ganze Dorf angezündet, auch nicht mehr das Nachbardorf, nein, nun kamen die Frauen. Die wurden natürlich auch nicht angezündet. Der Sandsturmlandfrauenverein stellte die im Verlauf des vergangenen Jahres selbst fabrizierten Sprenggranaten und Bombenvarianten vor. Und dann wurde nur noch geschossen, gesprengt, gebombt. Ja, wir waren politisch aktiv und konnten uns auch noch richtig freuen. Jahr für Jahr. So waren wir. Damals in Golgostan.


*In der Regel gab es unzählige Varianten unserer Nationalhymne. Entgegen den mitteleuropäischen Traditionen stand in Golgostan das gemeinsame Laut geben im Vordergrund, Text und Melodie waren nebensächlich. So sang jeder die ihm geläufige Variante der Internationalhymne. Ruelfig und Margret von dem Güldenmund wiesen bereits schon darauf hin und konnten auch schon erste Forschungsergebnisse präsentieren. Und wenn ich abends kurz vor dem Schlafengehen, nocheinmal die beiden uns hier vorliegenden Parallelversionen gleichzeitig intoniere, dann kommen mir die Tränen.

Vivat Golgostan, du Geburtshaus der Demokratie!
Kommandant Libkowsky

 

     gregor libkowsky²



Erinnerungen 3

   24.10.2009, 23:47 / 2 x geändert



Die golgochische Schutzpatronin

Die Frauen hatten in Golgostan einen besonderen Stellenwert. Für mich als Zugezogenen sind die fortwährenden Diskussionen um die Gleichberechtigung der Frauen hier in der Demokratie nicht nachvollziehbar, war doch die heilige Detonatia, die uneingeschränkte Königin der golgochischen Sandherzen. Das nachstehende Gedicht wurde bei allen golgochischen Feierlichkeiten neben der Internationalhymne gesungen, getanzt oder auch nur grimmasiert, oftmals gleichzeitig. Kenner ahnen bereits, dass auch hier verschiedenste, den unterschiedlichen Regionen geschuldete Fassungen und Variationen existieren. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Einschulung. Der Versehrtenchor (ehemalige Arbeiter aus der Chemiefabrik mit mittelschweren Unfallfolgen) sang die Ode an die heilige Detonatia, während wir, die noch Unbewaffneten, unser zuchsztik (golgochisches Kurzschwert, wird von der Regierung als Lebensleihgabe gestellt) für die ersten Stichübungen überreicht bekamen.

Ode an die Schutzpatronin der golgochischen Schützenhäuser

Du Frau des Volkes, sei gepriesen,
im Schützenhaus und an der Front,
dem feigen Feind ein Nackenschuss
und Golgostan wird leben.

Hast Augen wie ein Zielfernrohr
und Haut so grün, so eben
wie allerbester Panzerstahl,
der Feind muss sich ergeben.

Ach riechst du süß nach Pulverdampf,
ich lecke deine Stiefel
und salbe dir dein Sturmgewehr
mit allerfeinstem Öle.

Du bist die Frau, die Herzen sprengt.
Kein Sandkorn lassen wir zurück,
wir folgen dir, dein Ruf erklingt,
schon knien wir dir zu Füßen.

Untenstehender Spruch war für mehrere Jahrzehnte gängige Begrüßungsformel in Golgostan und wurde wahrscheinlich der Länge und der mit dem Aufsagen verbundenen rituellen Kniebeugen, Verneigungen und des Schuheküssens wegen im Jahr 1990 per Dekret abgeschafft. Zur Zeit begrüßt man sich in Golgostan mit den Worten „Grustipusscz gedeszt?“ was so viel heißt wie „Hast du Geld?“ Der Angesprochene antwortet dann mit „Fuffztirrh melszesz, moi moitruistz“, und das heißt „Geld hätte ich auch gern, aber gehen wir erstmal einen trinken.“ Dabei entfallen sämtliche Ehrerbietungen, nur die Fäuste werden sichtbar geballt. Die Golgostaner sind geteilter Meinung, was hier den Einzug der Moderne betrifft. Ab und zu jedoch kann man auf den Dörfern noch immer die alte Begrüßungsformel beobachten.

Pesztriuist esztrop gustrizcse akasz moitruistz ulsz nockoschiezwet drigkst!“

Die Übersetzung holpert ein wenig, weil die deutsche Sprache die Schönheit der golgochischen Alltagspoesie nur bedingt einfangen kann. Doch mir kommen die Tränen, lese ich es in meiner Heimatsprache.

„Oh, heilige Detonatia, du Göttin oberster Sprengkraft, bewahre uns vor jeglicher Entsandung, jetzt und in der letzten Stunde des Ausschanks!

Ich danke Allen für Alles,
Ihr Kommandant Libkowsky

 

     zuppanova



Leserinnenbrief

   26.10.2009, 00:21



Sehr geehrter Herr Kommandant und alle!

Bin rein zufällig hierher geklickt worden, hab mich sofort angesprochen gefühlt, bin hängen geblieben und saug jetz wie ein Schwamm alles auf, was es zu erfahren gibt über Golgostan. Ja, das ist noch ein authentisches, eigenständiges Land, dem der Smog moderner Zivilisation bislang nicht beikommen konnte. Gut so, sag ich!

Mir gefällt besonders dieses Schutzpatroninische, das mit der Detonatia, die Frauenverehrung, diese ganze Gleichstellung halt und alles, da möcht ich fast vermuten, Golgostan sei ein heimliches Matriarchat, und mir fällt meine Jugend ein, als ich noch Fanin von Heide Göttner-Abendroth war, ach, das war eine schöne Zeit, da könnt ich viel erzählen. Damals hatte ich auch - und jetzt komm ich schon langsam auf den Punkt, ich meine, zum Grund komm ich, warum ich überhaupt das Wort erhoben hab hier, zu meinem Anliegen halt, mein ich, komm ich, langsam - eine Liebesbeziehung hab ich gehabt, so jugendlich, wie ich war damals, und zwar - ja, das ist jetzt eine Überraschung, aber so war es, und darum schreib ich ja hier, wie gesagt - die Liebesbeziehung, das war ein golgostanischer Austauschstudent, ein wunderbarer Mensch, wenn ich das nur ausdrücken könnte, wie glücklich ich war mit ihm! Bestimmt wären wir noch verheiratet und hätten Kinder, Enkel, eine ganze eigene Fußballmannschaft, nur, es war halt dann so, dass er unbedingt zurück wollte, in die Heimat, mei-mei-mei, ein Heimweh hat der gehabt immer, zum Göttinderbarmen, und freilich, ich hätt ja mitgehen können oder dann nachkommen, aber ich hab doch eine Sandallergie, deshalb ging da gar nix.

Er hat aber viel gesungen, mehrmals täglich, und getanzt dazu, und das ist jetzt auch schon der Punkt, zu dem ich kommen möcht, weil, immer hat er so ein Lied gesungen, ich weiß es noch genau, das ging so:


Chodz tu mila wino pila

Konik polky przedzie zlota grzywa
Wodnik topi zabe ledwie zywa wino pila
Lata bociek po blekitnym niebie
Krowy rycza swinki smierdza w chlewie

Rosnie owies gryka i pszenica
Lapie Jozek kure dla soltysa
Kozy ciagna wegiel na furmance
Aye Bociek wije gniazdo na altance

Slonko swieci pada kapusniaczek
Idzie drozka dzielnicowy Jasiek
Kosnie gryka i pszenica owies lenski

Tam na lace pasa sie traktory
Idzie Maciek z Bronkiem do stodoly Slonko swieci
Pada kapusniaczek chodz tu mila bedziesz mnana wino pila.



Und immer hab ich ihn gefragt: Was singst du denn da? Was heißt das denn alles?
Aber er hat's mir nie verraten, nie. Nix hat er mir übersetzt.
Das grämt mich bis heute, dass ich nicht weiß, was er da eigentlich immer gesungen hat.
Deshalb schreib ich hier, weil, vielleicht könnt das von den Anwesenden eine übersetzen?
Oder einer?
Geht das vielleicht?
Mei, wär ich glücklich!

Hoffnungsvoll mit besten Grüßen,

Emmi Donnerkogl-Schlagindweit
(Oberbayern)

 

     Pega Mund



knutzschtzschik

   26.10.2009, 08:15 / 1 x geändert



Liebe Frau Donnerkogl-Schlagindweit!

Es ist mir eine Freude und Ehre, auf Ihre geschätzte Anfrage antworten zu dürfen.

Bei dem von Ihnen oben zitierten Text handelt es sich um ein sehr, sehr altes, auch heutzutage in den golgostanischen Dörfern noch häufig intoniertes Braut- oder Hochzeitslied, einen sogenannten "knutzschtzschik" (Balzgesang) in gelockerter Sonettenform, auf der intentionalen Ebene durchaus den in Ihrer Heimat Oberbayern gern gejuchzten Jodlern vergleichbar, welche ebenso wie der "knutzschtzschik" dazu angetan sind, schiere Lust und Lebensfreude zum Ausdruck zu bringen. Sie verstehen gewiss, was ich meine.

Dass Ihr Jugendfreund Ihnen nie eine Übersetzung anbot, sollte Sie nicht weiter beunruhigen. Gewiss war diese seine Verweigerung der schlichten Tatsache geschuldet, dass golgonische Texte kaum angemessen zu übersetzen sind.
Ich vermute, er wollte einfach nichts falsch machen.

Ich selbst habe nun aber unter Einbeziehung all meiner literarhistorischen Kenntnisse und Erfahrungen doch das Wagnis unternommen, den Text zu übertragen.
Das Ergebnis meiner Bemühungen finden Sie -> hier.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen!

Allerherzlichste Grüße sendet Ihnen, liebe Frau Donnerkogl-Schlagindweit, Ihre

Margret von dem Güldenmund,
Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen, Golgostan/Schtschutschinsk

---

Ein Hinweis noch:

Es ist nicht auszuschließen, dass andere Übersetzer bei der Übertragung des von Ihnen, Frau Donnerkogl-Schlagindweit, präsentierten Originaltextes, zu von meiner Version abweichenden Ergebnissen kommen. Dies liegt - Sie ahnen es wohl bereits - in der eigenartigen, den europäischen Denk- und Sprechgewohnheiten kaum zugänglichen hohen Komplexität und Mehrfachkodierungstendenz der golgonischen Idiomatik begründet.
Zerbrechen Sie sich aber nur ja nicht den Kopf deswegen!

 

     Jolante



Erste Liebe

   27.10.2009, 13:17



Im Sandkasten von Golgostan,
bewaffnet mit Eimer und Schippe,
erkämpfte ich mir meinen ersten Mann
und nannte ihn Grätzki, die Rippe.

Er baute mir Burgen aus rotem Sand,
ich machte sie schnell wieder platt.
Er schlug mir die Schippe aus der Hand
und warf den Eimer ins Watt.

Ich küsste sein milchiges Herzgesicht
mit den sternigen Sommersprossen
und widmete ihm mein erstes Gedicht,
das hat ihn am meisten verdrossen.

 

     lost



Leserbrief

   28.10.2009, 01:19



Damen und Herren, verehrte Schreibende!

Das sagenhafte Golgostan mit seiner reichen literarischen Kultur war mir bislang ganz unbekannt.
Erst in diesen Tagen erfahre ich lesend - hier - was ich ein Leben lang nicht wusste. Dankbar nehme ich die inzwischen schon gesammelten Texte zu mir. Von schöpfungsmythologisch-urzeitlich getönten Beiträgen (ruelfig, "Zunächst") spannt sich der Bogen hin zu zeitgenössischen Erfahrungsberichten und intimsten Bekenntnissen traumatischer Individualerlebnisse (Kommandant Libkowsky, "Nicht lustig"), nicht zu vergessen die für jeden Völkerkundler unschätzbar wertvollen Internationalhymnenversionen sowie auch die vielsagenden Ausführungen zum Thema "Liebe und Geschlechterkampf" (z.B. Jolante, "Erste Liebe").
Kurz und bündig: bin begeistert!

Weitermachen!

best regards, Ihr Leser lost

 

     kirmesbollo



Enttäuschte Liebe des Sandkämpfers

   28.10.2009, 16:30 / 3 x geändert




 

     ruelfig



Reisebericht

   28.10.2009, 19:21 / 1 x geändert



In einem alten, uralten Koffer tief unten auf dem Boden des Kellers unseres Familiensitzes fand ich, neben Knöpfen, merkwürdigen Münzen, leeren Flaschen und schlechten Schulzeugnissen ein in verschlissenes Leder gebundenes Tagebuch. Es brauchte unzählige Stunden und zahllose Kannen meines Lieblingstees' (Golgosand), die in altertümlicher Schrift verfassten Eintragungen zu entziffern. Zusammengefasst enthält das Bändchen die Lebenserinnerungen meines Ur-Ur-Urgroßvaters väterlicherseits, Karolus Meios, welcher damals (1818-1825) als ottomanischer Sonderbeauftragter den Osten bereiste, um Verbündete für den Sultan Kücük Seytan (genannt "Deli", der Bekloppte) zu finden, der den Staatsschatz versoffen hatte und nun hoffte, im Sandhandel Fuß fassen zu können, was sich jedoch als Vorhaben ohne Fundament erwies. Kurz, ich poste hier einen Ausschnitt, der sich auf die Reise durch das (damals noch) Großgolgochien genannte Gebiet, die Golgastei, bezieht.

21. September 1821
Nach zweiwöchiger Ochskutschfahrt in Wronsk angekommen. Kuhnest, Dorfvorsteher versteht keine geläufige Sprache. Ist erst nach Einsatz der Knute bereit, den Weg zu weisen zum Schloss des Großgrafen Pjoterwschksch. Machen uns auf einziger Straße auf den Weg, tiefgründiger Morast. Wegweiser bestehen aus Gepfählten, Uniformfetzen zufolge Überbleibsel eines Napoleonischen Expeditionscorps'. Keine Sorgen, besitzen Empfehlungsschreiben maßgeblicher Despoten.
Immer noch Kopfschmerzen von Gelage mit Zar Tschntschnenko. Hiesiger Fusel nicht geeignet für zivilisierte Christen. Froh, noch zwei Flaschen Pommerschen Pärengeist mitzuführen. Werde mir vom Adjuntanten ein Gläschen einschenken lassen. Bestimmt gut gegen beständiges Bauchgrimmen.
22.09.21
Erfolgreiche Abwehr eines Überfalls lokaler Rebellen. Strategie einfach, hinsetzen und abwarten. Da dieserorts jeder gegen jeden rebelliert, genügt einfaches Kartätschenfeuer in die Birken. Feind ergreift Hasenpanier, blitzsauberes Fersengeld. Köstlich amüsiert, werde Posaunisten befördern wegen einwandfreien Abspielens der Internationalhymne. Straße wird besser, Schlamm.
Ankunft Schloss kurz vor Dunkelheit. Merkwürdige Begegnung mit dunkel verhangener Kutsche. Wolfsgeheul, Pferde nervös. Lasse beide Läufe der Wummerbrumme putzen, Vorfreude auf baldige Jagd. Werwolfseumel würdiges Mitbringsel für Frl. Güldig. Freue mich auf baldiges Wiedersehen und Verlobung, werde im Teesalon Übertragungen hiesiger Poesien vortragen.
Empfang vor dem Tor, Großgraf Pjoterwschksch offensichtlich angeheitert. Hält Spiegel in der linken, gesalzenes Bärlauchbrot in der rechten Hand. Gewöhne mich langsam an unzivilisierte Bräuche. Befehle Begleitmannschaft, bettelnde Dorfkinder zu verjagen. Dolmetscher übersetzt Flehrufe: "Tust du Bleistift". Merkwürdiges Ansinnen.
Begrüßungsgelage in rauchiger Steinhalle. Fenster unbekannt. Verteile Gastgeschenke, Sandhuren, Schuhlederdestillationsapparaturen, Ehrenmesser. Fürst beeindruckt. Bekomme von zwei Ewigjungfern Ehrenbären aufgebunden. Bedauerlicherweise falsch herum. Werde Biest gleich morgen früh abbinden lassen. Traditionelle Zeremonien (Bruderzungenküsse, Wettwichsen, Pissinthepool) würdig überstanden.
Bauchgrimmen schlimmer, Ohrendurchfall zur Nacht.
23.09.21
Weidenrindentee zum Frühstück, übles Gesöff. Brot sandig. Fürst besorgt wegen Drohungen benachbarter Eumelate. Fuckistan stellt Gebietsansprüche, will Wodkaquellen. Emil Ma'a'za'fakr droht Angriff an. Verspreche Beistand, großes Feuerwerk. Bruderküsse, Fürstzunge hängt mir zum Halse heraus. Spiele mit. Mittags Bärentatzen in Wodka und Milch. Frage wegen Wolfsjagd, will Eumel. Fürst verspricht möglichstes. Abends traditionelles Besäufnis mit Sandtänzen. Muss unbedingt Bären loswerden, ist zu fest aufgebunden.
Bauchgrimmen besser, bald bestimmt beseitigt. Nehme Staubbad in traditioneller Birkenuniform. Bespreche Einsätze mit Nachtgeneral.
24.09.21
Zum Frühstück tonlose Intonation einer der zahllosen golgonischen Internationalhymnen. Vortrag durch berühmten Chor der Kehllosen. Beeindruckende Mundfertigkeit und mitreißende Mimik. Text nachgelesen in "Furchtloser Führer hinter die Hölle, S. 21":

Und der du reist, oh Wandersmann,
dein Fuß führt dich in manche Ecke.
Dort wehen fremde, rauhe Winde,
die raten dir: Tourist, verschwinde,
verkriech dich, tarne dich, verrecke
sonst. Weil man hier nichts, nur sterben kann.

Angemessene Ergriffenheit gezeigt. Lasse mich nicht in Bockshörner jagen.
Auf Mittagsjagd einige Prachtböcke erlegt. Beschwerden der Dorfbewohner durch Knuteneinsatz beigelegt. Könnte mich an die hiesigen Gepflogenheiten gewöhnen. Muss Wummerbrumme reinigen lassen.
Erheitere Fürst mit Gedicht:

Ein Schweinchen namens Mahomet
hält Wacht an meinem Gitterbett.
Und will der böse Feind an meine Sachen:
wir grunzen, furzen, singen, lachen.

Allgemeine Mobilmachung. Einmarsch in Nachbaremilate zum Tee. Sieg auf ganzer Linie. Zeit genug für Werwolfsjagd, erbeute prächtigen Eumel. Frl Güldig sicher begeistert, baldige Hochzeit in Aussicht. Lasse die Telegraphie einführen, Masten errichten, kabele heim: Ankunft bald. Ihr K.M.

So viel nun zu meinem Vorfahren. Das Büchlein enthält noch zahllose Geschichten, aber das sind andere.

 

     gregor libkowsky²



Grätzki-Epos (verschollen-gefunden)

   29.10.2009, 12:55 / 7 x geändert



Mich durchschütteln Weinkrämpfe. Das Grätzki-Epos, das Bernsteinzimmer Golgostans, es lebt. Die lange Zeit der Suche wurde mit Erfolg gekrönt.
Als Geheimobjekt des Golgochischen Lyriklagers entstanden, war es das wohl best gehütetste Geheimnis, wo dieses wertvolle Stück Kultur und Menschlichkeit während der Sandkriege verborgen wurde. Wie es der Zufall in solch verzweifelten Situationen oftmals will, am Ende wird alles offenbar. Als ehemaliger Hausmeister des Lyriklagers weiß ich nur, plötzlich wurden die Wachen verstärkt und eine große Anzahl von Poeten in den Verdichtungsschutzbunker geführt . Das war der Ort, wo brisante und explosive Themen verdichtet werden konnten. Trotz höchster Sicherheitsstufe kam es immer wieder zu Unfällen, glücklicherweise nur Personenschäden. Ein zu hoher Verdichtungsgrad und die ganze Anlage wäre in die Luft geflogen. Von daher lebten wir in großer Angst ob der unabschätzbaren Folgen dieses Selbstmordkommandos. Nur der Name des Projektes kam durch eine Indiskretion an das Tageslicht: Das Grätzki-Programm. Über vierhundert Poeten/Innen arbeiteten Tag und Nacht am Grätzki-Epos unter zwangslyrischen Verhältnissen. Jedoch, einem einzigen gelang es zu fliehen.
Wir wussten damals alle: Niemals, niemals, niemals darf dieses Epos den Bunker seiner Entstehung verlassen. Die Welt wäre zum damaligen Zeitpunkt in die intellektuelle Katastrophe geschlittert. Europa hätte dieses Werk mit Sicherheit emotional nicht verkraften können. Das war allerdings auch der perfide Plan des golgochischen Diktators, nachdem die Sandstrände geplündert waren und keine Aussicht auf frisches Geld aus dem Ausland bestand.
Nun, die Zeiten ändern sich. Ich schätze, dass die jetzt aufgefundenen Bruchstücke des Epos auf den erfolgreichen Flüchtling zurückgehen dürften, der bei seiner Flucht das gesamte Manuskript herausschmuggeln konnte. Das Projekt wurde daraufhin sofort abgebrochen. Nicht wenige Stimmen sind mittlerweile der Meinung, dass der Flüchtling und Epos-Dieb gleichzeitig auch der Namensgeber des Epos sein dürfte: Grätzki persönlich; auch der Große Grätzki genannt. Von daher, liebe Frau Donnerkogl-Schlagindweit, dürften Sie nun ehrfürchtig zurückblicken, mit welch bedeutender Person der Menschheitsgeschichte Sie einen Teil Ihres Lebens verbringen durften. Gratulation.

Es ist, als ob Grätzki sein Leben nach dem gleichnamigen Epos gestaltete, und seine Lebensaufgabe darin sah, alles wortgenau mit Leben zu füllen; die große Liebe, die Zurückweisung durch ein schlechtes Gedicht (Gedicht vom Klapsen-Hans/ leider verschollen), seine Heimatliebe und Sehnsucht, die Tanzsucht und sein plötzlicher Selbstmord.
Grätzki war ein misstrauischer und sehr vorsichtiger Mensch. Von daher erklärt es sich, dass er seinen Kontaktpersonen jeweils nur einen Teil des Epos, in gelebter Form sozusagen, hinterließ. Die Beziehungsgeschichte des Herrn Kirmesbollo zu Grätzki wäre da wohl noch ein aufzuklärendes Kapitel und der seriösen Literaturforschung eine Bringeschuld.



Falsches Gedicht zur falschen Zeit
-Späte Reue, viel zu spät-
(ein weiteres Fundstück aus dem Grätzki-Epos)


Oh, Grätzki, du mein Tanzemann,
vielleicht kann ich bald irgendwann
mein Trauerherz mit Sand verschließen
und keine Tränen mehr vergießen.

Was bleibt von uns, von einer Liebe,
die keinen Segen barg, nur tanzend
sich entlud? Golgochiens böse Geister
sandten ihren Fluch.

Ach wär mir einmal noch gestattet,
mit dir mich zu vereinen,
wir legten uns in feinsten Sand
und du begännest deinen Tanz.

Wie wär das schön, viel schöner noch
als mein Gedicht vom Klapsen-Hans.

Ich war so blind und dacht', ich kanns,
nun schäm' ich mich, verlor ich doch
den klügsten Mann auf Erden.
Was soll nun aus mir werden?


Ich danke Allen für Alles, Ihr Kommandant Libkowsky


Ach, Herr Ruelfig, was beneide ich Sie um Ihren wundervollen Keller mit all diesen Schätzen darin, den bereits geborgenen und noch vielmehr den noch zu erwartenden Ausgrabungen. Kztzzt kchizt meiszsz drüchzt teriurt mesz. So sagt man bei uns. Und da haben wir verdammt nochmal recht. Übersetzung: "In der Geschichte passiert vieles und sogar die Zeit vergeht.

 

     ruelfig



Lieber Herr Gregor Libkowsky

   29.10.2009, 21:32 / 1 x geändert



sind sie eigentlich verwandt dem vormaligen Mittelfeldspieler Stschandschon Libkowsky des legendären MSV Duisburg? Der Mann hat das Mittelfeldspiel komplett neu definiert. Er stand einfach nur rum und hat alles umgenietet, das in Reichweite seiner Fußballschuhe geriet. Seine Rotkartenlatte ist legendär.
Eigentlicher Grund meines Schreibens ist jedoch, dass ich im Tagebuch meines Großgroßgroßvaters väterlicherseits einige Einträge gefunden habe, die sich auf golgostanische Sprichwörter beziehen und zu deren Übersetzung meinerseits ich gerne ihre maßgebende Meinung eingeholt hätte.
"Jak si masz Co sBycha DzieD dobry Witaj":
Traue niemandem, den du nicht selbst getötet hast. Einigen Quellen und meiner unmaßgeblichen Forschung zufolge bezieht sich dies auf eine historische Situation, als im ausgehenden 18. Jahrhundert der Verbrauch von Bären zwecks Aufbindens und Verzehr die natürliche Produktion überstieg, so dass gewissenlose chinesische Händler Falschbären aus Gummi in Verkehr brachten, deren Konsumption die gesamte golgossische Wirtschaft in ein Erliegen verstieß.
"O widzenia, do zobaczenia Dzikuj Prosz Prosz Przepraszam":
Was brennbar ist, kann man auch trinken, trinken. (Einige Übersetzungsschulen behaupten, dass "inflammabel" angebrachter sei).
Dieses Sprichwort scheint mir aus der Zeit zu stammen, da die Kaugummiquellen brannten wegen des feigen Überfalls feindlicher Überfäller und das Volk nichts zu trinken hatte als ein Destillat aus Lederläppchen (grzdrtiu), weswegen sich auch kein Artefakt in Originalgröße mehr auffindbar zeigt.
Bevor ich nun aber weitermache mit forschen Übertragungen, hätte ich gerne ihre maßgebliche Vermeinung: liege ich auf dem richtigen oder auf dem falschen Daneben?
LG,
R

 

     zuppanova



- ?

   30.10.2009, 00:06



Jessasjessas, jetzt bin ich ganz ding ... dings ... wirr. Von den Neuigkeiten. Von den Ahnherrnaufzeichnungen und den Grätzki-Gedichten und der verschollenen Epik und meinem damaligen Austauschgolgostanier und allem. Verwicklungen hin und für, meiomei, Verknüpfungen noch und ganz. Und das Fräulein Güldig? Hat sie ihn denn dann genommen, den Meier Karli? Tät mich fei schon interessieren, ob die wirklich geheiratet haben, gell! So, und WerwölfInnen derfma heutzutag nimmer jagen, und erschießen glei gar net, weil, die zählen zum Weltkulturerbe, gemäß dem in Genf am 13.07.2007 global ratifizierten UNO-Abkommen zum Schutz supranaturaler Lebensformen, § 28 Ww/7-11, 5.Absatz, erweiterte Lesart.

Mehr fallt mir heut nimmer ein. Hoffentlich bricht meine Sandallergie
nicht aus, wenn ich mich jetzt gleich niederleg.
Eure Emmi Donnerkogl-Schlagindweit

 

     Jolante



Das schlechte Gedicht von Placzki

   30.10.2009, 12:13 / 5 x geändert



Ach Grätzki, du rippiger Sandburgenbauer,
du Sandkuchenbäcker und Sandstrahlenschauer!
Du Sandsteinbehauer und Sandhaufenklauer!
Deine Sandgrubenspiele sind fad auf die Dauer,
deinem Sandmanngebalze fehlt es an Power.

Ach Grätzki, ich schenke dir Sandhurenstrapse,
häng dich dran auf in der Sanduhrenklapse!

 

     gregor libkowsky²



Die Entstehung der Sprichwortkultur

   30.10.2009, 17:55 / 4 x geändert



Das Vermächtnis des Dr. Querfried Krummelmann Teil 1


Sehr geehrter Herr Ruelfig,
Ihnen als ausgewiesenen Kenner der golgochischen Kulturgeschichte dürfte ich im Folgenden keine neuen Erkenntnisse mitteilen.
Dr. Querfried Krummelmann - die Legende der Golgostanforschung schlechthin -
ist ihnen ja hinreichend bekannt.
Ihm verdanken wir die wohl berühmteste golgochische Sprichwörtersammlung, deren Kenntnis unabdingbar für eine seriöse Golgostanforschung geworden sein dürfte.
Ich möchte nur kurz auf wesentliche Inhalte dieses Standardwerkes eingehen (Dr. Querfried Krummelmann, Golgochische Sprichworte – Herkunft, Sinn und Übersetzungsvarianten.)

1.Entstehung der golgochischen Sprichwortkultur

Das frühzeitliche golgochische Leben muss man sich folgendermaßen vorstellen:
Während die Frauen die umliegenden Wälder durchstreiften auf der Suche nach geheim angelegten Schnapsverstecken der Nachbardörfer, blieben die Männer im Dorf, tanzten und sangen oder piercten sich gegenseitig, wobei aber die Hauptaufgabe letztendlich in der Weitergabe der golgochischen Tanzkultur an die nächste Generation zu sehen war. Sprache als Kommunikationsmittel fiel in diesem Rahmen nicht ins Gewicht, da der Wortschatz zu dieser Zeit nur aus einem Wort bestand: Kchchtrzt (siehe Golgopedia/klick).
Anders sah es bei den Frauen aus. In den dichten und dunklen Wäldern Golgostans war es überlebenswichtig in der Gruppe zu bleiben (siehe auch Reisebericht/ Beitrag des Kollegen Ruelfig), denn die Wälder waren voll von Werwölfen und Nachbardörflerinnen. Einen Werwolf erlegen, vom Werwolf erlegt zu werden, fremde Frauen zu töten, von fremden Frauen getötet zu werden – das waren die Gefahren aber auch die Chancen des Waldes.
Die Frauen riefen also in regelmäßigen Abständen Kchchtrzt. So konnten sie sich vergewissern, dass die ihnen am nächsten stehenden Dorfkameradinnen noch am Leben waren.
Nach Auffinden eines sehr großen feindlichen Schnapslagers und dessen Prüfung auf Echtheit müssen wohl Zunge und Geist einer der Frauen im rauschbedingten Zusammenspiel das Wort memi(klick) geschaffen haben. Dieses kleine Wörtchen begründete die golgochische Sprichwortkultur. Als die Frauen halbwegs ausgenüchtert wieder im Dorf anlangten, riefen sie mehrmals Kchchtrzt memi(klick). Haben Schnaps, wäre die korrekte Übersetzung. Die Männer, bekannt für ihre unheimlich große Lern- und Anpassungsleistung, erwiderten ihnen Dzerpuktiderwizs memi. So entstand das wohl älteste Sprichwort Golgostans: Habe Schnaps, habe Tanz. In Abwandlung entstand daraus später das berühmte Sprichwort : Schnaps alleine kann nicht tanzen. Im Original : Kchchtrzt isolazik nenosz dzerpuktiderwizstotalizs.

(Die nächsten Teile folgen)

Sehr geehrte Frau Jolante, ich ziehe alle meine Hüte vor Ihrem reumütigen und von unendlicher Demut geprägten Mut. Sie hätten das Gedicht vom Klapsen-Hans auf ewig in der Schublade Ihrer Trauer und Scham verschwinden lassen können. Doch Sie sind eine edle Frau von ritterlichem Schlage und Ihr Leben ist nur der Wissenschaft verpflichtet, Sie als Einzelperson treten bescheiden in den Hintergrund, um so der großen Sache, der Erforschung Golgostans und seiner herausragenden literarischen Leistungen, zu dienen.

Ewige Verehrung sei Ihnen angediehen,
Ihr Kommandant Libkowsky

 

     ruelfig



Reisebericht 2

   03.11.2009, 21:53



Heute früh habe ich begonnen, die Dielen im Turmzimmer unseres Familiensitzes mittels eines Schwabbelschleifers für eine Neulasur in dänisch frisk vorzubereiten. Eiche germanisch ist so unerotisch. Ich war gerade am Kamin aus dem vierzehnten Jahrhundert mit seiner allegorischen Darstellung erigierter Phalli angekommen, als sich das wuchtige Brennmöbel quietschend um seine Achse zu drehen begann. Offenbar hatte ich unbeabsichtigt einen verborgenen Mechanismus betätigt. Hinter dem freigelegten Durchlass konnte ich eine Kammer von circa 7,39 qm ausmachen.
Den Bauch einziehend (Note to self: dringend Sport!) fand ich einen komplett behäkelten, mit einer Ottomane, zierlichen Beistelltischchen, einer Puppenküche und fein ziselierten Messingkerzenleuchtern samt angegilbter Kerzen möblierten Raum vor. Als letzter Raucher hab ich immer ein Feuerzeug dabei. Das blakende Licht enthüllte Details: überall lagen, hingen und standen Bilder in den verschiedensten Rahmen aus Gips und Holz. Bilder ist eigentlich falsch, es war immer die gleiche Darstellung: ein herrisch blickender Herr, gezwirbelter Schnäuzer, das Kinn gereckt unter einer Habichtsnase mit darauf sitzendem Zwicker, auf lichten Locken ein imposanter Zylinder, keck leicht schräg getragen. Die stechenden Augen schienen mich zu verfolgen. Der aufliegenden Staubschicht geschuldet vermochte ich nicht zu erkennen, ob es sich um Gemälde oder sehr frühe Heliografien handelte.
Auf dem Liegesofa stand ein Handtäschchen aus verschlissenem, violetten Samt, dessen angelaufene Messingschließe ich vorsichtig öffnete. Ich fand darin einige fremdländische Münzen, einen verrosteten Damenlippenbartentferner, mit Monogrammen bestickte Tücher, einen Kleiderschrank, eine Mandola mit wunderschönen Einlegearbeiten, Haarnadeln, undefinierbare Gegenstände unterschiedlicher Größe und ein in burgunderrote Seide gebundenes Büchlein.
Ich löschte die Kerzen, quetschte mich durch die Lücke zwischen Wand und Kamin (Note to self: Fitnessstudiotermin ausmachen), ging die Wendeltreppe hinunter ins Herrenzimmer und setzte mich an den Eichenholzschreibtisch mit Elfenbeinintarsien, der schon seit 200 Jahren unverrückbar an seiner Stelle steht. Ein Gläschen "Victoire de Bourgeoise 1917 tres plus grand cru" beruhigte meine Hände. Ich las.

Memoire
Gutamunde Güldig
26.09.1821
Endlich habe ich Nachricht erhalten von Ihm. Mittags stand der fesche Depeschenbote vor der Tür und fiebrig entriß ich Anna das Kabel. "Ankunft bald. Ihr K.M." Wohin nur mit all dem Glück, voller Erwartung las ich die vielversprechende Botschaft wohl tausendmal. Mit wem die Hoffnung teilen, bald ist er wieder hier. Wer hat ihm den Schnäuzer gewichst in der Fremde, gab es genügend zu essen in der Golgostei? Ach, mein Busen bangt, ich sehe nur noch seine Augen statt der Sterne am klaren Himmel in der Nacht. Mein Mieder wird eng, ich könnte explodieren. Gibt es schöneres als heimkehrende Manneskraft? Ich werde lyrisch.

Oh, hätte doch das schnellste deiner Pferde
zwei Flügel. Du ließest ihm die Zügel schießen und
es trüge pfeilgeschwind dich um die halbe Erde
an meine heiße Brust. Ach, voller Lust,
ich hieße ihn willkommen, deinen Schnäuzermund.

Was kann ihn jetzt noch halten, das Schicksal hat uns bestimmt füreinander. Heimlich richte ich einen Raum ein, nur für uns. Papi und Mami sollen daraußen verkümmern, sie haben es nicht verstanden, was bangende Herzen bewirken in Ewigkeit. Ich weiß wohl, dass ich gesellschaftlich unter ihm stehe, aber was weiß das Wasser von den Dämmen, der Wind, wohin er weht? Es geht mich wieder poetisch an.

Festungsmauern zeigen tiefe Risse,
Wassermassen strömen ungehindert ein.
Große Brocken brauchen viele Bisse,
bald wird Braten meiner sein.

Ungelenk, wie dies scheint, steht es doch nur für eins: ich erwarte seine Wiederkehr.

13.10.1821
Ich mag meinen Augen nicht glauben, es darf nicht wahr sein, was die Zeitung schreibt. Im Radebeuler Radebrecher von heute steht:
BEKANNTESTER BÜRGER UNSERER STADT UNBEGNADBAR VERURTEILT
Konstantinopel:
Nach Rückkehr aus Golgostei hat Sultan kücük seitan (Kleiner Satan) Karolus Meios zu ewiger Verdammnis in den Dönergruben von Üsküdar verurteilt. Berühmter Weltreisender soll angeblich Fehlgeschäftsbeziehung vermittelt haben. Sultan: da waren nur Treibsandschächte, ich verlor alle Jungtürken. Die anderen verschwanden im Wandersand.
Kommentar von Rigorolus Pissoffmen:

Wir können nicht so weiter, weil wir da
schon waren. Nach den Jahren des
wollen wir mal sehen stehn wir wohl da
wo wir verharren. Dem wäre der falls des.

Ich mag mich dessen nicht mehr annehmen, will länger nicht mehr sein eine Dame in Bedrängnis. Wohl wissend ob der widrigen Winde aus dem Osten will ich mich wappnen. Ich weiß, wo mein Herzallerliebster die Dukaten, Taler und Pfennige vergraben hat. Ich weiß, an welcher Postkutschenstation ich falsche Papiere und Empfehlungsschreiben käuflich erwerben kann.
Ich breche auf, gleich morgen, gen Golgostan, die Gefälligkeiten einzufordern, die IHM zustehen.

Bin ich denn des Schicksals Sklavin,
machtlos gefangen in Ketten aus Stahl?
Bald kommt eine namens Darwin.
Modert ihr nur allemal.

16.10.1821

Ich bin bereit, der Knappsack ist gefüllt, die Stadttore stehen offen. Gen verlassmeinladik geht der Ritt, quer um Allasuchtegbertisserda und weiter nach esgibsalat. Ab jetzt muss ich mich verschleierisieren, wir stehen im Grenzbezirk des Friedens. Lyrien, Poetistan, wer wollte wohl vergessen des Vertrags von VERSALIEN.
Geschichte rauscht an mir vorbei, ich will nur ihn. So wahr ich Gutamunde heiße und wenn das das letzte wäre und ich mir das nicht gefallen lassen müsste.

 

     Pega Mund



Das Bildnis

   04.11.2009, 02:26



Meister RUELFIG!!!

Was haben Sie denn da - ohmeinguterGott! Unglaublicher Fund! Unschätzbar das, was Sie da - mir fehlen - fehlen - die Worte! Hinter dem Kamin! Ein Geheimgelaß! Und darinnen --- ! Das ist - das ist - großartig! Ich bin so - so - beeindruckt. Und ich möchte wetten, unser lieber Greg weint, wenn er das - nein, mehr möchte ich nicht dazu sagen. Ich bin so berührt! So berührt - so zutiefst - - - !!!


Doch, ich muss noch etwas sagen.
Gutamunde Güldig: Unsere verschlungenen, vom Sand der Geschichte umspülten Archive bargen und bergen ein Bildnis von ihr.

Ich füge es anbei, damit alle Welt sehen kann, WIE poetisch schön sie war, so REIN, so ganz, ganz AUTHENTISCH, im Äußeren wie im Inneren einem süßen lyrischen LIED vergleichbar, welches in quantifizierten TROCHÄEN sanft dahin- und daherschwingt, wundersam bezaubernde VERSBILDER malend, in die zu versinken manch einer sich wünscht. Ihr König des Herzens aber war - wir wissen es! - Karolus Meios, der damals im September 1821 in dringenden Geschäften die Golgochei bereiste, nicht ohne oben erwähntes und unten anbeigefügtes Bildnis seiner Mondin miniaturisiert in einem von der Firma Lepompier (Pforzheim) feinstziselierten Medaillon an einer Kette hangend auf seiner Brust zu tragen.

Nun geschah Folgendes (und ich muss mich regelrecht überwinden, davon zu berichten, denn dies ist ein dunkler, sehr dunkler Punkt in der Geschichte Golgostans):

Da Karolus Meios die Angewohnheit hatte, das Medaillon häufig aufzuklappen, um das Konterfei seiner Angebeteten leidenschaftlich zu küssen, konnte es nicht ausbleiben, dass der Großgraf Pjoterwschksch einen seiner schmutzigen Blicke auf das Bild der schönen Gutamunde warf und sich stante pede sofort so aberauchdermaßenheftig in sie verkuckuckste, dass er schnurstracks den Ewigjungfern unter Todesschwadronieren befahl, dem armen Karolus Meios unverzüglich seinen Anhänger bei lebendigem Leib zu entwinden, was diese Kanaillen von Ewigjungfern auch hinterrücks taten, und zwar, als sie dem Karolus Meios den engsitzenden Ehrenbären aufbanden. Ja.

So kam das Bild der schönen, tapferen und obendrein lyrisch außerordentlich begabten Gutamunde Güldig in die dreckigen Mistpranken des ewigbesoffenen, rohen, brunzdummen und für die Poesie sowieso schon immer verloren gewesenen, weil auf zwei linken Versfüßen stehenden und mit unsagbar schlecht gereimten Manieren hantierenden Großgrafen Pjoterwschksch in der hinteren Golgochei und fand erst mehr als anderthalb Jahrhunderte später nach vielen Irrungen und Wirrungen schließlich den Weg in die verschwiegen bergenden Archivkammern unseres ehrenwerten Instituts.

Herzlichste Grüße!

Margret von dem Güldenmund, Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen, Golgostan/Schtschutschinsk



Gutamunde Güldig im Charme ihrer Jugend (um 1820)

Auf der Rückseite der Miniatur steht übrigens in Gutamundes zierlicher Handschrift eine herzergreifend poetische Widmung geschrieben.

Mein K.!
Auch wenn uns hunderte von Meilen trennen:
Falls Du in Not kommst, werd ich Dir zu Hilfe rennen!
Versprochen! G.!

 

     ruelfig



Reisebericht 3

   06.11.2009, 22:19



Aus dem Memoire der Gutamunde Güldig

17.10.1821

Gute Güte, wie es rappelt und klappert. Fast trägt man Sorge, dass alles übereinanderfällt. Es ist eng im Compartement, ich sitze ausgerechnet neben der dicken Geheimrätin von Binder-Karrenberg, die wir als Kinder immer "Blinder Gartenzwerg" riefen. Wenn dann ihr zorngerötetes Vollmondgesicht im Küchenfenster erschien über den zum Abkühlen auf das Fensterbrett gestellten Schweinsfußküchlein, rannten wir schreiend davon Richtung Lindenbaum vor dem Stadttor. Ach, so vieles verändert sich, das Tor abgerissen, eine Tuchmanufaktur an seiner Stelle und auch der alte Baum, gefällt. Er stand dem Bau des neuen Fernpfades im Wege. Aber ich schweife ab, vielleicht auch bedingt durch die räumliche Bedrängnis. Warum muss das alte Schrapnell auch fünf Hutschachteln mit sich führen? Moderne Fräuleins reisen mit zweien, neue Hüte gibt es schließlich allerorten preiswert zu erstehen.
So vieles habe ich noch zu lernen, die Welt des Mannes scheint ein ewiges Mysterium. Zum Glück habe ich das "Böse-Buben-Brevier 2.0" erstanden, hier teilt sich mir alles Wissenswerte in einfachen Worten mit. Schon der Erwerb der Schrift war mir Lehre, musste ich doch dazu den "Radebeuler Rabauken", die am übelsten beleumdete Spelunke am Ort betreten. Wer anders sollte mir dort über den Weg laufen als der dicke Kutschen-*****, den mein seliger Herr Papa einst mit Schimpf und Schande seines Kontors verwies, nachdem jener die Stirn besaß, einen Mindestlohn von zehn Kreuzern pro Tag einzufordern. Bedenke dies, geneigte(r) Leser(in), zehn Kreuzer kaufen einen Liter Branntewein plus unbegrenztem Zugang zu Moritatvorträgen, außerdem einen Klafter Tobak sowie zwei Packungen Schnauzbartschwarzwichse. Wie soll ein finanziell derart aufgerüsteter Dienstmann sich noch seiner Verpflichtungen erinnern gegenüber Weib und zahlloser Kinderschar? Nein, wie mein seliger Herr Vater, Eigentümer der Manufaktur nützlicher Gerätschaften, einst sprach: Halt den Knappen knapp, gib ihm kaum nen Rappen ab.
Jedenfalls erstand ich zum horrenden Preis von dreizehn guten Pfennigen besagtes Büchlein und übe mich seither in den männlichen Künsten, als da sind Fluchen, Spucken und Sackkratzen. Sapperlot, traun fürwahr, Hölle und Verdammnis: übel Reden fällt nicht schwer. Das mit dem Spucken ist schon anders, ständig treffe ich die Siefelspitzen und wie sieht das aus, dunkelbrauner Kautabaksaft auf hellbraunem Wildleder? Auch die allerorts aufgestellten Speibehälter zu treffen ist nicht einfach. Sich im Schritt zu kraulen hingegen gefällt mir sehr, mag sein ein wenig zu sehr.
Wie dem auch sei, ich bin auf dem Weg. Gut aufgestellt, meine Börse beinhaltet vierzig güldene Dukaten, einhundertelf Taler, zweindzwanzig Kreuzer und neunhundertzwölf gute Pfennige. Ein veritables Vermögen, des zu verteidigen ich mich willens und fähig zu beweisen erhoffe.
Die ersten Grenzkontrollen liegen hinter mir, Kleinstaaterei ist solch ein Hühnerkackeschweinegüllepissemist (ich muss üben), doch die Verkleidung trägt. Gut, dass ich mir einen Qualitätswichsbart aus heimischer Ferkelborste geleistet habe und kein minderes Plagiat östlicher Konkurrenten. Wie sagte Papi immer: Kauf beim Kaufmann ein oder lass es sein.
21.10.1821, 4:22
In Wronsk angekommen. Gerüchten zufolge soll es hier warmes Wasser geben, Scheiße aber auch. Spuck, Sackkratz. Ist mir doch sowas von egal, ihr Opfer. Tritt in den Schritt. Ach, ich wäre froh, könnte ich nur diese Verkleidung ablegen. Enge Hosen sind so unbequem.
8:21, Audientin beim Großgrafen Pjoterwschksch, hinterste Golgochei. Beständig beschaut besagtes Mannsbild ein in seiner Pranke befindliches Medaillon, welches ich an der zwischen seinem Mittel- und ringfinger herabhängenden Kette als jenes erkenne, welches ich einst meinem Karolus übereignete. Rotze dem Kerl zwischen die Füße, kratze mich am Eumel und fluche in verschiedenen Fremdsprachen. Ich verspreche dem Herrscher, ihm bei seiner verzweifelten Suche nach der Dame seines Herzens beizustehen und lobe innerlich die Qualität meines Schnäuzers. Niemals sollte Frau der Versuchung erliegen, einen Billigschnurrbart zu erwerben.
Nach den obligatorischen Trink- und bärenaufbindritualen (Männer, so vorhersehbar!) werde ich von freundlichen Felunken in ein friedvolles Gelass begleitet und falle in freudlosen Schlaf. Mir träumt von brennenden Olivenölfeldern in Elendstan, Mordbuben aus Waschzubien, njetskis vom Dawaigorsksch. Das ist mir kackegal, ich will jetzt sofort meinen Ollen und mich trollen. Das Leben als Dame hat auch was fürsich.

 

     gregor libkowsky²



Die Entstehung der Sprichwortkultur

   06.11.2009, 22:50 / 2 x geändert



Das Vermächtnis des Dr. Querfried Krummelmann Teil 2 (klick)

Konnten wir im ersten Teil der Zusammenfassung wesentlicher Forschungsergebnisse des Dr. Querfried Krummelmann in Erfahrung bringen, welche herausragende Rolle gerade die golgochischen Landfrauen bei der Sprachentwicklung spielten, kommen wir nun zur Blütezeit der golgochischen Sprichwortkultur.

2. Die Blütezeit der golgochischen Sprichwortkultur (Krummelmann-Epoche)
oder Der Siegeszug eines kleinen Lederläppchens





Der Name des Despoten, Unruhestifters und alkoholkranken Großgrafen Pjoterwschksch (1787-1851) (klick) sollte für immer in den Geschichtsbüchern einen würdigen Platz erhalten, als er im Jahr 1825 die Bärenjagd für das niedere Volk freigab. Natürlich wusste er zur damaligen Zeit nichts von der historischen Dimension seiner wohl aus der Not geborenen Entscheidung. Man kann aber mit Fug und Recht aus heutiger Position heraus behaupten, dass ihm dies ziemlich gleichgültig gewesen sein dürfte, war doch sein Denken und Fühlen, sein Wollen und Wünschen von einer einzigen, ihn ganz und gar beherrschenden Vision erfüllt: die Erzeugung von Schnaps aus Schuhleder. Wissenschaftler, Techniker und Erfinder, die mit den Spitzentechnologien der damaligen Zeit vertraut waren, nach Golgostan zu locken, um mit ihnen am fürstlichen Hof über Möglichkeiten effizienter und großmengiger Schnapsherstellung zu parlieren, das war des Großgrafen vorrangiges Ziel. Dementsprechend forcierte er die weltberühmte golgochische Werwolfzucht, waren doch die Werwölfe und die Aussicht auf Erlegung eines selbigen oft einziger Grund für die Gelehrten Westeuropas, sich der strapaziösen und gefährlichen Reise nach Golgostans zu unterziehen. Die Bestrebungen des Großgrafen wurden letztendlich mit Erfolg gekrönt.
Den Aufzeichnungen des Forschungsreisenden Karolus Meios ist es zu verdanken, dass wir heute vom 22.09.1821 als dem exakten Datum der Übergabe einer bestens funktionierenden Schuhlederdestillationsapparatur in die Hände des Großgrafen ausgehen können.(klick)
Die Anlage konnte aus einem gut eingelaufenen Soldatenstiefel innerhalb von 2 Stunden 120 Liter Schnaps destillieren. Dieses technische Detail erklärt auch, weshalb innerhalb eines halben Jahres nach Inbetriebnahme der Schuhlederdestillationsapparatur die golgochischen Volksbefreiungsstreitkräfte barfuß liefen. Aus Traditionsgründen übrigens bis heute noch. Dies wiederum sollte den entscheidenden, schlachtgewinnenden Vorteil während der Sandkriege darstellen.
Mit Hilfe des Universalgelehrten Karolus Meios gelang es, die Destillationsmaschine auf Verarbeitung von Bärenleder umzustellen (Eine kurze Testphase mit Werwolfleder misslang und wurde seitdem nicht wieder in ernstliche Erwägung gezogen. Die hohen menschlichen Verluste bei der Jagd rechneten sich nicht und hätten den Schnapspreis in unbezahlbare Höhe getrieben.)
Nun blieb es im Volk kein Geheimnis, dass plötzlich Kartographen vom Hofe des Großgrafen das Land durchforsteten und besonderes Augenmerk auf Wälder mit hoher Bärendichte legten. Auch der einsetzende Bärenschwund war nicht mehr zu verheimlichen. Hinzu kam, dass durch großgräflichen Erlass die altgolgochische Tradition des Bärenaufbindens verboten, ja sogar mit der Todesstrafe geahndet wurde. Im Briefwechsel zwischen Karolus Meios und seiner Angebetenen, Frl. Gutamunde Güldig,klick wird die bislang letzte historisch belegbare Zeremonie des Bärenaufbindens – hier als Begrüßungsbäraufbindungszeremonie – erwähnt.
Bald sprach sich herum, dass der Großgraf täglich im Schnaps badete, während die Frauen aus den Dörfern nach wie vor täglich ihrer verzweifelten Schnapssuche nachgingen und die Männer in Erwartung eines hochprozentigen Fundes den Göttern der Destillation ekstatische Tänze widmeten. Kurzum, die Gesellschaft drohte auseinanderzubrechen. Der über die Jahrhunderte existierende und die Gesellschaft einigende Konsens Golgonicus(klick) war in Auflösung begriffen.
In den Dörfern erzählte man sich nebulöse Geschichten von einer riesigen Schnapsmaschine, die der Großgraf sein Eigen nannte. Die Wälder rochen nach Werwolf und Revolution. Doch die Späher und Spione des Großgrafen verrichteten gute Arbeit, so konnte der Großgraf Pjoterwschksch rechtzeitig sein berühmtes Grzdrtiu-Gesetz(klick) formulieren und mit sofortiger Rechtswirksamkeit
im gesamten Land durchsetzen. In den Dörfern wurden Mess-und Schneidewerkstätten zur Herstellung des grzdrtiu gegründet. Ähnlich dem zuchsztik(klick) wurde das grzdrtiu als lebenslange Leihgabe der Regierung den Junggolgossen zur Einschulung überreicht. Die Größe des Lederläppchens variierte. Durch staatlich gesteuerten Betrug in den Zuschneidewerkstätten konnte Bärenfell eingespart werden. Das freiwerdende Bärenleder landete umgehend in des Großgrafen Destillationsapparatur. Bärenleder wird zu den härtesten Lederarten der Welt gerechnet. So konnten sich Generationen von Golgossen und Golgossinnen das jeweils familieneigene und oft noch erstaunlich gut erhaltene grzdrtiu weitergeben. Der Legende nach soll das permanente Kauen des grzdrtiu eine dem Alkoholgenuss ähnliche Wirkung erzielen. Dies konnte allerdings noch nicht restlos bestätigt werden. Das ununterbrochene Kauen auf dem grzdrtiu veränderte die Sprache grundlegend. Es entstanden neue Worte, die sich, einmal ausgesprochen, schon wieder veränderten – eine neue Betonung, eine andere Klangfarbe, Austausch von Vokalen, Verschwinden von Konsonanten. So konnte aus dem Wort suztrikusz (Hals abschneiden) sehr schnell das Wort segutramp (Holzhirn) oder auch das Wort utrüpäl (Geschlechtsverkehrvollzugsverweigerungsrate) werden, je nach Kauintensität, Speichelsekretion, Linkskau-oder Rechtskautypus und bereits erreichter Promillezahl des Sprechenden.
Das Tor für die Entstehung der einzigartigen, bewundernswerten und ambivalenten Sprichwortkultur des golgochischen Volkes war nun weit aufgetan.

 

     Pega Mund



Wissenschaft: Neuestes aus dem Institut!

   10.11.2009, 02:38 / 2 x geändert



Oh, meine lieben FreundInnen!

Sehr erregt, freudig erregt, berichte ich heute von einem wunderbaren Ereignis und einer stupenden Entdeckung!

Zunächst das Ereignis.

Das Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen erhielt von einem Gönner, der unter allen Umständen NICHT genannt werden möchte, eine Spende! Ja!
Die Expresspostkutsche, von zwei prächtigen weißen Werwölfen und einem riesigen, unablässig brummenden Braunbären gezogen, brachte ein schweres, sehr schweres Paket! Darinnen: kostbare Geräte aller Art (bei uns in Golgostan kaum zu ergattern, selbst wenn man über Beziehungen zur avantgardistischen Undergroundszene oder zur Sandsturmbrigade verfügt), deren Funktion und Gebrauch nun von meinem Mitarbeiterstab zu enträtseln ist, sowie diverse Artefakte literarischen Schaffens, unter anderem ein auf Papier gedruckter Rilke, nämlich Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.

Ich schlug mit vor Leidenschaft und intellektueller Begierde fiebernden Fingern das Buch (ja, ein Buch, ein veritables Buch!) des in Golgostan leider noch nicht so sehr bekannten Meisters auf (Seite 62!) und las, zuinnerst berührt, sofort diese Stelle:

"Ich versuche es, Dir zu schreiben, obwohl es eigentlich nichts giebt nach einem notwendigen Abschied. Ich versuche es dennoch, ich glaube, ich muß es tun, weil ich die Heilige gesehen habe im Pantheon, die einsame, heilige Frau und das Dach und die Tür und drin die Lampe mit dem bescheidnen Lichtkreis und drüben die schlafende Stadt und den Fluß und die Ferne im Mondschein. Die Heilige wacht über der schlafenden Stadt. Ich habe geweint. Ich habe geweint, weil das alles auf einmal so unerwartet da war. Ich habe davor geweint, ich wußte mir nicht zu helfen."

Und nun die Entdeckung!

Wer, fragte ich mich, wer kann die von Rainer Maria hier beschriebene, einsame Pantheon-Heilige sein? Wen meint er?

Es gibt nur eine Antwort, und ich will sie Euch nicht vorenthalten: Hier spricht Rilke, zwar chiffriert und nur für tief in den Text schauende LeserInnen verständlich, aber eben doch ganz eindeutig, von der GOLGOCHISCHEN SCHUTZPATRONIN, von der Heiligen Detonatia. Ich bin mir SICHER, dass es so IST, wie Schuppen fiel mir die ERKENNTNIS von den Augen!

Nun aber stellen sich viele Fragen, über die wir am Szweigztu-Institut werden nachdenken müssen!
Wie erklärt es sich denn nur, dass Rilke so kenntnisreich über unsere Nationalheilige berichten konnte? WOHER hatte er dieses profunde Wissen über intime Eigentümlichkeiten der golgochischen Volksmythen? Welche Mittelsmänner verhalfen ihm zu diesen einschlägigen Informationen, und was bewog ihn, der Heiligen Detonatia in seinem einzigen Roman auf Seite 62 ein Denkmal zu errichten? Bereiste Rilke gar heimlich Golgostan? Womöglich unter einem Pseudonym? Könnte es sein, dass er NICHT am 4. Dezember 1875 in Prag geboren wurde und am 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz, verstarb, sondern dass er in Wahrheit genau 100 Jahre früher lebte, 1775 - 1826? Dass er ein Intimus des Karolus Meios war, der im September 1821 die Golgochei bereiste? Dass er bekannt, befreundet war auch mit Gutamunde Güldig? Wird man je Näheres erfahren? Wird man die gesamte Rilke-Rezeption neu fassen, seine Biografie umschreiben müssen? OHMEINGOTT.

Ich werde Dr. Querfried Krummelmann konsultieren. Man wird sehen ...

Oh mein Gott! Fragen über Fragen!
Ich bin schlaflos vor Erregung.
Verwirrte Grüße!
Margret von dem Güldenmund,
Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen, Golgostan/Schtschutschinsk



--





Halt! - Ein Wort noch!

Dass Gutamunde Güldig tatsächlich als Mann mit Schnäuz am Hofe des trunksüchtigen, arbeitsscheuen, rüpelhaften, widerlichen Großgrafen Pjoterwschksch lebte, bezeugen in unseren Archiven befindliche Bildnisse (siehe unten).

Gerüchte besagen, dass ihre Anwesenheit am großgräflichen Hofe zu Wronsk beträchtliche Unruhen auslöste und zu schwerwiegenden Irrungen und Wirrungen führte, welche das sensible psychosoziale Gleichgewicht der Großgrafenfamilie erheblich störten und beinahe einen üblen Umsturz gezeitigt hätten. Dies alles geschuldet der Tatsache, dass (so wird kolportiert) sowohl eine ältere Schwester des Großgrafen Pjoterwschksch als auch einer seiner jüngeren Brüder, der ... nun, wie soll ich sagen ... in seinen Liebesneigungen ... äh-hm ... etwas andersherum geartet war, sich liebestodestoll in Gutamundes respektablen und als Verkleidung höchst passenden Qualitätsschnurrbart verknutzschtzschikte.


Oktober 1821: Gutamunde Güldig im Schutze
ihres Qualitätsschnäuzers als Jackson Sparrowskji
am Hof des ekelhaften Großgrafen Pjoterwschksch, Wronsk

 

     gregor libkowsky²



Erinnerungen 4

   27.11.2009, 14:50 / 4 x geändert



Unterwegs mit Onkel Brimbuszki
Teil 1 „Es geht los“


So vieles in meinem Leben habe ich allein Onkel Brimbuszki zu verdanken. Gern denke ich zurück an unsere gemeinsamen Reisen, an die Gefahren, denen wir trotzten und an alles andere, und das war nicht wenig. Keinesfalls möchte ich die Leserschaft in die Ermüdung treiben, wenn ich gleich zu Beginn schon darauf verweise, dass mir unentwegt die Tränen über das Gesicht perlen. So mag vielleicht die eine oder andere Erinnerung vor meinem geistigen Auge verschwommen daherkommen, doch als echter Ugumuszer bin ich der Wahrheit verpflichtet, auf Gedeih und Verderb, beim ewigen Schwur auf die heilige Detonatia. Der einzige Schwur übrigens, der in Ugumusz täglich dreimal abgelegt wurde, immer kurz vor den Mahlzeiten. „Zudrikuzt memi sopatkitschz, drutirz eltestz obag“, sagten wir damals in Ugumusz, was so viel heißt wie: Schwöre so lange das Essen noch dampft. Und wir hatten Hunger, denn die Arbeit in der Chemiefabrik war nicht einfach.
Aber zurück zu den Schwüren. Davon gab es nämlich eine ganze Menge. Am liebsten waren mir die Sicherheitsvortäuschungsschwüre, die Gerechtigkeitsverschleierungschwüre, die Lobredenechtheitszertifikatsschwüre, die Chemiefabrikunbedenklichkeitsschwüre und natürlich der Königsschwur, der Ichkommegleichwiederschwur(auch gennant der Brimbuszki-Schwur). Hinzu kam noch ein kaum überschaubares Reservoir an strategisch-taktischen Schwüren, die in allen erdenklichen Lebenssituationen erprobt und erfolgreich angewandt wurden.

Doch ich komme vom Thema ab. Meine Reisen mit Onkel Brimbuszki:
Immer in dem Jahr, im welchen mein Onkel zum Dorfvorsteher gewählt wurde, unternahm er in meiner Begleitung eine auf zwölf Monate begrenzte Reise durch das südöstliche Golgostan bis hin zu Hauptstadt Korruptzschikan; immer darauf bedacht, rechtzeitig zur Wahl des Dorfvorstehers nach Ugumusz zurückzukehren. Obwohl dann der Säufer Kaschubke gewählt werden würde, war es doch lohnenswert, den Feierlichkeiten beizuwohnen, und die mit der Feier verbundenen Freischnapsangebote nicht den anderen zu überlassen. In meinem Inneren höre ich Onkel Brimbuszkis Stimme: Wenn du bist eingeladen, ist billig. Wenn nicht, musst du sehen.
Doch bevor die Reise beginnen konnte, musste Onkel Brimbuszki noch seine Amtseinführungsrede halten. Traditionsgemäß geschah dies am Tag nach der Wahl. Das Ugumuszer Wahlvolk – ermattet und vom Schnaps gelähmt – befand sich noch immer in ruhender Warteposition auf dem Dorfplatz. Onkel Brimbuszki stellte sich auf die Umfassung des Dorfbrunnens zur heiligen Detonatia und begann zu reden.
Eine neue Zeit sei gekommen, sagte er, nun hieße es allemal vorwärts, für rückwärts gäbe es ja den dicken Kaschubke, dies sei das Gebot der Stunde, und er verspreche so einiges, wenn die Zeit reif sei, dann sei es so weit, er wüsste da bestens Bescheid, als Amtsvorsteher sei er sich dessen sehr bewusst, um nicht zu sagen, da könne man ihn beim Wort nehmen, wo doch jetzt die Reihen geschlossen würden, keine Experimente mehr, Wohlstand sei möglich, vielleicht sogar für alle, da müsse er sich aber noch beratschlagen, er wisse jedoch genau, von welchen Zahlen er rede, da ließe er sich festnageln, das ganze Jahr über, vor Lüge schütze ihn sein Schwur, und wenn wirklich mal, dann jederzeit, dafür sei er schließlich da, mit offenen Ohren, Vertrauenspartnerschaft, das sei sein zweiter Name, und er nehme die Wahl an.
Dann sprang er vom Brunnen mit einer Behändigkeit, über die ich jedesmal, das heißt aller zwei Jahre, aufs Neue erstaunt war , aber Onkels Reisepläne ließen ihm Kraft und Entscheidungsfreude zuwachsen. Er winkte kurz zu mir herüber und machte das Victory-Zeichen, nun wusste ich, diese Nacht um zwei sollte unsere Reise beginnen. Der einzige von den Dorfbewohnern, der Onkels Zeichen gesehen haben könnte, war der schielende Petrjew, doch wusste man bei ihm nie genau, in welche Richtung er gerade schaute. Zumindestens war er schon wieder auf den Füßen, im Gegensatz zu den restlichen Dorfbewohnern, die immer noch ihren Rausch ausschliefen.
Die Situation war also so günstig wie selten, für mich und für Onkel Brimbuszki.
Nach Einbruch der Dunkelheit schlich ich mich aus dem Haus. Meine Oma mütterlicherseits pflegte frühzeitig einzuschlafen und sehr spät erst aufzuwachen. So nahm ich in Gedanken Abschied von ihr für die nächsten zwölf Monate und belegte sie vorsichtshalber mit einem garstigen Fluch, bevor sie am nächsten Morgen mit mir ähnlich verfahren würde.
Ich wusste, Reisen mit Onkel Brimbuszki bedeutete Gefahr, Abenteuer, Reichtum, schöne Frauen, Ehre, großartige Siege und Rucksäcke schleppen. Auf letzteres freute ich mich nicht so sehr, denn die Rucksäcke waren sehr schwer, allein der, in welchem Onkels Nahkampfmesserset verpackt war, konnte kaum von mir geschultert werden, doch es kamen ja noch die anderen Taschen, Koffer und Tragesäcke hinzu. Also half kein Jammern. Er müsse unbedingt die Hände frei behalten, damit er nachdenken könne, sagte Onkel Brimbuszki, mit schwerem Gepäck lasse es sich nun einmal nicht gut denken, und mich nehme er ja nicht zum Denken mit auf die Reise, sondern zum Lernen, und dazu gehöre halt auch, das eine oder andere zu tragen. Nun, es war nicht meine erste Reise mit Onkel Brimbuszki, ich wusste also in ungefähr, was auf mich zukommen würde: drei Rucksäcke, zwei Koffer, drei Provianttornister und zwei leere Säcke für die carapasz.
Zunächst jedoch lief ich in Richtung Chemiefabrik. Am Teich hinter der Pumpstation war unser Treffpunkt. Eine gute Reise benötige zwei Beine und ohne Schnaps könne niemand stehen, sagte Onkel Brimbuszki zur Begrüßung und wir prosteten uns zu. Wir tranken in Ruhe die Flasche aus, denn bis zur Wachablösung der Sandsturmnachtbereitschaft war noch genügend Zeit. Jeder von uns befüllte seine fünf Feldflaschen mit der quackernden, wabernden, leicht entzündlichen und mittelschwer ätzenden Flüssigkeit, die sich im Teich befand. Dies sollte unser Bestechungstrunk für die Kameraden vom Sandsturm werden, die ob ihrer staubigen Tätigkeit unter einem erhöhten Flüssigkeitsbedarf litten, der allein aus fiskalischen Depots nicht gedeckt werden konnte. So waren die Sandsturmbrigadisten- und brigadistinnen in der Regel sehr dankbar für alles, was sich in flüssigkeitsähnlicher Form und Konsistenz als schluckbar erwies, besonders in den trockenen, übelriechenden Nächten am golgochischen Strand, so nah an der Chemiefabrik. Der Prominenz und Würde Onkel Brimbuszkis war es aber letztlich zu verdanken, dass keiner der Soldaten Verdacht schöpfte, denn ein Geschenk ohne Gegenleistung („sztzter estzturz uz, keztuz uzt“ Sprichwort, Südostgolgostan, entstanden um 1670, Übersetzung Dr. Krummelmann: Nimm das Geschenk, töte den Schenker!), so etwas würde kein echter Golgoche übers Herz bringen, höchstens Touristen, Zugereiste oder andere Menschen mit Behinderungen. Denn gerade vor der Gier der Ausländer wurde der Sandstrand geschützt. Doch auch den Einheimischen war nicht zu trauen. Nie wieder sollte golgochischer Sand in westlich-dekadenten Sanduhren rieseln, deshalb wurde der Strand Tag und Nacht bewacht.
Wir aber, Onkel Brimbuszki und ich, mussten diese Nacht unbedingt an den Sandstrand gelangen, um carapasz zu sammeln. Die Sandsturmmänner kippten nach dem zweiten Schluck aus unseren Feldflaschen - wie nicht anders zu erwarten - rücklings in die Dünen und blieben dort arrhythmisch zuckend liegen. Noch aus der Ferne sah man ihre grün angelaufenen Köpfe leuchten. Dieser Zustand sollte erfahrungsgemäß bis zum nächsten Abend vorhalten. Nun konnten wir uns also Zeit lassen für die doch so wichtige Vorarbeit unserer großen Reise: das Sammeln von Schildkrötenpanzern (carapasz). Schnell waren zwei Säcke gefüllt, so hatten wir noch genügend Zeit, die gewölbten Panzer zu plätten, so dass sie am Ende wie originale grzdrtius aussahen. Wir entleerten den Rest Flüssigkeit aus unseren Feldflaschen in die gefüllten Säcke und nach einer mittelschweren Explosion und einem circa zweiminütigen Zischen mit starker Qualmentwicklung konnten wir zwei volle Säcke mit Täuschungsgrzdrtius unser Eigen nennen. Die Idee, Teichwasser dafür zu verwenden, stammte übrigens von Onkel Brimbuszki, der vor Jahren einen Sack mit carapasz in den Teich werfen musste, da der Sandsturm ihm auf den Fersen war. Nun, Onkel Brimbuszki konnte unerkannt fliehen, doch was für eine Überraschung für ihn am nächsten Tag: die auf dem Teich schwimmenden Schildkrötenpanzer waren platt, sahen aus wie echte grzdrtius und mussten nur noch eingesammelt werden.
Die Reisevorbereitungen waren nun endgültig erledigt, Onkel Brimbuszki und ich leerten noch einige Flaschen Schnaps und tranken uns Mut zu, wartete doch die unberechenbarste Gefahr der Reise gleich zu Beginn auf uns: Die große Passage.

 

     Pega Mund



Notiz aus den Szweigztu-Archiven

   06.02.2010, 08:45 / 1 x geändert



Eine Manöverübung in den Szezsekower Hochdünen ist kein Sonntagsspaziergang, zumal im Winter, wenn nachts die Eisblumen auf dem Biwaksack blühen und der Mond kalt ins Lager lächelt. Da kann ein Soldat, eine Soldatin schon mal pauschalreflexiv werden und mancher, manche schreibt sich ein elegisches Gedicht von der wunden KämpferInnenseele, um der drohenden Totaldepression zu engehen. Die Archive unseres Szweigztu-Instituts sind voll von solchen bewegenden Zeugnissen des soldatischen Lebens, die natürlich immer wieder auch um die geliebte Heimat Golgostan kreisen.

Ein ob seiner schlichten Eindringlichkeit besonders berührendes Beispiel -> s. hier.

Vivat in die Runde!

Margret von dem Güldenmund,
Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen, Golgostan/Schtschutschinsk

 

     Pega Mund



Aktuelles aus den Archiven

   12.02.2010, 03:25 / 1 x geändert



Gestern wurde dem Szweigztu-Institut von Forschern, die in Daturistan, einer äußerst entlegenen, erst in jüngster Zeit entdeckten und in der breiten Öffentlichkeit noch kaum bekannten golgostanischen Enklave schürfen, ein vermutlich jahrhundertealter, den berühmten Merseburger Zaubersprüchen durchaus vergleichbarer Gebetstext übergeben, welcher - so die konsensusellierte Ansicht in einschlägigen Expertenkreisen - immer morgens inbrünstig vor dem Spiegel mit einem grzdrtiu zwischen den Zähnen zur Stärkung der daturischen Geduld und Zuversicht auf bessere Literatzki-zeiten zu murmeln gewesen sein dürfte.

Ein bemerkenswerter Fund!

Vivat!

Margret von dem Güldenmund, Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen, Golgostan/Schtschutschinsk

 

     Datura



Morgengebet

   13.02.2010, 13:37 / 1 x geändert



und hier ist nun der Originaltext, freundlicherweise nun dem allgemeinen Gebetsfundus übergeben zur Bereicherung der golgochischen Verteidigung:

tägliches Gebet Daturistans ( entlegende Enklave Golgostans),
immer morgens, inbrünstig (vor dem Spiegel ) mit grzdrtiu zwischen den Zähnen gesprochen, zur Stärkung der daturischen Geduld und Zuversicht auf bessere Literatzki-zeiten:

Memi ! Babuscka
die Stunden der Ruhe
gezählt
Memi ! Deduschka
Worte wie Waffen
gewählt
gegen Tod und Teufel trotzen wir an
auf ewig
teures Golgostan

Schsshundz (=Amen)

 

     gregor libkowsky²



Gebet zum großen Pokumetsch

   21.02.2010, 23:01 / 1 x geändert



In Golgostan konnten wir voller Stolz 231 Götter unser eigen nennen. Der Einfachheit halber hatten sie aber alle den gleichen Namen: Pokumetsch (die Idee der Pokemon-Karten kommt von daher).
Nach den Sandkriegen wurde die Anzahl der Götter auf 21 reduziert. In Folge des Grätzki-Skandals konnten noch einmal 20 Götter von der offiziellen Liste gestrichen werden. Nun haben wir nur noch einen Pokumetsch.
Nachfolgendes Lied entstand in der Zeit der größten Not, in der Zeit der Sandkriege, und zeigt, wie das golgochische Volk, ausgebeutet und des letzten Sandkornes beraubt (hier nocheinmal Dank an autor*****) niemals den Glauben an Pokumetsch verloren hat.


Gebet zum großen Pokumetsch
(gesungen mit folgender Melodie: II:dadum dadei, didelbumsfallera, bumdudeldums, dadadimm, dadadumm, dadafallerallalla, bums:II
dann Bridge: mummelmumm, dudeldumm, bimsballeram, Ende: pille palle wullewum)

Oh, Pokumetsch mit deinen Füßen
streichelst du der Erde Saum,
schenkst mir Worte voll der Gnade,
doch ich bin ein schlechter Clown

Immer wieder will ich künden,
preisen, loben deine Macht,
bin dein Diener an den Stränden,
bleib dir treu, wenn keiner lacht

Tausend Körner werd ich opfern,
der Altar mein Vaterland,
voller Inbrunst klingt mein Flehen:
Pokumetsch, schütz unsern Strand!

Ich danke Allen für Alles,

Kommandant Libkowsky

 

     gregor libkowsky²



Tränen zum Abschied

   26.02.2010, 15:05 / 1 x geändert



Die untenstehende Nachricht von Bernhard Welt habe ich heute per Pn erhalten.
Da Herr Welte hier von mehreren Usern spricht, die sich durch Golgostan belästigt fühlen, ich aber keinesfalls hier Streit und Zank hereinbringen möchte, ziehe ich mich vorerst zurück.

Zitat:
An Gregor Libkowsky:
Sie werden sich wohl wundern, daß ich Ihnen hier schreibe?
Aber ich habe ihnen schon vor einiger Zeit profezeit, dass jeder für sein tun irgendwann auch das Urteil erhält das ihm zusteht.
Ich freue mich wenn sie hier verschwinden und nehmen sie gleich das gretchen mit. Die hat außer Popo Ansichten (und das soll ein Literaturforum sein)hier nichts zu bieten außer sich über alle lustig zu machen und neue nicht ernst zu nehmen!!
Ich stehe mit einigen Mitgliedern hier im engem Kontakt und die sind derselben Meinung wie ich.
Also brauche sie nicht zu denken hier spricht nur ein Einzelfall zu ihnen.

Bernhard Welte



Kommando: Träne


Nur stille Tränen will ich fortan weinen,
vor Kummer stumm und so allein,
gejagt, verhöhnt und schwer misshandelt,
durch eure Worte fühl ich Pein

Ein Land voll Neid, Gewalt und Missgunst,
wo jeder Nachbar lügt und trinkt,
das nenn ich Vater, Mutter, Heimat,
und jeder Gier zu folgen ungeschminkt

hab ich gelernt in meinen Kindheitstagen,
mein Onkel war mein einz'ger Halt,
er war ein Held in meinen Augen,
doch euch lässt dies ja ziemlich kalt

Nur stille Tränen will ich deshalb weinen,
vor Kummer stumm und so allein,
Golgochien findet ihr nicht edel
und unseren Umgang nur gemein

Wir spielten oft mit Handgranaten,
na und - wir hatten keine Feuerwehr
und keine Puppen, Handys, Spieleautomaten,
nur unser Schützenhaus war niemals leer.

Mein Land mit Kratern, Gräben, Stacheldraht,
mein Volk, bewaffnet, unverzagt,
das losmarschiert, bevor es denkt,
und glücklich, wenn es ferngelenkt,

das ist mein Volk, wie ich es mag,
nicht weichgespült wie euer Denken,
dort wird geschossen unverwandt,
am Ende reimt sich hier nur Sand

Doch habt ihr, wie ihr sagt, vom Sand
schon allerhand, wohl gar zu viel
hier längst gelesen,

nun sei die Zeit der Unvernunft vorüber,
verklingen mögen meine Lieder,
geduldet nur als stummer Krieger,
bleib ich euch fern für lange Zeit

Die stillen Tränen will ich also weinen,
vor Kummer stumm und so allein,
gejagt, verhöhnt und schwer misshandelt,
kann ich wohl nie mehr glücklich sein


Ich danke Allen für Alles

Kommandant Libkowsky

 

     augustine



Tränen zum Abschied

   26.02.2010, 15:36



Hallo Gregor,
beinahe natürlich ist dieser Frommtuer Welte auch ein Lügner. Mit seinem Schwachsinn braucht man sich inhaltlich nicht weiter auseinanderzusetzen. Dir will ich nur sagen, dass ich keineswegs mit ihm in irgendeinem Kontakt außer dem hier zu lesenden stehe.
Und natürlich ausdrücklich, dass du bleiben solltest.
Grüße von einer literarischen Provinz zur anderen. augustine

 

     Datura



Tränen zum Abschied

   26.02.2010, 17:44



Lieber Kommandant,
ich bin entsetzt. Sie wollen uns verlassen? Nein, das darf nicht sein, haben doch die Nachrichten aus Golgostan, nachdem sie zu unserem geliebten Daturistan endlich durchgedrungen sind ( Sandstürmen sei Dank) unseren Mut durchzuhalten stets angefacht, uns unsere Gebete umso inbrünstiger murmeln lassen und unsere Herzen getröstet.
in Sorge,
alles wird nun tot-ernst....

Datura

 

     Jolante



Kommando zurück

   26.02.2010, 20:36



Hiergeblieben, Kommandant - Das ist ein Befehl!

Als eine der eingesessenen Sandfrauen, die in Golgochien gerne mal auf ihrer Altersweisheit herumreiten, versichere ich Ihnen aus tiefster Überzeugung, dass keine ernstzunehmenden Mitglieder auf Sie verzichten wollen. Der Frömmler gehört ganz gewiss nicht zu dieser Gruppe, die man ernst nehmen kann oder sollte.

Ihrem Abtritt steht ganz entschieden im Wege

Jolantzka

 

     Gerd



durar el comandante

   26.02.2010, 23:53



Hey el comandante,

Welte ist nicht René Barrientos Ortuño und Du bist hier nicht in Bolivien. Sénior W. spricht nur für sich und seine Abspaltungen. Bitte ergib Dich nicht seinen Wahnvorstellungen. Offensichtlich will der Spinner hier das Kommando an sich reißen, lass ihn nicht gewähren.

Nun denn, keine Feigheit vor dem Feind, den Rücken gestrafft und die Sanduhr umgedreht!

Golgochische Grüße ins Sandland

Gerd

 

     Margret v. G.



Pressenotiz

   27.02.2010, 11:01 / 1 x geändert



Liebe MitarbeiterInnen,
um weiteren Verwirrungen vorzubeugen, erkläre ich hiermit:

Ich bin nicht Deutschflüster.
Ich bin nicht autor*****.
Ich bin nicht Ralph-Michael Bääh.
Ich bin nicht Hans-Bernhard Weltek.
Ich bin nicht Marcel Reich-Ranicki.
Ich bin nicht Marcel Frank.
Ich distanziere mich von Gretchen, Pegamund und HEXI 18, vor allem von HEXI 18.
Halte ansonsten dafür, sich ganz allgemein wieder der ernsthaft-heiteren literarisch-künstlerischen Arbeit in den Archiven zuzuwenden.


MfG,
Margret von dem Güldenmund,
Szweigztu-Institut für kulturell wertvolle Kondensationen, Golgostan/Schtschutschinsk

Derrière les décors
De l'existence immense, au plus noir de l'abîme,
Je vois distinctement des mondes singuliers ...

(Charles Baudelaire, La Voix)






Kommandant Libkowsky, kommen Sie doch heute nachmittag
auf ein Gläschen Sandman's und eine Zigarre unter vier Augen
zu mir ins Institut, ja? - Herzlichst, Ihre alte M.v.G.

 

     zuppanova



Aus gegebenem Anlass

   11.11.2012, 18:00



Ach Golgostan, mein liebes Land!
Ach Golgostan, dein feiner Sand!
Golgstan, an dich zu denken ist ein Schmerze,
der süß beschwert mein armes schwaches Herze.
Du Sturm, du Meer, du Fels, du Friedensstern!
Ach Golgo, dich und deinen Sand hab ich von fern
so gern und selbstverständlich auch von nah!
So-so, hm-hm, go-go, ja-ja.
So-so, hm-hm, go-go.
Ja-ja, hm-hm, so-so.

. . . . . . . . . . . . . . . . . (Unbekanntes Lied eines Sängers)

 

     Jolante



Golgostanisches Volkslied

   11.11.2012, 19:50 / 3 x geändert



Die Golgostanier haben eine saubere Zunft,
harum di scharum di schrumm schrumm schrumm.
Bei Sandsturm haben sie Zusammenkunft,
harum di scharum di schrumm schrumm schrumm.
Aschegrauer, mehlstaubfeiner Sand, schrumm schrumm.
Mir ein Körnchen, dir ein Körnchen, schrumm schrumm schrumm.
Fein oder grob, dem Sande sing ein Lob,
mit dem Gregor und dem Grätzki und dem schrumm schrumm schrumm.

 

     gregor libkowsky²



Übersetzungen aus dem Golgochischen

   29.11.2014, 22:30 / 2 x geändert



Ssdronkz, memi szeqatesz

Szerugef, ssdronkz me kokaszepti,
inzeszt mockws mek repti.
Memi Ssdronkz memi sorgzt,
Badamemi selok treni.
Kveni Ssdronkz memi korzt.
Szdrunkztscheq momel fendi quoniztsch,
intruz memi sluztu argeneli feli szto,
mituzt memi szor.

Kveni Ssdronkz memi korzt.
intruz memi sluztu argeneli feli szto,
mituzt memi szor.
Szerugef me kokaszepti,
inzeszt mockws mek repti!
Memi Ssdronkz memi sorgzt.
Szdrunkztscheq momel fendi quoniztsch.
Badamemi selok treni – memi.

Das "Ssdronko", wie es unter Kennern und Genießern liebevoll genannt wird, ist wohl das einzige noch in der Urfassung erhaltene lyrische Werk, welches von seiner Entstehung an bis heute identitätsstiftende Zustimmung im gesamten großgolgochischen Kulturkreis erfahren durfte. Über die Gründe dafür wird nach wie vor gerätselt. Der neuesten Theorie folgend, handelt es sich bei dieser lyrischen Perle um die Mutter der Universalgedichte schlechthin. Die Deutungsbreite (geschuldet dem verwendeten Universalinfinitiv "memi" und der Verwendung von Wörtern des ausgestorbenen altgolgochischen Dialektes "Gonochisch") brachte verschiedene, allesamt wissenschaftlich anerkannte Übersetzungen zutage. Erinnert sei an dieser Stelle an die Übersetzung von F.J. Breguel, "Die Häkelweiber von Omosz" oder auch an John Feldens Gedicht " Der letzte Flug der Rheumaenten".
Meiner Meinung nach handelt es sich allerdings um ein Drohgedicht, gewidmet einem der hartnäckigsten Feinde der Golgochen. Hier also mein Übersetzungsversuch:


Der gelbe Bastard


Mond, du dickes gelbes Schwein,
viel lieber wär ich nachts allein.
Bist viel zu hell, du blöder Hund,
du weißt Bescheid, das ist der Grund.
Hinfort mit dir, hau ab, zieh Leine,
komm mit dir selber mal ins Reine.
Am Strand gibt’s keinen dunklen Fleck,
beleuchtest mir mein Sandversteck.

Wie soll dem Licht ich nur entrinnen?
Hör zu, du bist komplett von Sinnen.
Weshalb entblößt du meine Tarnung?
Pass auf, das ist die letzte Warnung!
Ich kann dich auch vom Himmel holen
und dir den gelben Arsch versohlen.
Dann mach ich aus dir Kürbismatsch,
ich bluffe nicht, das ist kein Quatsch.

 

Golgochisches Dichtgut




  SYNEKDOCHE.DE
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Impressum

  Online

  Aktuelle Themen

Meinung

Basissatz: Inhalt oder Gehalt?

Kurzreferat zu Friedrich Nagelmann

2zeilenTiere + Konsorten

Amiland

tasmanischen Silberbäumen lauschen

Glühender Sand

Das leere Schlachtfeld

Hoher Geburtstag

Antifeudale Lyrik im Stile Bürgers?

Klug geschissen

Schnapsidee

Nicht

Denk ich an Deutschland...

Kitsch als legitiemer Begriff in der

Der Ablaut und Ablautsystem

Hilfe! Suche...

Fiktionale vs. faktuale Erzählung

was wir geben (so nett, en passant)

Was ich nie wieder fand