Gretchen Darloni
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06.01.2009, 03:06 / 1 x geändert
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Wenn Gretchen einen Garten hätte,
dann gäb es dort wurzelvitale, unterholzige, nachtschattige, gierschige Wildworte,
uraltdunkelblättrige Rauner und zartjungferngrüne Zwitscherpflänzchen,
Flüsterkelche, Farbensprüher, Prachtscharten, Wegwarten,
spitz- und breitmäulige Zungenkräuter,
Leber- und Lungenlattich, Augentrost, Ohrenschmaus,
Brunnenkresse, Federmohn, Pfingstrosen, Buddlejen,
bunte Tulippen im Schwatzrasen,
bärlauchig dickstengelige Großsprecher, aber auch
feinziselierte Flunkerfiligranissen, Pegaröschen, Sternmarienmäulchen,
Satzklimmer, Stillsilben, Astilben, Winterlinge, Montbrezien, Juhanntien,
Nigellen, Klangglöckchen, Klingblümchen, Nuschelnelken, Murmelveilchen,
Sagmirwasse, Verschweigmichnichte und
andere mehr ...

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windflug
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06.01.2009, 13:02 / 1 x geändert
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Wollt' in Gretchens Gärtlein gehen,
wollt' Tulippen holen,
stand ein Murmelveilchen da,
murmelte verstohlen.
Uraltdunkelblättrig raun-
te ein greiser Rauner,
gierschig kam's vom Zungenkraut:
"Nachtschattiger Gauner!"
Wildwort traf auf Flunkerfi-
ligranissenworte,
unterholzig wurzelte
Winterlingskohorte.
Sagmirwasse bärlauchig,
selbst das Pegaröschen,
Klangglöckchen und Klingblümchen
wagten ein Getöschen.
Im Schwatzrasen schwatzte es,
laut war'n die Stillsilben
und das Zwitscherpflänzchen zwit-
scherte zum Vergilben.
Ach, in Gretchens Gärtelein
war ein Satzgeklimmer -
Sternmarienmäulchen nur
schwieg mich an wie immer.

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Jolante
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06.01.2009, 21:38 / 1 x geändert
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Greta Klingsohr hat ein Zauberwortgärtlein angelegt und Blumenfee windflug kam zum Spielen. Da murmelts und raunts, da züngelts und klingelts, da zwitscherts und klimmerts, wer da nicht mitklingt ist ein Wortmeider oder eine Wortneiderin..
Es niest
das bucklicht Jolantchen

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Elise
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Gretchens Hortus Lingualis
ist ein Hortus Fictionalis:
Kleine Kröten tanzen Reigen,
windflug wiegt sich in den Zweigen.
Veilchen murmeln, Rosen singen
Gräser kichern, Primeln klingen
Farne raunen, Nelken nuscheln,
während Lilien vornehm tuscheln.
Der alte Apfelbaum muss lachen,
weil die Butterblumen krachen,
und wo die Hecken knisternd sprießen,
hört man versteckt ein Tantchen niesen.
Das reimt sich paar und stört sich nicht
und gibt am Ende - ein Gedicht?
joif
iog
hdf
@windflug: das finde ich wunderbar, was du gemacht hast!

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Gretchen Darloni²
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Wie schön, wenn man als Kröte in dem Wörtergarten nicht alleine
hockt,
wie schön, wenn eine feine
windflug-Fee die Pflänzchen ordnend pflegt,
wenn naseniesend das Jolantchentantchen schockt,
und auch Elise ganz elysisch reimend ihre Tastatur bewegt.
Danke für Eure ambitionierten Beiträge zur Gartengestaltung!

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zuppanova
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darf ich auch in den garten kommen?
Gretchens Garten
Wünschelgarten, labyrinthisch,
sagenhafter Zauberort,
Blütenreich im Nirgendirgend,
lockst mich flüsternd fort und fort.
Wundergarten hinter Mauern,
tu' dich auf und lass' mich ein,
will nicht weiter, nicht mehr wandern,
nicht mehr Pilger, Bettler sein.
Hortus pulcher et amoenus,
Herzensgarten, Paradeis,
ach, ich träume, ach, ich ahne,
dass ich zu mir selber reis'.
wer sucht, findet bilder im text. lg, zuppa.

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windflug
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20.01.2009, 19:53 / 1 x geändert
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Ich stelle mir vor, wie wir dort alle im lauschigen Wünschelgarten beisammen sitzen, das bucklicht Jolantchen, Elis Lingo-Fictionalis, Zauberzuppa und natürlich die karierte Hüterin des Hortus Krötus und wie wir dort die Flüsterkelche erheben auf die Wildworte ... und vielleicht kommt ja noch jemand dazu.
windflug
Welcome back, zuppa!

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ear
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Welch grosse Pracht in Gretchens Garten
Auf Augen, Zunge, Beine warten;
Es kribbelt, krabbelt, ruft und zwittert,
auf meinem Trommelfell es knittert.
Das Wildwort und der Federmohn,
Sah ich sofort, ich mocht sie schon
Im allerersten Morgenschein,
Als ich zum Gaertchen kam herein.
Der Zaubergarten voller Silben
Enthaelt nebst Blumen auch die Milben
Ich lausche einem Mueckentanz,
und den Libellen, voller Glanz.
Es flunkert,nuschelt,manchmal wimmert,
am Horizont die Sonne flimmert;
Nicht nur die Pflanzen voller Leben,
Die ganze Welt kann man erleben.
Verspaetet leihe ich mein Ohr
Dem gut ge-uebten Vogelchor.
Ich setze mich in eine Ecke
Und freue mich an einer Schnecke.
Ein froehlich Quaken aus dem Teich
Vergroessert sein Volumen gleich:
Ein Frosch packt seine Froeschin an
und klammert sie, so gut er kann.
Heuschreckenpferd mit Schwirr-Gesang
Der Laubheuschrecke folgt entlang;
und wetzend klingt des Feldschwirls Klang
In Gretchens Garten mittenmang
Der Blumen, Graeser, Buesche, Baeume,
die gern vergeben suesse Traeume.
Es lohnt sich sehr, das Stelldichein
Drum wartet nicht, kommt einfach rein.
Das Eichhornmaennchen unterdessen
hat sich genuesslich vollgefressen
Es sieht die Braut verfolgt, gejagt,
Von Baum zu Baum, wie's ihm behagt.
Der Kroeter wickelt sich alleine
Gelaichte Schnuere um die Beine;
Wenn Kaulquappen entwickelt sind,
Man ihn gewiss im Wasser find't.
Der Maulwurf ist verliebt ins Graben,
Will an der Sonne sich erlaben;
Zwei Amseln fliegen grad vorueber
Versetzen ihm 'nen Nasenstueber.
Das Wetter wird nun immer milder,
Der Paarungstrieb wird staendig wilder;
Das Wurzel-Unterholz erwacht,
Besonders aktiv in der Nacht.
Der Igel schiebt die Igelin
nur fauchend, schnaubend vor sich hin
Sie fiebt und jammert voll Verduss,
Bis endlich kommt ihr Hochgenuss.
Der Hortus lingualis lebt,
wenn ihr dem Gaertlein Achtung gebt,
Von Klingsors Zaubergarten bleibt,
Wie jeder sich die Zeit vertreibt.

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augustine
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Stumm bleiben möchte ich nicht. Ein heiter-leichtes Gedicht 'Wenn ich einen Garten hätte...' gelingt mir nicht; ich hab's versucht.
Ich hatte zwei Gärtchen, dann einen Garten. Es war falsch, ihn gehabt haben zu wollen.
Dann hab ich fast so etwas gemacht wie 'Bibelstechen', mit Celan; wenn ich bei ihm den "Augentrost" finde (ich weiß, er steht da), dann versuch ich's. Aber ich fand ihn nicht, jedenfalls bisher nicht.
Erinnert ihr euch noch an die Verabredung für zuppas Keller im ersten Jahr? Nun gibt's eine in Gretchens Gärtchen.
Wollen sehen, was wird, aus beidem.
eure augustine

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zuppanova
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Es trafen sich Sieben zur Wünschelstunde
im Krötengarten am Zauberteich.
Sie hoben die Flüsterkelche zum Munde.
Über's Wolkenmeer schwebte der Mond so weich
und lauschte hinunter zum nächtlichen Garten,
warf silberne Netze über den Teich.
Da wollten die Sieben nicht länger warten:
Sie tauchten ins Mondenwasser sogleich
und schwammen im Licht. Die Nachtkerzen blühten,
sahen wispernd den Sieben beim Bade zu.
Auch Mariensternblümchen erwachten und glühten
und reckten sich murmelnd, und hin war die Ruh'.
Es raunte und staunte, es rauschte der Teich,
es bauschte und bogte und kicherte leise,
es regte sich traumwach das Pflanzenreich,
selbst die Gräser sangen auf ihre Weise.
Da entstiegen die Sieben dem Silberteich
und tranken die Kelche leer, ganz stumm,
und der Mond schlief ein und die Blumen zugleich,
und die Wunschwunderstunde war um.
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Gretchen, Gretchen, dein Garten hat es mir angetan.
augustine, ja, ich erinnere mich an die Kellerpläne. Gab es nicht einen fliegenden Teppich?
Zur Zeit herrscht ziemliche Unordnung im Keller. "Aus Gründen", wie man so schön sagt.
Wie steht es denn mit dem "Augentrost"?
lg, zuppa.

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augustine
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22.01.2009, 18:07 / 2 x geändert
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Danke, zuppa, dass du fragst.
Es hätte mir ja wirklich einfallen können noch gestern; es ist das Gedicht
TODTNAUBERG
Arnika, Augentrost, der
Trunk aus dem Brunnen mit dem
Sternwürfel drauf,
in der
Hütte,
die in das Buch
- wessen Namen nahms auf
vor dem meinen? -,
die in dies Buch geschriebene Zeile von
einer Hoffnung, heute,
auf eines Denkenden
kommendes Wort
im Herzen,
Waldwasen, uneingeebnet,
Orchis und Orchis, einzeln,
Krudes, später, im Fahren,
deutlich,
der uns fährt, der Mensch,
der's mit anhört,
die halb-
beschrittenen Knüppel-
pfade im Hochmoor,
Feuchtes,
viel.
1.8. 67
Es geht um Celans (!) Besuch in Heideggers (!) Hütte. Celans Eintrag ins Hüttenbuch lautete: "Ins Hüttenbuch, mit dem Blick auf den Brunnenstern, mit einer Hoffnung auf ein kommendes Wort im Herzen." Diese Hoffnung richtete sich auf eine öffentliche Distanzierung Heideggers von seiner anfänglichen Faszination und Dienstbarkeit vom und fürs 'Dritte(n) Reich' (Rektor der Universität Freiburg), wie auch Hannah Arendt sie erwartete. De facto zog H. sich bald zurück, aber öffentlich widerrufen hat er nie.
Hier ein link
Ich bin ich erstaunt, wie richtig für mich das untergründig tickende Wort war. Ich las es in Gretchens Sammlung und Einfällen, und als einziges blieb es hängen. Das Gedicht fiel mir nicht ein, ich musste es suchen. - Mehr nicht in diesem heiteren Faden. augustine

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ruelfig
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dann käm gewiss schon bald vorbei der Nachbar,
besähe dies floralverbale Krautundrübchen.
Pole Position Aufsitzrasenmäher,
Bambus braucht das Gartenoberstübchen.
Er pflanzte Achtungsbegonien in Gedichte,
säte rechte Winkelgladiolen in die Verben
und efeute Widerwortepflänzchens wilden Wuchs,
ließe Quasselökogartenblumen Koniferisch sterben.
Er führte die Maschinen mit, um zu beackern
die Nichtsnutzgänselieselnachtundnebelröschen.
Ein Garten muss das Joch des Herren täglich spüren,
denn tödlich ist dem Grasegrün das Mööschen.

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Gretchen Darloni²
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Hoi, zuppanova, ear, augustine,
willkommen im Garten der träumenden Worte. Freut mich, dass Ihr inspiriert wurdet, dass zu Dir dieses Wort "Augentrost" sprach, augustine. Bin Deinem Celan-Heidegger-Link schon gefolgt.
Und wie bin ich entzückt: Ein echter Ruelfinienfarn hat sich angewurzelt über Nacht! Die gedeihen nicht überall, die sind selten!
Aber was machen wir bloß mit dem Aufsitzrasenmäherfahrernachbarn? ... sinniert die Grete ...

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Jolante
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In dem Gärtchen, von Gretchen geschenkt,
hab ich mir mein Versfüßchen verrenkt.
Anna Päst heißt ein Blümelein fein.
Mit sei`m Saft reib ich `s Füßelein ein.
Dreihebig grüßt Jolante

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lost
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25.01.2009, 03:02 / 2 x geändert
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Verehrte Jolante,
soeben las ich in der Lyrischen Gartenpost unter Vermischtes von dem Ihnen in Mademoiselle Gretchens jüngst eröffneten Etablissemang widerfahrenen Missgeschick.
Die Sorge um Ihr Wohlbefinden veranlasst mich, Ihnen rasch zu schreiben. Es ist mit Versfüßchenverrenkungen nämlich nicht zu spaßen. Bekanntermaßen kann ein nicht sorgfältig gepflegter Versfußknick zu einer dauerhaften poetischen Beeinträchtigung führen, Beispiele dafür gibt es mehr als genug.
Schonen Sie sich also, dichten Sie sanft und nicht zu schnell und nur liegend, vorzugsweise auf einer bequemen Chaiselongue, ich spreche aus Erfahrung.
Einreibungen mit dem Saft der Anna Päste sind gewiss das erste Mittel der Wahl. Möglicherweise wären additiv homöopathische Jambuströpfchen zu empfehlen sowie ein milder Tee aus Daktyluswurz und Trochäus Officinalis (auch als Stolperkraut bekannt), morgens und abends je eine Tasse. Das Wichtigste aber: positiv denken! Entsprechende Anleitungen finden Sie in der Abteilung Konkrete Poesie, aber das wissen Sie ja.
Ein Übriges mag die belebende Kraft des hoffentlich balde kommenden Frühlings tun.
Mit besten Wünschen für Ihre weitere Genesung und muntere Wiedererhebung der Verse(n) verbleibe ich
yours sincerely, lost

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ear
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Dactylic
Very slick,
Prudent thought
Answer brought.
In amaze
Lost I gaze.
Can mine Eyes
Reach Thy size?
Clarion!
Work goes on!

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augustine
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25.01.2009, 16:54 / 2 x geändert
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Derweilen, Jolante, das eine Versfüßchen sich hat verzogen, wirst du die freundlichen Linderungsmittel von Dr. lost anwenden, mit dem anderen aber schon fein den Takt für ein neues Gedichtlein klopfen.
Ein wenig Unterhaltung mag dir dies bieten; der Riesenkoffer enthält ja auch solcherlei ...
"Gute Besserung" (nämlich keine schlechte Besserung) wünscht
augustine

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Gretchen Darloni²
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Okeeh, ab sofort steht eine Chaiselongue im Garten, für Dr. lost,
JolantchenTantchen kriegt einen bequemen Sessel und ein
Balsamfußbad, zur Versenknickbesänftigung, und dem
PolePositionNachbarn back ich eine Schlafmohntorte.
Braucht sonst noch wer was?

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zuppanova
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Der Nachbar steht ratlos im Garten:
Sein Aufsitzrasenmäher springt nicht an!
Die Winkelgladiolen müssen warten.
Die Koniferen kümmern. Ach, der arme Mann!
Die Invasion der Moose hat begonnen.
Der Wildwuchs macht sich blätterfletschend breit.
Ein Nichtsnutznachtundnebelschlinger wuchert sonnen~
besoffen vorneweg und kotzt in die Begonienherrlichkeit.
Der Nachbar flieht verstört ins Haus,
um sich mit ein, zwei Asbach etwas abzukühlen, während die Natur
zurückerobert, was er ihr genommen. Am Abend geht er aber wieder raus,
schlägt sich durchs Unterholz, doch findet keine Spur
von seinem Aufsitzrasenmäher mehr.
Stattdessen jede Menge kleiner Kröten,
die ihm was flöten.
Da weint er sehr.

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ruelfig
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Na gut, so dachte sich der Aufsitzrasenmähermann,
dann bau ich eben nur noch Unsinn an, als Blumenversteher,
wenn ich eh nicht mehr auf dem Rasenmäher sitzen kann.
Und er trank noch ein Schlückchen vom Schlafmirschöntee
auf der Bank vor dem Haus. Aus dem Murmelmoos,
drang ein Klang, feiner Sang ihm ins Ohr vom Salbaderklee.
"Hör zu nur dem Flüsterholunder beim Wachsen,
sieh, wie die Weidenreimeröschen sich verdichten.
Lustig treiben Gänseschnatterblümchen Faxen.
Willst du sie richten? Lass ab vom Kantenschneiderkampf".
Gedankensprossen konnte er spüren: Keine Rasenaufsicht führen
will er in Zukunft. Frei wachsen soll der Kichererbsenhanf.
Den will er sich in große Tüten reichlich pflücken.
Das Immerwahr ergrüne immerdar an diesem Ort.
Hinfort will er sich nach den Sprachgewächsen dieses Gartens bücken.

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Gerd
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Schlafend lag ich in Krötchens Gärtchen, eingeflüstert von allerlei duftenden Wortblumen. Mir träumte, dass all die lieben Versgartenkünsterinnen und -künstler kämen zu Besuch, mit feinen frischsaatigen Satzlingen als bunte Geschenke zu einem Gartenstrophenfest. Es wurde lostiges erzählt, manch Füßlein geschwungen im Reigen, gab Schlafmohntorte für den Nachbarn, Augentrost für geknitterte Trommelfelle, einfach ein zuppa windflügig kunstvoll rauschendes Reimen. Als ich so beseelt erwacht im Morgendämmer, sah ich eine Gartengeisha, grüne Fee, schöne neue Satzlinge in den feingliedrig wilden Beeten arrangieren. Du warst es Gretchen, Ikebanameisterin.
Herzlich grüngrüßend
Gerd

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Gretchen Darloni²
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Danke, Gärtner Gerd mit dem großen Strohhut, danke für die mitgebrachten frischen Satzlinge. Hab auch einen Traum versucht, schau:
Gärtners Traum
Die alte Linde in Gretchens Garten
verzweigt sich zum laubigen Blätterdach.
Der Gärtner sitzt unter dem grünen Dach
auf dem Polstermoos, er ruht und sinnt,
dort unter dem freundlichen Baum.
Der Mond, der stille, steigt empor,
fern läutet, fern, der Sterne Chor
und der mächtige Lindenbaum lauscht.
Es regt sich kein Blatt.
Der müde Gärtner nur seufzt so matt
und träumt einen Traum, einen Traum, der ist
so fein gewoben und feierlich,
dass er aufwärts steigt, sich im Baum
verzweigt, dass er klingend sich wölbt
in den grünen Raum,
dass er lichtgesalbt zittert im Lindenlaub.
Der Traum beflüstert den Gärtner sanft,
erzählt ihm von fremdem Leben,
vom Suchen der armen Seelen nach Licht,
von der Finsternis und vom Morgenrot,
von den Herzen, von den Küssen, vom Sehnen,
vom Sommer, vom Feuer,
von den gelben Blättern,
vom Welken und Fallen, vom heimlichen Weinen,
von der Abendkühle, vom Abschiednehmen,
von der Asche, vom Staub,
vom ewigen Atemwehen.
Am Morgen singen die Vögel so laut
und wecken den Gärtner auf.
Sein Herz schlägt stark, seine Augen sind hell,
seine Hände sind klug, aber traurig, so traurig
ist sein Mund.

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zuppanova
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was meinst du, Gretchen: dieser alte Eichendorff,
den ich da gefunden hab, passt doch auch ganz gut in den
garten. man kann ja nicht alle gartengedichte selber machen ...
Der alte Garten
Kaiserkron und Päonien rot,
Die müssen verzaubert sein,
Denn Vater und Mutter sind lange tot,
Was blühn sie hier so allein?
Der Springbrunn plaudert noch
.f ijhf hjf hba .f ijhfj hsjh ba immerfort
Von der alten schönen Zeit,
Eine Frau sitzt eingeschlafen dort,
Ihre Locken bedecken ihr Kleid.
Sie hat eine Laute in der Hand
Als ob sie im Schlafe spricht,
Mir ist, als hätt ich sie sonst gekannt -
Still, geh vorbei und weck sie nicht!
Und wenn es dunkelt das Tal entlang,
Streift sie die Saiten sacht,
Da gibt's einen wunderbaren Klang
Durch den Garten die ganze Nacht.
Joseph von Eichendorff (1788-1857)

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Gerd
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Gretchen, Du mein trauriges Mädchen,
ich danke Dir sehr für Deinen Traum, der mich doch weh anwehte. Sollte eine der hübschen Wortblüten einen wießen Fleck bekommen haben, so verzeih, es ist nur einwenig Salz, das der nächste Regen mitnimmt.
Herzliche Grüße
Gerd

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