Azra
        (Gast)

Stefan George: Ist es neu dir was vermocht

   01.07.2008, 23:23



Ist es neu dir was vermocht
Dass dein puls geschwinder pocht?
Warte nur noch diese tage ·
Sie entscheiden
Ob du leiden
Oder ob du glück erwirbst.
Ach du weisst dass du nicht stirbst
Ruft es wiederum: entsage!
Warte nur noch diese tage
Sie entscheiden
Ob du leiden
Oder ob du glück erwirbst.


Kann mir jemand dabei helfen?

 

     augustine



RE: Stefan George

   01.07.2008, 23:31



Könntest du dich dazu durchringen, mindestens zu sagen, was "dabei" sein soll??
Meinst du, es schreibt dir hier wer 'ne Interpretation?

Also: formuliere deine Fragen, am besten mit 1. etc. Vielleicht wird dir ja dann erst klar, was du erwartest. Sonst passiert hier gar nichts.

augustine

 
        Azra
        (Gast)

RE: Stefan George

   01.07.2008, 23:35



Es interesiert mich ob mir jemand in Bereich der Mehrfachkodierung des Gedichts helfen kann.

 
        Azra
        (Gast)

RE: Stefan George

   01.07.2008, 23:37



Ich erwarte keine Interpretation...

 

     lost



RE: Stefan George

   02.07.2008, 01:54 / 1 x geändert



Mehrfachkodierung - das ist immerhin ein Wegweiser; dennoch ist mir noch nicht wirklich klar, welche Art von Beiträgen hilfreich sein könnten, Azra.

Mehrfachkodierung eines Textes kann meinen, dass dieser sowohl von kulturellen Eliten als auch von breiter Masse mit Gewinn oder Genuss rezipiert wird, will sagen, ein Text ist so gestaltet, dass jeder etwas darin findet, unabhängig davon, wie sein Bildungshorizont beschaffen ist. Mehrfachkodierung kann auch heißen, dass ein Text mit der Semantisierung des Formalen arbeitet. das würde bedeuten, dass die formalen Elemente (Metrik, Phonologie, Syntax, Lexeme, Topoi, die lyrischen Bilder) des Textes analysiert und daraufhin untersucht werden, ob sie der manifest vorliegenden Primärbedeutung, der wörtlichen Bedeutung, eine symbolische Sekundärebene hinzufügen (Isotopie oder Analogiebildung aufgrund kulturell vorgegebener Denkmuster oder Erkennungs-Folien).
in dem von dir zitierten Gedicht fallen (mir) als formale Elemente sofort die Wiederholungen (metrisch-rhythmische Wiederholungen, grammatische Parallelismen, Wörter-Rekurrenzen, z.B. auch Endreime) auf, d.h. der Text zeigt eine durchgearbeitete syntaktische sowie phonologisch-phonetische Organisation, außerdem bemerkenswert ist der starke Signalcharakter (Anrede eines "Du", Frage an ein "Du"). um sich dieser formalen Elemente präzis inne zu werden, mag auch eine sorgfältige Textparaphrase (als Verständnisprotokoll zu verstehen) hilfreich sein.
dies einige erste Überlegungen zum Stichwort "Mehrfachkodierung". ob sie sich deiner Fragestellung annähern, weiß ich nicht.

welche Art von Arbeit hast du denn an diesem Gedicht zu leisten?

lost

 
        Azra
        (Gast)

RE: Stefan George

   02.07.2008, 20:47



Ich muss eine Interpretation mit literaturwissenschaftlichen Instrumentarium des Gedichts schreiben und dabei auch die folgenden Fragen beantworten:

1. Wie äußert sich darin die Mehrfachkodierung?
2. Wie entsteht darin Mehrdeutigkeit?
3. Welche Funktion erfüllen die Wiederholungsstrukturen im Gedicht?
4. Welcher Zeit und welchem Ismus ist das Gedicht zuzurechnen?

Es ist mir klar, dass das Gedicht symbolistisch ist und dass die Wiederholungsstrukturen die Aussage intensivieren und betonen. Ich wurde auch sagen, das sie wie Refrain einen Lieds sind, da das Gedicht einem Lied ählich ist.

Die 1. und 2. Frage bereiten mir Schwierigkeiten, da ich nicht weiss wie ich sie beantworten soll. Liegt es was an der Form des Gedichts und dem Inhalt, was man verbinden kann?
Ich weiss, dass wenn etwas mehrfachkodiert ist, kann man es auf mehreren Ebenen lesen und verstehen, und so entsteht auch die Mehrdeutigkeit. Aber, im diesen Fall weiss ich nicht wie ich, dass erklären kann.

 

     Marcel Frank



RE: Stefan George

   02.07.2008, 20:51



Bin gespannt, wer aus diesem Text da (interpretatorisch) ein symbolistisches Gedicht macht (nur weil George draufsteht). Hier eine gute Hilfestellung (die man schon zitieren müsste):

» Analyse / Interpretation - George - Ist es neu dir was vermocht - (Hirten- und Preisgedichte)
(S. 84 ff.)

 
        Azra
        (Gast)

RE: Stefan George

   03.07.2008, 09:39



Vielen dank für den Link, aber das Buch kenne ich schon.

 

     Marcel Frank



RE: Stefan George

   03.07.2008, 10:41



Dann revolvern wir mal das Patronenlager:

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Arbogast, Hubert: Stefan Georges 'Buch der Hängenden Gärten'. In: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft. Jahrgang 30. 1986. S. 493-510

Arbogast, Hubert: Die Erneuerung der deutschen Dichtersprache in den Frühwerken Stefan Georges. Eine stilgeschichtliche Untersuchung. Köln u.a. 1967. S. 97-99

Durzak, Manfred: Der junge Stefan George. Kunsttheorie und Dichtung. München 1968 (= Zur Erkenntnis der Dichtung, 3)

Evtl.:

Winko, Simone: Kodierte Gefühle. Zu einer Poetik der Emotionen in lyrischen und poetologischen Texten um 1900. Berlin 2003 (= Allgemeine Literaturwissenschaft. Wuppertaler Schriften, 7).

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Ich würde es in dieser Reihenfolge angehen bzw. dort zus. nach Schnittmengen in den bibliographischen Angaben schauen.

 
        Azra
        (Gast)

RE: Stefan George

   04.07.2008, 09:36



Danke, hoffentlich finde ich diese Buecher in unserer Bibliothek.

 
        Azra
        (Gast)

RE: Stefan George

   07.07.2008, 12:15



Ich habe noch eine Frage. Welchen Effekt hat die 8. Zeile "Ruft es wiederum: entsage!" auf das Gedicht bzw. auf den Rezipienten? Was wird dadurch erzeugt?

 

     augustine



RE: Stefan George

   07.07.2008, 14:16



Azra - ich sehe Anfragen wie deine nicht mit Freude, so gerne ich weiterhelfen würde, aber nur jemand, der schon durch eigene Anstrengung einige Erkenntnisse gewonnen hat und nun das Gespräch darüber sucht.
Hier springt mich aus jedem Satz dein Widerwille an, dass du dich überhaupt mit solchem Ekeltext befassen musst, und nun gibt's zum Glück solche Angebote wie dies, und nun können die doch mal machen.
Die Frage "Welchen Effekt hat..." ist doch schon falsch gestellt - als gäbe es nämlich eine einzige Antwort à la 2+2=4. Du befindest dich aber in der Lyrik, erste Verständnisse bestätigen sich (oder nicht) in Verbindung mit anderen. Und DANN ist natürlich hilfreich, was Klügere schon geschrieben haben. Davon kanntest du tatsächlich (tatsächlich?) ein Buch schon, wertest die anderen Titel aber ab mit: weiß ich nicht, ob in unserer Bibliothek ...
Ich nehme an, dass du Schüler/in bist. Das vorher zu sagen wäre höflich gewesen, weil es auch allgemein ein bestimmtes Anspruchsniveau angezeigt hätte, aber Höflichkeit ist auch nicht mehr modern.
augustine

 
        Azra
        (Gast)

RE: Stefan George

   07.07.2008, 16:48



Wenn die Höfflickeit nicht mehr modern ist dann werde ich nur sagen... falls Sie mir nicht helfen wollen, dann brauchen Sie auf meine Fragen auch nicht antworten.
Was die Bibliothek betrifft, leben wir nicht alle in Deutschland und deswegen ist es manche Bücher nicht immer leicht zu bekommen.
Deutsch ich nicht meine Muttersprache, also ich "entschuldige" mich, dass alle meine Formulierungen nicht richtig sind.

 
        Hermidor
        (Gast)

RE: Stefan George

   07.07.2008, 19:16



Trotzdem denke ich, Azra, hat Augustine, auch wenn sie eine gewisse oberlehrerhafte Attitude an den Tag legt, im Kern Recht. Warum übernimmst Du eine solche Aufgabe, wenn Du Dich ihr nicht gewachsen fühlst? Selbst ist der Mann oder hier besser: die Frau.

 
        Azra
        (Gast)

RE: Stefan George

   08.07.2008, 11:07



:) Ich habe die Augabe nicht übernommen, sondern bekommen (Ich hatte keine Wahl).
Ich habe die Interpretation schon selber geschrieben, ich wolllte nur noch wissen ob ich in der richtigen Richtug geschrieben habe...
(Meine Interpretation kann ich hier nicht veröffentlichen, denn wenn sie einmal im Netz steht ist sie von allen. So, kann ich auch nicht mehr beweisen, dass ich sie selber geschrieben habe, da mein Name und Nachname nicht angegeben wird.)

 

Stefan George: Ist es neu dir was vermocht




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