zuppanova
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1 ich am see
siehst du den see? die laue / luft läßt dich an blaue
bänder denken: ahnungsvolles frühlingsflattern,
fest-geschrieben. harfenton? ach, mörike & eichen~
dorff sind längst passé. hörst du dies knattern?
ein spielzeugboot flitzt ferngesteuert und macht ---
krach. die welt / hat sich verändert. alle weichen
wurden neu gestellt. die mitleidlose sonne: lacht.
da. ich. am see. und schweigt. die veilchen kommen
keinesfalls in frage. das steht fest. / der ganze rest
ist klimakatastrophisch lauwarm weggeschwommen.
kein halt. // am see. // ich. // ohne antwort. // alt.

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Jolante
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Beim wiederholten Lesen dieses gehaltvollen und klangschönen Gedichts (Assonanzen, Alliterationen), wurde mir einmal mehr bewusst, dass ich dieses Forum nicht missen möchte. Diesmal, liebe zuppa, überraschst du mich nicht durch mitreißende Wortkaskaden, die atemlos machen und verstören, sondern durch einen melancholisch gefärbten Abgesang auf eine Naturlyrik, die angesichts fortschreitender Umweltzerstörung und einer sich stetig verändernden Lebenswelt nur noch wehmütig (nicht wehleidig) erinnert, aber nicht mehr real erfahren werden kann. - Dieses Gedicht kommt in meine Sammlung, das steht fest, auch wenn in ihm die Veilchen (die ich so liebe) keinesfalls in frage kommen. Besonders berührt mich die Aussage in der letzten Zeile, weil sie ausdrückt, was ich fühle, wenn ich in freier Natur "romantische Anwandlungen" habe, aber einsehen muss, dass sie nicht mehr zeitgemäß sind.
Lb. Gruß
Jolante

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augustine
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Du, Jolante, verschweigst bescheiden, dass von dir auch ein See-Gedicht hier steht:
link, deshalb erinnere ich daran. - Du hast schon viel gesagt, das ich teile.
Dann seh' ich noch: Wir schreiben keine frühlingsbänderflatternden Gedichte mehr, nein. Aber dass es sie gibt, diese Gedichte, das fällt uns ja ein! Und irgendwie sehnen wir uns also doch noch danach, einerseits, und andererseits sind wir "ohne antwort" zwischen diesem, was in uns an Erinnertem vorhanden ist, weil es früher mal ins uns rein gefallen ist, vermutlich als Lesebuch-Text, und einer Zukunft, die wir viel mehr fürchten müssten, als wir es tun.
Aber wie lebten wir in lauter Furcht?
Hat da wer eine Antwort?
augustine hat keine

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rollerball
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Liebe zuppa, dieses Gedicht ist vielleicht nicht typisch für dich, aber ebenso gelungen und eindrucksvoll wie das meiste aus deiner Feder. Wunderschön, wie eine Idylle angedeutet und gleich darauf gebrochen wird (knatterndes spielzeugboot ...), und auch die Veilchen müssen dran glauben ... Melancholie ohne Kitsch, ich bin wieder mal begeistert!

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zuppanova²
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ohje, kaum ist ein jahr vergangen, schon antwortet die zuppa und bedankt sich für die kommentare zum gedicht.
doch, ich schäme mich, erst jetzt zu reagieren - dennoch wage ich es und danke euch für die rückmeldungen!
ihr habt sehr aufmerksam gelesen.
ich weiß noch genau, wie der text entstanden ist, an einem sonntag: war mit einigen kindern, eigenen und anderen, zu einem kleinen baggersee in der nähe gewandert. obwohl der tag wunderbar klar und warm strahlte, war da kaum jemand außer uns. mein sohn hatte ein fernsteuer-boot mitgenommen, das er zu wasser brachte - das knatterte! während die kinder herumsprangen, hockte ich an einer angenehm luftig-lauen stelle am ufer, dachte mit einer gewissen melancholie an den Frühling und sein blaues Band (-> link) und notierte mir "die stimmung" ... ja, so war das.
nochmals dank für eure aufmerksamkeit.
lg, zuppa

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ear
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Liebe zuppa,
ein Baggersee, ideal fuer Kinder zum Herumtollen, wie es eure damalige Gruppe zeigte. Dein Sohn freute sich an seinem ferngesteuerten Boot. An dem Laerm stoerte sich keines der Kinder, fuer sie war das Spiel, das Zusammensein am Wasser das Wchtigste.
Kinder leben, normal gedacht, ohne Furcht. Ihre eigene Welt erschaffen sie sich taeglich neu im Spiel.
Vielleicht liegt ein Teil von Antwort fuer Erwachsene in jedem Kind.

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Tibor
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Guten Tag,
zuppanova
Eine Mischung aus Sentimentalität, Melancholie und der Sicht
auf aktuelle Verhältnisse. Der Text ist sprachveredelt, die Melodie
bewegend.
Mit freundlichem Gruß
Tibor

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lost
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möchte mir erlauben, dem Text neben den von meinen VorrednerInnen bereits genannten Attributen - sprachveredelt bewegende Melodie, melancholisch-sentimentale Sicht auf Aktuelles usf. - auch eine gewisse sehr zurückhaltende, mild abgeklärte Ironie zu attestieren, jene quasi "deiktisch" sein wollende Ironie, welche frei ist von Schwingungen der Angriffslust.
auch sehe ich tief unten am Grund dieses Textes Walther von der Vogelweide (Link) sitzen, dessen Gedichte (Link) ich recherchierend eben lese, und es kommt mir just dieses zuppanovische hier dazu in den Sinn, welches eine subtile Elegie auf die Zeit ist, auf die biografische Zeit des sprechenden Subjekts, aber auch auf die menschheitliche Zeit, auf den fortwährenden Wandel der Geschichte, auf Unentrinnbarkait, Unaufhaltsamkeit ...
regards, lost

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