zuppanova
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09.01.2008, 09:16 / 2 x geändert
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wind
ein jahr ganz
mit winziger stimme am fenster der wind gibt dir worte -
vogelkehlenmusik sprießt safthell aus bäumen
die grünknospen glattlackiert prallvoll die lieder bis
sommerdunst reitet auf strohballen sattgelb getrocknet
von hitzehauch ockerglanz kornpoliert knistert entzündet brennt
flammfarben weinlaub prälatenrot prunkrot doch unerhört brüllt schon
das sturmvieh frisst garstig die farben und losschnürt den regen
den peitschregen weichregen grauregen ruhelos winselnd ach
endlich von schweigsamen rauchfahnen abgelöst über
kaminen schwarzweiß gekratzt starr in die luft und
am fenster mit winziger stimme hockt wind alles
weiß er am fenster mit winziger stimme gibt worte dir wind -
(05.01.2008)
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- schnee: http://www.literature-online.de/thema33.htm
- Brandung: http://www.literature-online.de/thema578.htm
- Slimes of Passion: http://www.literature-online.de/thema919.htm
- Allheiliges Betgedicht univers: http://www.literature-online.de/thema988.htm
- Sekunden/Insekten/Tod/Liebe: yellow jackets on the tick: http://www.literature-online.de/thema887.htm

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windflug
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Hallo zuppa,
je öfter ich dein Gedicht lese, desto besser gefällt es mir. Eingebettet in einen Rahmen (der Wind, der alles weiß, den endlosen Kreislauf der Jahreszeiten kennt und Worte einflüstert - wunderbar passend die W-Alliteration -) stellst du diesen Lauf, das Davonlaufen der Zeit innerhalb eines Jahres dar. Der Rhythmus der eingebetteten Strophe ist atemlos, Frühling, Sommer, Herbst und Winter lösen einander in atemberaubendem Tempo ab, die Bilder für die Jahreszeiten fließen ineinander, so dass die Gesänge der Vögel aus den knospenden Bäumen sprießen, der Sturm die Farben aus den Herbstblättern frisst. Gegen Ende scheint sich das Tempo etwas zu verlangsamen, die treibende Kraft des Jahreslaufs an Stärke zu verlieren, bis endlich wieder der Wind zu Wort kommt, mit winziger aber doch machtvoller Stimme. Besonders gefällt mir der "peitschregen weichregen grauregen ruhelos winselnd ach", wie du im Mittelteil mit Assonanzen arbeitest und wie alles so unverwechselbar zuppisch klingt.
Nur eine kleine Frage: Hast du bei "nimm" das t vergessen oder sprichst du hier ein Du an?
Mit vielen guten Wünschen für das Jahr, das gerade angefangen hat und wahrscheinlich noch schneller wieder vorbei sein wird als das letzte, grüßt
windflug
P.S. Die Alliteration hat mich an ein kleines Experiment erinnert, das ich irgendwann einmal versucht habe. Ich stell's mal ein.

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ear
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Mich fasziniert die Art der Geraeusche in deinem Gedicht:
die winzige Stimme des Windes am Fenster, die getrockneten Strohballen, das knisternde Weinlaub,das Accellerando des bruellenden Sturmviehs,, dann der peitschende Regen decrescendierend zum schnuerenden, weicher und grauer werdenden Regen und das Ritornell der winzigen Stimme des Windes .
Deine Geraeusche bewegen sich im sehr differenzierten Bereich.
Leisere Geraeusche erfordern gesteigerte Hoerbereitschaft.
Ich nehme deine Geraeusche gerne an, sie liegen eingebettet in die Bilder der Jahreszeiten. Mit der Lautstaerke des bruellenden Sturmviehs wird der Kontrast groesser, aber es ist das Erkennen eines mir gelaeufigen Zustandes, wenn Wind sich heulend und bruellend zwischen Haeusern faengt.
Mein akustisches Unterscheiden hat in den letzten Jahren Einbusse erlitten. Laerm bestimmt das Leben, aber die Moeglichkeiten, kleinste zusammenliegende Toene,Tontrauben oder Cluster musikalisch zu verwenden, haben neue Ausdrucksmoeglichkeiten geschaffen.
Ich sehe in deinem Gedicht, eine aehnliche, sprachliche Tendenz, Laerm sehr differenziert zu gestalten, ear.

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Jolante
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23.01.2008, 20:03 / 2 x geändert
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Liebe zuppa,
in deinem wortprallen Gedicht ist es der Wind, der zwar mit "winziger Stimme am Fenster" spricht, dies aber so expressiv, dass ich das Gefühl habe, in rasantem Tempo mit ihm durch die Jahreszeiten zu fliegen. Die Windworte künden vom Wachsen und Vergehen in der Natur, auch vom Verwehen der Zeit, doch ohne melancholisches Geseufze eines aufgestörten Lyr.Ichs. Schön ! - Schön auch, dass gerade Windflug (der Name ist Programm) den ersten -und wie ich finde- sehr gelungenen Kommentar zu diesem Text geschrieben hat.
Lb. Grüße
Jolante

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zuppanova²
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windflug, danke!
zu dem nimm in der vierten zeile des mittleren pakets:
das "t" war nicht vergessen, ich wollte hier ein "du" ansprechen, ja.
durch deine nachfrage ist mir aber klar geworden, dass diese stelle
nicht gut ist, eine schwachstelle: inkonsequent. das "du" sollte besser
nur in den rahmenzeilen angesprochen werden, im mittleren block stört es
den fluss, bremst, verwirrt. ich hab’s verändert. danke dir für den hinweis.
ear und Jolante, danke auch euch!
den text hab ich in holland geschrieben. einen nachmittag verbrachte
ich mit einer meiner töchter allein. der "rest" unserer silvesterferiengruppe
(über 30 personen) war unterwegs. meine tochter hatte an dem nachmittag
schmerzen, was sie sehr sehr still und stumm machte. wir saßen also ganz
ruhig, ohne irgendeine ablenkung, wie wartend (worauf?). leises geräusch
machte einzig der wind, der ums haus ging - und dann der aufs papier
schabende bleistift, als ich den text ganz schnell aufschrieb.
lg, zuppa.

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